Was von der RAF übrig bleibt ist eine für die deutsche Nachkriegsgeschichte er-schreckende Bilanz von 61 Toten, 230 Verletzten und umgerechnet 250 Millionen Euro Sachschaden, ganz zu schweigen von dem nicht in nackten Zahlen zu messen-den psychischem Schaden, der ein ganzes Land nachhaltig traumatisierte und den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt an den Rande des Rücktritts drängte. Über kaum ein anderes Thema der deutschen Nachkriegsgeschichte ist gleichzeitig so viel diskutiert, aber auch so viel geschwiegen worden wie über die Rote Armee Fraktion und vielleicht erweckt es gerade deshalb den Eindruck, noch immer nicht vollständig aufgearbeitet zu sein. Die folgende, kurze Abhandlung versucht weder psychologische Täterprofile zu erstellen und zu deuten, noch eine subjektive Bewer-tung der Geschehnisse zu unternehmen, sondern allein einen kurzen Überblick über die Einflüsse der Studentenbewegung, dessen Geschichte Ulrike Meinhof in der ers-ten RAF-Kampfschrift „Das Konzept Stadtguerilla“ (1971) als „ihre Vorgeschichte“ bezeichnet, auf die Gründung der RAF zu geben. Der erfasste Zeitraum lässt sich somit zwischen 1964 und dem besagten 14. Mai 1970 datieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Die Beendigung des "Projekts RAF"
2. Die Studentenbewegung der 1960er Jahre als Nährboden
3. Eskalation und Radikalisierung: Der 2. Juni 1967
4. Der Übergang zur militanten Gewalt und Gründung der RAF
5. Reflexion: Das Verhältnis von Studentenbewegung und Terrorismus
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historischen Einflüsse der Studentenbewegung auf die Entstehung der Roten Armee Fraktion (RAF) im Zeitraum zwischen 1964 und 1970, ohne dabei psychologische Täterprofile zu erstellen.
- Historische Aufarbeitung der deutschen Nachkriegsgeschichte und Studentenbewegung
- Analyse der Radikalisierungsprozesse innerhalb der APO
- Die Bedeutung des 2. Juni 1967 als Katalysator
- Unterscheidung zwischen studentischem Protest und terroristischer Gewalt
Auszug aus dem Buch
Die Radikalisierung der Studentenbewegung
Diese und ähnliche Meinungen führen zu einem Perspektivwechsel in der Beantwortung der Frage nach dem erlaubten Maß an Gewalt, welche gegen den Staat und seine Vertreter ausgeübt werden darf. Es setzt die Argumentation ein, dass die von der studentischen Bewegung ausgeübte Gewalt („befreiende Gewalt“) lediglich Gegengewalt zur Gewalt der Herrschenden („reaktionäre Gewalt“) ist (siehe Ensslin-Zitat). Eine weitere Legitimation sehen viele in dem Aufruf von Studentenführer Rudi Dutschke „mit allen Mitteln gegen das System vorzugehen“ und dessen Forderung nach der Übertragung von Che Guevaras Guerilla-Theorie auf die Verhältnisse in Westeuropa und insbesondere West-Berlins.
Diese Tatsache und die immer mehr einsetzende Unterscheidung zwischen einer Gewalt gegen Sachen und der Gewalt gegen Personen führt, wie der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Gerd Langguth herausstellt, „nicht zu einer zunehmenden Erosion rechtsstaatlichen Denkens, sondern insgesamt zu einer Enttabuisierung der Gewalt“. Zu diesem Zeitpunkt ist die Studentenbewegung allerdings schon von ersten Zeichen der Auflösung gekennzeichnet. Die große Mehrheit der Studenten wollte keine Gewalt und so kommt es zu einer inneren Differenzierung der außerparlamentarischen studentischen Linken.
Einen Teil zieht es in die Illegalität, der von dort aus militante Aktionen gegen die Wahrzeichen und Repräsentanten des kapitalistischen Systems organisieren will, andere organisieren sich in marxistisch-leninistischen Organisationen und wiederum andere, allen voran die Kommune 1, setzen auf sog. „politische Happenings“ um die Institutionen des Staates der Lächerlichkeit preiszugeben und selbst den Gerichtssaal zur politischen Theaterbühne umfunktionieren. Im Umfeld besagter Kommune 1 begegnen sich auch Gudrun Ensslin und Andreas Baader, der sich, „da er weder das Gespür für das richtig Timing politischer Aktionen noch den scharfen Wortwitz der Kommunarden besaß“ durch seine Bereitschaft zu radikaleren Schlägen gegen das System zu profilieren versucht, was aber später zur völligen Entfremdung mit dieser führte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Beendigung des "Projekts RAF": Das Kapitel dokumentiert das Ende der RAF durch das Schreiben von 1998 und umreißt die traumatische Bilanz der RAF für die deutsche Gesellschaft.
2. Die Studentenbewegung der 1960er Jahre als Nährboden: Es wird analysiert, wie die Kritik der Studenten an der NS-Vergangenheit und die politische Restauration zur Formierung der Studentenbewegung führte.
3. Eskalation und Radikalisierung: Der 2. Juni 1967: Dieses Kapitel behandelt den Besuch des Schahs in Berlin und den Tod von Benno Ohnesorg, der als Wendepunkt für die Radikalisierung der Bewegung gilt.
4. Der Übergang zur militanten Gewalt und Gründung der RAF: Hier wird der ideologische Wandel hin zur Legitimation von Gewalt und die Entwicklung der RAF aus dem Umfeld der Studentenbewegung beschrieben.
5. Reflexion: Das Verhältnis von Studentenbewegung und Terrorismus: Das Kapitel schließt mit der Erkenntnis, dass die RAF kein direktes Produkt der Bewegung, sondern eine eigenständige, aus ihr hervorgegangene radikale Minderheit war.
Schlüsselwörter
Rote Armee Fraktion, RAF, Studentenbewegung, APO, 1968er, Benno Ohnesorg, Rudi Dutschke, Radikalisierung, Gewalt, Protest, Stadtguerilla, Nachkriegsgeschichte, Deutschland, Politische Geschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entstehung der RAF und ihren Bezug zur westdeutschen Studentenbewegung der 1960er Jahre.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Kritik der Studenten an der Nachkriegsgesellschaft, die Eskalation bei Demonstrationen und die ideologische Radikalisierung einiger Gruppen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen historischen Überblick über die Einflüsse der Studentenbewegung auf die RAF zu geben, ohne dabei psychologische Täterprofile zu erstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Abhandlung, die auf der Analyse von zeitgenössischen Quellen und wissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.
Was ist der inhaltliche Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil beleuchtet den Zeitraum zwischen 1964 und 1970, insbesondere die Ereignisse um den 2. Juni 1967 und die ideologische Verschiebung hin zur Akzeptanz von militanter Gewalt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rote Armee Fraktion, Studentenbewegung, Radikalisierung, Gewaltlegitimation und die historische Zäsur durch den Tod von Benno Ohnesorg.
Warum war der 2. Juni 1967 für die Studentenbewegung so entscheidend?
Der Tod von Benno Ohnesorg während der Proteste gegen den Schah-Besuch markierte einen Punkt, an dem sich viele Studenten als Opfer staatlicher Gewalt sahen und dies als Auslöser für eine stärkere Radikalisierung nutzten.
Wie bewertet der Autor den Zusammenhang zwischen Studentenbewegung und RAF?
Der Autor stellt fest, dass die RAF zwar aus dem Umfeld der Studentenbewegung entstand, aber als radikale, bewaffnete Minderheit einen eigenständigen Bereich bildete, den die breite Bewegung nicht unterstützte.
- Arbeit zitieren
- Soeren Middeke (Autor:in), 2010, Rebellion und Terrorismus. Die Studentenbewegung und die RAF, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210851