Gouvernementalität nach Michel Foucault. Einführung in die Theorie der Gouvernementalität


Referat (Ausarbeitung), 2013
8 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

1. Einleitung

Die Verschriftlichung des Referats zur Gouvernementalität nach Foucault vom 13.11.2012, gehalten an der Julius-Maximilians Universität Würzburg, soll die zentralen Gegenstände des Vortrags nochmals fixieren. Im Verlauf dessen wird festgehalten was man unter dem Begriff Gouvernementalität zu verstehen hat und wie sich der Begriff linguistisch gesehen zusammensetzt. Dazu gehört ebenfalls eine kurze Einordnung in Michel Foucaults Werk, sowie Hinweise auf seine Arbeitsmethodik. Weiterhin soll der historische Prozess der Gouvernementalisierung kurz skizziert und auf wichtige Meilensteine hingewiesen werden, bevor die Funktionen des ‚neuen Regierungstyps‘ der Gouvernementalität vorgestellt werden. Abschließend wird noch ein Ausblick auf Foucaults Ausprägungen der Gouvernementalität gegeben, die aber nicht mehr elementarer Bestandteil seines Vortrags vom 1. Februar 1978 am Collège de France sind und nur um der Vollständigkeit und Abgeschlossenheit des Referats Rechnung zu tragen angeführt werden.

2. Was ist Gouvernementalität?

Eine oftmals in der Sekundärliteratur angewandte Übersetzung des französischen Begriffs gouvernementalité scheint auf den ersten Blick plausiblen Aufschluss über die Semantik des Begriffs zu geben: Regierungsmentalität. Allerdings ist eine Zusammenziehung der frz. Substantive gouvernement und mentalité hier nicht vorzunehmen, sondern man muss das Augenmerk vielmehr auf das adjektivische Ursprungswort gouvernemental legen, was lediglich so viel bedeutet, wie ‚die Regierung betreffend‘, um bei der Begriffsbestimmung nicht auf die falsche Fährte gelockt zu werden. Man könnte hier Foucault bestenfalls die Absicht unterstellen mit den Worten gespielt zu haben, um die Tendenz seines Begriffs schon anzudeuten. Aus dieser sprachwissenschaftlichen Perspektive lässt sich allerdings vorerst noch nichts Weiteres über die inhaltliche Tragweite der Gouvernementalität feststellen, außer, dass er eine wie auch immer geartete Regierung in den Mittelpunkt stellt.

In seiner Vorlesung Sicherheit, Territorium und Bevölkerung aus dem Jahre 1977 füllt Michel Foucault diese zunächst leere begriffliche Hülse mit Eigenschaften, die er feststellt und ihr zuschreibt. Foucault reagiert damit auf Kritik an seiner bisherigen Konzeption des Machtbegriffs, die ihm vorwirft das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Macht zu vernachlässigen. Das Mittel der Diskurs- bzw. Aussagenanalyse dient ihm hierbei als Grundlage, um sich dem Phänomen der Gouvernementalität zu nähern. Letztlich definiert er das Konzept der Gouvernementalität umfassend, weshalb es hier unumgänglich ist eine Reduktion der komplexen Definition vorzunehmen. Diese kann man nach drei Aspekten unterteilen, auf welche im Folgenden konkreter eingegangen wird.

1. Institutioneller und funktionaler Aspekt:

„Unter Gouvernementalität verstehe ich die Gesamtheit, gebildet aus den Institutionen, den Verfahren, Analysen und Reflexionen, den Berechnungen und den Taktiken, die es gestatten, diese recht spezifische und doch komplexe Form der Macht auszuüben, die als Hauptzielscheibe die Bevölkerung, als Hauptwissensform die politische Ökonomie und als wesentliches technisches Instrument die Sicherheitsdispositive hat.“
(Foucault (2003): Die ‚Gouvernementalität‘ (Vortrag). S. 820.)

Dieser Aspekt wird in Punkt 4. Wie funktioniert Gouvernementalität? näher erläutert. Darin enthalten sind Bezüge zu Foucaults Machtbegriff und normative Vorgaben zum ‚guten Regieren‘ und mit welchen Maßnahmen es erreicht werden kann.

2. Realtypischer Aspekt

„Zweitens verstehe ich unter Gouvernementalität die Tendenz oder die Kraftlinie, die im gesamten Abendland unablässig und seit sehr langer Zeit zur Vorrangstellung dieses Machttypus, den man als 'Regierung' bezeichnen kann gegenüber allen anderen - Souveränität, Disziplin - geführt und die Entwicklung einer ganzen Reihe spezifischer Regierungsapparate einerseits und einer ganzen Reihe von Wissensformen andererseits zur Folge gehabt hat.“ (Foucault (2003): Die ‚Gouvernementalität‘ (Vortrag). S. 820.)

In Punkt 5. Ausprägungen des „Regierens“ wird ein Ausblick auf aktuelle Formen, besser gesagt Regierungstypen, gegeben welche mit dem Begriff der Gouvernementalität erfassbar sind.

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Gouvernementalität nach Michel Foucault. Einführung in die Theorie der Gouvernementalität
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Politikwissenschaft und Sozialforschung)
Veranstaltung
Neuere theoretische Ansätze der Soziologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
8
Katalognummer
V210911
ISBN (eBook)
9783656401858
ISBN (Buch)
9783656438359
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit arbeitet klar, präzise und verständlich wesentliche Merkmale, Definitionen und Perspektiven der Gouvernementalitätstheorie (inkl. Gouvernementalisierung) von Michel Foucault heraus. Mit einer kleinen Bibliographie am Ende zum Thema Gouvernementalität.
Schlagworte
gouvernementalität, michel, foucault, einführung, theorie
Arbeit zitieren
Sebastian Zollner (Autor), 2013, Gouvernementalität nach Michel Foucault. Einführung in die Theorie der Gouvernementalität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210911

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