Zum sozialen Hintergrund und gesellschaftlicher Stellung von Gladiatoren. Die Bedeutung von Gladiatorenschulen


Hausarbeit, 2012

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Die Inschrift CIL VI 10170

3. Gladiatoren und die Gesellschaft
3.1 Die „Todgeweihten“- Kriegsgefangene und Straftäter
3.2 Freiwillige Gladiatoren
3.3 Caesaren, Senatoren und das Amphitheater
3.4 Die Wirkung der Gladiatoren auf die Gesellschaft der Antike
3.4.1 Amatores
3.4.2 Die virtus

4. Die ludi und deren Bedeutung für die Gladiatoren
4.1 Die Gladiatorenschule
4.2 Der Gladiatorenfriedhof von Ephesos und dessen Bedeutung für die Bestimmung vorherrschender Bedingungen in den ludi
4.3 Die Gladiatorenschule in Pompeji und die Inschriften des Gladiators Celadus
4.4 Die innere Struktur der Schulen

5. Fazit und Ausblick

6. Literaturverzeichnis
6.1 Quellenverzeichnis
6.1.1 Antike literarische Quellen
6.1.2 Epigraphische Quellen
6.2 Verzeichnis der Sekundärliteratur

1. Vorwort

Als „Barbaren, Sklaven und Verächtete“ (Cic. Tusc. 2,17) werden sie von Cicero betitelt und gleichzeitig wird ihnen durch ihren Mut und ihre Stärke eine Vorbildfunktion von Selbigem zugeschrieben (Cic. Tusc. 2,38-41). Diese anscheinend vorherrschende Unsicherheit der antiken Autoren, den Gladiator in eine sozialspezifische Definition einzubetten, entpuppte sich auch für die heutige Forschung als steiniger Weg. Woher stammen die munera? Welche Rolle spielten die Gladiatoren in der antiken Gesellschaft? Dies sind nur einige Fragen, mit welchen sich renommierte Geschichtswissenschaftler heutzutage beschäftigen. Überlieferte Quellen aus der antiken Welt geben uns jedoch einen widersprüchlichen Eindruck vom Leben eines Gladiators. So stammen die meisten der uns vorliegenden Quellen aus der Feder von römischen Philosophen, Schriftstellern und Politikern. Tacitus, Sueton oder Cassius Dio entstammten der Oberschicht und sahen in den Spielen und ihren Teilnehmern eine verachtungswürdige Tradition zur Belustigung der

„blutrünstigen“ Gesellschaft. Dass diese Autoren eine sehr subjektiv geprägte Meinung zu der Gladiatur hatten und diese auch in solcher Form zu Papier brachten, bedarf wohl keiner Erklärung. Somit ist die Forschung auch auf andere antike Quellen angewiesen. Die Epigraphik und die Archäologie liefern uns einen realitätsgetreuen und menschennahen Eindruck von dem, was es hieß, ein Gladiator zu sein. Die folgende Hausarbeit wird sich in ihrem Argumentationsgang auf beide Betrachtungsweisen stützen und mit kritischem Blick auch die Werke antiker Autoren miteinbeziehen. Besonderes Augenmerk werde ich den sozialgeschichtlichen Aspekten des Gladiators schenken. Wie waren sie in das Konstrukt der antiken Gesellschaft eingebettet und welchen Lebensbedingungen musste sich ein Gladiator stellen?

2. Die Inschrift CIL VI 10170

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Grabinschrift des Gladiators Trophimus an seine verstorbene Ehefrau. In: Kolb, Tod in Rom, 192

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beginnen möchte ich mit einer Grabinschrift des Trophimus (CIL VI 10170), welche er selbst in Auftrag gab, um seiner verstorbenen Frau die letzte Ehre zu erweisen. Durch die schrittweise Analyse der Inschrift möchte ich auf mehrere Fragen eingehen. Wer wurde Gladiator und wieso? Welchen Status konnte ein Gladiator in der Gesellschaft erringen? Die vorliegende Inschrift gehört zu einer nicht weiter bekannten Grabanlage und wurde auf Marmor eingraviert. Die Maße der Tafel belaufen sich auf 70 x 139 cm, wobei das Inschriftenfeld eine Größe von 56 x 125 cm einnimmt. Die Buchstabengröße variiert hierbei von 2,5 cm – 8 cm. Die Inschrift befindet sich heutzutage im Kreuzgang der Kirche

„San paolo fuori le mura“ in Rom. Das Grabmonument ist komplett erhalten. Lediglich ein Riss, welcher linksseitig beginnend vertikal verläuft, ist als Schaden zu vermerken. Die Buchstaben durch die der Riss verläuft, mussten teilweise rekonstruiert werden, konnten jedoch aus dem Kontext erschlossen werden. Die Schriftart und die Bezeichnung familia Caesaris (anstatt familia imperatoris) lassen eine ungefähre Datierung auf die erste Hälfte des 2. Jh. n. Chr. zu (Tumolesi, Tod in Rom, 194).

3. Gladiatoren und die Gesellschaft

3.1 Die „Todgeweihten“- Kriegsgefangene und Straftäter

Trophimus war Mitglied einer kaiserlichen Gladiatorentruppe (familia gladiatoria Caesaris) der größten kaiserlichen Gladiatorenschule, des ludus magnus, der „großen Schule“ (vgl. Tumolesi, Tod in Rom, 193). Der Namenszusatz augusti libertus deutet darauf hin, dass Trophimus ein ehemaliger Sklave des Kaisers gewesen war, wahrscheinlich sogar ein Gladiator, welcher sich durch gewonnene Kämpfe und dem daraus entstandenen Ruhm die Freiheit erkämpft hatte. Diese Annahme ist außerdem sehr naheliegend, da es durchaus üblich war, dass freigelassene Gladiatoren weiterhin im Dienste der Gladiatorenschulen als Schiedsrichter oder Ausbilder fungierten. Der Großteil der Gladiatoren waren jedoch verurteilte Verbrecher oder Kriegsgefangene (vgl.

Ewigleben, Gladiatoren und Caesaren, 131). Tempelschänder, Mörder oder Kriegsverbrecher hatten den Richterspruch „ad gladium“ („zum Schwert“) oder „ad bestias“ („zum Kampf mit wilden Tieren“) zu erwarten. Die Überlebenschancen hierbei tendierten gen null, da die Verurteilten entweder kaum eine Kampfausbildung genossen hatten oder aber schlecht ausgerüstet waren.

Mehr als zweitausendfünfhundert betrugen die Zahl derer, die teils in Tiergefechten, teils auf dem Scheiterhaufen, teils in den Kämpfen miteinander zugrunde gingen […]

So schreibt der jüdische Historiograph Flavius Josephus im siebten Buch seines Werkes Bellum Iudiacum (Ios. bell. Iud. 7,38). In Abschnitt 38 bezeugt er, wie Kaiser Titus, nach Beendigung des jüdischen Krieges, mit den Kriegsgefangenen verbleibt. Wir entnehmen dem Zitat, dass Verurteilte, die den Richterspruch ad gladium oder ad bestias erhielten, als Todgeweihte verstanden werden sollten. Das Volk, das der blutigen Vollstreckung beiwohnen durfte, sollte Zeuge dessen werden, was mit denjenigen passiert, die sich als „Feinde“ des römischen Reiches verstanden. Auch viele Anhänger des sich entwickelnden Christentums fielen einem solchen Urteil zum Opfer. Viele Christen starben in der Arena als Märtyrer, weil sie sich geweigert hatten, dem Kaiser als Gott zu huldigen (Ewigleben, Gladiatoren und Caesaren, 131). Bei Verbrechen von geringerer Tragweite gab der Urteilsspruch ad ludum („zur Gladiatorenschule“) den Verurteilten die Möglichkeit, sich durch eine Ausbildung in einer Gladiatorenschule das Überleben in der Arena zu sichern (vgl.

Ewigleben, Gladiatoren und Caesaren, 131). Hierbei war es für den Kämpfer wichtig,

durch eine glänzende Darstellung das Publikum und somit gleichzeitig die

„Entscheider über Leben und Tod“ für sich zu gewinnen und somit auf eine

Begnadigung zu hoffen (missio).

3.2 Freiwillige Gladiatoren

Wie man am Beispiel des Trophimus unschwer erkennen kann, gab es zuweilen auch Gladiatoren die Ruhm, Freiheit und eine recht ansehnliche finanzielle Grundlage erreichen konnten, wenn sie durch ihren Kampfesmut und vor allem durch Sieghaftigkeit auf sich aufmerksam machten. Den Status, den Trophimus erreicht hatte, lässt sich auch an der Tatsache festmachen, dass dieser genügend finanzielle Mittel besaß, um seiner verstorbenen Frau ein ehrenhaftes Begräbnis zu veranlassen und einen „ im Haus geborenen Sklaven und (jetzt) Freigelassenen […]“ besaß (CIL VI 10170, Z.6). So war die Aussicht auf Ehre und Geld für viele ein Grund sich freiwillig für die Gladiatorendienste zu melden. Die in den meisten Fällen vorherrschende Motivation waren Armut und die Hoffnung auf sozialen Aufstieg (Wiedemann, Kaiser und Gladiatoren, 120-122). Durch die Bereiterklärung war jedoch zuallererst der Eintritt in die Gruppe der infamia verbunden. Henker, Prostituierte und andere Berufsgruppen gehörten zu dieser gesellschaftlich verachteten Gruppe und „Mitgliedern“ wurde eine ehrenvolle Bestattung nach dem Tode verwehrt. Eine Inschrift aus Sarsina (CIL I 1418/ILS 7846) verweist auf einen gewissen Horatius Balbus, welcher den Bürgern und Einwohnern eigens finanzierte Begräbnisse zur Verfügung stellt. Hierbei betont er jedoch, dass Gladiatoren (i.d.F. auctorati) und Selbstmörder von diesem Angebot ausgeschlossen sind (Aigner, gesellschaftliche Stellung Gladiatoren, 208 ). Es wird deutlich, dass Gladiatoren gesellschaftlich zur Unterschicht gehörten. Gladiatoren hatten zu Beginn ihrer Dienstzeit einen Eid abzuleisten: „ uri, vinciri, verberari ferroque necari“ („Gebrannt, gefesselt, ausgepeitscht und durch das Schwert getötet“). Zu diesem Schwur gesellte sich noch die Bestätigung der Unterwerfung unter den zuständigen Beamten, dem Prätor. Gründe für diese „freiwillige Sklaverei“ lassen sich durch mehrere antike Zeugnisse belegen. So verurteilt beispielsweise Sueton in seinen Kaiserviten die Beliebtheit der munera beim Volke und betont dabei die in seinen Augen verwerfliche Begeisterung für die Spiele, die viele als Möglichkeit sehen, zu Ruhm und Reichtum zu gelangen (Suet. Tib. 7,1). Der syrisch-griechische Satiriker Lukian schreibt über einen Skythen namens Sisinnes, der in die Gladiatur eintritt, um 10.000

Drachmen zu verdienen und einen Freund aus der Gefangenschaft zu kaufen (Luc. Tox. 58).

Neben diesen sozialen und materiellen Motivationen, bestehen auch Gründe auf psychologischer Ebene, sich freiwillig dem Kampf auf Leben und Tod zu verschreiben. Die hierarchisch strukturierte Ordnung der römischen Familie, mit dem pater familias als uneingeschränktem Oberhaupt und seiner damit verbundenen absoluten Befehlsgewalt über alle Familienmitglieder, sehen einige Wissenschaftler als Grund für sadistische Wesenszüge der Kinder (vgl. Grant, Gladiatoren, 95). In seinen Ausführungen bezieht sich Grant auf die psychoanalytischen Forschungen von L. Bender und F.J. Curran. Beide ermittelten, dass Aggressionen seitens der Väter zu sadistischen Tendenzen der betroffenen Kinder führen können. Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass ein Mensch mit sadistischen Zügen sich nur von seinen Ängsten befreit, indem er anderen antut, was er selber durchlebt hat.

Michael Grant bezieht diese Erkenntnisse nun auf die Gladiatoren, die sich freiwillig dem Kampf verschrieben und nicht aus finanzieller Not handelten. Die Gladiatur diente als „Ventil eigener sadistischer Tendenzen“ (Grant, Gladiatoren, 95) und ist soziologisch bedingt zu betrachten.

3.3 Caesaren, Senatoren und das Amphitheater

So kam es zwar eher selten vor, doch auch einige Aristokraten und Mitglieder aus dem Senat folgten dem Ruf des Amphitheaters. Doch nicht wie zu erwarten wäre als Zuschauer, sondern als aktive Teilnehmer. Caesaren wie Commodus machten keinen Hehl aus ihrer Affinität für die blutigen Spiele und auch Caligula zwang Ritter und sogar Senatoren in der Arena um ihr Leben zu kämpfen. Die Begeisterung des princeps für die „barbarischen“ Spiele wurde von der Oberschicht als skandalös wahrgenommen und auf das Schärfste verurteilt. Doch auch Aristokraten, welche sich freiwillig für das Amphitheater entschieden, wurden Opfer des Spottes ihrer Genossen.

Es ist nicht verwunderlich, wenn unter einem Fürsten, der Musikant ist, ein Schauspieler adlig wird. Was gibt es doch darüber hinaus? Den Gladiatorenkampf. Da hast du die Schmach der Großstadt, Gracchus.“ ( Iuv. Sat. 8, 198-201).

Juvenal, römischer Satiriker des 1./2. Jh., tadelt den römischen Politiker Sempronius Gracchus für seine Entscheidung, sich an den Gladiatorenwettkämpfen zu beteiligen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zum sozialen Hintergrund und gesellschaftlicher Stellung von Gladiatoren. Die Bedeutung von Gladiatorenschulen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Die Flavier
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V210985
ISBN (eBook)
9783656387725
ISBN (Buch)
9783656389286
Dateigröße
646 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hintergrund, gladiatoren, stellung
Arbeit zitieren
David Paydar (Autor), 2012, Zum sozialen Hintergrund und gesellschaftlicher Stellung von Gladiatoren. Die Bedeutung von Gladiatorenschulen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210985

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