In der Römischen Republik und vor allem der späten Republik waren die Vorfahren von großer Bedeutung für das alltägliche Handeln in Politik und Gesellschaft. Es war nicht möglich sich deren Macht zu entziehen, sodass die Ahnen eine wichtiges Instrument im politischen Kampf um Ansehen und Prestige waren. Es konnte einem Politiker viele Vorteile verschaffen, wenn er wusste damit umzugehen oder ihm das Genick brechen, wenn nicht. Weshalb die Vorfahren einen solchen Einfluss auf den politischen Alltag hatten und womit sich diese Vermutung begründen lässt soll in der vorliegenden Arbeit genauer beleuchtet werden.
Zunächst werden einige grundlegende Erläuterungen zum Phänomen der exempla gemacht, welche im wichtigsten Kommunikationsmedium des damaligen Politikers, der Rede nahezu immer auftauchen. Darauf folgt eine genaue Betrachtung der pompa funebris anhand einer Originalquelle des griechischen Geschichtsschreibers Polybius, weil es nur so möglich ist die Wirkung der exempla, die im folgenden Kapitel mit Hilfe von einigen Beispielen dargestellt wird, nachzuvollziehen. Da nicht die ganze Fülle der exempla in den republikanischen Quellentexten erfasst werden kann, sollen hier stellvertretend nur einige Beispiele aus Ciceros Reden genannt werden. Auch sei bereits an dieser Stelle angemerkt, dass es nicht möglich ist die Rolle der exempla in der römischen Rhetorik und Gesellschaft umfassend und abschließend darzustellen, da dies einer Auswertung allen verfügbaren Quellenmaterials bedarf und die tatsächliche Wirkung der Reden, also die Reaktionen des Publikums nicht mehr nachzuvollziehen sind. Man kann diese nur deuten oder sich hier auf Aussagen der Redner selbst berufen. Beide Möglichkeiten bieten jedoch keine abschließende Gewissheit über die tatsächliche Wirkung der Reden und auf welche Weise die exempla das Publikum beeinflusst haben. Doch ist es nicht das Ziel der Arbeit einen umfassenden Überblick über die in den römischen Quellentexten aufzufinden exempla zu geben, dies ist allein aufgrund des begrenzten Raums nicht möglich. Die Quellenbeispiele sollen lediglich die Argumentation untermauern und, dass es sich dabei nicht um einzelne Phänomene handelt wird durch die im Anhang aufgeführte Sekundärliteratur, welche sich ausführlich mit den exempla in der römischen Rhetorik und Gesellschaft befasst, belegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlegendes zu den exempla
3. Die pompa funebris bei Polybius
4. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
4.1. Ausgewählte exempla bei Cicero
4.2. Die homines novi und die Ahnen
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Welche Bedeutung hatten die Ahnen (maiores) in der römischen Republik?
Die Ahnen waren eine zentrale Quelle für Ansehen (dignitas) und Prestige. Politiker beriefen sich ständig auf die Taten ihrer Vorfahren, um ihre eigene Eignung für Ämter zu legitimieren.
Was versteht man unter „exempla“ in der römischen Rhetorik?
Exempla sind historische Beispielfälle oder Vorbilder aus der Vergangenheit, die Redner wie Cicero nutzten, um das Publikum zu überzeugen oder moralische Maßstäbe zu setzen.
Was war die „pompa funebris“?
Es war ein prunkvoller Leichenzug bei Begräbnissen der Elite, bei dem Schauspieler Masken (imagines) der Ahnen trugen, um die Kontinuität und Macht der Familie öffentlich zu demonstrieren.
Welche Herausforderungen hatten „homines novi“ (Neulinge)?
Ein homo novus war der erste seiner Familie, der ein hohes Amt bekleidete. Da er keine berühmten Ahnen vorweisen konnte, musste er seine eigene Leistung (virtus) besonders betonen, um gegen den etablierten Adel zu bestehen.
Warum beschrieb der Grieche Polybius die römischen Bräuche so genau?
Polybius wollte erklären, warum Rom so erfolgreich war. Er sah in der Ahnenverehrung und den Begräbnisriten ein wichtiges Mittel zur Erziehung der Jugend zu Tapferkeit und Staatsdienst.
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- Laura Moser (Author), 2012, Die Macht der maiores: Die römische Gesellschaft und ihre Ahnen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211190