Die Zeitschrift "Bildende Kunst ": Ergebnis alliierter Besatzungs- und Pressepolitik?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Situation der Presse in der deutschen Nachkriegszeit
2.1 Pressepolitik der Besatzungszonen in Ost und West
2.2 Pressefreiheit und subkulturelle Zeitschriften in der DDR

3. Die Bildende Kunst als Verbandszeitschrift mit Bildungsauftrag
3.1 Entstehungsgeschichte
3.2 Charakteristik und Entwicklung bis zur Einstellung 1991

4. Fazit zum Wirken der Bildenden Kunst

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Nun aber haben wir es heute mit einer Menschheit zu tun, der nahezu alle Voraussetzungen für das Verstehen eines Kunstwerkes fehlen; dies wäre das Schlimmste nicht, man hätte es gewissermaßen mit jungfräulichem Boden zu tun, bereit zur Aufnahme der Saat. Ratlos zunächst aber stehen wir vor einem wüsten Feld, verfilzt von geistigem Unkraut, das tiefe Wurzeln geschlagen hat."1 Mit diesen Worten beschreibt Carl Hofer als Herausgeber der Zeitschrift bildende kunst die Probleme mit denen er die Rezeption seiner 1947 zum ersten Mal in der sowjetischen Besatzungszone erscheinenden Kunstzeitschrift konfrontiert sieht. In dieser wissenschaftlichen Arbeit soll der Versuch unternommen werden jenes von Carl Hofer in seinem Geleitwort erwähnte wüste Feld genauer zu untersuchen, um grundlegend die Situation der Presse nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Osten wie im Westen Deutschlands darzustellen. Nur mit dem Verständnis für die Besonderheit dieser einerseits historischen Chance und andererseits schwerwiegenden Last, ist eine umfassende Charakteristik der ostdeutschen Kunstzeitschrift Bildende Kunst, die auf ihren kleingeschriebenen Vorgänger folgt, erst möglich. Während die Voraussetzungen in beiden Teilen Deutschlands mit dem Zusammenfall des Nazi-Regimes und der Übernahme durch die Alliierten annähernd gleich waren, so sollte sich doch ein schon in beiden Verfassungen unterschiedlich fest- und später auch ausgelegtes Pressewesen entwickeln. So gilt es zu klären, ob die DDR-Kunstzeitschrift, als offiziell zugelassenes Presseerzeugnis der DDR, durch die Sowjetische Einheitspartei in ihrer Berichterstattung beschränkt, kontrolliert oder sogar gelenkt und für eigene Propaganda missbraucht wurde, wie man es aufgrund der historischen Aufarbeitung Ostdeutschlands2 annehmen würde. Auch aus aktuellem Anlass (20-jähriges Jubiläum deutscher Einheit) scheint es interessant die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte dieser ostdeutschen Kunstzeitschrift, deren Einstellung wenige Monate nach der Wiedervereinigung erfolgte, zu beleuchten.

2. Situation der Presse in der deutschen Nachkriegszeit

2.1 Pressepolitik der Besatzungszonen in Ost und West

Die militärische Niederlage Deutschlands und der Zusammenbruch des totalitären NS-Regimes 1945 markierten nicht nur politisch und wirtschaftlich einen Neubeginn auf deutschem Territorium; auch kulturgeschichtlich sollte die Besatzung durch die alliierten Siegermächte die Grundlagen für die weitere Entwicklung der gesellschaftlichen Kommunikationsmedien Presse, Rundfunk und Film in beiden Teilen Deutschlands schaffen. Nachdem gerade im Nationalsozialismus die Medien für die propagandistischen Zwecke der Regierung instrumentalisiert wurden und die Besatzer insbesondere in den Massenmedien einen Katalysator für die erschreckende Unterstützung Hitlers durch die Bevölkerung und die davon ausgehende Katastrophe sahen, war das pressepolitische Konzept der Alliierten von großer Bedeutung für den Bruch mit der nationalsozialistischen Vergangenheit3. Eine gewaltige Aufgabe, wenn man bedenkt, dass dies einerseits hieß die deutsche Tradition des Pressewesens abzuschaffen, um verbliebenes nationalsozialistisches Gedankengut nie mehr aufkommen zu lassen und andererseits die Chance und zugleich Herausforderung bedeutete eine neue, den Deutschen gerechte, Presselandschaft mitaufzubauen.

Die Pressepolitik der Alliierten verfolgte auf Grundlage der geplanten „Demilitarisierung, Demontage und Demokratisierung“4 Deutschlands ein 3- Phasenprogramm für deutsche Printmedien. Unter anderem mit Hilfe der Presse wollte man diese Ziele erreichen und so galt deren Aufgabe zunächst der Umerziehung (reeducation). Bevor deutsche Medien dazu in der Lage waren, sah Phase 1 des Konzepts der Alliierten einen totalen black-out vor. „Zunächst einmal sollte auf den nationalsozialistischen Propagandalärm eine Phase der Stille folgen“5 schreibt der promovierte Historiker Rudolf Stöber hierzu. Anschließend wollte man die entstandene Leere mit der Veröffentlichung von Mitteilungsblättern der Alliierten, sogenannten Heeresgruppenzeitungen, füllen, bis letztlich deutsche Presseerzeugnisse unter alliierter Kontrolle erscheinen konnten. Diese dritte und letzte Phase des Plans wird „Lizenzzeit“ genannt. Unter Vergabe von vorläufigen Lizenzen an mehrere Personen sollten Zeitungsneugründungen in der Zeit von 1945 bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 zumindest in den westlichen Besatzungszonen den kontrollierten Aufbau des Pressewesens wieder ermöglichen. Man behielt sich dabei vor nur als zuverlässig eingestuften Personen Lizenzen zu erteilen, um politisch Belastete aus der nahen Vergangenheit, sowie sogenannte „Altverleger“, die während der NS-Zeit publizierten, kategorisch auszuschließen. Während die Lizenzierung mit der Zeit und dem wachsenden Vertrauen in die deutschen Verleger von den Briten, Amerikanern und Franzosen an Deutsche übertreten wurde, sollte die Praktik der Lizenzvergabe an auserwählte Gruppierungen und Parteien in der sowjetischen Besatzungszone fast bis zum Ende der DDR (genau bis zum 5. Februar 1990) fortbestehen.6 An diesem Beispiel erkennt man, dass der anvisierte 3-Stufen-Plan in Gesamtdeutschland nicht in gleichem Maße realisiert werden konnte. Auch im amerikanischen Sektor sollte der Versuch eine deutsche Zeitung unter amerikanischer Vormundschaft mehrmals fehlschlagen, obwohl bereits ab 24. Januar 1945 „die ‚ Aachener Nachrichten ’ als erstes von den Amerikanern ins Leben gerufene deutsche Wochenblatt, in einer Stadt, die bereits Mitte Oktober 1944 von den Alliierten erobert worden war“7 herausgebracht wurden. Interessant scheint auch die Tatsache, dass in der östlichen Besatzungszone und Berlin bereits Zeitungen mit deutschen Herausgebern erschienen, die von der sowjetischen Militärverwaltung gefördert und kontrolliert wurden, während es zeitglich in der amerikanischen und britischen Zone vorerst nur die oben erwähnten Heeresgruppenzeitungen mit einer Auflage von drei Millionen Exemplaren gab. Um im Wettbewerb mit den Sowjets, die sich in Berlin mit dem offiziellen Presseorgan T ä gliche Rundschau und den anderen fünf von Deutschen herausgegebenen Zeitungen bereits eine gewaltiges Pressemonopol errichtet hatten, bestehen zu können, erschien am 8. August 1945 die von den Amerikanern lizenzierte Allgemeine Zeitung. Trotz hoher journalistischer Qualität und zwischenzeitlichem Erfolg konnte man mit Veröffentlichungen um die Frage nach der „Kollektivschuld“ des Volkes und fehlenden Signalen des Aufbruchs die Zeitung nicht lange erhalten. Auch der Versuch den Ansatz des angloamerikanischen Journalismus’, d.h. strikte Angabe von Quellen und Trennung von Kommentar und Nachrichten, mit deutscher Aufmachung zu paaren, funktionierte nur bedingt. Am 11. November 1945 wurde die Allgemeine Zeitung wieder eingestellt.8

[...]


1 Hofer, C.: Zum Geleit, In: bildende kunst 1/1947, Berlin 1947, S.1.

2 vgl. Malycha, A./ Winters, P. J.: Die SED. Geschichte einer deutschen Partei, München 2009.

3 vgl. Abel, K.-D.: Presselenkung im NS-Staat, Berlin 1968.

4 Stöber, R.: Deutsche Pressegeschichte, Konstanz 2005, S. 152.

5 Ders., S. 153.

6 vgl. Stöber, R.: Deutsche Pressegeschichte, Konstanz 2005, S. 153.

7 Wilke, J.: Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland, Köln (u.a.) 1999, S. 16.

8 vgl. Hurwitz, H.: Die Pressepolitik der Alliierten, In: Pross, H.(Hg.): Deutsche Presse seit 1945, Bern (u.a.) 1965, S. 31-33.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Zeitschrift "Bildende Kunst ": Ergebnis alliierter Besatzungs- und Pressepolitik?
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Veranstaltung
Kunstzeitungen und Kunstzeitschriften
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V211236
ISBN (eBook)
9783656390404
ISBN (Buch)
9783656391463
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildende Kunst, DDR, Kunstgeschichte, Kunstzeitung
Arbeit zitieren
Björn Gleß (Autor), 2010, Die Zeitschrift "Bildende Kunst ": Ergebnis alliierter Besatzungs- und Pressepolitik?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211236

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Zeitschrift "Bildende Kunst ": Ergebnis alliierter Besatzungs- und Pressepolitik?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden