Die Liebesgeschichte zwischen „Tristan und Isolde“ ist der mit am häufigsten bearbeitete mittelalterliche Stoff der deutschen Literaturgeschichte. Die genaue Herkunft des Stoffes lässt sich nicht vollständig nachvollziehen. Man geht aber davon aus, dass hierbei auch keltische Einflüsse am wahrscheinlichsten sind. Die Gründe, die hierbei angeführt werden, sind die historischen und lokalen Begebenheiten. Die Tatsache dass es sich um den Stoff um eine „Spielmannsdichtung“ handelt wird in der Forschung als schwierig angesehen. Diese wurden zunächst mündlich tradiert. Durch diese Form der Überlieferung gelangte die Dichtung auf das europäische Festland, wobei sie vorerst in einer altfranzösischen Fassung festgehalten wurde. Diese Vorlage nutzte Eilhart von Oberg, um diesen Stoff in das Deutsche zu übernehmen. Man geht davon aus, dass Obergs Fassung Ende des 12. Jahrhunderts entstand. Neben Obergs Tristan Fassung erreichte vor allem Gottfrieds von Straßburg Tristan-Roman einen großen Bekanntheitsgrad und gilt noch in der heutigen Forschung als Gradmesser. Gottfrieds Tristan entstand vermutlich im 13. Jahrhundert, ist in Versform geschrieben und ist nur als Fragment erhalten geblieben. Er gilt als klassischer Stoffrepräsentant des Mittelalters. Zahlreiche Autoren des Mittelalters, aber auch der Neuzeit griffen den Tristanstoff erneut auf, um diesen zu interpretieren oder um Gottfrieds Fassung mit einem Ende zu versehen. Auch in der heutigen Zeit sind mittelalterliche Texte noch immer aktuell. So werden diese in literarischen Texten erneut aufgegriffen und neu inszeniert. Auch finden sich immer wieder Stoffe aus dem Mittelalter in unseren heutigen Filmen wieder. So wurde auch der Tristanstoff einige Male verfilmt.
In dieser Arbeit soll ein kurzer Forschungsüberblick der Tristan-Rezeptionen gegeben und auch die Frage geklärt werden was Mittelalter-Rezeptionen in der heutigen Zeit noch immer interessant erscheinen lässt. Am Beispiel der neuesten Tristan Verfilmung soll untersucht werden, inwiefern sich diese an den Stoff von Gottfrieds von Straßburg Tristan anlehnen und wo diese Unterschiede aufweisen sowie welche Funktionen diese eventuell haben könnten. Im Anschluss soll hierbei ein Fazit entstehen, welches die Frage klären soll; warum mittelalterliche Stoffe noch immer ein aktuelles Thema sind und wie diese mit Hilfe der Originaltexte rezipiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mittelalter-Rezeption
2.1. Forschungsüberblick
2.2. Formen der Mittelalter-Rezeption
3. Rezeption im Film
3.1. Unterschiede zwischen Gottfrieds Textvorlage und der Verfilmung in Bezug auf den Prolog, der Elternvorgeschichte und dem Kampf gegen Morolt
3.2. Unterschiedein Bezug auf Tristans Irlandreisen und dem Aufeinandertreffen zwischen Tristan und Isolde
3.3. Die Bootsszene
3.4. Das Werkende
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Unterschiede zwischen Gottfrieds von Straßburg mittelalterlichem Tristan-Roman und der modernen Filmrezeption von 2006. Dabei wird untersucht, wie die Adaption den klassischen Stoff für ein modernes Publikum transformiert und welche narrativen sowie inhaltlichen Anpassungen vorgenommen wurden, um eine zeitgemäße, massentaugliche Erzählweise zu erreichen.
- Grundlagen und Definition der Mittelalter-Rezeption in der Wissenschaft.
- Vergleich der Charakterentwicklung und Handlungsstränge zwischen Romanvorlage und Verfilmung.
- Analyse des Verzichts auf mystische Elemente (wie den Liebestrank) in der Filmfassung.
- Untersuchung der Funktionen von Modernisierungen und künstlerischen Freiheiten des Regisseurs.
Auszug aus dem Buch
3.1. Unterschiede zwischen Gottfrieds Textvorlage und der Verfilmung in Bezug auf den Prolog, der Elternvorgeschichte und dem Kampf gegen Morolt
Bereits zu Anfang des Filmes werfen sich gegenüber Gottfrieds Roman eklatante Unterschiede auf. Diese betreffen vorerst die Elternvorgeschichte Tristans. Während bei Gottfried von Straßburg die Umstände von Tristans Zeugung und Geburt beschrieben werden, fehlen diese in der Verfilmung gänzlich. Als Einführung in den Film wird gezeigt, wie Irland die britischen Stämme terrorisiert. Als Ergebnis dessen müssen sich die Stämme vereinigen, um gegen Irland vorzugehen. Der irische König wird hierbei als Aggressor vorgestellt und somit beginnt zu Anfang der Rezeption eine Einteilung in „Gut“ und „Böse“.
Für die Vereinigung der britischen Stämme bedarf es in der Rezeption eines „starken“ Mannes und Königs. Dieser soll hierbei der stärkste aller Fürsten sein. Marke genießt in der Verfilmung den Rückhalt der britischen Stammesfürsten und wird zu deren Anführer bestimmt. In Gottfrieds "Tristan" ist Marke bereits König von Cornwall und musste nicht gewählt werden. Marke wird hierbei als ein starker und vor allem als ein gerechter König beschrieben. […] dô wolten si alle künegelîn und hêrren von in selben sîn, diz wart ir aller ungewin. sus begunden sî sich under in slahen unde morden starke und befulhen ouch dô Marke sich und daz lant in sîne pflege […]. Auch in der später folgenden Erziehung Tristans ergeben sich zwischen dem Original und der Rezeption Unterschiede. Weil Tristan im Film seine Eltern bei einem irischen Überfall verliert, wird er nach diesem bei Marke und dessen Schwester aufgenommen. Zuvor rettet Marke ihm das Leben während des Überfalls der Iren und verliert im Zuge dessen seine Hand. Diese wird ihm durch einen irischen Angreifer abgeschlagen, als er Tristan zur Seite stieß.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die Bedeutung des Tristan-Stoffes in der deutschen Literaturgeschichte und stellt die Forschungsfrage zur filmischen Rezeption im Vergleich zur mittelalterlichen Vorlage.
2. Mittelalter-Rezeption: Dieses Kapitel definiert theoretisch, was unter Mittelalter-Rezeption verstanden wird, und klassifiziert die verschiedenen Formen des Umgangs mit historischen Stoffen in der modernen Gesellschaft.
3. Rezeption im Film: Hier erfolgt der detaillierte Vergleich zwischen der Verfilmung von 2006 und Gottfrieds Tristan, wobei spezifische Szenen und narrative Unterschiede wie die Elternvorgeschichte oder das Werkende analysiert werden.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Filmrezeption den Stoff zwar massentauglich aufbereitet, jedoch für wissenschaftliche Zwecke aufgrund zahlreicher Auslassungen nur bedingt aussagekräftig ist.
Schlüsselwörter
Tristan und Isolde, Gottfried von Straßburg, Mittelalter-Rezeption, Literaturverfilmung, Produktive Rezeption, Tristan-Sage, Stoffgeschichte, Narrativik, Medienwissenschaft, Adaption, Kevin Reynolds, Literaturwissenschaft, Mediävistik, Stofftransfer, Filmkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Rezeption des mittelalterlichen Tristan-Stoffes anhand einer konkreten Verfilmung aus dem Jahr 2006 und vergleicht diese mit Gottfrieds von Straßburg literarischer Vorlage.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die theoretische Einordnung der Mittelalter-Rezeption, die filmische Transformation literarischer Texte sowie die kritische Analyse von Abweichungen zwischen Original und Adaption.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Unterschiede zwischen dem mittelalterlichen Roman und dem Spielfilm aufzuzeigen und zu erklären, warum bestimmte Elemente (wie der Zaubertrank) zugunsten einer modernen Erzählweise weggelassen wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Literatur- und Medienanalyse angewandt, die sich auf die mediävistische Rezeptionsforschung stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische inhaltliche Segmente, darunter die Vorgeschichte, die Irlandreisen, die Schlüsselszene auf dem Schiff sowie die unterschiedlichen Enden der Erzählungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mittelalter-Rezeption, Adaption, Tristan-Sage, Gottfried von Straßburg und der Vergleich zwischen mittelalterlicher Textvorlage und moderner Filmproduktion.
Warum wurde der Zaubertrank im Film weggelassen?
Der Autor argumentiert, dass der Verzicht auf mystische Elemente wie den Trank die menschliche Eigenverantwortung und den Verrat von Tristan an König Marke in der Verfilmung stärker hervorhebt.
Wie bewertet der Autor die filmische Umsetzung?
Der Autor stuft den Film als gelungenen, massentauglichen Einstieg in die Thematik ein, merkt jedoch an, dass die Vermischung verschiedener Stoffvorlagen die wissenschaftliche Aussagekraft für die Mediävistik mindert.
- Arbeit zitieren
- Stefan Sebastian Bahn (Autor:in), 2013, Tristan und Isolde - Analyse zwischen Gottfrieds von Straßburg "Tristan" und der Rezeption im Film "Tristan" von 2006, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211249