Entlang der Theiß und einiger Nebenflüsse hatte sich im 5. Jahrtausend vor Christus die so genannte Theiß-Kultur herausgebildet. Diese Kultur wies, in starker Anlehnung an die Vinča-Kultur, viele rituelle Gegenstände auf, vor allem Gesichtsgefäße und Statuetten. Diese Kultur bildete in Ostungarn den Übergang vom Spätneolithikum zum Chalkolithikum, also der beginnenden Metallzeit. Die Frage ist also auch, inwiefern bereits die neolithischen Kulturen am Übergang zur Metallzeit Kupfer nutzten.
In dieser Arbeit soll eine Übersicht über die Theiß-Kultur erstellt werden. Dabei soll es vor allem darum gehen, wie sich diese Kultur anhand ihrer Siedlungen, Gräber und Funde darstellt, wie sie zeitlich einzuordnen ist und auf welche Art sich die Menschen der Theiß-Kultur ernährt haben.
Inhaltsverzeichnis der Übersicht zur Theiß-Kultur
1 Einleitung
2 Kurzcharakteristik
3 Forschungsgeschichte
4 Verbreitung und Umweltbedingungen
5 Quellen
5.1 Art der Quellen
5.2 Quellenlage
6 Siedlungsstruktur
6.1 Lage
6.2 Siedlungsplan
6.3 Hausgrundrisse
6.4 Bautechnik
7 Gräber
7.1 Gräberform
7.2 Bestattungsweise
8 Depot – und Einzelfunde
9 Formenkunde
9.1 Keramik
9.1.1 Gefäßformen und Technik
9.1.2 Verzierungen
9.1.3 Besondere Objekte
9.2 Felsgestein
9.2.1 Beile und Äxte
9.3 Silex
9.4 Knochen und Hirschgeweih
9.5 Metall
9.6 Schmuck
10 Chronologie
10.1 Chronologisches Verhältnis zu anderen Gruppen
10.2 Interne chronologische Gliederung
10.2.1 Relative Chronologie
10.2.2 Absolute Chronologie
11 Kulturelle Einbindung
12 Wirtschaftsweise
12.1 Subsistenzwirtschaft
12.2 Handwerkliche Produktion
12.3 Handel und Transport
13 Sozialstruktur
14 Geistige Kultur
15 Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit zielt darauf ab, einen systematischen Überblick über die prähistorische Theiß-Kultur im östlichen Karpatenbecken während des Übergangs vom Spätneolithikum zum Chalkolithikum zu geben. Dabei steht die Untersuchung der Lebensweise, der materiellen Kultur sowie der zeitlichen Einordnung dieser Bevölkerungsgruppe im Fokus.
- Siedlungsstrukturen, Hausbau und Siedlungstypen
- Bestattungsriten und demografische Aspekte
- Formenkunde von Keramik, Steinwerkzeugen und Schmuck
- Chronologische Einordnung der Kulturphasen
- Wirtschaftsformen, Handel und Subsistenzgrundlagen
Auszug aus dem Buch
6.4 Bautechnik
Der Aufbau eines Hauses der Theiß-Kultur soll anhand eines Beispiels aus der Siedlung Hódmezővásárhely-Gorzsa erläutert werden. Der Hauskomplex 2 war, wie die meisten Häuser aus einer Holzkonstruktion und Lehmverputz errichtet, reine Lehmhäuser waren relativ selten. Die Tür war oft am südlichen Ende des Hauses eingebaut, wobei die meisten Häuser ins Südost-Nordwest Orientierung erbaut worden waren (Kalicz 1998b, 310). So auch in Hódmezővásárhely-Gorzsa. Man kann dort auch erkennen, dass jedes Haus mehrere Feuerstellen hatte, oft auch mehr als eine in einem Raum. Einige dieser Feuerstellen waren gemauert. Auch eine der tönernen Vorratskisten lässt sich im südlichen Raum erkennen (Abb. 9 und Abb. 10).
In Kisköre waren die gefundenen Häuser meist oval oder eckig und durch die gefundenen Pfostenlöcher konnte nachgewiesen werden, dass die Dachkonstruktion auf vier Pfosten ruhte. Innerhalb der Häuser wurden fast immer zwei Feuerstellen gefunden, eine davon war wohl als Kochstelle genutzt worden, während die andere als Heizung für das Haus fungierte (Korek 1989, 51).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Theiß-Kultur als Übergangskultur zwischen Neolithikum und Metallzeit im 5. Jahrtausend v. Chr. vor und definiert das Ziel einer allgemeinen Übersicht.
2 Kurzcharakteristik: Hier wird ein grober Überblick über die Lebensweise, Ansiedlung an Flüssen und die ausgeprägte Keramikproduktion der Kultur gegeben.
3 Forschungsgeschichte: Dieses Kapitel erläutert die Entwicklung der archäologischen Forschung von ersten Entdeckungen im 19. Jahrhundert bis zu den modernen Grabungskampagnen des 20. Jahrhunderts.
4 Verbreitung und Umweltbedingungen: Der Abschnitt beschreibt das geografische Vorkommen der Siedlungen entlang der Theiß und des Körös sowie die Herausforderungen durch Umweltbedingungen.
5 Quellen: Dieses Kapitel analysiert die Fundgattungen wie Siedlungsfunde und Gräber und bewertet die Qualität der archäologischen Quellenlage.
6 Siedlungsstruktur: Hier werden Siedlungstypen, Hausbauweisen und bautechnische Details sowie die räumliche Organisation innerhalb der Siedlungen behandelt.
7 Gräber: Der Text beschreibt die Gräberformen, die Bestattungssitten und demografische Erkenntnisse aus den Gräberfeldern wie Kisköre.
8 Depot – und Einzelfunde: Dieses Kapitel stellt fest, dass Depotfunde im Kontext der Theiß-Kultur eine untergeordnete Rolle spielen, da kultische Handlungen vorwiegend innerhalb der Siedlungen stattfanden.
9 Formenkunde: Eine detaillierte Aufzählung der Sachkultur, unterteilt in Keramik, Felsgestein, Silex, Knochen, Metall und Schmuck.
10 Chronologie: Dieses Kapitel setzt die Theiß-Kultur in einen europäischen Kontext und unterteilt die Kultur in relative und absolute chronologische Phasen.
11 Kulturelle Einbindung: Hier werden die Kontakte zu benachbarten Kulturen wie der Vinča-Kultur oder der Bükk-Kultur beschrieben.
12 Wirtschaftsweise: Dieser Teil analysiert die Subsistenzgrundlagen, bestehend aus Fischfang, Viehzucht, Ackerbau sowie das Handwerk und den Handel.
13 Sozialstruktur: Die Analyse der Grabbefunde dient hier als Basis, um Rückschlüsse auf soziale Hierarchien und Rollenbilder innerhalb der Siedlungen zu ziehen.
14 Geistige Kultur: Der Abschnitt widmet sich den rituellen Gegenständen, Altären und den Unterschieden in der kultischen Praxis zwischen Nord- und Südregionen.
15 Ausblick: Eine abschließende Einschätzung zum Erhaltungszustand der Fundplätze und zur zukünftigen Forschungspriorität.
Schlüsselwörter
Theiß-Kultur, Spätneolithikum, Chalkolithikum, Karpatenbecken, Siedlungsarchäologie, Keramik, Bestattungsriten, Chronologie, Subsistenzwirtschaft, Vinča-Kultur, Spondylus, Statuetten, Grabbeigaben, Archäologie, Ungarn.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit liefert einen strukturierten Überblick über die Theiß-Kultur, eine bedeutende prähistorische Gruppe im östlichen Karpatenbecken des 5. Jahrtausends vor Christus.
Welche zentralen Themenfelder deckt der Text ab?
Die Arbeit behandelt Themen wie Siedlungsbau, Bestattungssitten, die materielle Sachkultur, die chronologische Einordnung, wirtschaftliche Grundlagen sowie soziale und geistige Aspekte der Kultur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den aktuellen Forschungsstand zur Theiß-Kultur zusammenzufassen, um ihre räumliche Ausdehnung, Zeitstellung und Lebensweise anhand von Siedlungs- und Grabbefunden nachvollziehbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erforschung genutzt?
Die Autorin oder der Autor stützt sich primär auf die Auswertung archäologischer Ausgrabungsberichte und vergleichender Analysen sowie auf die Zusammenführung von C14-Datierungen und relativen chronologischen Modellen.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Formenkunde, eine Untersuchung der Siedlungsstrukturen, eine Auswertung von Gräberfeldern sowie eine Analyse der Wirtschaftsweise, inklusive Handel und Ernährung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Typische Schlüsselbegriffe sind Theiß-Kultur, Spätneolithikum, Keramik, Siedlungsstruktur, Chronologie, Grabbeigaben und Subsistenzwirtschaft.
Wie unterscheidet sich die Bestattungskultur der Theiß-Kultur regional?
Während in Kisköre überwiegend Toten in Strecklage bestattet wurden, zeigen andere Fundplätze oft eine Hockerlage, wobei ein einheitlicher, siedlungsübergreifender Ritus schwer nachzuweisen ist.
Welche Rolle spielten Statuetten und Altäre in der Kultur?
Diese Gegenstände gelten als zentrale Elemente der geistigen Kultur, wobei insbesondere die anthropomorphen Statuetten und die Altäre aus Ton in vielen Häusern als Kultgegenstände nachgewiesen wurden.
Wie lässt sich die Bedeutung der Fischerei für die Theiß-Kultur einordnen?
Die Bedeutung des Fischfangs war regional sehr unterschiedlich: Während er im südlichen Alföld eine tragende Säule der Nahrungsmittelversorgung darstellte, spielte er im mittleren und nördlichen Theißgebiet eine untergeordnete Rolle.
- Quote paper
- Julian Freche (Author), 2010, Das Spätneolithikum im östlichen Karpatenbecken: Eine Übersicht über die Theiß-Kultur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211306