Die Debatte um die Atombewaffnung und die Haltung Olof Palmes

Die Sicht der USA, Westeuropas und Schwedens im Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
25 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Technische Entwicklung der Atomwaffen bis 1960

3 Die Atombewaffnung der USA und Westeuropas
3.1 Militärische und politische Planungen der USA
3.2 Die französische Atombombe
3.2.1 Die IV. Republik
3.2.2 Die Atomwaffenpolitik der V. Republik
3.3 Die atomare Rüstung der Bundesrepublik Deutschland
3.3.1 Ausgangslage und deutsch-französische Kooperation
3.3.2 Umsetzung des NATO-Konzeptes

4 Die Diskussion um eine schwedische Atombombe
4.1 Beginn der schwedischen Atomdiskussion
4.2 Argumente für die Atombewaffnung
4.3 Die Sichtweise Olof Palmes

5 Schlussbetrachtungen

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der einzige Einsatz von Atombomben im Krieg läutete das Atomzeitalter ein und bewies, dass die Kernspaltung als Waffe eingesetzt werden kann. Gleichzeitig beendete die Zerstörung Hiroshimas und Nagasakis den Zweiten Weltkrieg und läutete den Kalten Krieg ein, in dem sich die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken als Führer ihrer jeweiligen Einflusssphäre gegenüber standen. Im Kalten Krieg spielten die Atomwaffen eine wichtige Rolle, denn durch sie sollte das sogenannte „Gleichgewicht des Schreckens“[1] gewahrt bleiben und der Ausbruch eines militärischen Konfliktes zwischen den USA und der UdSSR verhindert werden.

Doch nicht nur die beiden Supermächte besaßen Atomwaffen, im Laufe der 1950er und 1960er Jahre gelangten weitere Länder in den Besitz dieser Waffe. Diese Länder waren Großbritannien, Frankreich und die Volksrepublik China. Ab 1971 bildeten die Atommächte auch den UN-Sicherheitsrat, nachdem die Republik China ihren Sitz an die Volksrepublik abgeben musste. Auch andere Länder versuchten sich, mehr oder weniger zielstrebig, in den Besitz von Atomwaffen zu bringen, diese Versuche waren aber nicht erfolgreich oder politisch nicht durchsetzbar. Nach 1968 ratifizierten die meisten Länder den Atomwaffensperrvertrag und erklärten damit, die Atomtechnologie nur zivil zu nutzen. Nach dem Ende des Kalten Krieges gelang es Indien und Pakistan, eigene Atomwaffen zu entwickeln, aber dieser Zeitraum soll hier nicht betrachtet werden.

In dieser Arbeit wird der Zeitraum von 1955 bis 1963 untersucht. In dieser Zeit wurde in Schweden intensiv darüber diskutiert, ob sich das neutrale Land an der Atomrüstung beteiligen sollte oder nicht. Hierbei wird vor allem die Haltung Olof Palmes betrachtet, der zu diesem Zeitpunkt als Vertrauter des Ministerpräsidenten Tage Erlander Einfluss auf die Regierung nehmen konnte. Danach wird betrachtet, wie die Frage der Atombewaffnung in Deutschland und Frankreich betrachtet wurde, um die schwedischen Entscheidungen und Haltungen in einen europäischen Kontext einbinden zu können. Zunächst wird aber dargestellt, welche technischen Entwicklungen bis zum Ende der 1960er Jahre stattgefunden haben und wie sich diese auf die Strategie der Supermächte auswirkte, Atomwaffen einzusetzen.

Zu der Atombewaffnung gibt es zahlreiche Monographien, dieses Thema wurde seit den 1950er Jahren immer wieder kontrovers diskutiert. Die Ansichten Olof Palmes werden hauptsächlich aus der neuen Biographie von Henrik Berggren entnommen, dessen umfassende Monographie 2010 in Schweden erschienen ist.[2] Die Relevanz des Themas ergibt sich daraus, dass die atomare Bedrohung die Geschichte der Menschheit von 1950 bis 1990 maßgeblich geprägt hat und die Gefahr einer Auslöschung des Lebens auf dem Planeten Erde durch Atomwaffen erst durch das Ende des Kalten Krieges gebannt wurde.

2 Technische Entwicklung der Atomwaffen bis 1960

In diesem Kapitel soll nicht dargestellt werden, wie Atomwaffen im Prinzip funktionieren, sondern es wird erläutert, welche technischen Entwicklungen im Laufe der 1950er Jahre im Bereich der Atomwaffen gemacht wurden und wie sich diese auf den möglichen Einsatz von Atomwaffen auswirkten.[3]

Vom 16. Juli 1945 bis zum 29. August 1949 waren die USA die einzige Atommacht der Welt. Diese beiden Daten markieren die erste Zündung einer Atombombe in New Mexico und das Datum, an dem die erste Atomwaffe der Sowjetunion gezündet wurde. In beiden Fällen handelte es sich um Plutoniumbomben, die erste Wasserstoffbomben zündeten die USA am 1. November 1952 und die Sowjetunion am 12. August 1953. Zuvor war Großbritannien am 3. Oktober 1952 ebenfalls Atommacht geworden. Das Arsenal der Vereinigten Staaten war aber bereits zu diesem Zeitpunkt um ein vielfaches größer als das Großbritanniens. Es gab also, auch nachdem Frankreich am 3. Februar 1960 die erste eigene Atombombe gezündet hatte, nur zwei relevante Atommächte.

Bis zur Entwicklung der Interkontinentalraketen, also Trägerraketen mit einer Reichweite von mindestens 5.500 km, sollten Atombomben mithilfe von strategischen Bombern in feindliches Gebiet transportiert werden. Auf diese Weise wurden auch die beiden Atombomben, die über Hiroshima und Nagasaki gezündet wurden transportiert. Dort hatten die USA einen großen Vorteil, da bereits während des Zweiten Weltkriegs eine große strategische Bomberflotte aufgebaut werden konnte. Mithilfe dieser Bomber wurden u.a. die Luftangriffe auf deutsche Städte wie Dresden durchgeführt. Die Sowjetunion verfügte bis 1954 nicht über Langstreckenbomber, die das Gebiet der USA hätten erreichen können. Es wäre also bis zu diesem Zeitpunkt für die UdSSR nicht möglich gewesen, einen atomaren Angriff der USA auf sowjetischem Territorium mit einem Gegenschlag auf amerikanischem Boden zu beantworten. Erst mit der Indienststellung der Bomber vom Typ Bison und Bär konnte die Sowjetunion die USA direkt bedrohen.

1956 hatte Nikita Chruschtschow, zu diesem Zeitpunkt Erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, angekündigt, dass die UdSSR an der Entwicklung einer Interkontinentalrakete arbeitete. Die Einführung dieser Waffen in die Streitkräfte wurde von westlichen Militärexperten nicht vor dem Jahr 1959 erwartet, aber damit war klar, dass die USA ihr Territorium nun nicht mehr effektiv gegen einen sowjetischen Atomschlag würden sichern können. Ebenfalls 1959 wurden die ersten Interkontinentalraketen der USA für Einsatzbereit erklärt, damit war es für keine der beiden Supermächte mehr möglich, einen Atomschlag mit Hilfe von Flugabwehrmaßnahmen zu verhindern. Dies führte dazu, dass alle taktischen und strategischen Überlegungen des Oberkommandos der US-Streitkräfte für den Fall eines Krieges gegen die Sowjetunion hinfällig geworden waren.[4]

3 Die Atombewaffnung der USA und Westeuropas

Die technische Entwicklung machte die Überlegungen der amerikanischen Streitkräfte hinfällig. Doch welche strategischen und taktischen Planungen verfolgten die USA in den 1950er Jahren? Das wird in diesem Kapitel näher betrachtet, ebenso wie die Perspektive Frankreichs und Westdeutschlands. Beide Länder gingen auf unterschiedlichem Weg mit der Dominanz der USA in atomaren Fragen um, hatten in diesem Jahrzehnt aber selber keine Atomwaffen. Der Fokus liegt bei diesen Ländern auf der Frage, wie dort die Frage der Atombewaffnung behandelt wurde.

3.1 Militärische und politische Planungen der USA

Unter Präsident Harry Truman (1945 – 1953) wurden Atomwaffen als letztes Mittel in einem möglichen Krieg angesehen, ihr Einsatz Zweiten Weltkrieg geschah nur, um größere Verluste an Menschenleben zu vermeiden. Im Jahr 1954[5], nachdem Dwight Eisenhower (1953 – 1961) US-Präsident geworden war, äußerte sich der amerikanische Außenminister John Dulles zum neuen Sicherheitskonzept der USA und nannte es die Strategie der massiven Vergeltung („massive retaliation“). Die neue Strategie sah vor, dass der Einsatz von Atomwaffen durch die amerikanischen Streitkräfte im Falle eines Krieges zum regulären Mittel gehörte. Des weiteren bestand das Konzept daraus, die Truppenstärke der konventionellen Einheiten stark zu reduzieren, um Kosten zu sparen. Die Abschreckung durch das Übergewicht an atomarem Vernichtungspotenzial sollte die Unterlegenheit im konventionellen Bereich gegenüber der Sowjetunion zumindest ausgleichen. Da Josef Stalin 1953 gestorben war und die Gefahr eines Krieges deshalb als geringer eingeschätzt wurde, schien es durch dieses Strategie möglich, die Kosten für die Streitkräfte nachhaltig zu reduzieren.[6]

Auf der Ebene der NATP wurde das Konzept der massiven Vergeltung durch den Beschluss MC 48 des NATO-Rates eingeführt. Die amerikanischen Atomwaffen sollten in die europäischen Streitkräfte integriert werden, die Kontrolle darüber aber weiterhin bei den amerikanischen Entscheidungsträgern bleiben. Dies war der Kernbestandteil der amerikanischen Sicherheitspolitik, selbst die Verbündeten sollten keinen Zugang zu Informationen über Atomwaffen oder gar Kontrolle darüber erlangen. Um die NATO-Staaten trotzdem davon zu überzeugen, dass die Stationierung für die jeweiligen Nationen notwendig sei, wurde bis 1957 für dieses Konzept geworben. Dabei wurde die Gefährlichkeit der atomaren Sprengköpfe herunter gespielt und die Unterscheidung zwischen strategischen und taktischen Atomwaffen eingeführt. Dies sollte suggerieren, dass die taktischen Atombomben weniger gefährlich seien als die strategischen. Dabei wurde der Umstand, dass auch die taktischen Atomsprengköpfe ein vielfaches der Sprengkraft der Bomben von Hiroshima und Nagasaki freisetzen konnten, unterschlagen. Die Entscheidung des NATO-Rates, die atomare Aufrüstung im Sinne der amerikanischen Strategie durchzuführen, wurde mit dem Beschluss MC 70 fest gelegt. Dieser Beschluss regelte die Aufrüstung der NATO-Mitgliedsstaaten bis zum Jahr 1963.[7]

[...]


[1] Geprägt wurde dieser Begriff durch Robert McNamara, der das Konzept der guaranteed mutual destruction ("garantierte gegenseitige Zerstörung" ) einführte.

[2] Berggren 2011.

[3] Für eine Übersicht über die Entstehung der Atombombe siehe Mania 2010.

[4] Schmitt 1998, S. 17 – 19.

[5] Laut Schmitt wurde das Konzept der massiven Vergeltung 1953 vorgestellt, laut Bald im Jahr 1952. Ich folge hier Schmitt, da die Ansicht Trumans zu einem Einsatz von Atomwaffen diese Strategie unmöglich gemacht hätte.

[6] Schmitt 1998, S. 11 – 12.

[7] Bald 1994, S. 14 – 28.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Debatte um die Atombewaffnung und die Haltung Olof Palmes
Untertitel
Die Sicht der USA, Westeuropas und Schwedens im Vergleich
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Olof Palme
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
25
Katalognummer
V211307
ISBN (eBook)
9783656390787
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Olof Palme, Kalter Krieg, Atomrüstung, Nato
Arbeit zitieren
Julian Freche (Autor), 2012, Die Debatte um die Atombewaffnung und die Haltung Olof Palmes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211307

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