Der Surrealismus in Magrittes Werk "Ceci n'est pas une pipe"

Die 4 Bildkategorien


Hausarbeit, 2012
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

1. Einführung

Um einen Einblick in das Werk des René Magrittes zu geben, beginne ich mit einer knappen Einführung zu seiner Person. Einige biografische Erlebnisse lassen sich deutlich in seiner Kunst ablesen, was ihn letztendlich zu einem ganz besonderen Vertreter des Surrealismus macht. Es folgt eine Auseinandersetzung mit dem Werk „Ceci n'est pas une pipe" aus dem Jahr 1928/29. Weiter stelle ich einige seiner Arbeiten vor, an denen man die für ihn wichtigen Themen des Maggritschen' Surrealismus ablesen kann. Um diese Ansichten wie die Kontrastivität zwischen Sprache, Bild und Abbild zu verstehen, gehe ich kurz auf seine philosophischen Einflüsse wie auch auf die vier Bildgrundthemen Magrittes ein.

2. Biografie

René Magritte wurde am 21. November 1898 im belgischen Lessines geboren. Seine Mutter ertränkte sich als Magritte 14 Jahre alt war. Dieser Verlust prägte ihn nachhaltig, was in seinen Malereien der sogenannten frühen dunklen Phase besonders deutlich wird. Ein Jahr nach dem Tod seiner Mutter lernte Magritte Georgette Berger kennen, die er 1922 heiratete. Ab 1916 besuchte er für zwei Jahre die Academuie des Beaux - Arts in Brüssel. Seine Beschäftigung mit dem Kubismus und dem Futurismus ab 1919 machte ihn ab 1922 zu einem Vertreter der Abstrakten Kunst. Im Jahr 1921 wurde Magritte zum Militärdienst berufen, wo er drei Portraits seiner Kommandanten anfertigte. Dem Werk de Chiricos „Das Lied der Liebe" von 1914 und dessen Grundlage, der pittura metafisica, die beschreibt wie gegenständliches Material irreal dargestellt werden soll, begegnete er 1922. Magrittes erstes surrealistisches Werk entstand 1925 und ist als „der verlorene Jockey" bekannt. Bis einschließlich 1930 musste sich René Magritte seinen Lebensunterhalt mit Tapetenmalereiaufträgen verdienen. Von 1927 bis 1930 lebte er in Perreux-sur-Marne bei Paris, um den französischen Surrealisten näher zu kommen, was erst ab 1929 gelang. Im Jahr 1927 entstanden über 60 Werke, von denen jedes einzelne eine eigene Idee verkörperte. 1930 brach Magritte mit Breton und lebte wieder zurückgezogen und nur noch verbunden mit der belgischen Surrealistengruppe in Brüssel. Ab 1940 arbeitete Magritte vorwiegend als Auftragsmaler, widmete sich ab 1951 Wandmalereien und zeigte ab 1956 Ausstellungen, Filme und Drehbücher, mit denen er den Guggenheim-Preis gewann. 1965/66 fand eine Retrospektive zu Magritte statt. Ein Jahr später, am 15. August 1966 verstarb René Magritte in Brüssel.[1]

3. Bildbeschreibung und -deutung „Cecin'est pasunepipe"

Das Werk aus dem Jahr 1928/29 zeigt, was direkt dem Titel widerspricht, die Abbildung einer Pfeife auf einem gelblichen Hintergrund mit dem darunter stehenden Satz: „Ceci n'est pas une pipe". Das Ölbild im Format 59 x 65 cm ist weiter bekannt unter dem Namen „der Sprachgebrauch" und zu finden im Los Angeles County Museum of Art. Die Reihe, in der es erschienen ist, heißt „ Der Verrat der Bilder". Das Mundstück der Pfeife ist schwarz, der Pfeifenkopf dunkelbraun. Auf der Pfeife spiegelt sich das Licht von oben und von links, sodass die Pfeife einen realen Eindruck erweckt. Der Farbauftrag ist flächig­lasierend. Die Darstellung wirkt durch den einheitlichen Hintergrund sehr plakativ. Unter der Abbildung der Pfeife ist der Satz „Ceci n'est pas une pipe" in Schönschreibschrift zu lesen, was übersetzt heißt „dies ist keine Pfeife". Diese Aussage widerspricht der Abbildung zuerst, jedoch wollte Magritte damit ausdrücken, dass wir hier keine reale Pfeife sehen, sondern lediglich das Abbild einer Pfeife.[2] Mit diesem Werk thematisiert der Künstler, die Unzuverlässigkeit der Wahrnehmung des Betrachters. Das perfekt gemalte Objekt der Pfeife wird in diesem Fall durch seine Bildunterschrift verneint. Magritte veranlasst den Betrachter, an der Wirklichkeit der Dingwelt beziehungsweise der real gegenständlichen Welt zu zweifeln.[3] Die Kunstkritikerin und Autorin Suzy Gablik bezeichnet die Auseinandersetzung Magrittes mit dem Verhältnis von Gegenstand, Abbild und Sprache als eines der philosophisch signifikantesten und auch intellektuell schwierigsten Themen in der neueren Kunst.[4] Sie macht deutlich, dass neue und ungewöhnliche Dinge im Fokus des Betrachters erscheinen, gewöhnliche Dinge jedoch bleiben unbemerkt. Sie beschreibt die Vorgehensweise Magrittes wie folgt: „Er bezeichnet mit einem Namen, was keinen Namen braucht (weil es schon bekannt ist), und er tut dies, indem er bestreitet, daß es das ist, was es ist."[5]

Laut Kunsthistoriker und Kurator für zeitgenössische Kunst Uwe M. Schneede stellt „der Sprachgebrauch" das Schlüsselwerk für das Verständnis der Kunst Magrittes dar.[6] Hier wird deutlich, wie Magritte dem Betrachter vor Augen führen will, dass sich bildliche und sprachliche Bedeutung regelrecht ausschließen. Schneede beschreibt, dass die Sprache, also „Ceci n'est pas une pipe", den Wahrheitsgehalt der Abbildung einschränkt, da ein Widerspruch entsteht. Das Bild selbst funktioniert einer anderen Realitätsebene, die von drei Faktoren beeinflusst werden. Der erste Faktor ist der Gegenstand selbst, die Pfeife. Daraus resultiert durch den Faktor der Vorerfahrung des Betrachters eine subjektive Vorstellung. Der dritte Faktor ergibt sich aus der objektiven Wiedergabe des Gegenstandes im Bild kombiniert mit der Vorerfahrung des Betrachters.[7] Magrittes Werke können anhand dieserVorgehensweise als reflektorische Bilder bezeichnet werden, da sie auf einer Idee oder einem Gefühl basieren und bei dem Betrachter eine Reflexion über das Verhältnis von Bild und Abbild auslösen.[8] Auch der Sprachgebrauch ist als reflektorisches Bild zu bezeichnen, da es den Umwandlungsprozess der Pfeife in eine bildliche Darstellung beschreibt und das reale Objekt der Pfeife und die Abbildung auf zwei verschiedenen sogenannten Ebenen existieren, die der Betrachter für sich erschließen muss.

Nach Wittgenstein ersetzt das Zeichen der Pfeife den Realitätsgegenstand der Pfeife. Allerdings ist das Zeichen durch die Zweidimensionalität der Leinwand eingeschränkt und steht lediglich als Mittel, um die Vorstellung des Gegenstandes hervorzurufen.[9] Die malerischen Mittel des Werk wurden rein deskriptiv genutzt, da die Malerei als Ausdruck für Gedanken steht, und daher nur die dienende Funktion für die Herstellung des Zeichens inne hat.[10]

Die Aphorismensammlung „les mots et les images" (frz. Für „die Wörter und die Bilder"), die Magritte 1929 in der Zeitschrift La Révolution Surréaliste publizierte, ist eine weitere Grundlage seiner Bildtheorien und kann mit verschiedenen Werken in Verbindung gebracht werden. Die Beziehung zwischen Wort und Bild bezeichnet der deutsche (Kunst-) Philosoph Prof. Dr. Mersch als eine Begegnung. Er beschreibt diese Begegnung als instabil und eine Neuverteilung der Wörter und Bilder sei jederzeit möglich.[11] Die 18 Sätze, die die Sammlung enthält, beschreiben sich jeweils die möglichen Beziehungen zwischen Wort und Bild. Der Satz neun lautet: „Alles deutet daraufhin, daß kaum eine Beziehung zwischen dem Gegenstand und dem besteht, was ihn repräsentiert."[12] Hier wird deutlich, dass Bild und Wort völlig frei zueinander stehen, sie gehen sogenannte „Wahverwandtschaften" ein.[13] Laut David Sylvester, Kunstkritiker und Kurator aus England, gilt „der Sprachgebrauch" als gemalte Verwirklichung der Idee zu „les mots et les images".[14]

Der Betrachter wird mit bildlicher und sprachlicher Behauptung konfrontiert. Das Bild der Pfeife behauptet, eine Pfeife zu sein, die sprachliche Aussage behauptet, dass dies keine Pfeife ist. Weiter muss der Betrachter erkennen, dass dies nur das Abbild einer Pfeife darstellt. Selbst die realistischte Darstellung wie zum Beispiel eine Fotografie ist nicht das Objekt selbst, sondern trotzdem nur ein Abbild. Der Betrachter wird mit einbezogen, er muss den Gedankengang aufnehmen und weiterführen.

Magrittes Intention ist die Stärkung des Bewusstseins des Betrachters. Hier ist ein eindeutiger Bezug zu den Surrealisten zu erkennen, die es sich zum Thema machten, den Betrachter für das gewöhnliche zu sensibilisieren. Deutlich wird Magrittes Haltung in einer Aussage: „Die Malerei ist für mich lediglich ein Mittel; dies erlaubt mir, einen Gedanken zu beschreiben, der einzig durch das gebildet wird, was die Welt an Sichtbarem bietet (...)".[15] Die Malerei ist für ihn also lediglich der Ausdruck seiner Gedanken auf banale Weise. Der Konflikt zwischen Bild und Aussage wie auch in dem hier thematisierten Werk des „Sprachgebrauchs", wird erst durch genauere Auseinandersetzung mit dem Thema der Verhältnismäßigkeiten deutlich.

Die malerische Ausführung der Pfeife ist schlicht gestaltet, um die Identifikation mit dem symbolischen Zeichen zu unterstützen: keine handschriftlichen Züge sind erkennbar und es ist keine Basis für einen personenbezogenen Gegenstand zu erkennen. Magritte äußerte sich selbst zu dieser Technik: „Meine Art zu malen ist ganz und gar banal, akademisch."[16] Anhand dieses Zitates wird deutlich, inwiefern sich René Magritte

[...]


[1] Aus: Uwe M. Schneede - Die Kunst des Surrrealismus

[2] Aus: Suzy Gablik - Magritte und der Sprachgebrauch

[3] Aus: Joachim Nagel - Wie erkenne ich? Die Kunst des Surrealismus

[4] Aus: Suzy Gablik - Magritte und der Sprachgebrauch

[5] Aus: Zitat Suzy Gablick - Magritte und der Sprachgebrauch

[6] Aus: Schneede - René Magritte - Leben und Werk

[7] Aus: Uwe M. Schneede - Die Kunst des Surrealismus

[8] Aus: Uwe M. Schneede - René Magritte - Leben und Werk

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] Aus: Dieter Mersch - Das Bild als Argument. Visualisierungsstrategien in der Naturwissenschaft

[12] Aus: Uwe M. Schneede - René Magritte - Leben und Werk, Auszug aus „La Révolution surréaliste“ 1929

[13] Aus: Schiebler - Die Kunsttheorie René Magrittes - Sprache

[14] Aus: David Sylvester - René Magritte

[15] Aus: Pfeuffer-Abitur-WissenKunsr

[16] Aus: Schneede - René Magritte - Leben und Werk

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der Surrealismus in Magrittes Werk "Ceci n'est pas une pipe"
Untertitel
Die 4 Bildkategorien
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Surrealismus
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V211388
ISBN (eBook)
9783656402756
ISBN (Buch)
9783656402978
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Surrealismus, René Magritte, "Ceci n'est pas une pipe"
Arbeit zitieren
Ina Lo (Autor), 2012, Der Surrealismus in Magrittes Werk "Ceci n'est pas une pipe", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211388

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