Eine aktuelle Studie des Bankenverbandes zeigt, dass derzeit gute Finanzierungsbedingungen für Unternehmen herrschen. Ein Großteil der Investitionen kann dabei aus eigenen Mitteln finanziert werden, da in den letzten Jahren viel Liquidität von den Firmen aufgebaut wurde. Bei der Fremdfinanzierung dominiert aber immer noch der Bankkredit. Dieser wird zurzeit bevorzugt kurzfristig aufgenommen und oftmals dazu benutzt die Passivseite der Unternehmensbilanzen zu strukturieren.
Bestehende Verbindlichkeiten werden demzufolge durch neue Kredite zu günstigeren Konditionen, aufgrund des niedrigen Zinsniveaus, ersetzt. Die Kreditnehmer werden auf absehbare
Zeit auch weiterhin von dem historisch niedrigem Zinsniveau profitieren und daher wird die Fremdkapitalaufnahme auch zukünftig ein wichtiger Finanzierungsfaktor sein. Bevor eine Bank allerdings einen Kredit vergibt muss die Bonität des Firmenkunden umfangreich beurteilt werden.
Die Bonitätsprüfung oder Kreditwürdigkeitsprüfung ist dabei definiert als „Analyse der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse eines potenziellen Kreditnehmers zur Abschätzung des mit einer Kreditvergabe verbundenen
Risikos“. Im Rahmen der Bonitätsanalyse kam es in den letzten Jahren zu einigen Veränderungen, die meist aus Gesetzesänderungen oder veränderten aufsichtsrechtlichen
Vorgaben resultieren. Die beiden gravierendsten Neuerungen sind dabei die Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes, kurz BilMoG, zur Erneuerung des HGB und die Vorgaben aus den neuen Beschlüssen des Basler Ausschusses der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, kurz mit Basel II und Basel III bezeichnet. Während die Vorgaben aus den Basel-Richtlinien vor allem darauf ausgelegt sind die Risikowahrnehmung
der Banken zu verbessern, betrifft das BilMoG insbesondere die Analyse der Jahresabschlüsse.
Die Basel-Regelungen beeinflussen die Eigenkapitalbindung der Kreditinstitute. Dies führt dazu, dass die Verfügbarkeit von Krediten zukünftig stärker von der tatsächlichen
Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kreditnehmers abhängig ist, da eine geringe Ausfallwahrscheinlichkeit auch eine geringere Eigenkapitalunterlegung für die Banken mit sich
bringt.[ ...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Veränderte Anforderungen an Banken und ihre Firmenkunden
2.1. Von Basel I über Basel II zu Basel III
2.2. Neuerungen im Bankenumfeld
2.2.1. Kreditwesengesetz
2.2.2. Mindestanforderungen an das Risikomanagement
2.2.3. Solvabilitätsverordnung
2.3. Erhöhte Anforderungen an Firmenkunden
3. Instrumente der Bonitätsbeurteilung zur Erkennung von Risiken
3.1. Der Jahresabschluss als Informationsobjekt
3.1.1. Qualitative Bilanzanalyse
3.1.1.1. Bilanzpolitik
3.1.1.2. Semiotische Bilanzanalyse
3.1.2. Quantitative Bilanzanalyse
3.1.2.1. Strukturbilanz
3.1.2.2. Analyse der Vermögens- und Kapitalstruktur
3.1.2.3. Analyse der Liquiditätslage
3.1.2.4. Analyse der Erfolgslage
3.1.3. Financial Covenants
3.2. Weitere Auskünfte zur Bonitätsbeurteilung
3.3. Rating
3.3.1. Externes Rating
3.3.2. Internes Rating
3.3.3. Ratingmethoden
3.3.4. Ratingfaktoren
3.3.5. Aktuelle Entwicklungen beim Rating
4. Kreditvergabe bei der Sparkasse Nürnberg
4.1. Die maschinelle Einzelbilanzanalyse (EBIL)
4.2. Das Sparkassen-StandardRating
4.3. Die Kreditvergabeentscheidung
5. Zukünftige Aussichten – Elektronische Übermittlung von Bilanzen
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuellen Entwicklungen bei der Bonitätsbeurteilung von Firmenkunden durch Kreditinstitute, insbesondere unter dem Einfluss regulatorischer Änderungen wie Basel II/III und des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG). Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese Veränderungen die Methoden der Bilanzanalyse und des Ratings beeinflussen und wie Kreditinstitute, am Beispiel der Sparkasse Nürnberg, auf diese Herausforderungen reagieren, um das Ausfallrisiko zu minimieren.
- Auswirkungen regulatorischer Rahmenbedingungen (Basel I, II, III und BilMoG) auf Banken und Firmenkunden.
- Methodik der qualitativen und quantitativen Bilanzanalyse zur Risikoerkennung.
- Bedeutung von Ratingverfahren und Ratingfaktoren in der modernen Kreditwürdigkeitsprüfung.
- Praktische Anwendung der Kreditvergabeentscheidung am Beispiel der Sparkasse Nürnberg.
- Zukunftsperspektiven durch die elektronische Übermittlung von Bilanzen (E-Bilanz).
Auszug aus dem Buch
3.1.1.1. Bilanzpolitik
Die Bilanzpolitik hat das vorrangige Ziel die veröffentlichten Unternehmensdaten, im Rahmen der gesetzlichen Regelungen, bewusst zu beeinflussen. Dadurch soll das von der Firmenleitung gewünschte Unternehmensbild an die Jahresabschlussadressaten herangetragen werden, um bestimmte Wirkungen zu erreichen, die zum Eintreten der gesetzten Ziele beitragen58. Zum Erreichen dieser Ziele bedienen sich die Unternehmen den in Abbildung 4 ersichtlichen bilanzpolitischen Instrumenten.
Die Sachverhaltsgestaltung ist die Einflussnahme auf betriebliche Entscheidungen während des Geschäftsjahres59. Diese Beeinflussung erfolgt z.B. durch die zeitliche Verlagerung von Geschäftsvorfällen, wie die beschleunigte Veräußerung von Vermögensposten zur Gewinnrealisierung (Vorverlagerung) oder die Verschiebung von Investitionen mit dem Zweck des späteren Abschreibungsbeginns (Nachverlagerung)60. Dadurch soll erreicht werden, dass die vom Management geforderte Darstellung der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens in der Bilanz abgebildet wird61. Daran kann man erkennen, dass solche Handlungen ein Unternehmen meist in einem besseren Licht darstellen sollen, um Abwärtstrends zu kaschieren. Da diese Gestaltungen von Sachverhalten aus dem Jahresabschluss häufig nicht direkt erkennbar sind und es auch kein Stetigkeitsgebot dafür gibt, fällt es oft sehr schwer sie kritisch zu hinterfragen62.
Die Sachverhaltsabbildung beschäftigt eine Firma nach Abschluss des Geschäftsjahres63 und befasst sich mit Maßnahmen, die Bezug auf gegebene Sachverhalte nehmen64. Darunter versteht man die konkrete Umsetzung von Wahlrechten und Ermessensspielräumen. Die Abbildung der Sachverhalte kann dabei entweder materiell oder formell erfolgen65.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet das aktuelle Finanzierungsumfeld, definiert die Bonitätsprüfung und führt in die zentralen regulatorischen Neuerungen durch BilMoG und Basel-Richtlinien ein.
2. Veränderte Anforderungen an Banken und ihre Firmenkunden: Das Kapitel analysiert die Evolution der Basler Eigenkapitalvereinbarungen sowie die Umsetzung in nationales Recht durch KWG, MaRisk und Solvabilitätsverordnung.
3. Instrumente der Bonitätsbeurteilung zur Erkennung von Risiken: Dieser Kernbereich detailliert die qualitative und quantitative Bilanzanalyse, die Bedeutung von Financial Covenants sowie die Funktionsweise interner und externer Ratingverfahren.
4. Kreditvergabe bei der Sparkasse Nürnberg: Das Kapitel veranschaulicht anhand der Sparkasse Nürnberg die praktische Anwendung der maschinellen Einzelbilanzanalyse (EBIL) und des Sparkassen-StandardRatings im Kreditprozess.
5. Zukünftige Aussichten – Elektronische Übermittlung von Bilanzen: Dieser Abschnitt beschreibt das Projekt zur medienbruchfreien Integration der E-Bilanz in die bestehenden Analyseprozesse der Banken zur Prozessoptimierung.
6. Resümee: Die Abschlussbetrachtung fasst die vielschichtigen Herausforderungen der Bonitätsbeurteilung zusammen und betont die Notwendigkeit einer präzisen Analyse zur Vermeidung von Kreditausfällen.
Schlüsselwörter
Bonitätsbeurteilung, Jahresabschlussanalyse, Basel III, BilMoG, Bilanzpolitik, Rating, Kreditvergabe, Sparkasse Nürnberg, EBIL, Eigenkapital, Risikomanagement, Liquiditätsanalyse, Financial Covenants, Kreditwürdigkeit, Kreditausfallrisiko.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den aktuellen Methoden und Prozessen der Bonitätsbeurteilung von Firmenkunden bei Kreditinstituten, insbesondere vor dem Hintergrund neuer gesetzlicher und aufsichtsrechtlicher Rahmenbedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Auswirkungen von Basel II und III, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), die qualitativen und quantitativen Verfahren der Bilanzanalyse sowie der Einsatz von Rating- und Risikomanagementsystemen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Banken durch moderne Analyseinstrumente die Bonität von Unternehmen bewerten, um das Risiko von Kreditausfällen im Rahmen der Kreditvergabe effektiv zu steuern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert und durch die praxisnahe Darstellung der Prozesse bei einem Kreditinstitut, der Sparkasse Nürnberg, ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der regulatorischen Rahmenbedingungen, eine detaillierte Erläuterung der Bilanzanalyse-Instrumente und die Erläuterung der Rating-Methodik und deren praktischer Anwendung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte umfassen Bonitätsbeurteilung, Jahresabschluss, BilMoG, Rating, Basel-Regelungen und Kreditvergabe.
Wie beeinflusst das BilMoG die Arbeit der Bilanzanalysten konkret?
Das BilMoG führt zu neuen Ermessensspielräumen, die aus externer Sicht schwerer zu filtern sind als vorherige Wahlrechte, wodurch die Bilanzanalyse zeitintensiver und komplexer für Analysten wird.
Warum ist die Unterscheidung zwischen quantitativen und qualitativen Faktoren beim Rating wichtig?
Während quantitative Faktoren ("Hard Facts") auf messbaren Kennzahlen basieren, decken qualitative Faktoren ("Soft Facts") betriebliche Strukturen ab; beide müssen kombiniert werden, um ein ganzheitliches Bild der Risikosituation eines Unternehmens zu erhalten.
Welche Rolle spielt die Sparkasse Nürnberg in dieser Arbeit?
Die Sparkasse Nürnberg dient als praktisches Fallbeispiel, an dem die Umsetzung der maschinellen Einzelbilanzanalyse (EBIL) und des Sparkassen-StandardRatings illustriert wird.
Warum gewinnt die elektronische Bilanz (E-Bilanz) für Banken an Bedeutung?
Die E-Bilanz ermöglicht eine medienbruchfreie, standardisierte Übernahme von Daten, was den Kreditvergabeprozess beschleunigen und die Prozesskosten senken kann.
- Arbeit zitieren
- Markus Götz (Autor:in), 2012, Aktuelle Entwicklungen der Bonitätsbeurteilung von Kreditnehmern anhand von Jahresabschlüssen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211434