Motive für den Feldzug Kaiser Julians gegen die Perser im Jahre 363 n. Chr.


Hausarbeit, 2012
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Julian

3. Der Perserfeldzug
3.1.Kriegsgründe und -ziele
3.2.Planung des Krieges
3.3.Die römischen Truppen in Persien

4. Gründe für das Scheitern

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis
6.1.Quellen
6.2. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Philosophen, Philologen, Religionswissenschaftler und vor allem Historiker beschäftigen sich seit Jahrhunderten mit der schillernden Figur des Flavius Claudius Julianus. Ich möchte mit dieser Arbeit den letzten Abschnitt seines Lebens, den Feldzug gegen das Perserreich König Sapor II. beleuchten: 363 n. Chr. fiel Julian mit seinem Heer in Persien ein und drang bis zur Hauptstadt Ctesiphon vor, konnte diese jedoch nicht erobern, und starb auf dem Rückzug in einer von zahlreichen kleinen Schlachten gegen die Perser. Von seinem Nachfolger Jovian wurde das römische Heer wieder heimgeführt, nachdem er sich dem Friedensvertrag des König Sapor II. unterworfen hatte. Ziel dieser Arbeit ist es, diesen Feldzug anhand von Quellen von der Vorbereitung bis zum Tod des Kaisers nachzuvollziehen, sowie die möglichen Gründe zu erörtern, die Julian zu diesem Krieg bewegten und ihn schließlich scheitern ließen.

Laut Demandt ist Julian wohl „der neben Constantin am häufigsten biographisch behandelte römische Kaiser“[1], und das, obwohl von Julian keine antike Biographie vorhanden ist. Dennoch sind über ihn so viele widersprüchliche und zeitnahe Aussagen erhalten wie „über kaum eine andere Persönlichkeit der griechisch- römischen Antike.“[2] Nicht zu vergessen die zahlreichen Selbstzeugnisse Julians. Als wichtigste und detailreichste Quelle dient hier der um 390 niedergeschriebene Bericht von Ammianus Marcellinus, einem langjährigen Begleiter und Freund Julians[3]. Aufgrund der dreißigjährigen Distanz des Berichtes zu den tatsächlichen Ereignissen um 363 muss jedoch die Genauigkeit in Detailfragen geprüft werden. Zudem war Ammian als Heide und Freund Julians, trotz Kritik die er übte, an einem positiven Bild interessiert. Ein weiterer wichtiger Zeitzeuge ist Libanios: Dieser, ebenfalls Heide und persönlicher Freund des Imperators, nahm zwar nicht am Feldzug teil, stand jedoch mit Julian vor und während des Krieges brieflich in Kontakt und erhielt so intimen Einblick in die Gedanken des jungen Kaisers. Auch verzeichnete er Augenzeugenberichte anderer Kriegsteilnehmer.[4] Weitere Quellen sind zum einen der im 6. Jhd. schreibende Zosimus, welcher sich auf Eunapius bezieht, der wiederum in Kontakt mit Julians Leibarzt Oribasios stand, sowie der Historiker und Teilnehmer des Feldzuges Eutropius, welcher 367 im Auftrag Kaiser Valens das Werk Breviarum ab urbe condita verfasste. Doch auch hier muss man die Ausgangsmotivation der Schrift, auch diese war ein Auftragswert, immerhin kritisch betrachten. Außer diesen drei wichtigsten Quellen[5] gibt es zahlreiche Ausführungen christlicher Geschichtsschreiber, welche aufgrund ihrer starken Subjektivität geringen historischen Wert haben und in dieser Arbeit nicht berücksichtigt werden können. Ebenso zahlreich und umfassend wie die Quellen sind die Diskussionen über die Sinnhaftigkeit und Erfolgsaussichten des Perserfeldzuges, welche sich immer wieder aus der verblüffend widerspruchsvollen Person des Flavius Claudius Julianus nähren.[6] Beispielsweise wird die Frage nach der politischen Notwendigkeit und Erfolgsaussicht von Bringmann[7] und besonders Wirth[8] deutlich verneint, wo hingegen Scholl differenzierter vorgeht und Julian auch rationale Überlegungen einräumt und Wirths These einer „introvertierten Wirklichkeitsferne“ Julians ablehnt.[9] So ist die Interpretation der Person Julian nach wie vor sehr facettenreich und reicht von einem rational denkenden und handelnden Kaiser über einen durch Alexanderimitatio motivierten bis hin zu einem unter Selbstüberhöhung, Hybris und völliger Realitätsferne leidenden Charakter.

2. Julian

Im Jahre 331 n. Chr. wird Flavius Claudius Constantius als Sohn des Julius Constantius und der wenige Monate nach der Geburt verstorbenen Basilina in Konstantinopel als Enkel des Constantius I. geboren.[10] Aufgrund seines geringen Alters von 6 Jahren kann er gemeinsam mit seinem Stiefbruder Gallus den Dynastischen Morden von 337 entgehen und wird die ersten Jahre auf der kaiserlichen Domäne Marcellum bei Caesarea in Kappadokien in Bibelkunde unterrichtet. In dieser Zeit setzt sich Julian auch erstmals mit Werken von Neuplatonikern auseinander, welche auf ihn besonders großen Eindruck machen. Nach sechs Jahren auf dem Fundus Macelli wird er nach Konstantinopel geholt und schließt dort erste Bekanntschaft mit dem heidnischen Rhetor Libanios aus Antiochia, welcher später ein väterlicher Freund wird. Nach dem Mord an seinem Stiefbruder Gallus kann Julian, unter erheblicher Fürsprache der Kaiserin Eusebia, den Vorwürfen entgehen, die gegen alle die mit Gallus in Verbindung standen erhoben werden. Nach kurzem Aufenthalt in Athen, wo er sich in die eleusinischen Mysterien einweihen lässt, nach außen jedoch die Fassade eines Christen wahrt, wird er im Alter von 24 Jahren von Constantius als Caesar nach Gallien entsandt und im selben Jahr 355 mit dessen Schwester Helena vermählt. Diese verstirbt allerdings bereits nach wenigen Jahren Ehe kinderlos.

Innerhalb von nur 5 Jahren erkämpfte sich Julian in einer Reihe von Feldzügen gegen die Alamannen und Franken das Ansehen eines ruhmreichen Heerführers und stellt die römische Herrschaft in Gallien wieder völlig her. Höchsten Respekt erhält er sowohl von den eigenen Truppen, so versuchen sie ihn bereits 357 nach der erfolgreichen Schlacht gegen den Alamannen Chlodmar bei Straßburg zum Augustus zu erheben[11], als auch bei seinen Gegnern, die aus Furcht vor ihm bis zur Nachricht von seinem Tod keine weiteren Überfälle wagen. Als 360 Constantius gallische Truppen gegen die Perser anfordert, sendet Julian nur einen geringen Teil, gibt sich seinen Truppen gegenüber jedoch machtlos unter Berufung auf Constantius Augustuswürde. Dies motiviert Julians Truppen, ihn im Februar oder März mittels germanischer Schilderhebung und keltischer Torques-Krönung zum Augustus zu küren. Einer militärischen Auseinandersetzung mit Constantius kann der Usurpator nur durch den plötzlichen Tod des Kaisers im November 361 entgehen, und zieht im Dezember desselben Jahres als unangefochtener Nachfolger in Konstantinopel ein. Julian gibt sich als volksnaher, stoischer Bürgerkaiser in der Tradition von Marc Aurel und Trajan, was bei der Bevölkerung eine zum Teil ablehnende Haltung hervorruft, da die Präsentation des Kaisers als „repräsentatives Idol“[12] bereits sehr gefestigt ist. Innenpolitisch widmet Julian sich Reformen in der Zivilverwaltung und lässt das Heidentum durch sein Toleranzedikt wieder anerkennen. Dieser, auch persönliche, Glaubenswechsel des Kaisers im Jahre 361 bringt ihm bei den Christen den Beinahmen des Apostaten, des Abtrünnigen, ein.[13] Zudem erlässt er ein Rhetorenedikt, welches Lehrer nur den Unterricht ihrer eigenen Religion erlaubt, was dazu führt, dass nur noch heidnische Rhetoren Philosophie unterrichten dürfen und der Staat erstmals die Hoheit über das Bildungswesen erlangt. Auch beeinträchtigt er die Christen, indem er heidnische Tempel wieder errichten lässt und Material das zum Bau von Kirchen verwendet wurde, zurückerstattet werden muss. Konflikte sind damit vorprogrammiert. Dieser Wandel zurück zu Sonnenkult und vom Hellenismus geprägten Polytheismus ist jedoch nicht von Bestand, da er nach seinem Tod 363 auf dem Perserfeldzug von seinen Nachfolgern nicht fortgeführt wird.

3. Der Perserfeldzug

3.1. Kriegsgründe und -ziele

Bereits unter Constantius gab es Auseinandersetzungen mit dem Persischen König Sapor II., bei denen die Römer immer häufiger territoriale Verluste hinnehmen mussten. So waren die Truppen, die Constantius 360 von Julian forderte, für die Verteidigung der Ostgrenze des Reiches gedacht. Julian war also motiviert die alten Grenzen zurück zu erobern, wobei eine Unterwerfung des gesamten Perserreiches aufgrund des hohen Symbolcharakters nie ausgeschlossen wurde. Bereits große römische Kaiser wie Trajan, Lucius Verus, Septimus Verus und Julians Vorbild, Marc Aurel standen erfolgreich vor den Toren der Persischen Hauptstadt Ctesiphon. Dass Julian mit seinem Feldzug die Perser nur schwächen und alte Grenzen rückerobern wollte, ist mit diesem Hintergrund und in Anbetracht des weiten Vorrückens der Truppen eher unwahrscheinlich. Scholl stellt die These auf, dass bereits Constantius eine Großoffensive gegen die Perser plante[14], welche Julian dann ausführte, da er „nach dem Scheitern seiner Religionspolitik bzw. nach Ausbleiben einer wohl erwarteten und erhofften enthusiastischen Reaktion einen außenpolitischen und militärischen Erfolg [brauchte], den er dann für seine Religions- und Innenpolitik nutzen konnte.“[15] Zudem werden innere Wirren im Perserreich vermutet, die Julian zu einem schnellen Handeln bewegt haben könnten.[16] Anders wird der Feldzug von Bringmann betrachtet, welcher in Julian mehr einen defensiven Imperialisten sieht, als einen Welteroberer á la Alexander dem Großen.[17] „Es ging ihm um die siegreiche Behauptung der römischen Position im Zweistromland, und es ist nicht erkennbar, ob er darüber hinaus weitergehende politische Ziele verfolgte.“[18] Etwas widersprüchlich hierzu sind allerdings die Aussagen Libanios, welcher am 1. Januar 363 den Krieg als Vergeltungskrieg darstellt und die Eroberung Ctesiphons lediglich als militärisches Ziel[19], an anderer Stelle jedoch davon spricht, dass Julian es vorhatte „alle Länder, die unter persischer Herrschaft standen, sogar die benachbarten Länder, in Besitz zu nehmen“.[20]

[...]


[1] Alexander Demandt: Die Spätantike, Römische Geschichte von Diocletian bis Justinian 284- 565 n. Chr. , München 1989, S. 94.

[2] Adolf Lippold: RAC XIX 1999, S. 443, s. v. Julian Apostata.

[3] Ebd.

[4] Vgl. Lib. ep. 53,7-9.

[5] Vgl. Klaus Rosen: Kaiser Julian auf dem Weg vom Christentum zum Heidentum, in: JbAC 40, 1997, S. 167.

[6] Vgl. Joseph Bidez: Kaiser Julian, der Untergang der heidnischen Welt, Hamburg 1956, S. 224.

[7] Klaus Bringmann: Kaiser Julian, der letzte heidnische Herrscher, Darmstadt 2004, 188 f.

[8] Gerhard Wirth: Julians Perserkrieg, Kriterien einer Katastrophe, in: Richard Klein hg.: Julian Apostata, Darmstadt 1976, S. 481.

[9] Reinhold Scholl: Historische Beiträge zu den Julianischen Reden des Libanios, Stuttgart 1994, S. 140.

[10] Vgl. zum Folgendem: Richard Klein: Julian Apostata, ein Lebensbild, in: Gymnasium 93, 1986, S. 273-292; Demandt Spätantike, S. 93-109; Lippold RAC XIX, S. 442-484; Hans-Ulrich Wiemer: Julian, in: Manfred Clauss h.g.: Die römischen Kaiser, 55 Portraits von Caesar bis Iustinian, München 1997, S. 334-341; Robert Browning: Julian der abtrünnige Kaiser, München 1977; Diana Bowder: The Age of Constantine and Julian, London 1978; Ute Schall: Julian Apostata, Göttersohn und Christenfeind, Ulm 2000.

[11] Ammianus Marcellinus XVI 12, 64.

[12] Demandt Spätantike, S. 99.

[13] Vgl. Rosen JbAC 40, S. 126-146: Seine persönliche, noch geheime Konversion wird von ihm selbst auf das Jahr 351 datiert.

[14] Scholl hist. Beiträge, S. 137f.

[15] Ebd. S. 140.

[16] Ebd. S. 137.

[17] Bringmann Kaiser Julian,

[18] Ebd.

[19] Lib. Or. XII 73-78; vgl. Hans Ulrich Wiemer: Libanios und Julian, Studien zum Verhältnis von Rhetorik und Politik im vierten Jahrhundert n. Chr., München 1995, S. 178-181 und 186f.

[20] Lib. Or. 18, 260.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Motive für den Feldzug Kaiser Julians gegen die Perser im Jahre 363 n. Chr.
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Das römische Reich in der Spätantike
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V211519
ISBN (eBook)
9783656393955
ISBN (Buch)
9783656394488
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Julian, Kaiser, Perserfeldzug, Apostata, Perser, Römisches Reich, Spätantike, Antike
Arbeit zitieren
Julius Werner (Autor), 2012, Motive für den Feldzug Kaiser Julians gegen die Perser im Jahre 363 n. Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211519

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