Die Bedeutung des Bergbaus und seine sozioökonomischen Strukturen im Neolithikum

Silex, Kupfer, Felsgestein


Doktorarbeit / Dissertation, 2005

219 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

1. Forschungsgeschichte
1.1 Forschungsgeschichte Bergbau
1.2 Forschungsgeschichte zu den sozioökonomischen Strukturen im neolithischen Bergbau
1.3 Zusammenfassung

2. Mineralische Rohstoffe und ihre Verwendung
2.1 Kieselgesteine
2.1.1 Chalzedon
2.1.2 Kieselschiefer
2.1.3 Obsidian
2.1.4 Quarz
2.1.5 Quarzit
2.1.6 Radiolarit
2.1.7 Silex
2.2 Felsgesteine
2.2.1 Magmatite
2.2.2 Sedimentgesteine
2.2.3 Metamorphite
2.3 Kupfer
2.3.1 Gediegenes Kupfer
2.3.2 Oxidische Kupfererze
2.3.3 Sulfidische Kupfererze
2.4 Rotpigmente
2.5 Variszit

3. Die Bergbautechnik
3.1 Abbauformen
3.1.1 Gräberei
3.1.2 Kuhlenbau
3.1.3 Pingenbau
3.1.4 Duckelbau
3.1.5 Weitungsbau
3.1.5.1 Weitungsbau ohne künstlichen Aufschluss
3.1.5.2 Stollenbau
3.1.5.3 Schachtbau
3.1.6 Tummelbau
3.1.7 Zusammenfassung
3.2 Gewinnungsmethoden
3.2.1 Wegfüllarbeit
3.2.2 Zermalmende Gewinnung
3.2.3 Keilhauenarbeit
3.2.4 Schlägel- und Eisenarbeit
3.2.5 Hereintreibearbeit
3.2.6 Sprengarbeit
3.2.7 Zusammenfassung
3.3 Geleucht
3.4 Fahrung und Förderung
3.4.1 Fahrung und Förderung in horizontalen oder leicht geneigten Grubenbauen
3.4.2 Fahrung und Förderung in senkrechten Gruben
3.5 Bewetterung
3.6 Zusammenfassung

4. Produkte und ihre Bedeutung in der Gesellschaft
4.1 Gebrauchs- oder Sozialgut?
4.2 Beile und Äxte
4.3 Dolche
4.4 Kleingeräte
4.5 Schmuck
4.6 Pigmente
4.7 Sicheln
4.8 Zusammenfassung

5. Aufwand und Produktion im neolithischen Bergbau
5.1 Methode der Datenaufnahme
5.1.1 Ansprache der Fundplätze
5.1.2 Mineralische Rohstoffe
5.1.3 Datierung
5.1.4 Tage- oder Tiefbau
5.1.5 Tiefe
5.1.6 Schachtweite
5.1.7 Horizontale Ausdehnung
5.1.8 Gestein
5.1.9 Betriebsmittel
5.1.10 Produkte
5.1.11 Zusammenfassung
5.2 Bergbau und Produktion
5.2.1 Datierungsunabhängige Untersuchung
5.2.1.1 Verteilung der Abbaue innerhalb der Regionalgebiete
5.2.1.2 Die Verteilung der mineralischen Rohstoffe
5.2.1.3 Die Verteilung der Produktionsstätten
5.2.1.4 Der Gewinnungsaufwand
5.2.2 Untersuchung der Datierungsstufe 1
5.2.2.1 Verteilung der Abbaue innerhalb der Regionalgebiete
5.2.2.2 Die Verteilung der mineralischen Rohstoffe
5.2.2.3 Die Verteilung der Produktionsstätten
5.2.2.4 Der Gewinnungsaufwand
5.2.3 Untersuchung der Datierungsstufe 2
5.2.3.1 Verteilung der Abbaue innerhalb der Regionalgebiete
5.2.3.2 Die Verteilung der mineralischen Rohstoffe
5.2.3.3 Die Verteilung der Produktionsstätten
5.2.3.4 Der Gewinnungsaufwand
5.2.4 Untersuchung der Datierungsstufe
5.2.4.1 Verteilung der Abbaue innerhalb der Regionalgebiete
5.2.4.2 Die Verteilung der mineralischen Rohstoffe
5.2.4.3 Die Verteilung der Produktionsstätten
5.2.4.4 Der Gewinnungsaufwand
5.2.5 Untersuchung der Datierungsstufe 4
5.2.5.1 Verteilung der Abbaue innerhalb der Regionalgebiete
5.2.5.2 Die Verteilung der mineralischen Rohstoffe
5.2.5.3 Die Verteilung der Produktionsstätten
5.2.5.4 Der Gewinnungsaufwand
5.3 Zusammenfassung
5.3.1 Der Wandel des Bergbaus während des Neolithikums
5.3.2 Die Veränderung der Produktion während des Neolithikums
5.3.3 Das Verhältnis zwischen Gewinnungsaufwand und hergestellten Objekten

6. Die Infrastruktur im neolithischen Bergbau
6.1 Eigentumsverhältnisse
6.2 Die Wohnsitze der Bergleute
6.3 Betriebsmittelbedarf
6.3.1 Gezähe aus örtlich vorkommendem Material
6.3.2 Sammelaktionen von Gezähen
6.3.3 Feuersetzen
6.3.4 Die Organisation des Kupferbergbaus von Cabrières/Hérault
6.4 Obsidianbergbau im Mittelmeergebiet
6.4.1 Melos
6.4.2 Westliches Mittelmeergebiet
6.5 Ethnographische Beispiele
6.5.1 Tuman-quarries der Tungei (Mt. Hagen)
6.5.2 Dom
6.5.3 Ganz River
6.5.4 Yeleme (Irian Jaya)
6.5.5 Zusammenfassung der ethnographischen Beispiele
6.6 Zusammenfassung

7. Verbreitung und Austausch mineralischer Güter
7.1 Verbreitungsmodelle
7.1.1 Selbstversorgung (direct access)
7.1.2 Hand-zu-Hand-Verbreitung (down-the-line-exchange)
7.1.3 Kommerzieller Handel
7.1.4 Zielgerichteter Handel (directional trade)
7.1.4.1 Reisende Händler (free-lance-trade)
7.1.4.2 Zentrale Orte (central places)
7.1.5 Zusammenfassung der Verbreitungsmodelle
7.2ArchäologischeBeispiele
7.2.1 Verbreitungsrouten
7.2.2 Verbreitungsformen der Produkte
7.3 Ethnographische Beispiele
7.3.1 Grünsteinbeile in Australien
7.3.2 Handelsstrukturen in Neuguinea
7.4 Zusammenfassung

8. Zusammenfassung und Ausblick

Literatur

Anhang

Vorwort

Die vorliegende Arbeit ist die nur wenig überarbeitete Fassung einer im Frühjahr 2005 bei der Philosophischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg eingereichten Dissertation.

Die Intention zu dieser Arbeit lag in der Erfahrung begründet, dass die Montanarchäologie, mit der ich mich seit meiner ersten Ausgrabung mit Prof. Dr. Gerd Weisgerber auf Thasos beschäftigt habe, in der allgemeinen Archäologie nicht oder nur gering wahrgenommen wird, und das, obwohl in fast jeder archäologischen Arbeit Silexgeräte, Steinbeile und in späteren Zeiten Kupfer-, Bronze- und Eisen- oder Edelmetallobjekte beschrieben werden. Dabei wird jedoch selten gefragt, woher diese Gegenstände letztendlich stammen oder unter welchen Bedingungen sie gewonnen wurden - im Bergbau!

Den letzten Anstoß zu diesem Thema brachte eine Diskussionsveranstaltung von Studenten des Instituts für Ur- und Frühgeschichte Freiburg, welche den Sinn der Montanarchäologie zum Gegenstand hatte. Die Beschäftigung mit der Frage „wo sind die Verknüpfungspunkte der Montanarchäologie mit der traditionellen Archäologie?“ brachte die Entscheidung, ausgehend von den Bergbauzeugnissen, ihre Bedeutung in und für die prähistorischen Gesellschaften zu untersuchen. Dabei das Neolithikum zu wählen lag für einen Schüler der „Freiburger Schule“, der in dieser Zeit zahlreichen unterschiedlichen, genutzten mineralischen Rohstoffe und aufgrund des vergleichsweise guten Forschungsstandes gegenüber anderen Epochen auf der Hand.

Im Verlauf der Arbeit halfen mir Freunde und Kommilitonen mit zahllosen Gesprächen und Diskussionen sowie mit Hinweisen auf weiterführende Literatur. Mein Dank gilt zuerst Prof. Dr. Chr. Strahm, der die Arbeit betreute und förderte und Prof. Dr. G. Weisgerberf, der trotz der Entfernung zwischen Bochum und Freiburg ein wichtiger und kritischer Gesprächspartner war. Des weiteren danke ich Stefanie Becker, Laurent Carozza, Jan Ciernyf, Alexandra und Thomas Eisinger; Gert Goldenberg, Marc Heise, Michael Kaiser, Raimar Kory, Niklot Krohn, Natalie Kurz, Raimund Masanz, Irenäus Matuschik, Doris Mischka, Simone Ortolf, Philipp von Rummel und Daniel Steiniger für die mir entgegengebrachte Hilfe.

Mein größter Dank gilt jedoch meinen Eltern Gisela und Rudolf Maass, die mir durch ihre Unterstützung erst die Möglichkeit zum Studium und zum Erstellen dieser Arbeit gegeben haben.

Einleitung

Seit dem Mittelpaläolithikum ist die Gewinnung von mineralischen Rohstoffen durch den Menschen belegt[1]. Neben der Gewinnung von Kieselgesteinen zur Fertigung von Klingen und Spitzen zum Jagen und Zerlegen der Beute ist auch der Abbau von Hämatit zur Gewinnung von Pigmenten bekannt[2]. Abbaustellen aus dem Paläolithikum und Mesolithikum kommen jedoch nur vereinzelt vor, da entweder brauchbares Material in ausreichender Menge an der Oberfläche aufgesammelt werden konnte oder aber die Abbaue aufgrund einer zu geringen Größe nur schwer erkannt werden können.

Ein deutlicher Anstieg der Abbautätigkeit ist mit der Sesshaftwerdung des Menschen im Frühneolithikum zu verzeichnen. Abgesehen von Werkzeugen für das Zerlegen von Tieren benötigten die Menschen Geräte für den Ackerbau, wie zum Beispiel Sicheln und vermehrt Steinbeile zum Roden von Bäumen, um Ackerflächen zu schaffen oder freizuhalten. Daneben wurden auch zunehmend andere mineralische Rohstoffe gewonnen, aus denen nicht nur Werkzeuge, sondern auch Objekte hergestellt wurden, die eine rein kultische oder soziale Funktion besessen haben[3].

Der begehrte Rohstoff wurde zu einem großen Teil aus kleinen und einfachen Tagebauen gewonnen, die in lose Schotter gegraben wurden. Daneben sind allerdings auch tiefe Schächte mit ausgedehnten Abbauhohlräumen bekannt, wie zum Beispiel die imposanten Gruben des beginnenden 4. Jt. in Belgien oder Holland. Hier wurden oft zunächst mehrere Horizonte mit brauchbaren Silexknollen durchstoßen, um einen bestimmten Horizont mit besonders großen Knollen zu erreichen und diesen gezielt abbauen zu können.

Aus diesen Beobachtungen ergeben sich Fragestellungen, die in der vorliegenden Arbeit verfolgt werden. Zuerst wird untersucht, aus welchem Grund die Menschen im Neolithikum nicht immer - gemäß den ökonomischen Regeln - den am leichtesten erreichbaren Rohstoff gewannen, sondern zum Teil beträchtliche Mühsal in Kauf nahmen, um ein bestimmtes Material zu erhalten. Die zweite wichtige Frage dieser Arbeit beschäftigt sich mit der für Gewinnung und Produktion nötigen Organisation und Infrastruktur.

Den Ausgangspunkt für die Klärung der Frage nach dem Grund für den teilweise sehr aufwendigen Bergbau bildet die Hypothese, dass der Aufwand der Gewinnung mit der Wertschätzung zusammenhängt, die das Material selbst oder die daraus hergestellten Objekte besaßen. Deshalb werden für die bekannten Gewinnungsstellen aus der Zeit zwischen ca. 5500 und 2000 v. Chr. zuerst Parameter entwickelt, mit deren Hilfe es möglich ist, den Grad des Aufwandes zu bestimmen, mit dem der Abbau betrieben wurde. Der Gewinnungsaufwand wird danach im Verhältnis zu den hergestellten Objekten diskutiert.

Die Rekonstruktion der Organisation und der Infrastruktur des Bergbaus kann nur indirekt, zum Beispiel über die Herkunft der Gezähe und über die Beziehung zwischen Abbaustellen und möglichen Bergbausiedlungen erfolgen. Da es sich aufgrund der wenigen archäologischen Quellen vor allem um eine modellhafte Darstellung handelt, werden zur Illustration ausgewählte Beispiele aus der Ethnologie hinzugezogen.

Die Mechanismen zur Verbreitung der Produkte, einem weiteren Aspekt der Organisation, werden anhand von Verbreitungskarten rekonstruiert. Auch in diesem Fall handelt es sich um modellhafte Darstellungen, die insbesondere als Anregung zu weiteren Forschungen in diese Richtung auffordern. Wie bei der Infrastruktur, illustrieren ausgewählte Beispiele aus der Ethnologie die gewonnenen Erkenntnisse.

Die vorliegende Arbeit ist in Form von zwei Themenkomplexen aufgebaut. In den Kapiteln zwei bis vier werden die mineralischen Rohstoffe, die Bergbautechnik und die Produkte als Grundlage der folgenden Untersuchungen vorgestellt. Die Kapitel fünf bis sieben stellen Auswertungskapitel dar, in denen die oben formulierten Fragen beantwortet werden. Auf einen ausführlichen Katalog der Gewinnungsplätze wird verzichtet, da die Silexbergwerke, die den Großteil der Abbaue ausmachen, unter anderem im Feuersteinkatalog Bochum[4] schon ausführlich dargestellt worden sind. Eine ausführliche Tabelle, die die Daten der vorliegenden Untersuchung zu sämtlichen Abbaustellen, inklusive der weiterführenden Literaturzitate enthält, wird im Anhang vorgelegt. Bei den im Text genannten Bergwerken wird in Klammern ihre Identifikationsnummer nach dem Feuersteinkatalog Bochum[5], beziehungsweise ihrer, für die vorliegende Arbeit vergebenen Nummer[6] angegeben. Die übrigen Bergwerke, wie zum Beispiel solche, die außerhalb des Untersuchungszeitraums liegen, erhalten keine Nummer.

1. Forschungsgeschichte

Die Forschungsgeschichte zum neolithischen Bergbau und seinen sozioökonomischen Strukturen wird in zwei Teile geteilt, von denen der erste den Bergbau im Neolithikum behandelt und der zweite die sozioökonomischen Strukturen. Dabei wird versucht, jeweils die unterschiedlichen Forschungsschwerpunkte im Laufe der Zeit herauszustellen, wobei nur beispielhaft die wichtigste Literatur und Abbaustellen genannt werden.

1.1 Forschungsgeschichte Bergbau

Da es insbesondere zum Silexbergbau zahlreiche zusammenfassende Werke gibt[7], kann der neolithische Bergbau anschaulich anhand einiger wichtiger Quellen behandelt werden. Die Forschungsgeschichten der übrigen mineralischen Rohstoffe werden nacheinander separat abgehandelt.

Die älteste Abbildung eines neolithischen Abbaus stammt aus dem Jahr 1835 und zeigt einen Schacht bei Meudon im Dép. Hauts-de- Seine (F 35)[8]. Cuvier und Brogniart beschrieben ihn als „schachtartige Höhle“, erkannten jedoch noch nicht seine eigentliche Bedeutung. In der Folgezeit häuften sich Entdeckungen und Untersuchungen in neolithischen Bergbaurevieren[9]. Die Entdeckung der untertägigen Abbauspuren bei Spiennes (B 01) 1867 im Zuge des Eisenbahnbaus, stellt ein wichtiges Eckdatum dar, mit dem eine Intensivierung der Bergbauforschung zu verknüpfen ist[10]. Zu dieser Zeit wurden auch in Frankreich und Belgien mehrere ehemalige Abbaue bei Steinbrucharbeiten, beim Eisenbahnbau oder anderen Baumaßnahmen entdeckt und teilweise untersucht. Zu nennen sind an dieser Stelle zum Beispiel die Abbaustelle Flénu in der Provinz Hennegau (B 03) in Belgien, die 1866 entdeckt wurde[11], Avennes in der Provinz Liège (B 06), entdeckt im Jahr 1870 beim Eisenbahnbau[12], die Fundstellen von Murs im Dép. Vaucluse (F 02), erkannt um 1870[13] oder La Petite-Garenne im Dép. Charente (F 10) im Jahr 1866[14] in Frankreich. Auch in Großbritannien fällt die Auffindung des Silexbergbaus von Church Hill bei Findon, West Sussex (GB 02) im Jahr 1868 und Grime‘s Graves, Norfolk (GB 13) im Jahr 1869 in diese „Aufbruchszeit“[15].

In den letzten Jahrzehnten des 19. Jhdts. und in der ersten Hälfte des 20. Jhdts. wurden in fast ganz Europa neolithische Silexbergwerke entdeckt und in teilweise groß angelegten Ausgrabungen untersucht. Zu den größten Unternehmungen dieser Art gehört die Aufdeckung von mehreren Schächten und Streckensystemen im Bergbaurevier von Spiennes (B 01) in Belgien zwischen 1887 und 1954, wobei hier besonders die Arbeiten zwischen 1911 und 1914 durch A. Rutot und A. de Loë herausragen[16]. Auch in Großbritannien und anderen europäischen Ländern fanden große Ausgrabungen in neolithischen Abbaurevieren statt[17].

Die Bearbeiter beschränkten sich in dieser Zeit praktisch ausschließlich auf das Beschreiben und Darstellen der Abbauspuren und der Gezähe[18]. Vergleichende und zusammenfassende Arbeiten fehlen fast völlig[19]. Die zeitliche Einordnung bereitete aufgrund schlechter Datierungsmöglichkeiten[20] Schwierigkeiten. Über nicht als solche erkannte Schlagabfälle und Gezähe auf den Abbauhalden wurde deshalb eine grobgerätige „Campignien- Kultur” definiert, deren Verbreitung zumindest über Westeuropa angenommen wurde[21]. Es war jedoch nicht möglich, ihr genaues Alter einzugrenzen. Wegen der „primitiven“ Geräte wurde sie daher sogar ins Mesolithikum oder Paläolithikum datiert, aufgrund der gleichzeitig erkannten Verbindung zu neolithischen Kulturen aber auch an den Beginn des Neolithikums gesetzt[22].

Einer der ersten Artikel, der sich zusammenfassend mit der Bergbaukunde beschäftigt hat und als erstes versuchte, eine Systematik in die Forschung des neolithischen Bergbaus zu bringen, stammt von M. Jahn aus dem Jahr I960. Er definierte als erster verschiedene Abbauformen und ordnete diesen die Silexabbaue zu.

Ein Aufschwung der Erforschung des neolithischen Bergbaus setzte in den späten 60er Jahren ein und gipfelt in den ab 1969 stattfindenden internationalen Feuersteinsymposien. Die ersten drei wurden im Zusammenhang mit den Ausgrabungen im neolithischen Feuersteinbergwerk von Rijckholt (NL 01) bei Maastricht durch die Forschungsgruppe um die Brüder W. M. und J. P. Felder organisiert[23]. Bei diesen Symposien wurden erstmals die Ergebnisse der Forschungen zu Feuerstein, sowie Feuersteinabbau und -bearbeitung durch Archäologen, Geologen und Mineralogen fach- und länderübergreifend vorgestellt. Einen entscheidenden Höhepunkt bildete das 1980 während einer Feuersteinausstellung im Deutschen Bergbaumuseum Bochum stattfindende internationale Kolloquium zum prähistorischen Feuersteinbergbau[24]. Der Katalog zu dieser Ausstellung beinhaltet eine systematische Erfassung der in Europa bekannten Silex-Abbaustellen, sowie weitere Aufsätze zu naturwissenschaftlichen Grundlagen, zur neolithischen Bergbautechnologie sowie der Verarbeitung von Feuerstein und Silex in historischer und heutiger Zeit. Dadurch bildet diese Publikation die wichtigste Grundlage für weitergehende Forschungen, die mit Feuerstein zusammenhängen. Im Ganzen gab es bis 1999 acht „Internationale Flint-Symposien“ die ab dem vierten in verschiedenen Ländern stattfanden[25]. Ab den 90er Jahren wurden zunehmend auch steinzeitlicher Abbau anderer mineralischer Rohstoffe, wie dem Variszit von Can Tintorer in Spanien (E a)[26] oder der jungsteinzeitliche Hämatitgewinnung in Bad Sulzburg in Deutschland (D a) behandelt[27]. Neben den großen internationalen Feuersteinsymposien[28] finden auch zunehmend kleinere nationale und internationale Tagungen statt, die sich mit dem Thema beschäftigen[29] und die ebenfalls neue Impulse in dieses komplexe Forschungsgebiet bringen.

Die Erforschung von neolithischen Felsgesteinsteinbrüchen in Europa begann sehr langsam in der ersten Hälfte des 20. Jhdts.[30]. Der erste intensiv untersuchte Steinbruch war der um 1946 entdeckte und ab 1958 ausgegrabene bei Mynydd Rhiw (GB b) in Großbritannien[31]. Von 1966 bis 1973 wurde bei Sélédin (F c) in Frankreich ein weiterer Steinbruch erforscht[32]. Intensivere Untersuchungen in Großbritannien und Frankreich setzen danach jedoch erst wieder ab Mitte der 1980er Jahre ein, mit den Grabungen am Great Langdale und Pike O’Stickle in Großbritannien[33] sowie der Entdeckung der beiden neolithischen Steinbrüche bei Plancher-les-Mines (F a) und St. Amarin (F b) in den Vogesen[34].

Die Entdeckungen der ersten prähistorischen Kupferbergwerke, die ausnahmslos in die Bronzezeit datieren, fallen in die Mitte des 19. Jhdts., wie zum Beispiel die spätbronzezeitlichen Bergwerke am Mitterberg bei Mühlbach/Bischofshofen in Österreich[35]. Kupferbergbau aus dem Neolithikum ist erst ab den 70er und 80er Jahren des 20. Jhdts. von Aibunar in Bulgarien (BG a)[36], Rudna Glava in Serbien und Montenegro (SER b)[37], Cabrières in Frankreich (F d)[38] und Ross Island in Irland[39] bekannt. In Aibunar und Rudna Glava fanden in den 1970er Jahren Ausgrabungen statt, allerdings hören anschließend die Feldforschungen auf. Die 1980 begonnenen Forschungen in Cabrières dauern bis heute fort[40]. Bei Ross Island wurden in den 1990er Jahren Ausgrabungen durchgeführt und 2004 in einem großen Werk vorgelegt[41].

1.2 Forschungsgeschichte zu den sozioökonomischen Strukturen im neolithischen Bergbau

Die Forschungsgeschichte zu den sozioökonomischen Strukturen des neolithischen Bergbaus fängt deutlich später an als die zur Gewinnung. Die ersten Arbeiten, die sich mit der Erforschung des Bergbauumfeldes beschäftigen, beziehen sich vornehmlich auf den Handel mit mineralischen Rohstoffen. Als einer der ersten versuchte Renfrew 1968 anhand des archäologischen Materials Strukturen der Verbreitung und des Austausches von mineralischen Rohstoffen, insbesondere des Obsidians im östlichen Mittelmeergebiet, zu untersuchen[42]. Anhand des Anteils von Obsidian bekannter Herkunft im Fundinventar verschiedener Siedlungen unterscheidet er eine „supply zone”, dem Selbstversorgungsgebiet, von einer „contact zone”, dem Austauschgebiet. Er modifiziert seine Vorstellungen 1975 durch theoretische Überlegungen, wie der Obsidiananteil bei unterschiedlichen Austauscharten innerhalb der beiden Zonen abnehmen würde.

In seiner Habilitationsarbeit geht Zimmermann 1995 diesem Ansatz weiter nach und versucht mit diesen Modellen die Silexversorgung während der Linearbandkeramik in Mitteleuropa zu rekonstruieren. Dabei verfeinert er die Methode von Renfrew, indem er nicht nur den Anteil eines bestimmten Feuersteins im Fundinventar ermittelt, sondern auch die verschiedenen Produktionsstadien, in denen er auftritt.

Mit der Erforschung der Organisation sowie des direkten Bergbauumfeldes, vor allem während der Linearbandkeramik, beschäftigt sich seit den 1980er Jahren M. de Grooth[43]. Sie versucht die Organisation der Gewinnung über mögliche Eigentumsverhältnisse von Siedlungen an Abbaustellen zu rekonstruieren. Daraus leitet sie die Möglichkeit von spezialisierten Bergleuten sowie Hinweise auf Personal- und Zeitaufwand bei der Gewinnung ab.

Einen ganz neuen Ansatz verfolgt N. Kegler- Graiewski in einem Aufsatz zum Tausch und Transport von neolithischen Steingeräten. Sie berechnet hierin auf der Basis einer Formel von Weber die Transportkosten und den Transportaufwand, wobei die Transportkosten als abstrakte Zahl und der Aufwand als Personenstunden angegeben werden[44].

1.3 Zusammenfassung

Bei der Betrachtung der einzelnen Forschungsgeschichten fällt der große Unterschied zwischen dem Forschungsstand bezüglich des Bergbaus und der sozioökonomischen Strukturen im neolithischen Bergbau auf. Die längere Forschungstradition und die klareren Befunde in der Bergbauforschung, zumindest beim Feuersteinbergbau, ermöglichten ein weitreichendes Verständnis der Vorgehensweise der neolithischen Bergleute und der angewandten Gewinnungs- und Verarbeitungstechniken. Allerdings war die Forschung einseitig auf diesen Bereich ausgerichtet, während das Umfeld des Bergbaus von der Montanarchäologie selten erfasst wurde. Diese Strukturen wurden trotz ihrer Bedeutung für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte im Neolithikum entweder vernachlässigt oder von Archäologen verfolgt, die nur eine geringe Erfahrung mit den Bergbautechniken besaßen, weshalb ihre Schlüsse nur bedingt auf den neolithischen Bergbau anwendbar sind.

2. Mineralische Rohstoffe und ihre Verwendung

Im Neolithikum ist zu beobachten, dass sehr viele verschiedene Gesteine als Rohstoff für unterschiedliche Objekte Verwendung fan­den. Harte und zähe Steine wurden eher zu Werkzeugen verarbeitet, während farbige oder färbende Gesteine und Minerale häufiger als Schmucksteine[45] oder Pigmente benutzt wur­den[46]. Die Verwendung der einzelnen Rohma­terialien veränderte sich jedoch im Laufe der Zeit, wobei die Rohstoffe für Werkzeuge eher eine Konstanz aufwiesen als diejenigen, die zu Schmuckobjekten oder Pigmenten weiterver­arbeitet wurden. Ein Grund hierfür könnte sein, dass für Werkzeuge primär die technischen Eigenschaften des Gesteins zählen, während Schmuck oder Farbstoffe wesentlich stärker anderen Wertvorstellungen, wie zum Beispiel Mode oder Kult unterworfen gewesen sein können[47].

Als Schmuck- und Pigmentsteine sind hier nur Materialgruppen aufgeführt, für die Nachweise prähistorischen Bergbaus vorliegen. Bei den Rohstoffen für Werkzeuge werden teilweise auch Gesteine und Minerale aufgeführt, de­ren Verwendung in der Urgeschichte zwar nachgewiesen, deren Abbaustellen aber noch unentdeckt sind. Im Folgenden sind die mine­ralischen Rohstoffe unter den Oberbegriffen Kieselgesteine, Felsgesteine, Kupfer, Hämatit und Variszit zwecks einer besseren Übersicht­lichkeit zusammengefasst.

2.1 Kieselgesteine

Unter Kieselgesteinen werden alle nicht klasti­schen Gesteine verstanden, deren Kieselsäu­regehalt 50% übersteigt. Die Härte der Kie­selgesteine liegt zwischen 6,5 und 7 auf der Mohsschen Härteskala. Ihre technischen Un­terschiede werden vor allem vom unterschied­lichen Wassergehalt und der Kristallstruktur bestimmt, durch die das Bruchverhalten des Steins beeinflusst wird[48]. Obwohl sich Obsidi­an, Chalzedon, Radiolarit und Silex chemisch nur unwesentlich unterscheiden, werden sie hier aufgrund ihrer unterschiedlichen Bildung getrennt behandelt.

2.1.1 Chalzedon (Tafel 1A+B)

Chalzedon ist eine Quarzvarietät, die aus mi­krokristallinen Fasern besteht, zwischen denen Wasser eingelagert ist. Seine Härte zwischen 6,5 und 7 liegt geringfügig unter der von Quarz. Der Bruch ist uneben-schalig. Chalzedon kommt als unregelmäßige Hohlraumfüllung und in Krusten vor und bildet deswegen mei­stens keine größeren, zusammenhängenden Lagerstätten. Es gibt jedoch vereinzelt Chal- zedone, die zusammen mit anderen Silexva­rietäten auch größere Lagerstätten bilden kön­nen, wie zum Beispiel im Trigonodus-Dolomit des Dinkelbergs bei Lörrach an der Schweizer Grenze[49]. Der eigentliche Chalzedon besitzt eine milchig-bläuliche Farbe mit einem wachs­artigen, matten Glanz. Es gibt jedoch auch wei­tere, anders gefärbte Varietäten, zu denen zum Beispiel der rötliche Karneol oder der grüne Chrysopras gezählt werden[50].

Auch wenn Chalzedon vereinzelt als Rohstoff in der Werkzeugherstellung verwendet wur­de, wie zum Beispiel die Chalzedone aus dem Trigonodus-Dolomit, ist keine bergmännische Gewinnung aus der Vorgeschichte bekannt. Aufgrund der meistens nur kleinen Vorkommen dürfte sie auch nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben.

2.1.2 Kieselschiefer (Tafel 1 C)

Kieselschiefer ist ein feinkörniges, geschichte­tes, marines Kieselgestein, dessen Entstehung jedoch noch nicht genau geklärt ist. Unbekannt ist, ob er ausschließlich durch Ausflockung von Kieselsäure, durch submarine Quellen oder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tafel 1 Kieselgesteine. nach Schuhmann 1994, A = S. 39.1, B = S. 179.2, , C = 293.5, D = S. 239.4, E = S. 37.4, F = S. 319.1, G = S. 293.3, H = S. 295.2, I = 179.4

durch diagenetisch veränderte Radiolaritabla- gerungen gebildet wurde[51]. Er besitzt, wie die übrigen Kieselgesteine, eine Härte zwischen 6,5 und 7 und hat meistens eine schwarze bis grünliche Färbung. Aufgrund seiner Sprödigkeit und oft starken Zerklüftung war er für die Her­stellung von Geräten und Werkzeugen nur be­dingt geeignet. Eine prähistorische bergmänni­sche Gewinnung von echtem Kieselschiefer ist noch nicht nachgewiesen.

2.1.3 Obsidian (Tafel 1 D)

Obsidian ist ein vulkanisches Glas, das im Zu­sammenhang mit sauren Vulkanen mit einem hohen Siliziumgehalt vorkommt[52]. Er entsteht durch eine rasche Abkühlung des glutflüssigen Magmas, bei der sich keine Kristallstruktur bil­den kann. Obsidianlagerstätten Anden sich nur in Gebieten mit jungem, in der Regel tertiärem oder quartärem Vulkanismus, da das Glas über größere geologische Zeiträume nicht stabil ist. Die Oberfläche des Obsidians nimmt Wasser auf und bildet eine Hydratationsschicht. Bei einer Dicke von ca. 40-60?, die sie nach eini­gen 10.000 Jahren erreicht, platzt die äußere Schicht ab, worauf der Vorgang von neuem einsetzt. Der SiO2-Gehalt des ryolithischen Ob­sidians liegt bei über 66 Gewichtsprozent bei einem Wassergehalt von 0,2-0,9 Gewichtspro­zent. Es gibt jedoch noch weitere Obsidianar­ten wie dazitischer oder tachylithischer Obsi­dian, die durch einen geringeren SiO2- zugun­sten eines größeren Wassergehaltes definiert werden. Obsidian besitzt eine Härte von 7 und ist spröder als der Feuerstein.

In der Vorgeschichte war Obsidian wegen sei­ner guten Bearbeitbarkeit als Werkzeugroh­stoff sehr beliebt, außerdem entstanden beim Schlag dünne Klingen, die in ihrer Schärfe Feuersteinklingen noch übertrafen. Allerdings besitzt Obsidian daneben auch eine größere Sprödigkeit, was sich negativ auf seine Halt­barkeit auswirkt. Seine geringere Verwendung ist mit der Seltenheit seiner Vorkommen zu er­klären, die sich auf wenige Vulkangebiete be­schränken, in denen sowohl der Chemismus als auch das geologisch geringe Alter zusam- mentreffen[53]. In Gebieten, in denen Obsidian auch noch in Form von größeren Knollen vor­kommt, wie zum Beispiel auf der griechischen Insel Melos[54] oder aus dem westlichen Mittel­meergebiet[55], wurde er in der Regel bergmän­nisch gewonnen und erlangte eine große Ver­breitung.

2.1.4 Quarz (Tafel 1 E)

Das am weitesten verbreitete Mineral ist der Quarz, der aus reiner Kieselsäure ohne Was­sereinschlüsse besteht. Seine Härte beträgt 7 und er bricht in einem muscheligen bis spröd- splitterigen Bruch. Er tritt sowohl gesteinsbil­dend, zum Beispiel im Granit, als auch in Form derber Massen als Hauptbestandteil von Gän­gen auf. In Klüften kann er meist klare Kristalle, so genannte Bergkristalle ausbilden, die einen trigonalen Aufbau aufweisen. Quarz besitzt sehr oft eine milchig-weiße Farbe, kann aber durch Verunreinigungen oder Strahlungsein­wirkungen auch viele weitere Farben anneh­men (z.B. rosa - Rosenquarz, violett - Ame­thyst, gelb - Citrin oder braun bis schwarz - Rauchquarz)[56].

Wegen des nur schwer zu berechnenden Bruchverhaltens war Quarz nur bedingt für die Anfertigung von größeren Geräten geeignet[57]. Kleinere Geräte, wie Spitzen oder kurze Klingen Anden sich jedoch häufiger im archäologischen Fundgut. Allem Anschein nach wurden die kla­ren Varianten des Quarzes, wie zum Beispiel Bergkristall, den milchigen Erscheinungsfor­men vorgezogen. Ein neolithischer Quarzab­bau ist im Untersuchungsgebiet bislang nicht gefunden worden, auch wenn Schlagplätze mit Abfallmaterial aus Quarz und Bergkristall in den Alpen sowie der sehr hohe Anteil von Bergkristall auf inneralpinen Siedlungsstellen durchaus die Existenz von kleinen, begrenzten Gewinnungstätigkeiten andeuten[58].

Als Quarzit bezeichnet man ein massiges Ge­stein, das zu über 80% aus Quarz besteht[59]. Man unterscheidet zwischen metamorphem und sedimentärem Quarzit[60]. Metamorpher Quarzit ist aus Sandstein entstanden, des­sen Körner infolge von hohem Druck und ho­her Temperatur zusammen gebacken sind. Je nach Korngröße und Metamorphosegrad gibt es dementsprechend gröbere und feinere Quarzite, bei denen die einzelnen Körner nur noch schwer zu erkennen sind. Beim sedimen­tären Quarzit beruht die Festigkeit auf einem Zement, der ebenfalls aus Quarz besteht und der die einzelnen Quarzkörner miteinander verbindet. Quarzit kommt in der Regel in Form von mächtigen Bänken vor.

Ähnlich wie Feuerstein wurde Quarzit schon im Paläolithikum zur Herstellung von Faustkei­len und anderen Geräten verwendet und war auch im Neolithikum als Rohstoff für Klingen und andere Kleinwerkzeuge in Gebrauch. Er diente in Regionen ohne entsprechende Kalk­formationen als Ersatz für Silex, erreichte aber nicht dessen „Beliebtheit“ aufgrund der gröbe­ren Werkzeuge und der damit weniger schar­fen Schneiden. Quarzit erlangte jedoch durch seine Zähigkeit und Härte im prähistorischen Bergbau eine große Bedeutung, in dem er als Steinschlägel bei der Zermalmenden Gewin­nung verwendet wurde[61]. In der Regel kamen hierbei Gerolle aus fluviatilen Schotterbänken zum Einsatz. Allerdings konnten im chalkoli- thischen Kupferbergbaurevier von Cabrières auch Steinbrüche nachgewiesen werden, in denen der Quarzit für Steinschlägel bergmän­nisch gewonnen wurde.

Trotz der häufigen Vorkommen sind nur weni­ge Steinbrüche in Europa bekannt, was jedoch vor allem am schlechten Forschungsstand lie­gen dürfte, da Quarzit im Fundgut neolithischer Siedlungen regelmäßig anzutreffen ist. Zu den wenigen Fundplätzen, an denen bergmänni­scher Abbau nachgewiesen ist, gehören Tusi- mice (CZ 01) und Becov (CZ 02) in Tschechien.

2.1.6 Radiolarit (Tafel 1 G)

Radiolarit gehört zur Gruppe der biogenen Ge­steine. Er baut sich aus dem Kieselskelett ab­gestorbener Kieselalgen (Radiolarien) auf und hat in der Regel durch Eisenoxide eine rötliche bis bräunliche Farbe[62]. Seine Härte liegt wie bei Feuerstein zwischen 6,5 und 7. Es handelt sich um ein sehr dichtes Gestein, das muschelig bricht. Gewöhnlich kommt Radiolarit in mächti­gen Schichten im Kalkstein vor, die häufig von Quarzadern oder Klüften durchzogen sind, die die Herstellung von größeren Werkzeugen ver­hindern. Auch ist die Qualität innerhalb der La­gerstätte oftmals unterschiedlich.

Verwendet wurde Radiolarit genauso wie Feu­erstein und Quarzit durchgehend vom Paläo- lithikum bis in die Bronzezeit. Bergmännische Gewinnung ist unter anderem aus Österreich, zum Beispiel bei Mauer (AU 01) und Ungarn, zum Beispiel bei Sümeg (H 02) belegt.

2.1.7 Silex (Tafel 1 H+I)

Silex ist ein chalzedonisches Kieselgestein mit einer Härte von 6% bis 7 nach Mohs[63], das meistens entweder in Form von eiförmigen bis unregelmäßigen Knollen oder Platten be­ziehungsweise Schichten, vorkommt. Je nach Alter der Gesteine wird in der archäologischen Literatur oft zwischen „Hornstein“ oder „chert“ (engl.) für den Jura- und Muschelkalkfeuer­stein und „Feuerstein“ oder „flint“ (engl.) für den Silex aus der Kreideformation unterschie­den. Es gibt jedoch noch weitere Kieselgestei­ne, die in die Gruppe der Feuersteine gehören. Als Jaspis wird eine Varietät bezeichnet, die sich durch einen hohen Gehalt an Fremdstof­fen (bis 20%) auszeichnet und in der Regel ge- streift oder fleckig ist[64]. Auch verkieseltes Holz gehört in diese Gruppe. Da sie mineralogisch praktisch identisch sind und sich auch in ihrer Verwendung nicht unterscheiden, wird auf eine Trennung der einzelnen Feuersteinarten ver­zichtet und als Oberbegriffe werden in der Fol­ge nur die Ausdrücke „Feuerstein“ oder „Silex“ benutzt werden[65].

Die Bildung des Silex erfolgte in der Regel im Meer oder in Süßwasserseen, obwohl auch ähnliche Gesteine an Land gebildet werden können[66]. Im Gegensatz zum Radiolarit[67], er­folgte die Bildung des Feuersteins durch Aus­fällung von im Meerwasser gelöster Kieselsäu­re, weshalb er als chemisches Sediment anzu­sprechen ist. Die Ausfällung konnte vor allem durch ein Absinken der Temperatur oder des pH-Wertes des Wassers hervorgerufen wer­den[68]. Die Kieselsäure bildete auf dem Grund ein Kieselgel, das sich durch Wasserentzug zu Feuerstein verhärtete. Dabei konnten Tier- und Pflanzenreste mit eingeschlossen und das organische Material durch Kieselsäure ersetzt werden. So Anden sich häufig Fossilien von Einzellern aber auch komplexeren Lebewesen wie Seeigeln, Muscheln oder Korallen bezie­hungsweise deren Bruchstücke im Feuerstein. Diese können bei der Herkunftsbestimmung hilfreich sein, da sie eine genaue zeitliche Ein­ordnung und Bestimmung des Bildungsmilieus erlauben.

Sehr häufig kommt Silex in den kalkigen Schichten des Muschelkalks, Juras und der Kreide, teilweise auch des Tertiärs vor und steht dort meistens in einzelnen oder mehre­ren parallelen Horizonten an[69]. Doch auch aus den paläozoischen Schichten der Mittelgebir­ge sind so genannte „cherts“ bekannt, deren prähistorische Nutzung wahrscheinlich ist, die bisher aber noch zu wenig erforscht wur­den[70]. Diese Feuersteinarten sind jedoch oft aufgrund des hohen Alters und der stärkeren Beanspruchung durch tektonische Vorgänge nur von einer geringeren Qualität. Neben den Primär- existieren auch zahlreiche sekundäre Silex-Lagerstätten in fluviatilen und glazialen Schottern.

Das Bruchverhalten des Silex entspricht dem von Radiolarit, Chalzedon und Obsidian, aller­dings ohne die Feinheit der Obsidianklingen zu erreichen.

Seit dem Paläolithikum bis weit in die Bronze­zeit war Silex das wichtigste Rohmaterial für die Werkzeugherstellung. Es wurden Messer­klingen und Kratzer für den täglichen Bedarf, Pfeilspitzen für die Jagd, Sicheleinsätze für die Getreideernte und ab der zweiten Hälfte des 5. Jts. v. Chr. auch Steinbeile angefertigt. Vor allem im Neolithikum wurde Silex in gro­ßen Mengen benötigt, weshalb die Menschen dazu gezwungen waren, den begehrten Roh­stoff bergmännisch zu gewinnen. Dementspre­chend Anden sich in sämtlichen Regionen mit Feuersteinlagerstätten auch Spuren der zum Teil sehr großen Abbautätigkeiten[71].

In den letzten Jahren ist im chalkolithischen Kupferre­vier von Cabrières (F d) der Nachweis für den Abbau von Feuerstein aus devonischen Schichten gelungen, der je­doch aufgrund seiner relativ schlechten Qualität nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben dürfte.

2.2 Felsgesteine

Unter dem Begriff Felsgestein werden in der Archäologie die Gesteine verstanden, die nicht zur Gruppe der Kieselgesteine gehören. Es handelt sich um eine sehr weit gefasste Grup­pe, die für unterschiedliche Objekte verwendet wurden. Da nicht sämtliche in der Vorgeschich­te genutzten Gesteine einzeln behandelt wer­den sollen und können, werden sie unter den geologischen Hauptgruppen Magmatite, Sedi­mentgesteine und Metamorphite zusammen­gefasst dargestellt.

2.2.1 Magmatite (Tafel 2 A-C)

Magmatite sind Primärgesteine aus dem Mag­ma des Erdmantels. Je nach ihrer Entstehung werden sie in zwei Arten unterteilt: Vulkanite oder Ergussgesteine, die beim Austritt an der Erdoberfläche entstehen, und Plutonite oder Tiefengesteine, die sich in langen Zeiträu­men innerhalb der Erdkruste bilden. Vulkanite zeichnen sich aufgrund der schnellen Abküh­lung durch eine dichte Grundmatrix aus, in der Gasblasen und einzelne kleinere Kristalle vorkommen können. Plutonite dagegen kühlen in der Erdkruste so langsam ab, dass eine gut ausgebildete Kristallstruktur entsteht. Je nach Kieselsäuregehalt handelt es sich um sau­re Magmatite, die in der Regel hell sind oder basische, die eine dunkle Farbe besitzen. Zu der Gruppe der Magmatite zählen auch Tuffe, poröse Gesteine aus Magmafetzen oder vul­kanischer Asche, die beim Ausbruch aus dem Schlot geschleudert wurden[72].

Im Neolithikum wurden hauptsächlich die basi­schen Vulkanite für die Herstellung von Gerä­ten verwendet. Durch das dichte Gefüge waren sie gut zu bearbeiten und besaßen eine aus­reichende Härte, so dass sie sich als Rohstoff für Steinbeile sehr gut eigneten. Oft verwendet wurden zum Beispiel Basalt oder Dolerit, von dem eine Abbaustelle bei Sélédin in der Bre­tagne (F c) bekannt ist[73]. Der hohe Quarzan­teil der sauren Vulkanite war dagegen für die Herstellung von Steinbeilen hinderlich, da das Schleifen dadurch wesentlich erschwert wur­
de. Nur feinkörnige, saure Vulkanite, wie Ryolit konnten für die Herstellung von Klingen ver­wendet werden, da sie wie Feuerstein bearbei­tet werden konnten.

Plutonite waren aufgrund ihrer kristallinen Struktur schlechter für die Herstellung von Geräten geeignet. Nur von einigen besonders feinkörnigen Varietäten, unter denen ebenfalls die basischen Gesteine dominieren, ist die Verwendung als Rohstoff für Geräte im Neo­lithikum belegt. Für das Frühneolithikum ist im nördlichen Elsass die lokale Nutzung von Mi- krodiorit, ein feinkörniger Diorit, zur Herstellung von Steinbeilen bekannt, auch wenn dessen genaue Herkunftsstelle noch nicht gefunden werden konnte[74].

2.2.2 Sedimentgesteine (Tafel 2 D-F)

Sedimentgesteine sind Gesteine, die bei der Verwitterung anderer Gesteine entstehen und sich nach dem Transport durch Schwerkraft, Wasser oder Wind ablagern. Sie lassen sich in drei Gruppen unterteilen: klastische, chemi­sche und biogene Sedimente.

Klastische Sedimente bestehen aus den zer­kleinerten Trümmern der Ausgangsgesteine, die sich je nach Transportart in unterschied­liche Korngrößen aufteilen: Psephite stellen die gröbsten Sedimentgesteine dar, die eine Korngröße von über 2 mm aufweisen. Zu ih­nen zählen Gerölle aus Flussablagerungen oder kantiger Blockschutt, der sich am Fuß von Bergen ansammelt. Aus den Geröllen entste­hen bei der Diagenese Konglomerate, wäh­rend der kantige Schutt als Brekzie bezeichnet wird. Psammite sind mittelgrobe Sedimente, die auch als Sand bezeichnet werden[75]. Ihre Korngröße liegt zwischen 2 mm und 0,02 mm. Je nach Quarzgehalt entstehen bei der Diage­nese durch die Verkittung der einzelnen Körner mit verschiedenen Bindemitteln wie Ton, Kalk oder Kieselsäure Sandstein oder Arkose. Für Sedimente mit einer Korngröße von weniger als 0,02 mm wird der Ausdruck Pellit verwendet. Hierzu gehören Ton und Lehm beziehungswei

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tafel 2 Felsgesteine nach Schuhmann 1994, A = S. 235.2, B = S. 245.4, C = S. 247.1, D = S. 271.1, E = S. 269.1, F = S. 273.4, G = S. 321.3, H = S. 321.2, I = Hochleitner 1981, Nr. 358.

se als verfestigtes Gestein Tonstein, die sich in stehenden Gewässern ablagern. Zu dieser Gruppe zählt auch Löss, welcher ein äolisches Sediment ist[76]. Konglomerate und Flussschot­ter waren für die neolithischen Menschen dann von Interesse, wenn in diesen mineralische Rohstoffe wie Feuerstein oder Erze angerei­chert waren. Sandstein wurde im Neolithikum vor allem für Mahlsteine bei der Getreidever­arbeitung verwendet. Obwohl die Herkunft des Sandsteins sich teilweise recht genau eingren­zen lässt, wurden bislang keine neolithischen Abbaustellen gefunden. Tonstein, insbesonde­re wenn er leicht verkieselt war[77], wurde unter anderem für die Herstellung von Steinbeilen verwendet. Eine solche Abbaustelle liegt bei Plancher-les-Mines (F a) in der Nähe von Bel­fort in den südlichen Vogesen/Frankreich[78].

Chemische Sedimente sind Gesteine, die aus im Wasser gelöstem und wieder ausgefälltem Material entstehen. Zu dieser Gruppe zählen insbesondere Salz und Kalkstein. Kalkstein selber wurde nur selten, zum Beispiel für die Herstellung von Perlen, verwendet, wobei eine systematische Gewinnung noch nicht nach­gewiesen ist. Wesentlich häufiger wurde er abgebaut, um an den darin vorkommenden Feuerstein[79] zu gelangen. Die bergmännische Gewinnung von Salz ist im Gegensatz zu spä­teren Zeiten[80] für das Neolithikum noch nicht nachgewiesen, seine Nutzung über Versie- dung salzhaltiger Quellen jedoch belegt[81].

Biogene Sedimente setzen sich aus den Re­sten abgestorbener Lebewesen zusammen. Ein typischer Vertreter dieser Gruppe ist der oben schon vorgestellte Radiolarit, der aus den Skeletten von Kieselalgen, Radiolarien, besteht[82].

Die größte und vielseitigste Gesteinsgruppe umfasst die Metamorphite. Es handelt sich hier­bei um umgewandelte Gesteine, die aufgrund von hohem Druck und/oder hoher Temperatur aus anderen Gesteinen wie Magmatiten, Sedi­menten oder Metamorphiten entstanden sind. Die beiden möglichen Formen der Umwand­lung sind die Kontakt- und Regionalmetamor­phose.

Bei der Kontaktmetamorphose wird das Ge­stein durch die Hitze und Gase eines in der Nachbarschaft eindringenden Magmatits, sehr oft eines Plutons, verändert. Die Auswirkungen der Kontaktmetamorphose können in einem Umkreis von ca. 2-3 km um den Plutonit noch erkennbar sein, wobei der Metamorphosegrad mit zunehmender Entfernung zum Pluton ab­nimmt. Die Regionalmetamorphose entsteht durch die Absenkung ganzer Teile der Erdkru­ste. Mit zunehmender Tiefe vergrößert sich sowohl der seitliche als auch der durch auf­lagerndes Material senkrecht wirkende Druck auf das Gestein. Zusätzlich erhöht sich in der Tiefe die Hitze, wodurch in Abhängigkeit vom Druck die Umwandlung des Gesteins erfolgt[83]. Die Metamorphose zeigt sich zuerst durch die Änderung des Gesteinsgefüges und durch Umkristallisation der Mineralien[84]. Bei weiter ansteigendem Druck und Temperatur kann es zum partiellen bis hin zum vollständigen Auf­schmelzen des Gesteins kommen beziehungs­weise zur Um- und Neubildung von Mineralien. Bei starkem einseitigem Druck regeln sich die blättrigen oder stängeligen Minerale senkrecht zur Druckrichtung ein und bilden eine so ge­nannte Schieferung.

Im Neolithikum wurden für die Herstellung von Geräten vor allem feinkörnige oder massige Metamorphite verwendet, die eine relativ leich­te Bearbeitung zuließen und dabei sehr kom­pakt waren. Stark schiefrige Gesteine, die auf­grund ihrer blättrigen Struktur leicht zerfallen, wurden hingegen seltener genutzt.

Sehr oft wurden Gesteine der „Felsfamilie", wie Amphibolit[85], Eklogit oder Hornfels, die keine gerichteten Strukturen in ihrem Gefüge erkennen lassen, verwendet. Die oft als Grüngesteine bezeichneten Ophiolite und Serpentinite waren vermutlich aufgrund ihrer auffallenden Färbung beliebt, insbesondere bei der Herstellung von Prunkbeilen, wie den so genannten Aremorikanischen Beilen oder Streitäxten[86]. Aus der Gruppe der Schiefergesteine wurden zum Beispiel Grün- und Knotenschiefer ebenfalls für die Herstellung von Beilen verwendet. Aus den südlichen Vogesen ist bei St. Amarin eine neolithische Abbausteile (F b) bekannt, an der Knotenschiefer, ein durch eingedrungenen Granit entstandenes kontaktmetamorphes Gestein, abgebaut und zu Beilen verarbeitet wurde[87]. In Polen wurde bei Janska Gora (PL c) ein Steinbruch von Serpentin, ebenfalls für die Herstellung von Steinbeilen, gefunden[88].

2.3 Kupfer

2.3.1 Gediegenes Kupfer (Tafel 3 A)

Unter gediegenem Kupfer wird natürlich vor­kommendes, elementares Kupfer verstanden. Es findet sich vor allem in der Oxidationszo­ne einer Lagerstätte, dem Eisernen Hut, oder in basischen Magmatiten[89]. In Europa ist es so selten, dass es wirtschaftlich zu keiner Zeit eine große Rolle bei der Verwendung und Aus­breitung von Kupfer spielte.

ln Anatolien hingegen, wo es einzelne oberflä­chennahe Vorkommen an gediegenem Kupfer gibt, finden sich die ersten Zeugnisse schon in Siedlungen aus dem 9. Jt. v. Chr.[90]. In Cayönü Tepesi wurden gehämmerte Perlen aus gedie­genem Kupfer ausgegraben. Als weitere Be­arbeitungstechnik ist hier zum ersten Mal eine Wärmebehandlung der Perlen nachgewiesen, die nötig war, um die ursprüngliche Struktur des durch das Hämmern spröde gewordenen Metalls wiederherzustellen[91].

Eine bergmännische Gewinnung von gediege­nem Kupfer ist bislang nicht bekannt. Aufgrund der oberflächlichen Vorkommen und der nur geringen Verwendung ist allerdings auch nicht mit großen Bergbautätigkeiten zu rechnen.

2.3.2 Oxidische Kupfererze (Tafel 3 B+C)

Zu den wichtigsten oxidischen Kupfererzen gehören das grüne Kupfercarbonat Malachit und das blaue Kupfercarbonat Azurit, welche sekundäre Kupfererze darstellen. Beide Mine­rale kommen in der Oxidationszone von Kup­ferlagerstätten vor. Aufgrund der geologischen Gegebenheiten Mitteleuropas ist die Oxidati­onszone in der Region jedoch nur geringmäch­tig vorhanden oder bereits während der Eiszei­ten vielerorts abgetragen worden. Deswegen spielten sekundäre Kupfererze in den neolithi- schen Kulturen Mitteleuropas eine wesentlich geringere Rolle als zum Beispiel in Anatolien oder in Südosteuropa.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tafel 3 Kupfer, Rotpigment, Variszit. nach Schuhmann 1994 A = S. 125.1, B = S. 173.4, C = 183.3, D = S. 143.3, E = S. 125.2, F = S. 105.2, G = S. 139.5, H = S. 182.1

[...]


[1] Zum Beispiel ist aus einem Seitental des Bruche-Tales in den nördlichen Vogesen eine Radiolarit-Gewinnungs- stelle aus dem Mittelpaläolithikum bekannt (Detrey et al. 2001).

[2] In Lobas (Ungarn) wurde ein Abbau aus der Zeit um 30.000 v. Chr. ausgegraben und von Tzines auf der grie­chischen Insel Thasos ist ein untertägiger Hämatitabbau bekannt, der um ca. 20.000 v. Chr. betrieben wurde (Kou- kouli-Chrysanthaki et al. 1999).

[3] Vgl. Kap. 4.

[4] Weisgerber 1999.

[5] Diese gilt nur für Silexbergwerke (Weisgerber 1999).

[6] Vgl. Kap. 5.1.1.

[7] Zum Beispiel den Bochumer Feuersteinkatalog (Weis­gerber 1999), indem unter anderem die wichtigste Litera­tur zu Silexgewinnung und -verarbeitung bis 1999 ange­geben ist.

[8] Dijkman 1999, S. 494.

[9] Zum Beispiel Untersuchungen von Schlagplätzen bei Spiennes seit 1844 (Hubert 1999, S. 125f.).

[10] Hubert 1999, S. 126f.

[11] Hubert 1999, S. 423.

[12] Hubert 1999, S. 425f.

[13] Dijkman 1999, S. 476.

[14] Dijkman 1999, S. 481f.

[15] Die erste Abbaustelle in Großbritannien wurde aller­dings schon 10 Jahre vorher - 1859 - bei Massingham, Norfolk (GB 14) entdeckt, jedoch erst ab 1891 näher un­tersucht.

[16] Hubert 1999, S. 127.

[17] Zum Beispiel 1924/25 in Harrow Hill (GB 04), 1914­1938 in Grime‘s Graves (GB 13), seit 1923 in Krzemionki (PL 06).

[18] Zum Beispiel Boule 1884 und 1887, Sandars 1910.

[19] Als Ausnahmen sind die Arbeiten von J. Andree (1922) und H. Quiring (1932) zu nennen, die jedoch keine große Beachtung in der Forschung fanden.

[20] Im Bereich der Abbaue kommt normalerweise nur re­ lativ wenig Keramik vor, außerdem waren unabhängige Datierungen über die Radiokarbon-Methode in dieser Zeit noch nicht möglich.

[21] Nougier 1950, S. 19f.

[22] Vayson de Pradenne 1940, S. 128, Nougier 1950, S. 11ff.

[23] Engelen 1981.

[24] Weisgerber 1980 (1999 wurde eine dritte und erwei­terte Auflage herausgebracht, aus der in der vorliegenden Arbeit zitiert wird).

[25] Der vierte 1983 in Brighton (Sieveking et al. 1987), der fünfte 1987 in Bordeaux (Séronie-Vivien et al. 1990), der sechste 1991 in Granada (Ramós-Millán et al. 1997), der siebte 1995 in Warschau (Schild et al. 1997) und der achte 1999 in Bochum.

[26] Granada 1991 (Ramos-Millán et al. 1997)

[27] Bochum 1999.

[28] Weisgerber 1999, S. 631.

[29] Zum Beispiel der „Table ronde internationale de Vesoul“ (Pelegrin et al. 1995).

[30] Eine erste Gewinnungsstelle von Felsgestein war An­fang der 1920er Jahre bei Graig Llwyd in Nordwales ent­deckt worden (Bradley et al. 1993).

[31] Houlder 1961, S. 108f.

[32] Roden 1983.

[33] Bradley et al. 1993.

[34] Jeunesse et al. 1995.

[35] Kyrle 1918 und Klose 1918.

[36] Cernych 1978.

[37] Jovanovic 1982.

[38] Der prähistorische Bergbau in Cabrières ist zwar seit 1911 bekannt, doch sein frühes Alter erst seit den Gra­bungen der 80er Jahre (Ambert 1995).

[39] O’Brian 2004.

[40] Ambert 2003; Maass 2005.

[41] O‘Brien 2004.

[42] Renfrew 1968.

[43] de Grooth 1987, 1991, 1994 und 1997.

[44] Kegler-Graiewski 2008

[45] Vgl. Kap. 4.5.

[46] Allerdings wurden für Beile oder Dolche teilweise auch bewusst Gesteine genommen, deren Färbung ei­nen Bezug zu anderen mineralischen Rohstoffen, insbe­sondere Kupfer herstellt, wie zum Beispiel die Beile aus Jadeit, der an Kupferoxid erinnert oder Dolche aus dem Silex von Grand Pressigny, der eine ähnliche Farbe be­sitzt, wie metallisches Kupfer.

[47] Besondere Unterschiede in der Verwendung einzel­ner Silexarten können jedoch nicht ausschließlich auf die technischen Eigenschaften zurückgeführt werden.

[48] Schulz 1999, S. 25.

[49] Kaiser 2006, S. 116.

[50] Schumann 1994, S. 178ff.

[51] Schumann 1994, S. 292.

[52] Pollmann 1993, S. 5.

[53] Vgl. Kap. 6.4, weitere im Neolithikum genutzte Vor­kommen sind aus Ungarn und der Slowakei bekannt.

[54] Vgl. Kap. 6.4.1.

[55] Vgl. Kap. 6.4.2.

[56] Schumann 1994, S. 174.

[57] Dieses gilt zumindest für das Europa. Aus Südame­rika sind große Opfermesser und geschliffene Schädel aus Bergkristall bekannt (z.B. Frank Dorland: Der Kristall­schädel von Lubaantun. in: Antike Welt 6. Jahrgang, Heft 3/1975).

[58] Chasseur bei Sion/Wallis beträgt rund 88 % gegenüber 12 % Silex (Sauter et al. 1971, S. 55). Auf dem Ross­platten im Hospental wurde ein Schlagplatz gefunden, auf dem nur Quarzabschläge und Kernsteine aus Quarz vorkamen (Primas 1992, S. 310ff).

[59] Schumann 1994, S. 318.

[60] Obwohl der sedimentäre und metamorphe Quarzit in den Sedimentgesteinen (Vgl. Kap. 2.2.2) oder Metamor- phiten (vgl. Kap. 2.2.3) behandelt werden müsste, wird er aufgrund seines Kieselsäuregehaltes mit den entspre­chenden Eigenschaften unter den Kieselgesteinen be­schrieben.

[61] Vgl. Kap. 3.2.2 und Goldenberg et al. 2003, S, 183ff.

[62] Schumann 1994, S. 292.

[63] Schumann 1994, S. 294.

[64] Schumann 1976, S. 146.

[65] Auch in der Geologie wird auf eine Unterscheidung verzichtet und diese Gesteinsarten allgemein als chert bezeichnet (Luedtke 1992, S. 7).

[66] Luedtke 1992, S. 17.

[67] Vgl. Kap. 2.1.6

[68] Luedtke 1992, S. 18ff.

[69] Silex findet sich natürlich auch in aufgefalteten Kal­

[70] ken, wie sie in Hochgebirgen vorkommen, ist aber dort

[71] durch die tektonischen Spannungen in der Regel stark

[72] zerrüttet und für eine Verwendung als Geräte-Rohstoff

[73] nur sehr bedingt geeignet.

[74] Jeunesse et al. 1995, S. 48.

[75] Sand ist hier nur die Bezeichnung für eine bestimmte Korngröße und keine Materialgruppe.

[76] Als äolisch werden durch Wind transportierte Sedi­mente bezeichnet.

[77] Nicht zu verwechseln mit echten Kieselschiefern (vgl. Kap. 2.1.2).

[78] Für dieses Gestein wird in der Literatur auch Pellit- quarz oder der petrographisch ebenfalls nicht ganz richti­ge Ausdruck Aphanit verwendet (Jeunesse et al. 1995, S. 23).

[79] Vgl. Kap. 2.1.7.

[80] Erst ab der Bronzezeit ist der Abbau von Salz in Hall­statt in Österreich nachgewiesen (Kern 2008).

[81] Weller 2002, S. 164ff.

[82] Vgl. Kap. 2.1.6.

[83] Schumann 1994, S. 304.

[84] Wie zum Beispiel beim Quarzit, bei dem die Sand­körner durch höheren Druck stärker miteinander verkittet sind.

[85] Amphibolit besteht hauptsächlich aus Hornblende und Plagioklas und besitzt eine grünliche bis schwarze Färbung (Schumann 1994, S. 320).

[86] Vgl. Kap. 4.2.

[87] Vgl. Kap. 2.2.2 und Jeunesse et al. 1995, S. 26f.

[88] Wojciechowski, 1983.

[89] Schumann 1994, S. 124.

[90] Yalcin 2000, S. 25.

[91] Yalcin 2000, S. 20.

Ende der Leseprobe aus 219 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung des Bergbaus und seine sozioökonomischen Strukturen im Neolithikum
Untertitel
Silex, Kupfer, Felsgestein
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Veranstaltung
Urgeschichtliche Archäologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
219
Katalognummer
V211530
ISBN (eBook)
9783656392590
ISBN (Buch)
9783656396253
Dateigröße
46730 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
silex, kupfer, felsgestein, bedeutung, bergbaus, strukturen, neolithikum
Arbeit zitieren
Alexander Maass (Autor), 2005, Die Bedeutung des Bergbaus und seine sozioökonomischen Strukturen im Neolithikum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211530

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