Frühindustrialisierung Spaniens: Ein Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung Kataloniens


Hausarbeit, 2008

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Worte

2. Wirtschaftliche Entwicklungen vom 13. bis 17. Jahrhundert

3. Weiterführende Fortschritte vom 17. bis 19. Jahrhundert

4. Der Wein und sein Aufstieg

5. Die Baumwolle von Barcelona
5. 1 Die Kattundruckerei
5. 2 Spinnerei und Weberei

6. Schussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitende Worte

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frühindustrialisierung in Spanien. Das Thema ist allerdings so komplex, dass es erforderlich ist, sich auf eine der wichtigsten Regionen zu konzentrieren. Die Wahl fiel auf Katalonien, weil es die am stärksten industrialisierte Region Spaniens ist. Inwiefern diese Aussage zutrifft werden die folgenden Kapitel zeigen.

Katalonien befindet sich im Nordosten Spaniens. In seiner Form eines nicht mehr ganz geraden Dreieckes erstreckt es sich heute zwischen Pyrenäen im Norden und Ebro-Delta im Süden. An seiner langen Küste liegt Barcelona, die Hauptstadt, genau in der Mitte.[1] Die Region ist in die vier Provinzen Lleida, Girona, Barcelona und Tarragona unterteilt. Sie sind nach ihren Hauptstädten benannt. Eine weitere Einteilung sind die in 41 Landkreise, auch Comarques genannt, die sich über alle vier Provinzen verteilen. Es gibt noch einen fünften Teil. Der liegt in Südfrankreich nördlich der Pyrenäen und wird Catalunya Nord genannt. Außerdem gibt es noch die Pa ïsos Catalans. Das sind alle Regionen in denen Katalanisch gesprochen wird. Dazu gehören außer Catalunya Nord und Katalonien auch der Osten Aragons, Andorra, Valencia, die Balearen und die Stadt Alghero auf Sardinien.[2]

Die Evolution Kataloniens seit dem 13. Jahrhundert mit dem Schwerpunkt auf der wirtschaftlichen Entwicklung wird in den folgenden Kapiteln geschildert. Dabei ist auch ein Überblick über die politische Geschichte der Region enthalten. Dieses dient der Untermalung und Vervollständigung der wirtschaftlichen Ereignisse. Wie die folgenden Kapitel zeigen werden, wird sich herausstellen, dass die katalanische Protoindustrie durch zwei verschiedene Branchen geprägt war. Einmal handelt es sich um die Agrarwirtschaft. Als zweites war die Textilindustrie ein wichtiger Sektor. Dabei teilt sie sich in Woll- und in Baumwollverarbeitendes Gewerbe auf.

Im Einleitungskapitel sei noch gesagt, dass Katalonien sich gern als eigene Nation sieht. Die Katalanen haben eine eigene Sprache, das Katalanisch, und eigene Flagge, die Senyera. Katalanisch ist eine eigenständige Sprache unter den romanischen Sprachen.

2. Wirtschaftliche Entwicklungen vom 13. bis 17. Jahrhundert

Die Països Catalans haben ihren Ursprung im Mittelalter, als durch geschickte Eroberungs- und Heiratspolitik der katalanischen Fürsten Aragon, Valencia, Mallorca, Ibiza, Formentera, Teile der Provence, die Grafschaften Roussilion und Cerdagn e sowie Carladés an das ehemalige Lehengebiet Karls des Großen angeschlossen wurden.[3] Anfang des 13. Jahrhunderts gab es jedoch einen Glaubenskrieg in dem die Katalanen gegen den Papst kämpften und unterlagen. Damals wurden die Gebiete um Toulouse und der Provence verloren.[4]

Im Kerngebiet Katalonien und Aragons herrschte zunächst eine primitive Tuchindustrie vor, die allein dem Lebensunterhalt diente. Sie hatte ihren Standort in den inneren gebirgigen Gebieten der Region. Dort herrschten in Form von Wasserkraft und Wolle die besten Bedingungen dafür vor. Außerdem konnten die Bewohner der Gegend später von den Techniken der fortgeschrittenen französischen Industrie profitieren.[5]

Die Entwicklung im 13. und 14. Jahrhundert tendierte aber zu vorwiegend städtischer Protoindustrie. Besonders bedeutend waren Barcelona, Girona und Perpignan, das im heutigen Südfrankreich liegt. Die Hauptproduktionen waren für die mediterrane Märkte.[6]

Die Bauernstellen hatten eine Größe von 12 bis 15 Hektar. In der wohlhabenden Mittelschichten der Bauern konnten nicht nur die Familienangehörigen sondern auch Knechte und Tagelöhner beschäftigt werden. Diese Grundherren waren Teile des Adels und städtischer Bürger. Seit dem 14. Jahrhundert gab es in den großen Städten und deren Umgebung eine große Nachfrage nach den Agrarprodukten, so dass die Grundherren agrarkapitalistische Unternehmungen durchführten. Dies änderte sich jedoch nach den Pestepidemien im selben Jahrhundert. Es kam zum Rückgang ihrer Einnahmen. Dadurch würden die Pachtverträge mit den Bauern willkürlich zu deren Nachteil geändert. Dies führte zu einem Jahre dauernden Bürgerkrieg zwischen den Bauern und dem Hochadel, der von letzterem nicht erfolgreich beendet wurde.[7]

Deshalb fiel im darauf folgenden 15. Jahrhundert die Leistungen der katalanischen Industrie ab. Im 16. Jahrhundert besserte sich zwar die Lage aber es gab keine vollständige Erholung auf das Niveau des Mittelalters mehr.[8]

Ein Grund dafür war auch, dass das andalusische Sevilla ein Monopol im Handel mit Amerika erlangt hatte. Somit konnte man nur auf nationaler und europäischer Ebene handeln. Dies reichte zumindest für einen kleinen Wiederaufstieg. Mit Hilfe der Holländer konnte verhindert werden, dass katalanische Wolltuche im internationalen Vergleich an Bedeutung verloren.[9]

Nach Thomson waren zwei Aspekte der frühen katalanischen Entwicklung in dieser Phase bedeutend. Das erste war das Verhältnis des Handelskapitals zur industriellen Entwicklung. Dieses beschränkte sich auf die Bereitstellung von Kredit und Rohmaterial und mischte sich ansonsten nicht in grundlegende Produktionsverhältnisse ein. Die Gründe waren zum Einen, dass es sich höhere Gewinne aus anderen Investitionen versprach, und zum Anderen der Widerstand der Zünfte, die sogar politisch im Stadtrat von Barcelona repräsentiert waren. Durch dieses Ausbleiben der Handelsinvestitionen wurde der Tuchhändler und Verleger, paraire genannt, zur wichtigsten Figur der Protoindustrie in Katalonien. Er konnte sogar in den Kaufmannsstand aufsteigen.[10]

Die Arbeit dieser Verleger lief wie folgt ab: Sie waren damit beschäftigt, Wolle einzukaufen und die ersten Schritte in ihren eigenen Läden zu unternehmen. Diese Schritte waren die Wolle säubern, sortieren, kämmen und für das Spinnen vorzubereiten. Danach brachten sie die Fasern zu den Spinnern und das von denen gefertigte Garn zu den Webern, die in Igualada in einer eigenen Zunft und Bruderschaft organisiert waren. Die Fertigungsprozesse wurden wiederum durchgeführt oder unter Aufsicht der Tuchmacher in deren Läden und in den Einrichtungen der Zunft vorgenommen. Die fertige Ware wurde anschließend verkauft.[11]

Dies garantierte dem Verleger die Möglichkeit zur sozialen Mobilität und zur Bildung von Reichtum. Hinzukommt im zweiten Aspekt die Vorgehensweise, durch welche die Region die Krise des 17. Jahrhunderts überstand. Es waren potentiell unterschiedliche Konsequenzen für die verschiedenen Industriesektoren. Dort wo die große städtische Protoindustrie Verluste hatte, gewann die ländliche und kleinstädtische Industrie. So war der industrielle Abschwung geringer als in anderen Gegenden. Hinzu kam, dass seit dem 14. Jahrhundert trotz der Dominanz der Handelszentren die Tradition der kleinstädtischen Produktion im Landesinneren erhalten blieb. Diese ausgeprägten Zentren, die sich in den niederen Pyrenäen konzentrierten, genossen Autonomie gegenüber den Kernstädten der Protoindustrie. Parallel dazu fand ein Modernisierungsprozess statt, in dem sie innerhalb ihrer Industrie beschleunigt Körperschaften bildeten. Dadurch konnten Vorteile für die Standardisierung und die Produktqualität des Tuches entstehen. Eigener Walk- und Endverarbeitungsbetriebe etablierten sich und es schuf sich ein eigenes Verkaufs- und Wolleinkaufsnetz. Diese Art von Verländlichung der Protoindustrie bot ihr im 16. und 17. Jahrhundert viele Ansätze sich auszuweiten.[12]

3. Weiterführende Fortschritte vom 17. bis 19. Jahrhundert

Zum historischen Hintergrund ist zu sagen, dass ab dem 16. Jahrhundert durch die weit verbreitete Armut sich viele Räuberbanden bildeten. Es kam zu Überfällen auf Gehöfte und Handelswege. Die kastilische Sprache hatte sich zur Spanischen Sprache erhoben, seit der Vereinigung der Reiche von Kastilien und Katalonien-Aragon. Es gab jedoch Probleme zwischen der Krone und dem hohen Adel und der Bevölkerung, so dass es zum Bruch der katalanischen Stände mit der Krone kam und diese 1641 zu einer Republik unter französischem Schutz erklärt wurden. Es kam jedoch bald zu einem Ende dieser Union. Auf diese Art und Weise war Katalonien in den folgenden Jahren immer zwischen den Fronten Kastiliens, Frankreichs, Österreichs, Englands und Hollands. Es wechselte oft die Seiten. Letztendlich schloss sich Katalonien der kastilisch-spanischen Krone an. Im 19. Jahrhundert besannen sich die Katalanen in der Zeit der Romantik auf sich als Nation.[13]

Das Problem des durch die Pest ausgelösten Bevölkerungsrückgang wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts durch das Wiedereinsetzen des Bevölkerungswachstums entschärft. Dass diese Rehabilitation stattfinden konnte lag auch daran, dass die katalanischen Händler den galicischen Fischereisektor übernahmen und modernisierten. Zudem gab es einen erneuten Aufschwung des Agrarsektors, der in wirtschaftlicher Hinsicht sich mehr am Markt orientierte und sich spezialisierte. Es bildete sich auch wieder städtisches und ländliches Proletariat. So kam es zur Gründung von Manufakturen, sowie einer Handelsgesellschaft, die nach englischen und holländischen Vorbild agierte.[14]

[...]


[1] Vgl. Ebmeyer, Michael, Gebrauchsanweisung für Katalonien, München 2007, 9.

[2] Vgl. ebenda, 17-19.

[3] Vgl. Collado Seidel, Carlos, Kleine Geschichte Kataloniens, München 2007, 12 – 65.

[4] Vgl. ebenda, 35 – 34.

[5] Vgl. Thomson, James K. J., Proto-Industrialisierung in Spanien, in: Cerman, Markus/Ogilvie. Sheilagh (Hrsg.), Protoindustrialisierung in Europa, Wien 1994, 103.

[6] Vgl. ebenda.

[7] Vgl. Rommel, Marie – Luise, Der unterschiedliche historische Entwicklungsgang der spanischen „Inneren Peripherien“ Galicien und Katalonien, in: Nolte, Hans-Heinrich (Hrsg.), Europäische Innere Peripherien im 20. Jahrhundert (HMRG, Beiheft 23), Stuttgart 1997, 135 – 136.

[8] Vgl. Thomson, James K.J., Proto-Industrialisierung in Spanien, 103

[9] Vgl. Rommel, Marie-Luise, Der unterschiedliche historische Entwicklungsgang der spanischen „Inneren Peripherien“ Galicien und Katalonien, 140 – 142.

[10] Vgl. Thomson, James K. J., Proto-Industrialisierung in Spanien, 103 – 104.

[11] Vgl. Torras, Jaume, The old and the new. Marketing networks and textile growth in eighteenth-century Spain, in: Berg Maxine (Hrsg.), Markets and Manufactures in early industrial Europe, London 1991, 93-113, hier 97 – 98.

[12] Vgl. Thomson, James K. J., Proto-Industrialisierung in Europa, 103 – 104.

[13] Vgl. Collado Seidel, Carlos, Kleine Geschichte Kataloniens, 76 – 119.

[14] Vgl. Rommel, Marie-Luise, Der unterschiedliche historische Entwicklungsgang der spanischen „Inneren Peripherien“ Galicien und Katalonien, 144 – 145.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Frühindustrialisierung Spaniens: Ein Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung Kataloniens
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Europäische Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar: Gewerbelandschaften und Frühindustrialisierung in Europa
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V211582
ISBN (eBook)
9783656397663
ISBN (Buch)
9783656398363
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit wurde von Januar bis März 2013 von mir bearbeitet und korrigiert.
Schlagworte
frühindustrialisierung, spaniens, einblick, entwicklung, kataloniens
Arbeit zitieren
Franzpeter Uhlig (Autor), 2008, Frühindustrialisierung Spaniens: Ein Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung Kataloniens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211582

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