Die vorliegende Arbeit will einige Aspekte von Oralität in Camilo José Celas Roman „La colmena“ aufzeigen. Unter Oralität wird hier die Widerspiegelung bzw. (künstlerische) Nachahmung gesprochener Sprache im Gegensatz zur elaborierten dichterischen Literatursprache verstanden. Die Dialoge, die wohl den größten Raum des Romans einnehmen sind voll von familiären, umgangs- und vulgärsprachlichen Elementen und Satzbaumustern.
Cuando llegamos a La colmena ya encontramos esas largas parrafadas, sean soliloquios, sean diálogos, de personajes que hablan con inacabable chorro de palabras, a veces para no decir apenas nada en el plano conceptual, pero mucho en el afectivo: se quejan, gruñen, protestan, se alegran, alborotan, se asustan, con una lluvia de tópicos familiares en tonos interrogativos y exclamativos, salpicados de latiguillos, pleonasmos, atenuaciones, etc. etc. 1
Es ist zwar unmöglich all die Vokabeln, Redewendungen, Sprichwörter und syntaktischen Besonderheiten im Rahmen dieser Arbeit aufzulisten, dennoch werde ich versuchen im Folgenden die bedeutendsten und auffälligsten Formen von Oralität zu erfassen und zu ordnen. Untersucht werden phonologische, morphologische, (morpho-)syntaktische, phraseologische und pragmatische Besonderheiten der Alltagssprache, die Cela wohlgemerkt nicht nur seinen Romanfiguren in den Mund legt, sondern oft auch in die Erzählerpassagen einbindet.
Inhaltsverzeichnis
0 Vorwort
1 Aufbau und Inhalt des Romans
2 Oralität in „La colmena“
2.1 Phonologische Aspekte
2.2 Morphologische Aspekte
2.3 Lexikalische Aspekte
2.4 Syntaktische und morphosyntaktische Aspekte
2.5 Pragmatische Gesprächselemente
2.5.1 Einschübe und Nachträge
2.5.2 Interjektionen und Ausrufe
2.5.3 Höflichkeitsformen
2.6 Phraseologische Elemente
3 Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Erscheinungsformen der Oralität in Camilo José Celas Roman „La colmena“. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Autor durch die Nachahmung gesprochener, umgangssprachlicher und vulgärer Sprachelemente eine realistische Charakterisierung seiner Figuren erreicht und diese Merkmale in die Erzählstruktur einbettet.
- Analyse phonologischer und morphologischer Merkmale der gesprochenen Sprache.
- Untersuchung lexikalischer Besonderheiten und familiär-vulgärer Ausdrucksweisen.
- Betrachtung syntaktischer Abweichungen und pragmatischer Gesprächselemente.
- Erfassung von Interjektionen, Höflichkeitsformen und phraseologischen Redewendungen.
- Charakterisierung von Romanfiguren durch deren spezifischen Sprachgebrauch.
Auszug aus dem Buch
2.2 Morphologische Aspekte
Auf morphologischer Ebene fällt insbesondere der verstärkte Einsatz von Diminutiven und Augmentativen auf, die besonders typisch für die affektive Umgangssprache sind und unterschiedlichste Gefühle und Gefühlsnuancen wie etwa Mitleid, Ironie, Geringschätzung, Sympathie und Wohlgefallen ausdrücken können. Cela bedient sich hierbei nicht nur der gebräuchlicheren Bildungen auf -ito und -ón, sondern setzt die gesamte Palette, die das Spanische an Diminutiv- bzw. Augmentativsuffixen zu bieten hat, ein.
Él no es un cursi ni un pobretón de esos de café con leche (23).
—Ha habido suertecilla, ¿eh? […]
—¡Bah! Ocho cochinos durejos.
Doña Pura, que es un culebrón, siempre riéndose por lo bajo (34).
Algunos camareros de caras fláccidas, tristonas, amarillas, esperan […] (37).
Mañana le repetiré el nombre. Leoncio, Leoncio, Leoncio. Ella, a lo mejor, me pone un nombre más cariñoso, algo que salga de Leoncio. Leo. Oncio. Oncete (56).
Zusammenfassung der Kapitel
0 Vorwort: Der Autor erläutert den Begriff der Oralität als künstlerische Nachahmung gesprochener Sprache und führt in die methodische Herangehensweise ein.
1 Aufbau und Inhalt des Romans: Dieses Kapitel beschreibt die komplexe, nicht lineare Struktur des Romans, die sich auf das Leben zahlreicher Charaktere über drei Tage in Madrid konzentriert.
2 Oralität in „La colmena“: Dies ist das Hauptkapitel, das die verschiedenen sprachlichen Ebenen (phonologisch, morphologisch, lexikalisch, syntaktisch, pragmatisch und phraseologisch) systematisch analysiert.
2.1 Phonologische Aspekte: Es wird untersucht, inwieweit lautliche Eigenarten der Madrider Umgangssprache durch den Autor orthografisch festgehalten werden.
2.2 Morphologische Aspekte: Fokus auf den Einsatz von Diminutiven, Augmentativen sowie die Bildung unüblicher Pluralformen zur affektiven Charakterisierung.
2.3 Lexikalische Aspekte: Analyse der Verwendung familiär-vulgärer Ausdrücke und deren semantischer Umdeutung in der Alltagssprache.
2.4 Syntaktische und morphosyntaktische Aspekte: Betrachtung von Konstruktionen wie dem Laísmo und dem Gebrauch der Tempora, die von der Standardsprache abweichen.
2.5 Pragmatische Gesprächselemente: Untersuchung von Einschüben, Nachträgen, Interjektionen und Höflichkeitsformen als pragmatische Zusätze in Dialogen.
2.5.1 Einschübe und Nachträge: Systematische Erfassung der sogenannten „latiguillos“, die Gespräche einleiten, abschließen oder hervorheben.
2.5.2 Interjektionen und Ausrufe: Darstellung, wie durch onomatopoetische und phraseologische Ausrufe ein realistischer Effekt erzielt wird.
2.5.3 Höflichkeitsformen: Übersicht der feststehenden Formeln, die in der Alltagssprache der Figuren zur sozialen Interaktion dienen.
2.6 Phraseologische Elemente: Analyse der Bedeutung von Sprichwörtern und Redewendungen, die ganze Redeabschnitte prägen.
3 Ergebnisse: Zusammenfassende Betrachtung der authentischen Wirkung der Dialoge und der zentralen Stellung der Oralität im Roman.
Schlüsselwörter
Oralität, La colmena, Camilo José Cela, Umgangssprache, Madrider Spanisch, Morphologie, Lexik, Syntax, Pragmatik, Interjektionen, Phraseologie, Diminutive, Augmentative, Sprachanalyse, Romanliteratur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die sprachliche Gestaltung des Romans „La colmena“ von Camilo José Cela, insbesondere die bewusste Einbindung von Merkmalen der gesprochenen Sprache als literarisches Mittel.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen phonologische, morphologische, syntaktische, lexikalische, pragmatische und phraseologische Besonderheiten der spanischen Umgangssprache im Kontext der Romanhandlung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Cela durch die Nachahmung substandardsprachlicher Elemente eine authentische Atmosphäre schafft und seine Romanfiguren gezielt charakterisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit folgt einer strukturierten, deskriptiven Analyse, bei der die theoretische Definition von Oralität auf die konkrete Textpraxis des Romans angewandt und durch Textbeispiele belegt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte linguistische Untersuchung der verschiedenen Sprachkategorien, von lautlichen Besonderheiten bis hin zu komplexen phraseologischen Redewendungen in den Dialogen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte umfassen Oralität, Umgangssprache, morphologische Charakterisierung, pragmatische Gesprächselemente sowie spezifisch spanische linguistische Phänomene wie Laísmo.
Warum verwendet Cela lautliche Besonderheiten nur in begrenztem Maße?
Der Autor orientiert sich am Madrider Spanisch der damaligen Zeit, welches als Standardvariante galt, weshalb eine extreme lautliche Transkription, wie Cela sie in anderen Werken einsetzte, hier zugunsten der Lesbarkeit reduziert wurde.
Welche Rolle spielen Interjektionen bei der Charakterisierung?
Interjektionen dienen dazu, die affektive Sprache der Figuren (z. B. Entrüstung, Sympathie, Erschrecken) direkt abzubilden, was die Dialoge lebendig und für den Leser unmittelbar nachvollziehbar macht.
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- Manuel Perez-Villar (Author), 1999, Oralität in "La Colmena" von Camilo José Cela, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21171