Oralität in "La Colmena" von Camilo José Cela


Hausarbeit (Hauptseminar), 1999

19 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Vorwort

1 Aufbau und Inhalt des Romans

2 Oralität in „La colmena“
2.1 Phonologische Aspekte
2.2 Morphologische Aspekte
2.3 Lexikalische Aspekte
2.4 Syntaktische und morphosyntaktische Aspekte
2.5 Pragmatische Gesprächselemente
2.5.1 Einschübe und Nachträge
2.5.2 Interjektionen und Ausrufe
2.5.3 Höflichkeitsformen
2.6 Phraseologische Elemente

3 Ergebnisse

4 Literaturliste

0 Vorwort

Die vorliegende Arbeit will einige Aspekte von Oralität in Camilo José Celas Roman „La colmena“ aufzeigen. Unter Oralität wird hier die Widerspiegelung bzw. (künstlerische) Nachahmung gesprochener Sprache im Gegensatz zur elaborierten dichterischen Literatursprache verstanden. Die Dialoge, die wohl den größten Raum des Romans einnehmen sind voll von familiären, umgangs- und vulgärsprachlichen Elementen und Satzbaumustern.

Cuando llegamos a La colmena ya encontramos esas largas parrafadas, sean soliloquios, sean diálogos, de personajes que hablan con inacabable chorro de palabras, a veces para no decir apenas nada en el plano conceptual, pero mucho en el afectivo: se quejan, gruñen, protestan, se alegran, alborotan, se asustan, con una lluvia de tópicos familiares en tonos interrogativos y exclamativos, salpicados de latiguillos, pleonasmos, atenuaciones, etc. etc.[1]

Es ist zwar unmöglich all die Vokabeln, Redewendungen, Sprichwörter und syntaktischen Besonderheiten im Rahmen dieser Arbeit aufzulisten, dennoch werde ich versuchen im Folgenden die bedeutendsten und auffälligsten Formen von Oralität zu erfassen und zu ordnen. Untersucht werden phonologische, morphologische, (morpho-)­syntaktische, phraseologische und pragmatische Besonderheiten der Alltagssprache, die Cela wohlgemerkt nicht nur seinen Romanfiguren in den Mund legt, sondern oft auch in die Erzählerpassagen einbindet.

1 Aufbau und Inhalt des Romans

„La colmena“ von Camilo José Cela weist eine recht komplexe Struktur auf und weicht in zahlreichen Aspekten von den traditionellen Romanformen ab. Cela sagt selbst über seinen Roman:

La colmena es una novela reloj, hecha de múltiples ruedas y piececitas que se precisan las unas de las otras para que aquello funcione.
En La colmena no presto atención sino a tres días de la vida de la ciudad […] la colmena es una vida sin héroe, en la que todos sus personajes, como el caracol, viven inmersos en su propia insignificancia.[2]

Die Erzählung dreht sich nicht um zentrale Hauptfiguren. Stattdessen erscheint eine unüberschaubare Anzahl mehr oder weniger wichtiger Charaktere, von denen die einen im Verlauf des Romans immer wieder mal auftauchen; das Erscheinen anderer hingegen ist nicht selten auf eine einzige Szene beschränkt. Diese Sequenzen können stark in der Länge variieren, wobei die kürzesten nur aus einigen wenigen Zeilen bestehen. Die einzelnen Szenen sind willkürlich aneinandergereiht, was dazu führt, dass die Erzählung nicht geradlinig verläuft. Im Mittelpunkt steht also nicht ein zentraler Handlungsstrang: Es geht dem Autor vielmehr um die punktuelle Schilderung kleinerer und größerer Ereignisse und Schicksalsschläge, die sich innerhalb von drei Tagen im Leben einiger Bewohner der spanischen Hauptstadt Madrid zur Zeit Francos abspielen. Der Erzähler tritt hierbei oft nahezu ganz zurück, während der Dialog in den Vordergrund rückt.

2 Oralität in „La colmena“

2.1 Phonologische Aspekte

Anders als beispielsweise in „La Catira“, wo Cela die Eigentümlichkeiten des lateinamerikanischen Spanisch zu transkribieren versucht, finden sich in „La colmena“ nur wenige Fälle in denen lautliche Besonderheiten mithilfe der Schrift wiedergegeben werden. Dies mag wohl daran liegen, dass das in Madrid gesprochene Spanisch als Standardvariante betrachtet wird und daher vom Autor mit der Orthografie gleichgesetzt wird. Eigenarten der Madrider Aussprache, wie etwa die Realisation von silbenschließendem <g> als <j> oder silbenfinalem <d> als <z>, die sich in den 50er Jahren bereits durchgesetzt haben, werden von Cela nicht berücksichtigt.

Besonders auffällig ist, dass Cela das zu ‚-ao‘ reduzierte Partizipsuffix ‚-ado‘, nur jenen Figuren in den Mund legt, die er als grob und/oder ungebildet charakterisiert, obgleich davon auszugehen ist, dass die Tilgung des intervokalischen ‚-d-‘ in der Ableitungs- bzw. Flexionssilbe ‚-ado‘ Mitte des 20. Jhs. der Sprachrealität in Madrid entspricht:

Doña Rosa dice con frecuencia “leñe” y “nos ha merengao” (15).

Auch sonst dient die grafische Wiedergabe von „falsch“ ausgesprochenen Wörtern zur gezielten Charakterisierung einzelner ungebildeter oder wenig gebildeter Personen.

Al principio dijeron que le había dado un paralís (20).

La señorita Pirula es una chica joven y con aire de ser muy fina y muy educadita, que aún no hace mucho más de un año decía “denén”, y “leñe” y “cocretas” (218).

2.2 Morphologische Aspekte

Auf morphologischer Ebene fällt insbesondere der verstärkte Einsatz von Diminutiven und Augmentativen auf, die besonders typisch für die affektive Umgangssprache sind und unterschiedlichste Gefühle und Gefühlsnuancen wie etwa Mitleid, Ironie, Geringschätzung, Sympathie und Wohlgefallen ausdrücken können. Cela bedient sich hierbei nicht nur der gebräuchlicheren Bildungen auf -ito und -ón, sondern setzt die gesamte Palette, die das Spanische an Diminutiv- bzw. Augmentativsuffixen zu bieten hat, ein.

Él no es un cursi ni un pobretón de esos de café con leche (23).

—Ha habido suertecilla, ¿eh? […]
—¡Bah! Ocho cochinos durejos.

Doña Pura, que es un culebrón, siempre riéndose por lo bajo (34).

Algunos camareros de caras fláccidas, tristonas, amarillas, esperan […] (37).

Mañana le repetiré el nombre. Leoncio, Leoncio, Leoncio. Ella, a lo mejor, me pone un nombre más cariñoso, algo que salga de Leoncio. Leo. Oncio. Oncete (56).

Con las diez pesetas le compraré alguna coseja a los chicos (81).

—¿Y los nenes?
—Hechos unos hombrecetes. (147).

—¿Y los pequeñitos, mujer, los que no saben andar, que estarán siempre parados como gusanines en el mismo sitio (158).

Macario y su novia, muy cogiditos de la mano, están sentados en un banco […] (165).

Julita, la mayor, anda por aquellas fechas muy enamoriscada de un opositor a Notarías que le tiene sorbida la sesera (166).

Una señora alta y algo gruesa, no muy joven pero bien conservada, guapetona, un poco ostentosa (173).

La tonta de boca entreabierta y dulce babita colgando (237).

—Don Francisco es un poco tramposillo, el hombre tiene a sus espaldas un familión tremendo (274).

Una golfita hambrienta y un poco repipia (282).

Besonders auffällig ist in diesem Zusammenhang die Verniedlichung fast aller im Roman vorkommenden weiblichen Vornamen:

—¿Está Victorita? (170).

Julita, la mayor, anda por aquellas fechas muy enamoriscada […] (168).

Desweiteren findet man die Koseformen: Elvirita, Petrita, Marujita, Purita, Dorita, Paquita.

Eine weitere morphologische Besonderheit des Umgangsspanischen ist die Bildung unüblicher Pluralformen:

—Sí, chica, pero a mí las hambres del alcalde de Cork no me alimentan, te lo juro (284).

—Toma, van diez, con las vueltas hazme un regalo (193).

2.3 Lexikalische Aspekte

Die Dialoge, die die Figuren untereinander führen, sind ein gelungenes Abbild lebendiger Umgangssprache. Sie bersten förmlich vor familiär-vulgären Ausdrücken. I.d.R. handelt es sich hierbei um Wörter, die in der Alltagssprache eine semantische Umdeutung erfahren, die mit der ursprünglichen Bedeutung nichts mehr zu tun hat und erst in neueren Wörterbüchern allmählich Berücksichtigung findet:

No faltó quien pensara en meterlo en el juzgado y empapelarlo (17).

“De ahora en adelante hay que tener más cautela; si no, la pringas, Trinidad” (27).

Don Jaime es un hombre que habla muy bien, aunque dice, en medio de una frase bien cortada, palabras poco finas como la monda, el despiporrio y otras por el estilo (44).

Todo el día por ahí calentándose con las marmotas (64).

¡Me cago hasta en la luz eléctrica! (100).

—Oye, chata, ¿hemos venido paras ser felices o para que me coloques el rollo de tu mamá querida? (120).

La tercera de las niñas, Esperanza, es ligera como una golondrina, tímida como una paloma. Tiene sus conchas, como cada quisque, pero sabe que le va bien su papel de futura esposa […] (169).

—El que se cabreaba la mar era mi hermano Telmo (211).

Se lo casqué el otro día en sus propias narices (273).

[...]


[1] Suárez (1969:130f.).

[2] Zitiert nach Gutiérrez (1986:14).

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Details

Titel
Oralität in "La Colmena" von Camilo José Cela
Hochschule
Universität zu Köln  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Oralität in den spanischsprachigen Literaturen und Kulturen
Note
2
Autor
Jahr
1999
Seiten
19
Katalognummer
V21171
ISBN (eBook)
9783638248488
Dateigröße
655 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Oralität, Colmena, Camilo, José, Cela, Literaturen, Kulturen
Arbeit zitieren
Manuel Perez-Villar (Autor), 1999, Oralität in "La Colmena" von Camilo José Cela, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21171

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