Können Feminismus und Neoliberalismus überhaupt miteinander kooperieren? Widersprechen sich die beiden Denkströmungen nicht zu sehr in ihren Grundaussagen? Diese Arbeit demonstriert kurz anhand einiger Beispiele aus den Grundideologien, dass Feminismus und Neoliberalismus miteinander völlig unvereinbar sind und dass der Feminismus durch den Neoliberalismus transformiert wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in den Gegenstand
2. Feministische Kritik und Ziele
3. Was ist Neoliberalismus?
4. Annäherung der beiden Strömungen
5. Unvereinbarkeit der Grundideen
6. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende These, dass sich die Ziele des Feminismus nicht mit den Prinzipien des Neoliberalismus vereinen lassen, und analysiert, warum trotz dieser ideologischen Gegensätze eine schleichende Annäherung beider Strömungen stattgefunden hat.
- Historische Entwicklung und Ziele der europäischen Frauenbewegung
- Definition und theoretische Grundlagen des Neoliberalismus
- Analyse der paradoxen Kooperation zwischen Feminismus und neoliberalem Kapitalismus
- Gegenüberstellung unvereinbarer Grundpositionen in den Bereichen Wirtschaft und Staatsverständnis
- Plädoyer für eine Rückbesinnung auf ursprüngliche feministische Werte
Auszug aus dem Buch
5. Unvereinbarkeit der Grundideen
Ob die neue Frauenbewegung sich nun bewusst oder unbewusst mit dem Neoliberalismus verbündet hat, kann ich nicht beurteilen. Tatsache ist jedoch, dass es geschehen ist und das obwohl die beiden Bewegungen komplett diametral zueinander stehen. Dass dies so ist, lässt sich anhand einiger ausgewählter Beispiele leicht beweisen.
1. Wie bereits in Kapitel 3 erwähnt, tritt der Feminismus gegen den Ökonomismus ein. Das bedeutet vor allem, dass sie gegen ein ökonomisches Klassenverständnis und gegen eine ungerechte Verteilung von Gütern sind. Im krassen Gegensatz dazu wird der Markt in den Mittelpunkt des Lebens gestellt und der Neoliberalismus will das Kosten-Nutzen Kalkül des Marktes auf alle Bereiche des Lebens ausweiten (vgl. Butterwegge 2008, S.30). Was die ungleiche Verteilung von Gütern angeht, so hat Friedrich August von Hayek, einer der wichtigsten Vertreter des Neoliberalismus, das dazu sagen: „Ungleichheit ist nicht bedauerlich, sondern höchst erfreulich. Sie ist einfach nötig. Für eine Welt, die auf egalitären Ideen gegründet ist, ist das Problem der Überbevölkerung (…) unlösbar. (…) Gegen diese Überbevölkerung gibt es nur die eine Bremse, nämlich sich nur die Völker erhalten und vermehren, die sich auch selbst ernähren können.“ (Butterwegge 2008, S.73)
2. Die Verformung des Androzentrismus habe ich bereits im letzten Kapitel angesprochen. Geschlechterverhältnisse an sich werden generell sowieso von neoliberalen DenkerInnen kaum oder gar nicht angesprochen, da sie nicht wichtig für die Stabilisierung des Marktes sind. „Die Rehabilitierung von Gefühlen als Teil einer neoliberalen Regierungstechnik löst zwar partiell klassische Gefühls- und Geschlechtszuschreibungen auf, doch eine geschlechterdemokratische Emanzipation ist damit weder intendiert noch realistisch.“ Sauer 2007, S.182)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in den Gegenstand: Der Autor erläutert das Ziel der Arbeit, die Unvereinbarkeit von Feminismus und Neoliberalismus aufzuzeigen, und grenzt den Untersuchungsgegenstand auf den europäischen Raum ein.
2. Feministische Kritik und Ziele: Dieses Kapitel zeichnet die historische Genese der Frauenbewegung und deren Zielsetzung hinsichtlich Gleichberechtigung sowie die Kritik an rationalistischen und patriarchalen Strukturen nach.
3. Was ist Neoliberalismus?: Es erfolgt eine Definition des Neoliberalismus als flexible Strömung, die den freien Markt ins Zentrum rückt und sich gegen wohlfahrtsstaatliche Interventionen stellt.
4. Annäherung der beiden Strömungen: Hier wird die paradoxe Entwicklung beschrieben, bei der sich feministische Ziele teilweise mit neoliberalen Marktmechanismen überschnitten haben, was zu einer unbewussten Kooperation führte.
5. Unvereinbarkeit der Grundideen: Anhand konkreter Beispiele wird dargelegt, warum der Feminismus und der Neoliberalismus in ihren ökonomischen und sozialen Grundannahmen diametral zueinander stehen.
6. Fazit: Das Kapitel schließt mit dem Appell an die Frauenbewegung, sich auf ihre ursprünglichen Werte zu besinnen und sich vom neoliberalen System zu distanzieren.
Schlüsselwörter
Feminismus, Neoliberalismus, europäische Frauenbewegung, Gleichberechtigung, Marktökonomie, Kapitalismus, Androzentrismus, soziale Gerechtigkeit, Emanzipation, Machtkritik, Rationalität, politische Teilhabe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die ideologische Unvereinbarkeit zwischen den ursprünglichen Zielen des Feminismus und den Grundprinzipien des Neoliberalismus.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die Geschichte der Frauenbewegung, die Analyse neoliberaler Marktideologien und das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Effizienz und sozialer Gerechtigkeit.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob eine Allianz zwischen Feminismus und Neoliberalismus überhaupt möglich ist, ohne die ursprünglichen Werte und Forderungen des Feminismus aufzugeben.
Welche methodische Vorgehensweise wählt der Autor?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die zentrale Texte verschiedener Autoren heranzieht, um die Ideologien des Feminismus und Neoliberalismus einander gegenüberzustellen.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil widmet sich der historischen Herleitung der Frauenbewegung, der Definition des Neoliberalismus sowie einer detaillierten Argumentation, warum diese beiden Strömungen im Kern unvereinbar sind.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Feminismus, Neoliberalismus, Gleichberechtigung, Kapitalismuskritik und die notwendige Rückbesinnung auf feministische Grundwerte definiert.
Warum sieht der Autor eine Gefahr in der Kooperation von Feminismus und Neoliberalismus?
Der Autor argumentiert, dass der Neoliberalismus lediglich vorgibt, Gleichberechtigung zu fördern, um wirtschaftliche Transformationen zu legitimieren, was der echten emanzipatorischen Zielsetzung des Feminismus widerspricht.
Was ist das zentrale Argument zur Unvereinbarkeit?
Das zentrale Argument ist, dass der Neoliberalismus das Kosten-Nutzen-Kalkül über alles stellt, während der Feminismus gegen ökonomische Klassenunterschiede und für eine gerechte Verteilung von Gütern kämpft.
- Citation du texte
- Dominik Kirchdorfer (Auteur), 2013, Zur Unvereinbarkeit von Feminismus und Neoliberalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211719