In der vorliegenden Hausarbeit sollen die »villancicos« von Sor Juana Inés de la Cruz (SJ) auf polyphone (vielstimmige) Elemente hin untersucht werden.
Sie ist in zwei Kapitel gegliedert:
Der erste Teil soll dazu dienen, den Begriff »Polyphonie« zu definieren und einen kleinen Überblick über die Geschichte des »villancico« (Tradition, Form, Thematik) zu geben.
Im zweiten Teil wird anhand konkreter Textbeispiele das Ne- ben- und Miteinander der Sprachen in den »villancicos« von SJ untersucht. Wichtige Fragen sind hierbei: Wer spricht? In welchen Verhältnis (»Polyphonie« oder »Polyglossie«) stehen die Sprachen zueinander?
Inhaltsverzeichnis
0 EINLEITUNG
1 SPANISCHE TRADITIONSDICHTUNG UND MODERNE ROMANTHEORIE
1.1 Der »villancico«
1.2 »Polyphonie« und »Polyglossie«
2 DIE »VILLANCICOS« VON SOR JUANA
2.1 Die »juegos de villancicos«
2.2 Soziale Sprachen und Nationalsprachen im »Nocturno III«
2.2.1 Nebeneinander von Nationalsprachen
2.2.2 Dialog sozialer Sprachen
3 SCHLUSSBEMERKUNG
4 ANMERKUNGEN
5 LITERATURLISTE
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Villancicos von Sor Juana Inés de la Cruz auf ihre polyphonen (vielstimmigen) Elemente hin. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Vordergrund, inwieweit Bachtins literaturwissenschaftlicher Begriff der Polyphonie auf diese spezifische Dichtungsform angewendet werden kann und ob in den Texten eher eine Polyphonie oder eine Polyglossie vorliegt.
- Analyse des Begriffs der Polyphonie nach Michail M. Bachtin
- Historischer Kontext und formale Struktur des Villancico
- Untersuchung des Neben- und Miteinanders verschiedener Nationalsprachen
- Analyse des Dialogs sozialer Sprachen, insbesondere im Kontext der Darstellung schwarzer Bevölkerungsgruppen
- Abgrenzung zwischen Polyphonie und Polyglossie in der barocken Lyrik
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Dialog sozialer Sprachen
In zwölf der fünfzehn vollständig erhaltenen »juegos de villancicos« tauchen Schwarze auf. Sie unterhalten sich, singen, tanzen, klagen, lachen, weinen und loben die Jungfrau Maria; all dies in dem gebrochenen Spanisch, das die schwarze Bevölkerung Spanischamerikas charakterisierte:
-¿Tenemo guitarra?/-Guitarra tenemo./-¿Sabemo tocaya?/-Tocaya sabemo./-Pue vamo turu a Belé.../-¡Toca plimo, pol tu fe!/-¡Así, así, que lo pé se me anda!/-¡Así, así, que me buye lo pé! (S. 257)
Wie sich an diesem Textbeispiel erkennen läßt, bleibt dieses verfremdete Spanisch für den Spanischkundigen, ungeachtet einiger Schwierigkeiten, verständlich. Es liegt also »eine Variante eines einheitlichen Sprachsystems« (Spanisch) vor.
Auch sind die Monologe bzw. Dialoge der Schwarzen in einem karnevalistisch-humoristischen Stil gehalten; ihr kurioses, unbeholfenes Spanisch wird also in gewisser Weise parodiert. Hierbei erfolgt eine Verschmelzung schwarzafrikanischer Elemente mit christlichen Motiven unter humoristischen, musikalischen und humanistischen Gesichtspunkten.
Zusammenfassung der Kapitel
0 EINLEITUNG: Dieses Kapitel führt in das Ziel der Untersuchung ein, die Villancicos von Sor Juana Inés de la Cruz auf polyphone Elemente zu prüfen und die Begriffe Polyphonie und Polyglossie zu klären.
1 SPANISCHE TRADITIONSDICHTUNG UND MODERNE ROMANTHEORIE: Hier werden die historische Entwicklung des Villancico und die literaturtheoretischen Grundlagen von Michail M. Bachtin zur Polyphonie definiert und erläutert.
2 DIE »VILLANCICOS« VON SOR JUANA: Dieser Hauptteil analysiert konkret die Anwendung von Nationalsprachen und sozialen Sprachen in den Villancicos der Autorin anhand ausgewählter Textbeispiele.
3 SCHLUSSBEMERKUNG: Das Fazit zieht den Schluss, dass der bachtinsche Begriff der Polyphonie auf die untersuchten Villancicos nur bedingt übertragbar ist, da meist keine echte Redevielfalt im Sinne Bachtins vorliegt.
4 ANMERKUNGEN: Dieser Abschnitt enthält detaillierte Quellenverweise und ergänzende Erläuterungen zu den im Text genannten Punkten.
5 LITERATURLISTE: Hier findet sich das Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Arbeit.
Schlüsselwörter
Sor Juana Inés de la Cruz, Villancicos, Polyphonie, Polyglossie, Michail M. Bachtin, Redevielfalt, Nationalsprache, Soziale Sprache, spanische Traditionsdichtung, Humor, Parodie, Literaturtheorie, Barocklyrik, interkulturelle Literatur, Sprachwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Villancicos der barocken Dichterin Sor Juana Inés de la Cruz im Hinblick auf deren "vielstimmige" (polyphone) Struktur.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die literaturtheoretische Definition von Polyphonie, die Analyse der Villancico-Gattung sowie die sprachliche Vielschichtigkeit in Sor Juanas Texten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Sor Juanas Villancicos als "polyphon" im Sinne der Romantheorie von Michail M. Bachtin betrachtet werden können oder ob sie eher Merkmale einer Polyglossie aufweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Textanalyse, die Bachtins Theorie der sozialen Sprachen und des humoristischen Romans auf die barocke Lyrik von Sor Juana anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Verwendung von Nationalsprachen (z.B. Latein, Nahuatl) und den Dialog sozialer Sprachen, insbesondere die parodistische Darstellung von schwarzer Bevölkerung in Sor Juanas Texten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Untersuchung am besten?
Die zentralen Begriffe sind Sor Juana Inés de la Cruz, Villancicos, Polyphonie, Polyglossie, Bachtin, Redevielfalt, Soziale Sprachen und Intertextualität im barocken Kontext.
Wie bewertet der Autor das "gebrochene Spanisch" der dargestellten Schwarzen?
Der Autor ordnet das im Text verwendete, verfremdete Spanisch als Variante innerhalb des einheitlichen spanischen Sprachsystems ein, das durch humoristische Parodie und eine Verschmelzung afrikanischer und christlicher Motive geprägt ist.
Warum reicht nach Ansicht des Autors die "Redevielfalt" in den Werken nicht für eine Polyphonie aus?
Der Autor argumentiert, dass die untersuchten Stellen zwar dialogisch sein können, die für Bachtins Polyphonie notwendige tiefe strukturelle Entlarvung und Parodie innerhalb der poetischen Form jedoch meist hinter den konventionellen Mustern zurückbleibt.
- Quote paper
- Manuel Perez-Villar (Author), 1995, Polyphonie in den »villancicos« von Sor Juana Inés de la Cruz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21173