Die Fabeln "Der aufgeblasene Frosch" von Äsop und "Das Schwein, die Ziege und der Hammel" von Jean de La Fontaine in der 6. Klasse

Bausteine eines Unterrichtsentwurfs


Hausarbeit, 2012
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Sachanalyse
2.1 Der aufgeblasene Frosch
2.2 Das Schwein, die Ziege und der Hammel

3 Didaktische Analyse

4 Verlaufsplanung

5 Bibliographie

6 Anhang
6.1 Äsop: Der aufgeblasene Frosch
6.2 Jean de La Fontaine: Das Schwein, die Ziege und der Hammel

1 Einleitung

Äsops „Der aufgeblasene Frosch“ und Jean de La Fontaines „Das Schwein, die Ziege und der Hammel“ sind zwei verschiedene Fabeln, die sich gut nacheinander im Deutschunterricht in der 6. Klasse behandeln lassen. Während Äsops Werk noch recht einfach gehalten ist und sich leicht erschließen lässt, steigt der Schwierigkeitsgrad anschließend bei La Fontaines Werk an. Hierdurch lernen die Schülerinnen und Schüler (im Folgenden: SuS) gleich zwei verschiedene Fabeln kennen. Sie erschließen und deuten zunächst Äsops, hiernach leiten sie gattungsspezifische Merkmale ab. Anschließend beschäftigen sich die SuS mit La Fontaines Werk, wobei sie nun die eben erkannten Merkmale nachweisen und überprüfen sollen, sodass sie zu allgemein gültigem Gattungswissen für Fabeln gelangen können. Außerdem werden die SuS die durch die beiden Werke vermittelten Sichtweisen auf ihre eigene Wirklichkeit beziehen und diese kritisch reflektieren.

2 Sachanalyse

2.1 Der aufgeblasene Frosch

Die Hauptfigur in diesem Text ist der Frosch. Seine schwierige Lage gestaltet sich dahingehend, dass er kleiner ist, als er sein möchte und seiner Ansicht nach nicht genügend in der Masse (d.h. unter den anderen Fröschen und Tieren) auffällt. Sie liegt darin begründet, dass er einen Ochsen gesehen hat und dieses Tier nun an Größe überragen möchte.[1] Somit beabsichtigt er, sich einerseits von anderen Fröschen (im Speziellen hier von seinen Kindern) abzuheben und dabei andererseits gleichzeitig eine andere Tierart in seinen Schatten zu stellen.[2] Jedoch kommt es zu einer negativen Auflösung für ihn, da er sich übermäßig aufbläst, um größer und auffälliger zu sein, und letztendlich dabei platzt.[3] Als Gründe für diese negative Auflösung lassen sich hierbei anführen, dass der Frosch ein relativ kleines Tier ist und (alleine schon von seinen physischen Voraussetzungen her) nicht so groß wie ein ausgewachsener Ochse werden kann, ganz egal wie sehr er sich bemüht. Außerdem ist sein Versuch der Lösung seines Problems offensichtlich nicht wirklich zielführend. Zudem ist hier entscheidend, dass der Frosch sich maßlos selber überschätzt („[…] meinte, dass er genauso wie dieser werden könne […]“[4] ) und nicht an die möglichen Folgen seines Handelns denkt.

Die Figur des Frosches handelt naiv und einfältig. Er ist übermütig und will sich abheben, um gegenüber seinen Artgenossen herausstechen. Jedoch reicht ihm selbst das noch nicht, sodass er darüber hinaus gleich den Ochsen zu überragen versucht. Er kennt seine eigenen Grenzen nicht, sonst würde er sich vermutlich nicht derart übernehmen und sich nicht selber letztlich durch sein eigenes Handeln zerstören. Der Frosch gibt sich nicht mit seinem „Ich“, seinen Fähigkeiten und seinem Körper zufrieden. Außerdem sucht er sich in dem Ochsen einen unpassenden „Vergleichspartner“ bzw. ein unpassendes „Ideal“.

Auffällig ist, dass der Frosch sich insgesamt dreimal aufbläst[5], bis er platzt. Zwischendurch erfolgt immer die negative Antwort der jungen Frösche auf seine Frage, ob er nun größer sei, woraufhin er wiederum reagiert und sich weiter aufpustet.

Im Hinblick auf das Gattungswissen lassen sich anhand Äsops Fabel die grundlegenden Merkmale dieser Textsorte[6] leicht ableiten. Es handeln und sprechen Tiere (Frosch und seine Kinder), die menschliche Eigenschaften aufweisen (können u.a. sprechen). Der Text ist kurz und überschaubar (nur 6 Zeilen). Inhaltlich wird ein bestimmter Charakterzug bzw. eine bestimmte menschliche Eigenschaft oder Schwäche thematisiert (hier der Übermut). Der Inhalt besitzt eine übertragene Bedeutung („sich aufblasen“ = übermütig sein). Die Figuren sind in ihren Merkmalen und Eigenschaften kontrastierend angelegt (kleiner Frosch gegenüber großem Ochsen). Nach der Aktion einer Figur (Frosch bläst sich auf) kommt es zur Reaktion einer anderen (Antworten der jungen Frösche). Am Ende kann und soll der Leser bzw. die Leserin ein Fazit für die eigene Lebenswirklichkeit ziehen.

Die Fabel kann (u.a.) folgendermaßen gedeutet werden: Der Frosch verkörpert eine Person, die versucht, jemand anderen in einer Disziplin bzw. in einer Eigenschaft zu überragen, was ihr jedoch aufgrund ihrer spezifischen Voraussetzungen niemals gelingen kann. Sie handelt einfältig und unreflektiert, da sie sich nur auf diesen nicht wirklich vorhandenen Wettstreit konzentriert und nicht über die Folgen des eigenen Handelns nachdenkt. Dabei ist die Person übermütig, besinnt sich nicht auf ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten und möchte die Anerkennung der sie umgebenden Welt. Allerdings sollte auch beachtet werden, dass die jungen Frösche als außenstehende Beobachter der Szenerie dem sich übernehmenden Frosch keine Hilfe leisten und ihn von seinem irrsinnigen Vorhaben nicht abhalten; im Gegenteil, sie spornen ihn durch ihre Einschätzung (d.h. ihre Antworten) noch weiter an.

Daraus kann man für seine eigene Lebenswirklichkeit schlussfolgern, dass jeder seine eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, aber auch seine Grenzen kennen sollte. Außerdem ist es niemals gut, unüberlegt und töricht zu handeln wie der Frosch. Es gibt Situationen, in denen ein „Sich-vergleichen“ sinnlos ist. Ein zu großes Geltungsbedürfnis, d.h. der Drang immer im Mittelpunkt zu stehen, ist eher schlecht. Schließlich sind das Aussehen und die Wirkung auf andere Personen sicherlich wichtig, doch sind sie eben nicht das einzig Wichtige im Leben. Es darf aber auch nicht vergessen werden, dass man auf diejenigen in seinem Umfeld achten sollte, die sich selbst nicht ausreichend um sich sorgen und sich übernehmen. Ihnen sollte man sinnvolle und angemessene Hilfe anbieten.

2.2 Das Schwein, die Ziege und der Hammel

In diesem Text ist das Schwein die Hauptfigur. Die schwierige Lage besteht darin, dass es (gemeinsam mit der Ziege und dem Hammel) in einer Karre auf den Markt gefahren wird.[7] Wahrscheinlich soll es geschlachtet und sein Fleisch dort dann verkauft werden, denn es ist „[…] ein fettgemästetes Schwein […]“[8]. Es steht also sein Leben auf dem Spiel. Ein Grund dafür ist, dass es sich bei dem Schwein um Nutzvieh des Bauern handelt. Zudem bemerkt das Schwein scheinbar erst auf dem Karren, dass es seine wahrscheinlich letzte Fahrt macht[9] und hat somit die Möglichkeit versäumt, vor dieser Fahrt zu entkommen und sich in Sicherheit zu bringen. Die Auflösung ist am Ende des Textes eher negativ. Zwar steht da das Ende noch nicht gänzlich fest, es lässt sich aber ein negativer Ausgang vermuten, denn das Schwein und die anderen beiden Tiere sind dem Handeln des Bauern ausgesetzt („[…] Du weißt, dein Unheil steht fest, was hilft also noch das Weinen und Klagen, wenn du doch nichts mehr ändern kannst?“[10] ). Allerdings kann man auch die Meinung vertreten, dass immer noch die Möglichkeit besteht, dass sich die Lage ändert und eine positive Auflösung erfolgt, gerade weil die Situation eben noch nicht gänzlich abgeschlossen ist.[11]

[...]


[1] Vgl. Asöp: Der aufgeblasene Frosch, Z. 1 f.

[2] Vgl. ebd.

[3] Vgl. ebd., Z. 2-6

[4] Ebd., Z. 2 f.

[5] Vgl. ebd., Z. 2, 4, 5 f.

[6] Dabei nehme ich Bezug auf die im Seminar erarbeiteten Gattungsmerkmale der Fabel, die die Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse kennen sollen.

[7] Vgl. Jean de La Fontaine: Das Schwein, die Ziege und der Hammel, Z. 1 f.

[8] Ebd. Z. 1.

[9] Vgl. ebd., Z. 15 ff.

[10] Ebd., Z. 20 ff.

[11] In Äsops „Der aufgeblasene Frosch“ hingegen platzt der Frosch und ein anderer Ausgang der Situation ist nicht mehr möglich.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Fabeln "Der aufgeblasene Frosch" von Äsop und "Das Schwein, die Ziege und der Hammel" von Jean de La Fontaine in der 6. Klasse
Untertitel
Bausteine eines Unterrichtsentwurfs
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Kurzprosa im Deutschunterricht – Texterschließung und Vermittlung von Gattungswissen
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V211807
ISBN (eBook)
9783656404217
ISBN (Buch)
9783656405894
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Äsop, Der aufgeblasene Frosch, Jean de la Fontaine, Schwein, Ziege, Hammel, Didaktik, Unterrichtsentwurf
Arbeit zitieren
Benny Schmidt (Autor), 2012, Die Fabeln "Der aufgeblasene Frosch" von Äsop und "Das Schwein, die Ziege und der Hammel" von Jean de La Fontaine in der 6. Klasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211807

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