Die Auseinandersetzung mit den Fragen, was die wh-Bewegung motiviert und warum sie nur im Zusammenhang mit wh-Ausdrücken auftritt, wird in der Linguistik mittels verschiedener konkurrierender Erklärungsansätze auf unterschiedliche Weise vorgenommen. In dieser Arbeit sollen verschiedene Ansätze betrachtet werden, die Erklärungsversuche zur wh-Bewegung bieten. Hauptsächlich besprochen werden soll der Ansatz von Adger (2003), der den Annahmen des Minimalistischen Programms (MP) folgt und damit wh-Bewegung durch merkmalsgetriebene Bewegung zu erklären sucht. Auch soll kurz auf das Verfahren des Minimalistischen Programms mit Sprachen eingegangen werden, bei denen wh- Phrasen in situ verbleiben, also nicht bewegt werden.
Diese sprachübergreifenden Unterschiede werden von Vertretern des Minimalistischen Programms durch Variation zwischen starken und schwachen Merkmalen analysiert. Abschließend soll die Behandlung des Phänomens in der Optimalitätstheorie (OT), vor allem im Ansatz von Jane Grimshaw (1997), kurz vorgestellt werden und die wichtigsten Unterschiede zum Erklärungsansatz des minimalistischen Programms herausgestellt werden.
Die Grundzüge des Minimalistischen Programms sowie der Optimalitätstheorie sollen kurz vorgestellt werden. Die Erklärungsansätze und Analyse zur wh-Bewegung werden zunächst erläutert, dann kritisch besprochen und gegenübergestellt. Leitfragen hierfür sollen Fragen nach Plausibilität (wo treten Probleme auf und wie werden diese gelöst?) und Einfachheit (sind Zusatzannahmen nötig? Ist der Ansatz ökonomisch?) der Erklärungsansätze sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und methodische Überlegungen
2. Bewegung von wh-Phrasen in der Auffassung des Minimalistischen Programms (MP)
2.1 Grundannahmen des Minimalistischen Programms: Dürscheid (2000)
2.2 Wh-Bewegung im Erklärungsansatz von Adger (2003)
3. Behandlung von wh-Bewegung in der Optimalitätstheorie
3.1 Grundzüge der Optimalitätstheorie (vgl. Müller 2000: Kap. 1; Businger 2007):
3.2 Behandlung der wh-Bewegung in der Optimalitätstheorie im Ansatz von Grimshaw (1997)
4. Bewertung der Ansätze zur Erklärung der wh-Bewegung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht zwei zentrale linguistische Erklärungsansätze zur Motivation der wh-Bewegung: das Minimalistische Programm nach Adger (2003) und die Optimalitätstheorie nach Grimshaw (1997). Dabei wird analysiert, wie beide Modelle syntaktische Phänomene wie wh-Fragen, Echo-Fragen und sprachübergreifende Variationen (wh-in situ) interpretieren und bewerten.
- Vergleichende Analyse des Minimalistischen Programms und der Optimalitätstheorie.
- Untersuchung der merkmalsgetriebenen vs. beschränkungsbasierten wh-Bewegung.
- Diskussion von Echo-Fragen innerhalb der jeweiligen theoretischen Frameworks.
- Analyse sprachübergreifender Unterschiede bei wh-in situ-Konstruktionen.
- Kritische Bewertung der Plausibilität und Ökonomie der Erklärungsansätze.
Auszug aus dem Buch
3.2 Behandlung der wh-Bewegung in der Optimalitätstheorie im Ansatz von Grimshaw (1997)
Als Beispiel für die Behandlung von wh-Bewegung in der Optimalitätstheorie wird an dieser Stelle die Theorie von Jane Grimshaw (1997) kurz besprochen, in der die Autorin die Bewegung der wh-Phrasen (Grimshaw behandelt wh-Phrasen als Operatoren, vgl. Grimshaw 1997: 377) optimalitätstheoretisch durch die Interaktion universeller Beschränkungen zu erklären sucht. Für die Analyse übernimmt Grimshaw die zentralen Ideen der Optimalitätstheorie (Universalität und Verletzbarkeit der Beschränkungen, Ranking und Wettbewerb).
Die Kandidaten einer Kandidatenmenge werden bei Grimshaw als unterschiedliche Alternativen der Realisierung eines Inputs gesehen. Der Input wird als Prädikat-/ Argumentstruktur mit einer Spezifikation von Tempus und Aspekt definiert, zusätzlich müssen alle Kandidaten einer Kandidatenmenge identische LFs besitzen (vgl. Müller 2000:94). Als die wichtigsten Beschränkungen für die Analyse von wh-Bewegung nennt Grimshaw STAY, OP-SPEC sowie OB-HD (vgl. Grimshaw 1997: 376), die folgendermaßen formuliert werden (vgl. ebd.: 374, 379):
(9) STAY („Economy of Move“): Bewegung (Spur) ist nicht erlaubt.
OB-HD („Obligatory Head“): Eine Projektion muss einen Kopf haben.
OP-SPEC („Operator in Specifier“): Syntaktische Operatoren müssen in einer Spezifikatorposition stehen. Für wh-Operatoren gilt: Die Beschränkung ist nur erfüllt, wenn der wh-Operator in eine Spezifiziererposition bewegt wird, von der aus er die gesamte erweiterte Projektion c-kommandiert.
Die Rangordnung dieser Beschränkungen ist für das Englische OP-SPEC >> OB-HD >> STAY. Für die Erklärung von wh-Bewegung in wh-Fragen wie in (4) und (5) ergeben sich auf der Grundlage dieses Rankings verschiedene Bewegungsoperationen. Da OP-SPEC am höchsten gerankt ist, muss der wh-Operator in eine Spezifikatorposition bewegt werden, für die eine erweiterte Projektion (CP) benötigt wird. Da OB-HD für die erweiterte Projektion die Existenz eines gefüllten Kopfes verlangt (C), muss das Auxiliar von I nach C bewegt werden, um die Kopfposition zu füllen und OB-HD nicht zu verletzen. STAY wird durch diese zwei Bewegungsoperationen doppelt verletzt. Der Kandidat, der genau diese Bewegungsoperationen aufweist trotzdem optimal, da die Konkurrenten höher gerankte Beschränkungen verletzen (vgl. Müller 2000: 95). Der Wettbewerb wird in einem Tableau (10) wiedergegeben (vgl. Grimshaw 1997:378).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und methodische Überlegungen: Einführung in die Problematik der wh-Bewegung und Definition der zentralen Begriffe im Kontext der generativen Grammatik.
2. Bewegung von wh-Phrasen in der Auffassung des Minimalistischen Programms (MP): Erläuterung der Grundannahmen des MP und der merkmalsgetriebenen Bewegungsanalyse nach Adger.
3. Behandlung von wh-Bewegung in der Optimalitätstheorie: Darstellung der optimalitätstheoretischen Analyse von wh-Bewegung anhand des Ansatzes von Grimshaw unter Verwendung von Beschränkungs-Rankings.
4. Bewertung der Ansätze zur Erklärung der wh-Bewegung: Kritische Gegenüberstellung beider Ansätze hinsichtlich ihrer Erklärungsstärke und theoretischen Plausibilität.
5. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Ansätze, wobei die Optimalitätstheorie als eleganter, aber potenziell weniger ökonomisch bewertet wird.
Schlüsselwörter
wh-Bewegung, Minimalistisches Programm, Optimalitätstheorie, Syntax, Generative Grammatik, Beschränkung, Feature-Checking, Echo-Fragen, wh-in situ, Merkmalsüberprüfung, Interrogativsatz, Sprachübergreifende Variation, Grimshaw, Adger, Optimalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den syntaktischen Erklärungsansätzen zur sogenannten wh-Bewegung in Fragesätzen, wie sie im Minimalistischen Programm und in der Optimalitätstheorie diskutiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Motivation von Sprachbewegungen, die Rolle von syntaktischen Merkmalen (stark/schwach) sowie die hierarchische Ordnung von Sprachbeschränkungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein kritischer Vergleich der Ansätze von Adger (Minimalistisches Programm) und Grimshaw (Optimalitätstheorie) hinsichtlich ihrer Fähigkeit, wh-Bewegungen und damit verbundene Phänomene konsistent zu erklären.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt die theoretische Analyse und den Vergleich linguistischer Frameworks, inklusive der Auswertung von Tableaus zur Bestimmung optimaler Kandidatenstrukturen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der minimalistischen Merkmalsanalyse und der optimalitätstheoretischen Interaktion von Beschränkungen (OP-SPEC, OB-HD, STAY).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "wh-Bewegung", "Minimalistisches Programm", "Optimalitätstheorie", "Beschränkung" und "Merkmalsüberprüfung" charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Behandlung von Echo-Fragen in den Ansätzen?
Adger erklärt Echo-Fragen über das Fehlen von Frage-Merkmalen (Q), während Grimshaw sie als Ergebnis unterschiedlicher Inputs mit jeweils spezifischen Kandidatenmengen interpretiert.
Wie erklären die Ansätze "wh-in situ"-Sprachen?
Das Minimalistische Programm führt dies auf schwache Merkmale zurück, die keine overte Bewegung erfordern, während die Optimalitätstheorie eine Umordnung der Beschränkungs-Hierarchie (STAY >> OP-SPEC) annimmt.
- Arbeit zitieren
- Susanne Beyer (Autor:in), 2007, wh-Phrasen im Minimalistischen Programm und die wh-Bewegung in der Optimalitätstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211897