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Die Literarisierung des Adels im ausgehenden 19. Jahrhundert am Beispiel Th. Fontanes "Der Stechlin"

Titel: Die Literarisierung des Adels im ausgehenden 19. Jahrhundert am Beispiel Th. Fontanes "Der Stechlin"

Bachelorarbeit , 2012 , 41 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Johannes Mücke (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Zum Schluß stirbt ein Alter und zwei Junge heiraten sich; – das ist so ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht. Von Verwicklungen und Lösungen, von Herzenskonflikten oder Konflikten überhaupt, von Spannungen und Überraschungen findet sich nichts. (Brief an Adolf Hofmann vom Mai/Juni 1897)
Dieser Brief Fontanes an den Verleger der Zeitung Über Land und Meer, Adolf Hoffmann, bezüglich seines letzten Romans Der Stechlin macht deutlich, dass der Roman von einer gewissen Handlungsarmut geprägt ist. Interessant ist dennoch, dass Der Stechlin trotz dieser geringen Handlung keineswegs als ennuyant deklariert werden darf; die zahlreichen Dialoge, die hauptsächlich den Konflikt zwischen dem Alten und dem Neuen, der Tradition und der Moderne behandeln, verleihen dem Roman seine Einzigartigkeit und die Möglichkeit der vielseitigen Deutung. Die Thematisierung des gesellschaftlichen Lebens der Mark Brandenburg und Berlins sowie die politischen Gegebenheiten im ausgehenden 19. Jahrhundert machen den Stechlin zu einem „politischen Roman“2, der die „Gegenüberstellung von Adel, wie er […] sein sollte und wie er ist“3 beinhaltet. Fontane erkennt die Defizite seiner Zeit und berücksichtigt diese in der literarischen Darstellung des Stechlin. Diese wirklichkeitsgetreue Präsentation, im Besonderen die Darlegung der Schwächen des Adels, ist zweifelsohne im Sinne des Realismus.4
Im Folgenden soll nun untersucht werden, inwiefern der Adel im ausgehenden 19. Jahrhundert dargestellt wird. Unterliegt er der permanenten Kritik des Autors oder erfolgt ebenso eine Hervorhebung der Kompetenzen desselben? Ist der Stechlin ein Roman, der das Ende des Adels beschreibt und diesem faktisch im 20. Jahrhundert keine bedeutende Position mehr zuteilt? Ebenso ist von Interesse, in welcher Weise die etwaige zukünftige Rolle des Adels in der Gesellschaft und Politik im 20. Jahrhundert seitens des Autors realisiert würde. Beginnend soll der historische Kontext dargelegt werden, um anschließend die Präsentation des Adels im Roman sowie die Funktion desselben in der Politik und der Gesellschaft analysieren zu können.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Kontext

2.1 Die politischen Entwicklungen im Deutschen Kaiserreich

2.2 Die Gesellschaft im Deutschen Kaiserreich

3. Der Adel im Roman

3.1 Niederadel

3.1.1 Dubslav von Stechlin

3.1.2 Domina Adelheid von Stechlin

3.1.3 Rittmeister Woldemar von Stechlin

3.1.4 Sägemühlenbesitzer Gundermann

3.2 Hochadel

3.2.1 Graf Barby

3.2.2 Gräfin Melusine Barby

3.2.3 Comtesse Armgard Barby

4. Der Adel und die Politik

4.1 Die Wahl in Rheinsberg-Wutz

4.2 Die Rolle der Sozialdemokratie

4.3 Die Thematik der Revolution

5. Fontanes Einstellungen zum Adel

6. Abschließende Betrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung des Adels im ausgehenden 19. Jahrhundert anhand von Theodor Fontanes Roman "Der Stechlin". Ziel ist es, kritisch zu beleuchten, inwiefern der Autor den Adel einerseits einer permanenten Kritik unterzieht und andererseits dessen Kompetenzen hervorhebt, sowie zu analysieren, welche zukünftige Rolle dem Adel in der Gesellschaft und Politik seitens des Autors zugeschrieben wird.

  • Historischer Kontext des Deutschen Kaiserreichs
  • Differenzierung zwischen Nieder- und Hochadel
  • Die politische Bedeutungslosigkeit des Adels und das Aufstreben der Sozialdemokratie
  • Einfluss technischer und gesellschaftlicher Transformationen
  • Synthese von Tradition und Moderne in Fontanes Adelsbild

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Dubslav von Stechlin

Der Ritterschaftsrat Dubslav von Stechlin ist der Protagonist des Romans Der Stechlin; er ist der „Typus eines Märkischen von Adel“ (8), obwohl er einen „pommerschen Namen“ (9) trägt. Über diese Namensgebung äußert Dubslav seinen Unmut, denn „Was ein Märkischer ist, der muß Joachim heißen oder Woldemar“ (10). Es wird ersichtlich, dass die Hervorhebung der märkischen Abstammung für Dubslav von großer Relevanz ist. Trotz seiner Zugehörigkeit zum Adel besitzt er „manche Eigenschaften, die dem landläufigen Bild des preußischen Adeligen auf den ersten Blick zu widersprechen scheint“22. Dubslav von Stechlin war „von jung an lieber im Sattel als bei den Büchern“ (8), sodass ein typisch adeliges Desinteresse an der Bildung diagnostiziert werden kann. Überdies kann er „eigentlich Fremdwörter nicht leiden“ (73). Für Dubslav ist Bildung „fester Besitz, nicht lebenslanger Prozess“ (16). Er gibt klar zu verstehen, dass man sich Bildung einmal im Leben anzueignen habe und diese dann lebenslang besitze. Dies spiegelt Dubslavs Auffassung der Gesellschaft wider; wird man als Adeliger geboren, bleibt man zeitlebens in diesem Stand der Gesellschaft und kann dessen Vorteile nutzen. Das geringe Interesse an der Bildung korreliert mit der Einstellung des Adels gegenüber der Bildung. Dieser war nicht dazu geneigt, sich ein erhöhtes Bildungsniveau anzueignen, was aufgrund der gesellschaftlichen Stellung auch zu keiner Zeit vonnöten war.23

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Handlungsarmut und die politische Dimension des Romans ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach Fontanes kritischer Auseinandersetzung mit dem Adel.

2. Historischer Kontext: Dieses Kapitel erläutert die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des wilhelminischen Zeitalters, insbesondere den Wandel vom Agrar- zum Industriestaat.

3. Der Adel im Roman: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse der Figuren, unterteilt in Nieder- und Hochadel, wobei deren spezifische Verhaltensweisen und gesellschaftliche Positionen beleuchtet werden.

4. Der Adel und die Politik: Dieses Kapitel untersucht die abnehmende politische Macht des Adels, illustriert durch die Reichstagsersatzwahl und die wachsende Bedeutung der Sozialdemokratie und revolutionärer Tendenzen.

5. Fontanes Einstellungen zum Adel: Die Untersuchung befasst sich mit der Wandlung von Fontanes Haltung gegenüber dem Adel von anfänglicher Verehrung zu kritischer Distanzierung.

6. Abschließende Betrachtung: Das Fazit resümiert die Ergebnisse und stellt fest, dass nur eine Verbindung liberaler und konservativer Kompetenzen eine Existenzberechtigung für den Adel im 20. Jahrhundert bietet.

Schlüsselwörter

Theodor Fontane, Der Stechlin, Adel, Deutsches Kaiserreich, Niederadel, Hochadel, Sozialdemokratie, politischer Wandel, Preußentum, Realismus, industrielle Revolution, Gesellschaftskritik, Dubslav von Stechlin, Konservatismus, Liberalismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die literarische Darstellung des Adels im ausgehenden 19. Jahrhundert anhand von Theodor Fontanes Altersroman "Der Stechlin".

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?

Im Zentrum stehen der historische Kontext des Kaiserreichs, die Typologie des Adels (Hoch- vs. Niederadel), das Verhältnis zur Politik sowie der Einfluss sozialer und technischer Umbrüche auf den Adelsstand.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt, ob Fontane den Adel primär kritisiert oder auch dessen Kompetenzen hervorhebt und wie er dessen künftige Rolle im 20. Jahrhundert antizipiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman primärtextnah interpretiert und dabei mit zeitgenössischer Sekundärliteratur sowie historischen Quellen abgleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Charakteranalyse, die Darstellung politischer Prozesse wie der Reichstagswahl und eine Untersuchung von Fontanes persönlicher Einstellung zum Adel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Preußentum, Adel, Sozialdemokratie, Konservatismus und literarischer Realismus charakterisiert.

Wie unterscheidet Fontane im Roman zwischen den Adelsgruppen?

Fontane differenziert zwischen einem als weltfremd und inkompetent kritisierten Niederadel (z.B. Dubslav von Stechlin) und einem liberaler agierenden Hochadel (z.B. Graf Barby und dessen Töchter).

Welche Rolle spielen die Frauenfiguren im Roman für die Argumentation?

Die Frauenfiguren, insbesondere Melusine und Armgard von Barby, fungieren als Repräsentantinnen des Liberalismus und zukunftsweisender Werte, die eine Synthese zwischen Tradition und Moderne verkörpern.

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Literarisierung des Adels im ausgehenden 19. Jahrhundert am Beispiel Th. Fontanes "Der Stechlin"
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Autor
Johannes Mücke (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
41
Katalognummer
V211904
ISBN (eBook)
9783656405313
ISBN (Buch)
9783656406174
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fontane Adel Theodor Dubslav Adelheid Woldemar Melusine 19. Jahrhundert Gesellschaft Besitzbürgertum Bildungsbürgertum Hochadel Niederadel
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Johannes Mücke (Autor:in), 2012, Die Literarisierung des Adels im ausgehenden 19. Jahrhundert am Beispiel Th. Fontanes "Der Stechlin", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211904
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Leseprobe aus  41  Seiten
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