Kritik am Theater in Rousseaus Brief an d’Alembert über das Schauspiel

In Bezug auf moderne Medien, besonders das Fernsehen


Hausarbeit, 2010

10 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Vereinzelung durch Medienkonsum und ein Ausblick auf ein Schauspiel der Gemeinschaft

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Rousseaus 139 Seiten langer Brief an d’Alembert über das Schauspiel ist eine Antwort auf dessen Artikel Genf, in dem dieser sich für die Errichtung eines Theaters ebendort ausspricht. Wie aus Rousseaus Schrift hervorgeht, kennen sich die beiden und haben sogar schon einmal gemeinsam eine Theatervorstellung besucht. Sie sind also keine Unbekannten.

Seinen Brief an d’Alembert über das Schauspiel hat Rousseau in mehrere Abschnitte gegliedert, welche im Einzelnen die Aspekte aufgreifen, die für Rousseau so verhängnisvoll an einem Theater sind.

Der vorliegende Text möchte sich mit einigen dieser Aspekte befassen und zwar mit genau denen, die sich auf moderne Medien, im Besonderen das Fernsehen übertragen lassen. Dass der Gedanke dieser Übertragung legitim ist zeigt der Artikel Homo spectator von Margaret Kohn, in dem sie auf moderne Formen der Massenmedien verweist, die ebenso wie das Theater zum kritischen Dialog anregen können[1].

Die Aktualität des Briefes an d’Alembert über das Schauspiel ermöglicht es, Rousseaus Argumente nahtlos in eine Debatte mit kritischen Auseinandersetzungen der Gegenwart einzuflechten. So soll dies auch im Folgenden geschehen, um an einer hochaktuellen Thematik zu partizipieren. Auf Grund der Allgegenwart der Medien in unserem Kulturkreis, kann sich wohl niemand aus diesen Gedanken ausschließen.

Um nicht aber nur in Kritik zu verfallen, soll abschließend mit Rousseaus Worten eine Alternative geboten werden, die beides, eben Unterhaltung und Gemeinschaft wieder miteinander verbindet.

Vereinzelung durch Medienkonsum und ein Ausblick auf ein Schauspiel der Gemeinschaft

Zu Beginn seiner Diskussion über die Verfehlungen, die ein Theater hervorrufen kann bzw. die Sachen, die es verschuldet, stellt Rousseau eine ganz grundsätzliche Sache in Frage. Es geht darum, in wie weit ein Theater überhaupt sinnvoll ist und den Menschen nicht nur ihre Lebenszeit raubt. „Beim ersten Blick, den ich auf diese Einrichtung werfe, sehe ich, dass das Schauspiel ein Zeitvertreib ist, und wenn es wahr ist, dass der Mensch Zeitvertreib braucht, werden sie wenigstens zugeben, dass er nur so weit als notwendig erlaubt ist und dass aller unnütze Zeitvertreib ein Übel für ein Wesen bedeutet, dessen Lebens so kurz und dessen Zeit so kostbar ist.“[2]

Dieser sehr elementare Gedanke lässt sich leicht auch auf den modernen Konsum von Medien anwenden. Viele von ihnen dienen der Unterhaltung. Die Nachrichtenübermittlung nimmt hierbei nur einen kleinen Teil ein und selbst dieser ist in Frage zu stellen, da selbst die Nachrichtenflut in dieser globalisierten Welt immer weniger zu bewältigen ist und somit auch Selektion erfordert.

Rousseau liefert auch selbst gleich den Grund, warum diese Art der Lebenszeitverkürzung dennoch so beliebt ist. Denn das, „was einen fremden Zeitvertreib so notwendig macht, ist die Unzufriedenheit mit sich selbst“[3]. Vermutlich ist den Medienkonsumenten diese Unzufriedenheit wenig bekannt. Was jedoch wohl keiner von ihnen bestreiten wird ist, dass das die Medien und hier ganz besonders das Fernsehen, Ablenkung bieten. Nur ein reflektierter Mensch wird diesen Gedanken so weit hinterfragen, als dass der Tatsächlich auf den Umstand dieser Unzufriedenheit kommt, bzw. sich diesen auch eingesteht. Viele werden sich mit der Erkenntnis zufrieden geben, dass sie abgelenkt werden von ihrem Alltag, der hauptsächlich aus ihrer beruflichen Tätigkeit besteht. Das Wort ‚Zerstreuung’ wird in diesem Zusammenhang gern genutzt. Es geht um das vermeintliche Loslassen der Inhalte, die den Tag über von Bedeutung waren, um das vergessen dessen, was jetzt nicht mehr interessiert oder interessieren soll. Hartmut Winkler formuliert dies nahezu poetisch: „Ich will vergessen; ich will, dass die Bilder andere Bilder aus mir herausreißen und mich reinigen [...]“[4]

[...]


[1] Margaret Kohn: Homo spectator. Public space in the age of the spectacle. In: Philosophy & Social Criticism 34 Nr.5 (2008) H.5, Zugriff über: http://psc.sagepub.com/cgi/content/abstract/34/5/467. Datum des Zugriffs: 4. März 2010. S. 479

[2] Jean-Jacques Rousseau: Brief an Herrn D’Alembert. In:Jean-Jacques Rousseau. Schriften. Hrsg. Henning Ritter. Bd.1. München/Wien 1978, S. 348

[3] ebenda

[4] Hartmut Winkler: Nicht handeln. Versuch einer Wiederaufwertung des couch potato angesichts der Provokation des interaktiv Digitalen. In: Philosophie des Fernsehens. Hrsg. Oliver Fahle und Lorenz Engell. München 2006, S. 94

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Kritik am Theater in Rousseaus Brief an d’Alembert über das Schauspiel
Untertitel
In Bezug auf moderne Medien, besonders das Fernsehen
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
10
Katalognummer
V211974
ISBN (eBook)
9783656404569
ISBN (Buch)
9783656406266
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kritikpunkte, theater, jean-jacques, rousseaus, brief, schauspiel, bezug, medien, fernsehen
Arbeit zitieren
Michaela Kuhn (Autor), 2010, Kritik am Theater in Rousseaus Brief an d’Alembert über das Schauspiel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211974

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