Andreas Karlstadts Kritik an spätmittelalterlichen Frömmigkeitspraktiken im Spiegel seines Bildertraktates


Hausarbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Kontext der Karlstadtschrift „Von Abtuung der Bilder“
2.1 Karlstadt
2.2 Überblick über die Ereignisse in Wittenberg 1521-

3 Frömmigkeitspraktiken in der Karlstadtschrift
3.1 Bilderverehrung
3.2 Heiligenverehrung
3.3 Wallfahrt
3.4 Kruzifixe

4 Fazit und Ausblick
4.1 Zusammenfassende Kritik an den erwähnten Frömmigkeitspraktiken
4.2 In wie weit ist Karlstadts Kritik volkstümlich oder elitär?
4.3 Ausblick

5 Anhang
5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Rechtliche Erklärung

1 Einleitung

Andreas Karlstadt war einer der bedeutendsten Nebenreformatoren, der besonders durch seine Radikalität auffiel.[1] In seiner Schrift „Von Abtuung der Bilder“ argumentiert Karlstadt mit theologischen Argumenten gegen die Bilderverehrung nimmt aber auch Stellung zu den spätmittelalterlichen Frömmigkeitspraktiken.

Diese von Karlstadt erwähnten Frömmigkeitspraktiken sollen in der vorliegenden Arbeit dargestellt und erläutert werden. Was stand für den spätmittelalterlichen Menschen hinter diesen Praktiken? Inwieweit hatten diese von Karlstadt kritisierten Praktiken einen prägenden Einfluss auf die volkstümliche Frömmigkeit? Stand Karlstadt für eine volkstümliche oder elitäre Frömmigkeit?

Im ersten Teil der Arbeit werden kurz die Ereignisse um die Veröffentlichung der Schrift in Wittenberg und Karlstadts akademische Laufbahn bis zu seinem „radikalen sozialen Abstieg“[2] dargestellt. Darauf folgt im zweiten Teil eine Darlegung der in Karlstadts Schrift erwähnten Frömmigkeitspraktiken und es wird erläutert, wie tief sie im Glauben der Menschen zur damaligen Zeit verankert waren. Im Fazit soll es dann um die Frage gehen, inwieweit die Kritik Karlstadts volkstümlich oder elitär war.

2 Der Kontext der Karlstadtschrift „Von Abtuung der Bilder“

2.1 Karlstadt

Geboren wurde Andreas Karlstadt im Jahre 1486 und stammte aus einer Familie aus „kleinstädtischer bürgerlicher Führungsschicht“[3]. Sein Studium der Theologie schloss er im Jahre 1510 mit dem Doktorgrad ab und begann ein Jahr später eine Professur an der Universität in Wittenberg.[4] Kirchenrechtliche Probleme veranlassten ihn, parallel zu seinen Lehrtätigkeiten, juristische Studien zu betreiben. Im Jahre 1516 erwarb er in beiden Rechten den Doktorgrad.[5] Während der Geschehnisse in Wittenberg um 1521-1522 erreichte Karlstadt „den Höhepunkt seines Einflusses als offizieller Reformator“[6]. Nach diesen Ereignissen, die in Punkt 2.2 ausführlicher dargelegt werden, übernimmt Luther wieder die Führung der Wittenberger Bewegung, Karlstadt wird in seinen Predigttätigkeiten und Publikationen eingeschränkt.[7] Im Jahre 1523 verließ Karlstadt den akademischen Betrieb in Wittenberg und arbeitete in der Folge als einfacher Bauer in der Landwirtschaft.[8] Er legte den akademischen Talar ab, zog ein einfaches Bauerngewand an und ließ sich „Bruder Andreas“ nennen.[9] Die darauffolgenden Jahre 1523-1524 wurde er Seelsorger in Orlamünde und konnte dort „sein Reformmodell vorübergehend ungehindert durchführen.“[10] Insgesamt ließ sein Einfluss mehr und mehr nach, Karlstadt starb am 24. Dezember 1541 an der Pest.[11]

2.2 Überblick über die Ereignisse in Wittenberg 1521-1522

Nach dem Wormser Reichstag 1521 hielt sich Martin Luther auf der Wartburg auf und es „wurden die ersten Reformen in Wittenberg eingeleitet.“[12] Karlstadt setzte sich in dieser Zeit an die Spitze der Reformationsbewegung und trieb energisch die Reformen voran.[13] In seinen am 19. Juli 1521 veröffentlichten Thesen zur Messe forderte er das Abendmahl unter beiderlei Gestalten.[14] Die spätere Anfrage an den Kurfürsten, einer Änderung der Messe zuzustimmen, wurde am 25. Oktober abgelehnt.[15]

Vor allem die Bürger und Studenten der Theologie drängten darauf, die „neuen Einsichten in die Praxis zu überführen.“[16] Anfang Dezember kam es dann zu gewalttätigen Gottesdienststörungen. Mönche wurden beschimpft und ihnen wurde angedroht, ihr Kloster zu stürmen.[17] Zu einer Bestrafung der Störer kam es jedoch nicht wirklich, weil diese starke Zustimmung unter der Bevölkerung von Wittenberg genossen.[18]

Am Weihnachtsgottesdienst setzte sich Karstadt über das ausdrückliche Verbot des Kürfürsten hinweg und feierte den Gottesdienst in stark veränderter Form.[19] Er trug keine priesterliche Amtskleidung,[20] sprach die Einsetzungsworte in Deutsch und teilte das Abendmahl in beiderlei Gestalten aus.[21]

Der Wittenberger Rat beschloss daraufhin am 24. Januar 1522 eine neue Kirchenordnung, bei der Karlstadt beratend mitgewirkt hatte.[22] Nur zwei Tage danach veröffentliche Karlstadt seine Schrift „Von Abtuung der Bilder“, in welcher er die geordnete Abnahme der Bilder von Seiten der Obrigkeit forderte. Jedoch kam es Ende Januar kam es zu einem gewaltsamen Bildersturm der Bürger in der Stadtkirche.[23] Unter dem politischen Druck ließ Friedrich der Weise die Ordnungen von Wittenberg überarbeiten und kehrte dadurch, mit wenigen Ausnahmen, wieder zur traditionellen Form der Messe zurück.[24] Karlstadt wurde das Predigen untersagt und es erging die dringende Bitte an Luther, wieder zurück nach Wittenberg zu kommen.[25]

3 Frömmigkeitspraktiken in der Karlstadtschrift

In seiner Schrift „Von Abtuung der Bilder“ geht es Karlstadt in erster Linie darum, dem Leser anhand der Bibel aufzuzeigen, dass Bilderverehrung verboten ist. Dazu beschreibt er verschiedene Frömmigkeitspraktiken der damaligen Zeit, um sie dann theologisch zu widerlegen. Zusammenfassend lassen sich in der Schrift Karlstadts vier Frömmigkeitspraktiken erkennen: die Bilderverehrung, die Heiligenverehrung, die Wallfahrt und die Kruzifixe.

Besagte Frömmigkeitspraktiken werden im diesem Abschnitt erläuternd dargestellt.

3.1 Bilderverehrung

Die erste Frömmigkeitspraktik, die Karlstadt in seiner Schrift erwähnt, ist die Bilderverehrung. Karlstadt geht es darum, dem Leser aufzuzeigen, dass Bilderverehrung Götzendienst ist und die Bilder daher aus den Kirchen entfernt werden müssen.[26]

Anfangs beschreibt Karlstadt den schändlichen Zustand der Kirchen, in denen die Bilder, welche er als Ölgötzen bezeichnet, sogar auf dem Altar stehen.[27] Weiter zeigt er anhand der damals gängigen Frömmigkeitspraktiken auf, wie die Bevölkerung im Mittelalter die Bilder liebt. Besonders deutlich wird das für ihn in den kostbaren Kleidern der Bilder,[28] in ihrer direkten Anrufung um Hilfe[29] und in der stark verbreiteten Wallfahrt[30] zu ihnen.

Konkrete Praktiken der Bilderverehrung, die Karlstadt in seiner Schrift nennt, sind die Abnahme der Kopfbedeckung, das Niederknien[31] und das Anzünden von Kerzen[32] vor den Bildern und das Küssen[33] der Bilder selbst.

Mehrfach beschreibt Karlstadt die Praktik, vor den Bildern Kerzen anzuzünden, um sie dadurch zu ehren.[34] Gerade Kerzen waren eine stark verbreitete Opfergabe, unter anderem deshalb, weil das Wachs als jungfräulich[35] angesehen wurde und daher ein angemessenes Opfer darstellte. „Weil es zuletzt keine liturgischen Aktionen ohne Kerzen gab, wurde Wachs die erste, einfachste und selbstverständlichste Opfergabe.“[36] Auf jedem Altar im Mittelalter standen Tag und Nacht brennende Kerzen.[37]

Karlstadt kritisiert weiterhin den Brauch, sich vor dem Bild zu verbeugen[38], es zu küssen[39] und die eigene Kopfbedeckung bewusst davor abzunehmen[40]. Alle diese Handlungen waren üblich, um jemandem untertänig ein persönliches Anliegen vorzulegen.[41]

[...]


[1] Vgl. Sider 29.

[2] Looß 105.

[3] Bubenheimer 649.

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. Goertz 59.

[6] Vgl. Sider 23.

[7] Vgl. Bubenheimer 651.

[8] Vgl. Sider 26-27.

[9] Vgl. aaO 27.

[10] Vgl. Budenheimer 652.

[11] Vgl. aaO 654.

[12] Vgl. Goertz 61.

[13] Vgl. ebd.

[14] Vgl. Brecht 35.

[15] Vgl. aaO 35-36.

[16] Goertz 61.

[17] Vgl. Brecht 38-19.

[18] Vgl. aaO 38-39.

[19] Vgl. Brecht 42.

[20] Vgl. Mau 63.

[21] Vgl. Brecht 42.

[22] Vgl. aaO 46

[23] Vgl. Mau 67.

[24] Vgl. aaO 68.

[25] Vgl. aaO 69.

[26] Vgl. Karlstadt 106,14-19.

[27] Vgl. Karlstadt 106,16-17; 109,36-39; 110,1-2;14-17.

[28] Vgl. Karlstadt 106,29- 37.

[29] Vgl. Karlstadt 108,8-9.

[30] Vgl. Karlstadt 108,1-4.

[31] Vgl. Karlstadt 109, 23-24.

[32] Vgl. Karlstadt 107,23-24.

[33] Vgl. Karlstadt 122,32.

[34] Vgl. Karlstadt 107,23-24.

[35] Vgl. Angenendt 411.

[36] AaO 418.

[37] Vgl. ebd.

[38] Vgl. Karlstadt 109,23-25; 114, 15-16.

[39] Vgl. Karlstadt 122, 32.

[40] Vgl. Karlstadt 108, 11-12.

[41] Vgl. Belting 16.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Andreas Karlstadts Kritik an spätmittelalterlichen Frömmigkeitspraktiken im Spiegel seines Bildertraktates
Hochschule
Theologisches Seminar Elstal
Veranstaltung
Seminar Kirchengeschichte
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V212022
ISBN (eBook)
9783656400721
ISBN (Buch)
9783656401599
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
karlstadts, kritik, frömmigkeitspraktiken, spiegel, bildertraktates
Arbeit zitieren
Jonas Schilke (Autor), 2010, Andreas Karlstadts Kritik an spätmittelalterlichen Frömmigkeitspraktiken im Spiegel seines Bildertraktates, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212022

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