Der Garten der Alten Nationalgalerie in Berlin und die Frage nach der Rekonstruktion


Seminararbeit, 2008
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Lage
1.2 Stand der Forschung und Quellenlage

2 Geschichtlicher Uberblick
2.1 Die Grundsteinlegung der Museumsinsel durch Karl Friedrich Schinkel
2.2 Der Masterplan Museumsinsel von Friedrich August Stuler
2.3 Die Errichtung derAlten Nationalgalerie unter Heinrich Strack
2.4 Die weiteren Museumsbauten
2.5 Die Alte Nationalgalerie heute

3 Gartenhistorische Einordnung
3.1 Historische Entwicklung
3.2 Phasen der Gartenhistorie

4 Aktivitaten
4.1 Gartendenkmalpflegerisches Gutachten
4.1.1 Alternative I: Rekonstruktion des Zustands von 1880
4.1.2Altemative II: Rekonstruktion des Zustands von 1935
4.1.3Alternative III:Angepasste Konservierung
4.1.4 Empfehlung des Gutachtens
4.2 Entwicklungskonzept ,,Garten der Nationalgalerie" - Kolonnadengarten
4.3 Masterplan Museumsinsel Berlin

5 Beschreibung der Anlage: Entwurf „Offentliche Raume auf der Museumsinsel Berlin- Mitte“
5.1 Das Gesamtkonzept
5.2 Die Entwurfselemente
5.2.1 Die Bepflanzung
5.2.2 Die Entwurfselemente

6 Gartendenkmalpflegerische Bewertung

7 Resumee

8 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Die Alte Nationalgalerie ist ein beliebte Sehenswurdigkeit in Berlins Mitte. Viele tausende Besucher besichtigen jahrlich auch den dazugehorigen Garten samt den begrenzenden Kollonnaden. Dass der raumlich streng begrenzte Ort in der Vergangenheit eine bewegte Geschichte erfahren hat und sich Atmosphare und Erscheinungsbild der Gartenanlage mehrfach verandert haben, ist nicht allen Besuchern bekannt.

In folgender Ausarbeitung wird die Geschichte des Gartens der Alten Nationalgalerie naher beleuchtet. Aus dieser Geschichte resultiert dann die Frage nach der Rekonstruktion: Welcher ehemalige Zustand ist das erklarte Ziel bei der Wiederherstellung einer Gartenanlage?

1.1 Lage

Die Alte Nationalgalerie bildet zusammen mit dem Alten Museum, den Neuen Museum, dem Bode-Museum, dem Pergamon-Museum, dem Berliner Dom und dem Lustgarten die Berliner Museumsinsel (siehe Abb. 1). Als Eigentum des Landes Berlin liegt sie in der Mitte des Komplexes Museumsinsel, zwischen den Gleisen der Berliner Stadtbahn und der Bodestrafte, am ostlichen Ufer der Insel (siehe Abb. 2). Im Norden schlieftt sich das Pergamon-Museum an, im Suden das Neue Museum, das Alte Museum und der Berliner Dom.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2 Stand der Forschung und Quellenlage

Aus denkmalpflegerischer Sicht sind zahlreiche Quellen zur Thematik des Gartens der Alten Nationalgalerie vorhanden. Von grundlegender Wichtigkeit fur diese Ausarbeitung war insbesondere das Gartendenkmalpflegerische Gutachten aus dem Jahr 1993, welches von derArbeitsgemeinschaft Dr. C. Wimmer und J. Schwarzkopf erstellt wurde. Das Gutachten dokumentiert die Phasen derGartengestaltung und liefertzahlreiche historische Bildquellen. Eine in dieser Hinsicht weitere wichtige Quelle war das Entwicklungskonzept 'Garten der Nationalgalerie - Kolonnadengarten', welches im Jahr 1998 von A. Rothig veroffentlich wurde. Ausblicke in die Zukunft des Gartens derAlten Nationalgalerie gaben der Masterplan Museumsinsel (Stand November 2000) und der Entwurf der Landschaftsarchitekten Levin und Monsigny fur den Kolonnadengarten aus dem Jahr 2002.

2 Geschichtlicher Uberblick

Die Geschichte des Gartens der Alten Nationalgalerie in Berlin ist wechselhaft und von den jeweiligen Epochen gepragt. Obwohl er ein zentraler Ort inmitten der Museumsinsel ist, war die Gestaltung des Gartens immens von der Baugeschichte der umliegenden Gebaude und auch von der jeweils aktuellen politischen Situation abhangig. Deswegen erschlieftt sich die gartenhistorische Entwicklung des Gelandes aus der Baugeschichte der gesamten Museumsinsel, auf welche im folgenden Abschnitt naher eingegangen wird.

2.1 Die Grundsteinlegung der Museumsinsel durch Karl Friedrich Schinkel

Das erste Museum auf der Museumsinsel war das Alte Museum. Das im Jahr 1823 - 1824 vom Leiter der Preuftischen Baubehorde Friedrich Schinkel errichtete, klassizistische Gebaude bot bereits nach zehn Jahren nicht mehr genugend Raum fur die vorhandenen Kunstwerke. Die ersten Ideen eine Nationalgalerie einzurichten kamen um das Jahr 1815 auf und verstarkten sich in den 1830er-Jahren. Kaiser Friedrich Wilhelm IV. war selbst sehr an der Kunst der Architektur interessiert und legte aus eigener Feder gefertigte Entwurfe fur die von ihm geforderte ,,Freistatte fur Kunst und Wissenschaft" vor.1 Die Skizzen zeigen gewaltige klassizistische Baumassen, welche zum Teil aufeinander geturmt waren (siehe Abb. 3). Die Planung und Ausfuhrung imposanter Gebaude hatte alleine das Ziel, Berlin zu einereinmaligen Kunstmetropole im deutschsprachigen Raum zu machen.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Skizze von Kaiser Friedrich Wilhelm IV. um 1835, Wedel 2002, S. 180

2.2 Der Masterplan Museumsinsel von Friedrich August Stuler

Friedrich August Stuler war ein Schuler Schinkels und wurde nach dessen Tod im Jahr 1841 mit der Erweiterung der Museumsinsel betraut. Er galt wie sein Lehrer als weit gereister Architekt mit Aufenthalten in Italien, Frankreich und England. Im selben Jahr seiner Anstellung entwickelte er noch einen Entwurf fur drei weitere Bauten: Dies war sozusagen der erste Masterplan fur die Museumsinsel (siehe Abb. 2).3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 Stulers Masterplan von 1841,

http://www.museumsinsel-berlin.de [Stand 05.06.2008]

Erst spater wurden die Zeichnungen aus dem Jahr 1841 veroffentlicht. In ihnen ist deutlich Stulers Bestreben erkennbar, die Schinkelschen Wirtschaftsbauten am Kupfergraben (wie beispielsweise das Packhaus) zu erhalten. Die Planung war sehr groftzugig. Baukorper und Hofflachen korrespondierten miteinander. Von Stulers Masterplan wurde allein das Neue Museum wirklich in der geplanten Form ausgefuhrt. Die Alte Nationalgalerie erscheint im Plan bereits als Einzelbauwerk, vergleichbar mit einem Tempelbau. Im Norden der Insel war ein halb runder, nach Suden geoffneter und mit Saulen verzierter Baukorper geplant, der niemals umgesetzt wurde.4

Besonders wichtig an diesem Plan war die Vernetzung des gesamten Areals: Kolonnaden durchziehen die Zwischenraume. Der Grundstein fur dieses Konzepts wurde an der Alten Nationalgalerie mit der Umsetzung der ersten Kolonnadengange verwirklicht. Der Konig erteile seinem Architekten zuerst nur den Auftrag fur den Bau des Neuen Museums. Dieses wurde nach dem Baubeginn 1841 im Jahr 1859 fertiggestellt. In den Jahren von 1862 bis 1865 uberarbeitete Stuler die alten Bauplane: Sowohl das Gebaude als auch das Umfeld der Alten Nationalgalerie wurden in den kunftigen Plandarstellungen grofter dimensioniert.5

2.3 Die Errichtung derAlten Nationalgalerie unter Heinrich Strack

Nach Stulers Tod folgte im Jahr 1867 die Grundsteinlegung und damit der Baubeginn der Alten Nationalgalerie. Die Bauausfuhrung fand unter der Leitung von Heinrich Strack statt. Bis zum Jahr 1878 wurden die rahmenden Kolonnaden fertiggestellt, welche auf den vorangegangenen Entwurf Stulers zuruckgingen. Zur Eroffnung war die Nationalgalerie nur mit relativ wenigen Werken ausgestattet. Ihr Auftrag lag darin moderne, anfangs hauptsachlich preuftische Kunst zu sammeln, da Berlin zu diesem Zeitpunkt uber kein Museum fur zeitgenossische Kunst verfugte.6

2.4 Die weiteren Museumsbauten

Im Jahr 1872 wurde eine Eisenbahntrasse mitten durch Berlins historisches Zentrum geplant. Um weiteren verkehrsplanerischen Maftnahmen entgegenzutreten, legte der Baumeister der koniglichen Museen daraufhin weitere Entwurfe fur die Erweiterung des Baubestandes der Museumsinsel vor. 1881 wurde die Planung von zwei neuen Museen schlieftlich Inhalt des Schinkelwettbewerbs, welcher jedoch kein brauchbares Gesamtkonzept hervorbrachte. Ein weiterer Wettbewerb wurde im Jahr 1884 entschieden:

Auch dieser war fur die Bebauung der Insel nicht ausschlaggebend. Mit dem Amtsantritt Kaiser Wilhelms II. im Jahr 1888 fiel endgultig die Entscheidung fur einen Neubau an der Nordspitze der Spreeinsel: Das Kaiser-Friedrich-Museum (spater Bode-Museum) wurde vom Architekten Ernst Eberhardt erbaut und im Jahr 1906 eingeweiht. Der neue Generaldirektor Bode gewann im selben Jahr den Architekten Alfred Messel fur den Entwurf des Pergamonmuseums, welches erst im Jahr 1930 als vorerst letztes Stuck der Museumsinsel vollendet wurde.7

2.5 Die Alte Nationalgalerie heute

Die Alte Nationalgalerie beherbergt heute Gemalde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts. Mit der testamentarischen Oberlassung durch den Bankier J.H.W. Wagener im Jahre 1861 entstand so das Stammhaus der Nationalgalerie. Nach Behebung der schweren Kriegsschaden, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hatte, wurde die Galerie 1955 vollstandig wieder eroffnet. Dank der durch den Masterplan Museumsinsel seit 1998 moglichen Generalsanierung wurde die Alte Nationalgalerie im Dezember 2001 als erstes Gebaude der Museumsinsel wieder eroffnet.8

3 Gartenhistorische Einordnung

3.1 Historische Entwicklung

Im Allgemeinen ist zu sagen, dass die Gestaltung des Gartens der Alten Nationalgalerie von vornherein eher ein unwichtigere Stellung als die umliegende Architektur hatte: Die Komposition der Gebaude und deren Anordnung zueinander, sowie Sichtachsen (z.B. die Sichtachse zum Reiterstandbild auf der Freitreppe der Alten Nationalgalerie) und die Verbindung durch Kolonnadengange spielten seit jeher eine groftere Rolle. Erst im Jahr 1878, als der Bau der Nationalgalerie schon seit zwei Jahren vollendet war, wurde mit der Anlage von Straften und Garten begonnen (siehe Abb. 5). Ab 1872 kam die Idee auf, einen Skulpturengartens vor der Alten Nationalgalerie anzulegen (siehe Abb. 6). Als erste Skulptur wurde die „Mutterliebe“ von Moritz Schulzim Jahr 1880 aufgestellt. Es folgten viele weitere wie z.B. der „Trunkene Faun“ von Ludwig Sussmann-Hellborn. Im Lauf der Zeit wurden die Statuen oft versetzt oder teilweise entfernt, bzw. verschwanden sie im Kriegsgeschehen.9

[...]


1 vgl. Menges 2003, S. 6

2 vgl. Wedel 2002, S.178f

3 vgl. Wimmer/Schwarzkopf 1993, S. 129

4 vgl. ebd.

5 vgl. Wimmer/Schwarzkopf 1993, S. 129 ff

6 vgl. Wedel 2002, S. 179 f

7 vgl. Wedel 2002, S. 180

8 vgl. online im Internet http://www.smb.museum/smb/sammlungen/details [Stand 05.06.2008]

9 vgl. Wimmer/Schwarzkopf 1993, S. 157 ff

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Garten der Alten Nationalgalerie in Berlin und die Frage nach der Rekonstruktion
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Fakultät VI)
Veranstaltung
Gartendenkmalpflege und Ensembleschutz
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V212040
ISBN (eBook)
9783656405245
ISBN (Buch)
9783656407089
Dateigröße
2110 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Denkmal, Gartendenkmal, Denkmalpflege, Gartendenkmalpflege, Museum, Garten, Alte Nationalgalerie, Museumsinsel, Berlin, Rekonstruktion, Entwurf, Landschaftsarchitektur
Arbeit zitieren
Sarah Wiesner (Autor), 2008, Der Garten der Alten Nationalgalerie in Berlin und die Frage nach der Rekonstruktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212040

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Garten der Alten Nationalgalerie in Berlin und die Frage nach der Rekonstruktion


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden