Geschichte und Bedeutung Italiens im 18. Jahrhundert

Ein Überblick des "unitalienischen" Jahrhunderts


Seminararbeit, 2009
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. VORWORT

2. GESCHICHTE ITALIE'S IM 18. JAHRHU'DERT
2.1. Kurze geopolitische Bestandsaufnahme
2.2. Der Spanische Erbfolgekrieg (1701 - 1714)
2.3. Der Polnische Erbfolgekrieg (1733/35)
2.4. Der Österreichische Erbfolgekrieg (1740 - 1748)
2.5. Die wirtschaftliche Entwicklung
2.6. Die Aufklärung
2.6.1. Die Aufklärung in Italien
2.6.1.1. Reformen
Die Lombardei
Die Toskana und Modena
Neapel, Sizilien und Parma
2.6.1.2. Staaten ohne Reformen
Der Kirchenstaat, Genua und Venedig
2.6.1.3. Ein Sonderfall
Piemont - Savoyen

3. RESÜMEE

BIBLIOGRAPHIE

1. Vorwort

Was verbindet der geschichtlich beflissene Leser im Normalfall mit dem 18. Jahrhundert? Da wäre zum Einen die Französische Revolution, die noch Jahrhunderte nach ihrem blutigen Ende von sich reden macht. Der Beginn der Industriellen Revolution in England wäre sicherlich ebenfalls hinzuzuzählen - ein Meilenstein in der Entwicklung der Menschheit in Richtung Moderne. Und natürlich die Aufklärung, der nicht nur in philosophischer Hinsicht eine ähnlich wichtige Rolle in diesem Jahrhundert zuteil wird.

Wo aber ist Italien? Welche Rolle spielt dabei dieses Land? Bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass all diese wegweisenden Entwicklungen in anderen Ländern ihren Ursprung haben. Nicht zuletzt deswegen sehen einige Autoren, so auch Michael Seidlmayer1, im 18. Jahrhundert ein „unitalienisches“ Jahrhundert, also eines, das untypisch ist für Italien. Doch ist diese Begriffswahl wirklich gerechtfertigt? Warum genau ist das 18. Jahrhundert so „unitalienisch“? Und schließlich: woran mag dies liegen?

Unter anderem auf diese Fragen wird in den folgenden Kapiteln näher eingegangen. Dabei soll nach einer kurzen Tatsachenschilderung ein erster Schwerpunkt auf der geopolitischen Situation in Europa liegen, insbesondere, was die wichtigsten europäischen Geschehnisse angeht, die die Entwicklung in Italien beeinflussten. Aus diesem Grund soll auch das Augenmerk vor allem auf die Großmächte - Frankreich, Österreich und Spanien -, ihrer Politik und ihren dynastischen Bestrebungen in Italien gelegt werden.

Natürlich bestand das 18. Jahrhundert nicht nur aus kriegerischen Auseinandersetzungen und Großmachtpolitik, auch wenn diese die erste Hälfte des Jahrhunderts klar dominierten. Aus diesem Grund soll der zweite Schwerpunkt dieser Arbeit auf Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft liegen, die ebenfalls einen wichtigen Aspekt dieser Epoche darstellen und dementsprechend in den folgenden Kapiteln ausführlich thematisiert werden. Dabei soll vor allem die Aufklärung hervorgehoben werden. Ihre Auswirkungen auf Herrscher und Beherrschte, auf Nord und Süd, auf Gebiete mit italienischen und auf solche mit fremden Dynastien, auf Bourbonen und Habsburger und auf Wissenschaft und Technik sollen geschildert und dabei kritisch beurteilt werden.

Die Leitfrage dieser Arbeit aber bleibt:

Ist das 18. Jahrhundert wirklich ein „unitalienisches“ Jahrhundert?

2. Geschichte Italiens im 18. Jahrhundert

2.1. Kurze geopolitische Bestandsaufnahme

Seit Mitte des 16. Jahrhunderts hatten sich die Herrschaftsverhältnisse in Italien kaum geändert. Einzig Savoyen - durch die Annexion einiger Gebiete im Montferrato - und der Kirchenstaat - mit Urbino, den Marken und Castro im oberen Latium - konnten in dieser Zeit einige Gebietsgewinne verzeichnen. Ansonsten blieb alles beim Alten: Spanien beherrschte den Großteil Italiens, das einem Flickenteppich kleiner Staaten glich. Frankreichs Vorherrschaft in Europa wiederum war ebenfalls unbestritten. Auch Piemont stand stark unter französischem Einfluss und war nicht mehr als ein Protektorat des französischen Königs.2

Doch diese Verhältnisse sollten sich nun ändern.

2.2. Der Spanische Erbfolgekrieg (1701 - 1714)

Aufgrund der Kinderlosigkeit des letzten spanischen Königs entbrannte in Spanien ein Streit um dessen Nachfolge. Dabei meldeten neben einigen kleineren Mächten3 (u.a. auch Piemont) sowohl Frankreich als auch Österreich Ansprüche auf den Thron an. Bei Eintreten des Erbfalles übernahm Philipp V. aus Frankreich gemäß der testamentarischen Bestimmungen des verstorbenen spanischen Königs vorerst die Macht. Aus Angst vor der Vereinigung Spaniens und Frankreichs - was zu einem gefährlichen Ungleichgewicht der Mächte führen würde -, taten sich Österreich, Großbritannien und kleinere deutsche Mächte zur „großen Allianz“ zusammen, der wenig später auch Piemont beitrat.

Der Krieg begann nach anfänglichen Schwierigkeiten vor allem für Österreich, das Frankreich aus Oberitalien vertreiben konnte, äußerst erfolgreich. Bis nach Neapel drang man vor, vertrieb damit die Spanier aus ganz Italien und zwang den Papst - nach einem bzw. dem in der Geschichte letzten Gefecht zwischen Kaiser und Papst -, die österreichischen Ansprüche auf die spanische Krone anzuerkennen.

Joseph I. (1678 - 1711), der österreichische Kaiser, starb allerdings bereits 1711. Sein Nachfolger war ausgerechnet der österreichische Thronanwärter der spanischen Krone, der als Karl VI. (1685 - 1740) seine Herrschaft in Wien antrat. Großbritannien - diesmal aus Angst vor einem österreichischen bzw. habsburgischen Großreich, dem nun ja möglicherweise auch Spanien angehören könnte - wechselte daraufhin die Seiten und schloss 1713 in Utrecht Frieden mit Frankreich. Im Frieden von Rastatt, in dem Österreich 1714, von den neuen Mächteverhältnissen gezwungen, ebenfalls die Waffen niederlegen musste, ergab sich folgendes Bild für Italien:

Abgesehen von Sizilien fiel das bisher spanische Italien - also Mailand, Neapel, der Stato dei Presidi4 und Mantua an Österreich. Montferrat, aber viel wichtiger noch Sizilien, wurden Piemont-Savoyen zugeschlagen, das damit zur zweitstärksten Macht innerhalb Italiens aufstieg. Nachdem aber Spanien 1718 erneut auf der Insel gelandet war, verlor Piemont Sizilien wieder. Österreich nahm Sizilien in seinen Besitz, nachdem es Spanien zum Abzug seiner Truppen gezwungen hatte. Piemont erhielt im Gegenzug das deutlich ärmere und weniger ertragreiche Sardinien.

Dies wurde neben den spanischen Erbansprüchen auf Parma-Piacenza und die Toskana 1725 im Kongress von Cambrai endgültig festgehalten.5 Damit war der Kampf der Großmächte um die Vorherrschaft in Europa allerdings noch lange nicht vorbei. Bald sollte ein weiterer Krieg für eine erneute Umgestaltung der politischen Landkarte Europas sorgen.

2.3. Der Polnische Erbfolgekrieg (1733/35)

Da Österreich sich im Kampf um den6 ebenfalls vakanten polnischen Thron mit seinem Prätendenten vorerst durchsetzen konnte und durch die Ansprüche der ebenfalls interessierten Russen in Polen militärisch gebunden war7, verbündeten sich Frankreich, Spanien und Sardinien-Piemont gemeinsam gegen die Habsburger. Piemont erhoffte sich davon vor allem Gebietsgewinne in der Lombardei. Aber obwohl Österreich geschlagen werden konnte, wurde Piemont am Ende nur mit einigen Randgebieten (Novara, Tortona) vertröstet. Das Königreich beider Sizilien und der Stato dei Presidi gingen hingegen an Karl III. (1733 - 1759) von Parma-Piacenza, das bereits zuvor - nach dem Aussterben des Geschlechts der Farnese - an die Bourbonen gefallen war. Gerade dieses musste er aber im Gegenzug an Österreich abtreten, das nach dem Tod des letzten Medici ebenfalls die Toskana erhielt, die zur Sekundogenitur Habsburgs wurde. Der Papst, der als Lehnsherr Unteritalien zurückforderte, wurde hingegen ignoriert.

Doch auch nach diesem Krieg war der Frieden in Europa nur von kurzer Dauer. Da erneut ein Thron vakant wurde, war ein neuer Konflikt vorprogrammiert.

2.4. Der Österreichische Erbfolgekrieg (1740 - 1748)

Im Jahre 1740 starb Karl VI., Kaiser von Österreich.8 Die Tatsache, dass es den Habsburgern an einem männlichen Thronfolger fehlte, verursachte nun erneut einen Erbfolgekrieg: Den Österreichischen Erbfolgekrieg. Dabei standen sich Frankreich und Spanien, denen sich Neapel-Sizilien, Modena und Sardinien-Piemont anschlossen, Österreich und England gegenüber. Piemont wechselte allerdings 1742 die Seiten, da Spanien ebenfalls Ansprüche auf die Lombardei erhob. Die restlichen italienischen Staaten blieben neutral, lediglich Genua ergriff aufgrund seiner Abneigung gegenüber Piemont Partei für die französisch- spanische Seite.

Nach anfänglichem Hin und Her wurden die Franzosen, die bereits Mailand besetzt hatten, aus Oberitalien vertrieben. Selbst Genua war kurz in österreichischer Hand, ehe die Österreicher von Aufständischen verjagt wurden.

Durch veränderte politische Konstellationen kam es im Frieden von Aachen 1748 zur allgemeinen Anerkennung Maria Theresias (1717 - 1780) als Thronerbin9 und in Italien zu folgenden Veränderungen: Österreich trat Parma-Piacenza wiederum an die Bourbonen ab, Piemont erlangte erneut einige Gebietsstreifen und Genua war wieder selbstständig - eine Ordnung, die bis zu den Wirren der Französischen Revolution bestehen bleiben sollte. Die Vorherrschaft in Italien war nun geteilt. Im Süden (Neapel-Sizilien) herrschten die Bourbonen, im Norden die Österreicher. Man hatte allerdings ausgehandelt, dass weder Neapel-Sizilien und Parma-Piacenza (Spanien) noch die Toskana und Mantua (Österreich) mit den jeweiligen Stammlanden vereinigt werden dürften.10 Somit entstanden dort eigene, relativ unabhängige Herrschaftsgebiete.

Einheimische Dynastie waren - abgesehen vom aufstrebenden Piemont - jedoch kaum mehr an der Macht. Ihre Schwäche zeigte sich u.a. am Beispiel Genuas, das sich wegen der andauernden Rebellionen auf der Insel gezwungen sah, Korsika an Frankreich zu verkaufen.

[...]


1 Vgl. Seidlmayer, Michael, Geschichte Italiens, 2. erweiterte Auflage, Stuttgart: Kröner 1989, S.149.

2 Vgl. Procacci, Giuliano, Geschichte Italiens und der Italiener, aus dem Italienischen von Friederike Hausmann, München: C.H. Beck 1983, S. 186.

3 Die folgenden Ausführungen beziehen sich, falls nicht anders angegeben, auf: Reinhardt, Volker, Geschichte Italiens. Von der Spätantike bis zur Gegenwart, München: C.H. Beck 2003, S. 334-337.

4 Befestigte toskanische Küstenstädte, die eine Art „Festungsstaat“ vor allem gegen türkische Einfälle darstellten; vgl. Bernecker, Walter L., Spanische Geschichte. Vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart, München: C.H. Beck 2003, S. 30.

5 Vgl. Altgeld, Wolfgang; Lill, Rudolf, Kleine Geschichte Italiens, Stuttgart: Reclam 2007, S. 211.

6 Die folgenden Ausführungen beziehen sich, falls nicht anders angegeben, auf: Reinhardt (2003): 337-338.

7 Vgl. Altgeld, Lill (2007): 216.

8 Die folgenden Ausführungen beziehen sich, falls nicht anders angegeben, auf: Reinhardt (2003): 338-339.

9 Sog. „Pragmatische Sanktion“, wodurch das Erbe der Habsburger in Österreich nicht nur von männlichen, sondern auch von weiblichen Nachkommen angetreten werden konnte. Vgl. Suchenwirth, Richard, Maria Theresia: ein Kaiserleben, Leipzig: Reprint 2003, S.29.

10 Vgl. Altgeld, Lill (2007): 219-220.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Geschichte und Bedeutung Italiens im 18. Jahrhundert
Untertitel
Ein Überblick des "unitalienischen" Jahrhunderts
Hochschule
Universität Regensburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V212089
ISBN (eBook)
9783656398899
ISBN (Buch)
9783656399018
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschichte, italiens, jahrhundert, überblick
Arbeit zitieren
Simon Rietberg (Autor), 2009, Geschichte und Bedeutung Italiens im 18. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212089

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