Analyse der „Großen Fuge" von Beethoven

Der Aufbruch in eine neue Stilepoche


Hausarbeit, 2009

14 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzbiografie und musikalische Einordnung Beethovens

3. Das klassische Streichquartett am Beispiel von op. 18,5
3.1. Das klassische Streichquartett nach Haydn
3.2. Analyse von Beethovens Streichquartett op.18,5
3.3. Schlussfolgerung

4. Die Auflösung der Tradition am Beispiel von op 133
4.1. Analyse der „Großen Fuge“ op 133
4.2. Schlussfolgerung

5. Schluss

1. Einleitung

Durch Haydn waren die klassischen Merkmale des Streichquartetts festgelegt worden. Doch Beethoven bewies enormen Ehrgeiz und brachte die Gattung zu einer Vollkommenheit ohne gleichen. Viele Komponisten wären auf dieser Stufe stehen geblieben und nachfolgende Kollegen hätten sich darum gekümmert, wie es weitergehen könnte, doch Beethoven konnte sein Schaffen auf jenem Höhepunkt noch nicht beenden, obwohl ihn seine Taubheit leicht am Weiterkomponieren hätte hindern können. Er selbst begann mit der Aufweichung der klassischen Formen und schlug dadurch die Brücke zur Romantik.

Nach einem kurzen Überblick über das Leben des großen Künstlers, werde ich die klassischen Merkmale des Streichquartetts am Beispiel eines Frühwerks (op.18,5) betrachten und danach anhand der „Großen Fuge“ (Spätwerk, op.133) zeigen, welche Aspekte der Meister des Komponierens veränderte, erweiterte, vermischte und weiterentwickelte, um zu ganz neuen musikalischen Schwerpunkten zu gelangen.

2. Kurzbiografie und musikalische Einordnung Beethovens

Neben Mozart und Haydn ist Ludwig van Beethoven der bedeutendste Komponist der Klassik und darüber hinaus in der westlichen Welt eine der bekanntesten Personen, die große musikalische Werke geschrieben haben. Dabei kam er aus der damals noch unbekannten Kleinstadt Bonn und musste im Laufe seines Lebens mehrere gravierende Hindernisse überwinden.

Er wurde 1770 in eine Musikerfamilie hineingeboren und von seinem ehrgeizigen Vater schon früh zum Klavierspielen gezwungen, oft nachts, wenn dieser betrunken nach Hause kam. Jene Alkoholsucht zwang den jungen Beethoven bald, als kurfürstlicher Hilfsorganist den Unterhalt für die gesamte Familie zu verdienen. Ein Lichtblick war die Reise nach Wien um 1787, wo Ludwig bei Mozart studieren sollte. Die Krankheit seiner Mutter zwang ihn jedoch, nach kurzer Zeit wieder nach Hause zu kehren und nach ihrem Tod wieder die Familie zu ernähren. 1792 wurde er wieder nach Wien eingeladen, diesmal von Haydn, und er kehrt Bonn für immer den Rücken. Da Mozart 1791 gestorben war und die Musikliebhaber der Stadt ein neues Vorbild brauchten, wurde Beethoven schnell ein gefragter Künstler und man bezahlte gut für seine Kompositionen. Doch nicht lange konnte er seine inzwischen sogar internationale Berühmtheit genießen, denn sein Gehör wurde ab der Jahrhundertwende zunehmend schlechter. Kein Arzt konnte helfen und diese bis zur Taubheit voranschreitende Krankheit war eine große Belastung für Beethoven. Er wurde mürrisch, neigte zu Wutausbrüchen und zog sich immer mehr von seinen Mitmenschen zurück. Er hat auch nie geheiratet, obwohl es Hinweise auf den Wunsch zur Heirat gibt. Trotz seines Gehörleidens komponierte er weiter und schuf bis an sein Lebensende bedeutende Werke, wie zum Beispiel die „Missa Solemnis“, welche erst 1823 fertig wurde. Sein letztes Werk, das Streichquartett op.135, vollendete er im Oktober 1826, bevor er im März 1827 starb, wahrscheinlich an Leberzirrhose.

Das kompositorische Schaffen Beethovens wird im allgemeinen in drei Perioden gegliedert: eine frühe, die bis kurz nach der Jahrhundertwende reicht, eine mittlere und eine späte, die in sein letztes Lebensjahrzehnt fällt, in welchem er sich ganz auf seine Intuition und Inspiration verlassen musste. In der ersten Phase versuchte der Komponist den durch die Vorbilder Haydn und Mozart geschaffenen klassischen Anspruch zu erfüllen, erweiterte ihn jedoch schon ansatzweise. Phase zwei war geprägt vom Aufbruch in eine neue Welt der Tonkunst, wobei der für Beethoven charakteristische hochklassische Stil entstand, welcher sich durch größere Substanz, konsequentere Durchgestaltung der Formverläufe, aber auch eine ungewöhnlich lyrische Kraft auszeichnet. Das Spätwerk setzte schließlich ganz neue Maßstäbe, vor allem auf dem Gebiet der Kammermusik und Beethoven begab sich auf den Weg in die musikalische Romantik, indem er grundlegende Elemente des klassischen Stils, wie zum Beispiel die Variationskunst oder die klare Abgrenzung zwischen den Gattungen, in Frage stellte. Die späten Meisterwerke sind voller Expression und Intensität und immer freier von vorgegebenen Traditionen.[1]

3. Das klassische Streichquartett am Beispiel von op. 18,5

3.1. Das klassische Streichquartett nach Haydn

Ungefähr ab 1750 gilt das Streichquartett als die kammermusikalische Standardbesetzung, nämlich zwei Violinen, eine Viola und ein Violoncello, und bezeichnet gleichzeitig die höchste Gattungsform der Kammermusik. Die Triosonate als bis dahin führende Gattung ablösend, entwickelte Joseph Haydn, anknüpfend an das Divertimento und die Serenade, den Typus des klassischen Streichquartetts, welcher allerdings erst nach 1870 in seiner vollständigen Ausbildung rezipiert wurde. Goethe hat den Anspruch an die Gattung treffend dargestellt mit den Worten: „Man hört vier vernünftige Leute sich untereinander unterhalten, glaubt ihren Diskursen etwas abzugewinnen und die Eigentümlichkeiten der Instrumente kennen zu lernen.[2] “ Als Merkmale gelten allgemeinhin die Strukturierung in vier Sätzen (anfangs noch fünf) mit vier individuellen, gleichberechtigten Stimmen, wobei der bis dahin vorherrschende Gebrauch des Generalbasses überflüssig wird, eine typische Exposition und Durchführung sowie die intensive motivische Arbeit mit einem Thema und dessen Gegenthema. Die vier Sätze bestehen aus klar gegensätzlich gestalteten Formen, nämlich einem schnellen ersten Satz in der Sonatenhauptsatzform, welcher das Schwergewicht trägt, einem zweiten langsamen Satz, meist in Liedform oder Variationen, in dem sich eine große emotionale Tiefe zeigt und der häufig eine gesangliche Melodie umschreibt, dann ein stilisierter Tanzsatz (Menuett oder Scherzo), vorwiegend in drei symmetrischen Teilen, als dritter Satz und wiederum ein schneller Finalsatz im Sonatensatz oder –rondo, mit einer hohen motivischen Dichte.[3] Speziell Haydn hat ein fein verwobenes, komplexes und intimes Zusammenspiel der vier Instrumente geschaffen.[4]

[...]


[1] vgl. Finscher, Sp. 1947; vgl. http://www.klassika.info/Komponisten/Beethoven/lebenslauf_1.html.

[2] Brief an C. Fr. Zelter, 9. Nov. 1829.

[3] vgl. "Quartett“ Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009; vgl. Gütter, S. 3-4; vgl. Reclam, S. 481.

[4] "Kammermusik" Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Analyse der „Großen Fuge" von Beethoven
Untertitel
Der Aufbruch in eine neue Stilepoche
Hochschule
Universität Potsdam
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V212104
ISBN (eBook)
9783656400783
ISBN (Buch)
9783656402237
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
große, fuge, beethoven, aufbruch, stilepoche
Arbeit zitieren
Anne-Christin Schilke (Autor:in), 2009, Analyse der „Großen Fuge" von Beethoven, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212104

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