Die Theorie des Guten in John Rawls Theorie der Gerechtigkeit


Hausarbeit, 2010

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung - Das Gute (im) Leben eines Menschen

I. Begriffsklärung: Theorie - Vorstellung - Auffassung und concept - conception

II. Die Vorstellung des Guten der Urzustandsbewohner

III. Die Theorie des Guten
1. Schwache Theorie - Grundgüter und Lebenspläne
2. Starke Theorie – zum Vernünftigen kommt das Gute
3. Das Gute des Menschen – Hinzunahme der Moral

Schluss – der Mensch ist gut

Literaturverzeichnis

Einleitung - Das Gute (im) Leben eines Menschen

„Das Gut, das wir im Leben anstreben, ist das Glück.“[1]

Egal bei welcher Handlung, es wird immer das Gute angestrebt, auch wenn der Geist, der sich ein Bestimmtes als Gutes erwählt hat, sehr subjektiv und beschränkt denkt. Hinter allem Steckt das Ziel Gutes zu tun. Selbst Diktatoren, die mit Gewalt über andere herrschen, tun dies nicht mit einer primär schlechten Absicht. Im Gegenteil, sie verfolgen ein aus ihrem Blickwinkel gutes Ziel.

Da jedes Individuum so einzigartig und auf so einmalige Weise von den Einflüssen des Lebens, einer bestimmten Kultur, Religion, Familie und noch vielen Dingen mehr geprägt ist, müssen die Vorstellungen vom Guten zwangsläufig von einander abweichen. Allerdings sind viele Vorstellungen auch kongruent. Ein möglicher Grund wäre die Moral, die noch übergreifender verbindet als der Einfluss einer bestimmten Gemeinschaft.

Dies klingt alles sehr persönlich, erinnert an Meldungen aus den Nachrichten, an die Werte fremder Kulturen, Lebenswünsche der Menschen die man kennt, das Leben in der eigenen Familie. Überall gibt es das Streben nach einem guten Leben, das viele Differenzen aufweist, aber in seinem Kern einige Ähnlichkeiten birgt.

Diesen Kern in Worte zu fassen, ihn zu einer Formel zu schmelzen, die alle Möglichkeiten der Entfaltung in sich trägt und dennoch die Vorstellung vom Guten fassbar macht, das ist der Anspruch der Theorie des Guten.

Für dieses Vorhaben macht sich John Rawls den hypothetischen Charakter des Urzustandes, zu dem der Schleier des Nichtwissens gehört, zu Nutze. Er enthebt die Urzustandsbewohner sämtlicher Kenntnis über ihre Lebensumstände, zu denen zum Beispiel der gesellschaftliche Stand, die Bildung und berufliche Qualifikation und auch der Wohnort zählen.

Und dennoch: „Menschen wollen glücklich sein, ein gutes Leben führen.“[2] Subjektivität scheint hier mit Normativem zu konkurrieren.

In der vorliegenden Arbeit wird der Versuch unternommen John Rawls in seiner Entwicklung der Theorie des Guten nach zu folgen.

Zu Beginn werden dafür einige Begriffe geklärt, die zunächst für Verwirrung bei der Lektüre der Theorie der Gerechtigkeit sorgen könnten, wenn sie jedoch verstanden sind, einen noch tieferen Einblick vermitteln.

Daraufhin soll ein wenig auf den Urzustand eingegangen werden, da er die Grundlage für die Theorie der Gerechtigkeit und somit auch für die Theorie des Guten liefert.

Im Anschluss folgt der Hauptteil der Arbeit, der wie diese mit der „Theorie des Guten“ überschrieben ist. In diesem wird der Versuch unternommen, Rawls sehr ausführliche Theorie auf einigen Seiten zusammen zu raffen.

Obgleich sie ein wichtiger Bestandteil der Theorie des Guten sind, finden die Gerechtigkeitsgrundsätze im Folgenden nur soweit Erwähnung, wie die Ausführungen über die Theorie des Guten es notwendig machen. Um diese dennoch zu würdigen, sei an dieser Stelle erwähnt, dass das Rechte dem Guten vorgeordnet ist. Etwas kann nur gut sein, wenn es bereits mit den Grundsätzen des Rechten übereinstimmt.[3]

I. Begriffsklärung: Theorie - Vorstellung - Auffassung und concept - conception

Rawls spricht in seiner Theorie der Gerechtigkeit mal von der „Theorie des Guten“, mal von der „Vorstellung vom Guten“. Bei der Gerechtigkeit spricht er sowohl von „Auffassungen“, als auch von „Vorstellungen“.

Nun liegen Auffassungen und Vorstellungen gewiss nah beieinander, wobei erstere noch subjektiver sind. Dies ist auch der Punkt, welcher sie wiederum von einer Theorie unterscheidet. Eine Theorie erhebt den Anspruch auf Exaktheit und Überprüfbarkeit[4]. Eine Vorstellung hingegen steht unter subjektivem Einfluss, wobei sie aber von mehreren Menschen geteilt werden kann. Eine Theorie ist allgemeingültig. Was den Begriffen gemeinsam ist, ist ihr Bezug. Sie beziehen sich auf etwas. Eine Theorie oder eine Vorstellung kann nicht bloß als ihr Begriff existieren. Sie muss gefüllt sein. Man macht sich eine Vorstellung von etwas. Man stellt eine Theorie von etwas oder über etwas auf.

Ein weiteres Begriffspaar, das bei John Rawls wiederum im Englischen auftritt, ist „concept of justice“ und „conception of justice“. Bei Letzterem handelt es sich um eine Vorstellung, bei Ersterem um den Begriff von Gerechtigkeit. Beide stehen in einer klaren Hierarchie zu einander. So gibt es die verschiedensten Gerechtigkeitsvorstellungen, aber nur einen Gerechtigkeitsbegriff. Die einzelnen Gerechtigkeitsvorstellungen sind Ausdeutungen, des einen, formalen Gerechtigkeitsbegriffes.

Im Ideal der wohlgeordneten Gesellschaft des Urzustandes, haben alle gemeinsame Gerechtigkeitsvorstellungen. Ihr Grundstock an Informationen über ihr Leben und ihre Fähigkeiten ist soweit herunter gebrochen, dass sie, was die Wahl vernünftiger Lebensumstände und ihr Verständnis von Gerechtigkeit angeht, die gleichen Vorstellungen entwickeln.

II. Die Vorstellung des Guten der Urzustandsbewohner

Mag auch sonst kein Weg daran vorbeiführen, bei einer Abhandlung zu John Rawls über den Kontraktualismus zu sprechen, so soll hier darauf verzichtet werden. In seiner Theorie der Gerechtigkeit äußert dich Rawls immer wieder kritisch gegen den Utilitarismus und unterstreicht dagegen den Kontraktualismus. Ob es nun der größtmögliche Nutzen ist, oder die Gerechtigkeit gegenüber allen, die vorzuziehen ist, soll im Folgenden keine Rolle spielen. Grund hierfür ist die große Allgemeingültigkeit der Theorie des Guten. „Sie ist zwischen der Vertragstheorie und dem Utilitarismus keine Streitfrage.“[5]

Was jedoch in der Theorie der Gerechtigkeit eine große Rolle spielt, ist der Urzustand. Er ist eine ideale Möglichkeit, die Verschiedenartigkeit einer Gesellschaft so weit herunter zu brechen, um allgemeingültige Gerechtigkeitsmaßstäbe fest zu legen.

Wenn es darum geht, dass der Einzelne am besten lebt, wäre es das Optimalste, wenn ihn alle anderen in seiner Vorstellung des Guten unterstützen würden. Da aber jeder Einzelne das Gleiche für sich in Anspruch nehmen wollen wird, und zwar, dass sich seine Wünsche erfüllen, ist dies nicht möglich.

Dennoch soll sich die Vorstellung vom Guten verwirklichen lassen. Das Gute ist ja schließlich, zumindest philosophisch, der Sinn des Lebens. „Das Gut, das wir im Leben anstreben, ist das Glück.“[6] Damit jeder zu der Verwirklichung des Glückes in seinem Leben kommt, ist es also notwendig, dass alle die gleiche Vorstellung davon entwickeln. In der Realität wäre dies nur durch absolute Gleichschaltung möglich, was jedoch nicht Sinn einer hoch entwickelten Gesellschaft sein kann. Um den Begriff des Guten zu klären und daraus später die Theorie des Guten entwickeln zu können, ist es jedoch notwendig, diesen Punkt kognitiv zu entwerfen. Grundlage zu dieser Überlegung liefert die Konstruktion des Urzustandes mit seinem Konzept vom Schleier des Nichtwissens. Die Urzustandsbewohner sind sämtlicher Kenntnis über ihre Lebensumstände enthoben, was sie alle in gewissem Sinne gleich macht. Jeder will das Bestmögliche und sich bei seiner Entscheidung für die Gerechtigkeitsgrundsätze nicht verschlechtern. Da also alle die gleichen Voraussetzungen und Ziele haben, würden sie auch die gleichen Grundsätze wählen und haben damit die Basis ihres Lebensplanes mit den anderen gemein. „Das universalteleologische Fundament hingegen ist revisionsresistent. Diese Unkorrigierbarkeit ist in seiner anthropologischen Objektivität und seiner ethischen Neutralität begründet.“[7]

[...]


[1] Wolfgang Kersting: Die Gerechtigkeit zieht die Grenze, und das Gute setzt das Ziel (Kapitel 7). In: Ottfried Höffe (Hrsg.): John Rawls – Eine Theorie der Gerechtigkeit. Berlin 1998, S. 214

[2] Wolfgang Kersting: John Rawls zur Einführung. Hamburg 2001, S. 54

[3] Vgl. John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit. Frankfurt am Main 1975, S. 434

[4] Vgl. Martin Gessmann (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch. 23.Auflage, Stuttgart 2009, S. 714

[5] John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit. Frankfurt am Main 1975, S. 113

[6] Wolfgang Kersting: John Rawls zur Einführung. Hamburg 2001, S. 54

[7] ebenda

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Theorie des Guten in John Rawls Theorie der Gerechtigkeit
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V212122
ISBN (eBook)
9783656398882
ISBN (Buch)
9783656399049
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
theorie, guten, john, rawls, gerechtigkeit
Arbeit zitieren
Michaela Kuhn (Autor), 2010, Die Theorie des Guten in John Rawls Theorie der Gerechtigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212122

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