Meinhard der II. und sein Herrschaftsausbau in Tirol


Seminararbeit, 2010
14 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Familienhintergrund und Jugend

3. Politische Anfänge

4. Erbteilung und Herrschaftsausbau in Tirol
4.1 Erbteilung
4.2 Meinhard und Trient
4.3 Meinhard und Brixen
4.4 Unterwerfung des Adels an der Etsch und im Gebirge

5. Mainhard und Kärnten und sein Tod

6. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

In dieser Proseminararbeit gilt es einen Überblick über das Leben Meinhards II. (IV.) von Tirol-Görz und insbesondere seinen Herrschaftsausbau in Tirol zu geben. So wird in einzelnen Kapiteln erläutert, wie sich die Familien Görz und Tirol entwickelten und wie die ersten Jahre in Meinhards Leben verliefen, welche Aktionen er in den ersten Jahren seiner Herrschaft zusammen mit seinem Bruder setzte und wie die Erbteilung von 1271 verlief. In dem ausführlichsten Kapitel wird darauf eingegangen, wie es zu der Säkularisierung der Stiftsländer Trient und Brixen kam und wie Meinhard es schaffte, den gesamten Adel an der Etsch und im Gebirge zu unterwerfen. Abschließend zeichnet diese Arbeit noch ein Bild über Meinhards Herrschaft in Krain und Kärnten, seinen Aufstieg zum Reichsfürsten und seine letzten Jahre bis zu seinem Tod im Jahre 1295.

In dieser Proseminararbeit wurde mit Primär- und Sekundärliteratur gearbeitet, wobei sich vor allem auf die Werke von Hermann Wiesflecker spezialisiert wurde, der sich scheinbar am eingehendsten mit dieser Thematik auseinander gesetzt hat.

2. Familienhintergrund und Jugend

Meinhard II. entstammt einerseits, durch seinen Vater Meinhard III, dem Geschlecht der Grafen von Görz, welche wegen des immer wiederkehrenden Majoritätsnamen (Meinhard) auch Meinhardinger genannt werden können.1, andererseits, durch seine Mutter, Adelheid, dem Geschlecht der Grafen von Tirol.2 Die Grafen von Görz gehen auf einen Meginhardius de Guriza zurück, welcher Anfang des 12. Jahrhunderts gelebt hat3 und „sicher ein Meinhardinger aus dem Lurngau und Graf im Lienzer Gebiet gewesen“4 ist. Zu ihren Görzer Herrschaften gelangten die Meinhardinger höchstwahrscheinlich durch ihre Verwandten aus dem Geschlecht der Aribonen (Sigihard und Ulrich von Eppstein), die ihnen die ersten Eigengüter und Lehen im Isonzotal und in der Friauler Ebene überließen.5 Anfang des 13. Jahrhunderts erstreckten sich die Görzer Herrschaften ,beinahe geschlossen, „vom oberen Drautal, Mölltal und Gailtal über den karnischen und julischen Kamm ins Isonzotal, verbreiteten sich über die Ebenen von Görz und Wippach und über den Karst hinweg, an Triest vorbei nach Inner-Istrien bis gegen die Spitze von Pola und von Görz westwärts in einzelnen Stützpunkten bis an den Lauf des Tagliamento.“6 Das Geschlecht der Grafen von Tirol lässt sich erstmals 1141, mit dem Grafen Albertus und Perchtoldus de Tirol, belegen, welcher wie seine Nachkommen, Graf im Vintschgau war.7 Den Namen gab sich die Familie nach dem nördlich von Meran gelegenen Schloss Tirol. Von dort aus breitete sich ihr Herrschaftsgebiet binnen eines Jahrhunderts auf das gesamte Land an der Etsch und bis ins Gebirge aus.8 Neben der bereits um 1170 erhaltenen Trienter Hochstiftsvogtei gewannen die Grafen von Tirol Anfang des 13. Jahrhunderts auch die des Hochstiftes Brixen, welche wahrscheinlich mit der Grafschaft im Norital (Inntal zwischen Melach- und Zillermündung, Wipptal, Eisacktal und Teile des Gadertales) verbunden war.9 Die beiden Familien verbündeten sich Anfang des 13. Jahrhunderts unter Albert III. von Tirol und Meinhard III. von Görz in einem Freundschaftsbund, welcher zu einem beständigen und dominanten politischen System im Alpenraum avancierte.10 Meinhard III. von Görz heiratete 1236 Adelheid, welche die ältere Erbtochter des Grafen Albert III. von Tirol war11 und sicherte so seiner Familie einen Teil der Tiroler Erbschaften.12 Der Tod Alberts III. von Tirol führte 1254 zu einer Realerbteilung zwischen Meinhard III. von Görz und seinem Schwager Gebhard von Hirschberg, wobei Meinhard alle Tiroler Herrschaften von der „Prienner Brücke im oberen Inntal von Laudek über den Reschen hinweg im Herzogtum Trient und im Bistum Brixen bis zur Peißer Brücke im oberen Eisacktal und hinüber durch das Pustertal gegen Kärnten und Friaul mit allen Tiroler Enklaven“13 erhielt, während Gebhard die Tiroler Herrschaften im restlichen Inntal und im Wipptal über den Brenner hinweg bis südlich von Sterzing bekam.14 Meinhard II. (IV.) wurde 1238 als ältester Sohn von Meinhard III. und Adelheid von Tirol geboren. Seine jüngeren Geschwister waren Albert II. und Adelheid.15 Seine Jugend war geprägt von sieben Jahren (1252-1259) Festungshaft in Hohenwerfen. Diese war nötig geworden, als im Lieserhofner Frieden (1252) unter anderem vereinbart wurde, dass zur Einhaltung dieses Friedens, die beiden Söhne Meinhards III. als Bürgen dem Salzburger Erzbischof unterstellt werden müssen.16 Viele Autoren, die diese Thematik behandeln, meinen, dass diese Jahre wesentlich den Charakter Meinhards prägten. So lässt sich bei Wiesflecker nachlesen: „ […] er war durch bittere Erfahrung früh gereift und innerlich fertig.“ und „Die erfahrenen Unbilden stachelten ihn zur Rache […]“, beziehungsweise „Die langjährige Schule der Verstellung hatte den Prinzen in allen Künsten der Täuschung gewitzigt und im wechselnden Einsatz von List und Gewalt gewandt gemacht.“17 Riedmann beschreibt etwas nüchterner: „Meinhards Haltung gegenüber kirchlichen Institutionen, […] dürfte in dieser Periode geprägt worden sein.“18 Nach Meinung des Verfassers sollte ein Historiker mit einer psychoanalytischen Expertise vorsichtig sein, da dies nicht unbedingt in sein Fachgebiet fällt, dennoch kann mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer prägenden Phase in Meinhards Entwicklung gesprochen werden. Nach dem Tod seines Vaters 1258 dauerte es noch ungefähr ein halbes Jahr, bis Meinhard aus der Haft in Hohenwerfen, wahrscheinlich aufgrund von Bestechung, vorzeitig entlassen wurde und die Macht von seiner Mutter übernahm.19

3.Politische Anfänge

Bereits kurz nach seiner Entlassung aus Hohenwerfen zog Meinhard mit einem großen Gefolge nach Trient, um den dort ansässigen Bischof Egno dazu zu bewegen ihm die Hochstiftslehen und das Ultener Erbe zu übertragen.20 Dieser nachdrücklichen Forderung leistete Egno folge und belehnte Meinhard und seinen Bruder Albert mit den Trienter Kirchenlehen, dem Ultener- und dem Eppaner Erbe, alles sollte in männlicher- sowie weiblicher Linie erblich sein.21 Zum „Eintritt in die große Reichspolitik“22 und um seinem Haus zu einem Aufstieg zu verhelfen, vollzog Meinhard am 5. Oktober 1259 eine „hochfürstliche Heirat“23 mit der um zehn Jahre älteren Elisabeth von Wittelsbach, Witwe nach König Konrad IV. und lässt sich fortan eindeutig zur staufischen Partei zählen.24 Um seinen Bruder Albert, der sich immer noch in Geiselhaft des Erzbischofes von Salzburg befand, zu befreien, führte Meinhard einen gemeinsamen Kriegszug mit Bayern gegen Salzburg und Kärnten, als dieser jedoch zu scheitern drohte, unterzeichnete Albert einen Verzichtsfrieden, der besagte, dass Meinhard und er auf alle strittigen Besitzungen (vor allem Schloss Mittersill) verzichten müssen und kam anschließend aus der Haft frei (1261).25 26 Es folgte ein Jahrzehnt gemeinsamer Herrschaft der beiden Brüder, in dem es ihnen gelang ihren Herrschaftsbereich im Inntal (zum Beispiel Innsbruck) auszuweiten, indem sie erfolgreich Anspruch (1263) auf die Hälfte des Erbes ihrer verstorbenen Tante Elisabeth (Gemahlin Gebhards von Hirschberg) erhoben.27 Am 4. März 1271 endete die gemeinsame Herrschaft der Brüder und es kam zu einer Teilung des tirolerischen-görzischen Erbes.28

4.Erbteilung und Herrschaftsausbau in Tirol

In den folgenden Jahren waren die Hauptziele von Meinhards Außenpolitik: „Die vollständige Säkularisierung der Stiftsländer von Trient und Brixen und die Schaffung eines geschlossenen Landes zwischen Fernpaß, Scharnitz, Brenner und Veroneser Klause“29, welche mit der Erbteilung von 1271 zwischen ihm und Albert ihren Ausgang nahmen.

4.1.Erbteilung von 1271

Wahrscheinlich auf Drängen Alberts kam es im Jahre 1271 zu einer vollständigen Länderteilung, deren Teilungsvertrag auf Schloss Tirol ausgefertigt wurde30, wobei „[…] die Haslacher Klause zur Grenze der beiden Grafschaften und Herrschaften Tirol und Görz […]“31 auserkoren wurde. „Alles was diesseits der Klause, gegen Tirol zu, liegt soll zur Grafschaft und Herrschaft Tirol gehören und Graf Albertus soll zugunsten Graf Meinhardius darauf verzichten.“32, während Albertus alle Gebiete der Grafschaft Görz erhielt, welche sich östlich der Haslacher Klause befanden. Weiters wurde in dieser Urkunde noch verfügt, dass die „ […] Einkünfte aus den Tiroler Zöllen, aus der Münze Meran, aus den Gütern […] und Gebieten der Stadt Trient und des Schlosses Bersen […] gemeinsam bleiben und verteilt werden […]“33 sollen, wobei sich jedoch Meinhard „[…] als Ausgleich dafür, dass die Grafschaft Görz an (anderen) Einkünften mehr einzubringen scheint […]“34 300 Mark Silber vorbehielt. Interessant ist hierbei, dass sich Meinhard entgegen der natürlichen Erbfolgeordnung (als älterem Sohn hätte ihm das Land (Grafschaft Görz) seines Vaters zugestanden) für die „gegenüber Görz in mehrfacher Hinsicht zurückgebliebenen“35 Grafschaft Tirol entschieden hatte. Führt man sich jedoch die oben angeführten Hauptziele Meinhards Außenpolitik vor Augen, allen voran „ […] die Schaffung eines geschlossenen Landes zwischen Fernpaß, Scharnitz, Brenner und Veroneser Klause“36, lässt sich seine Entscheidung nachvollziehen. Außerdem glaubte Meinhard wohl, dass „[…] die größeren Entwicklungsmöglichkeiten dem Lande Tirol […]“37 innewohnen, weil er annahm, er könne seine Vogteirechte gegenüber den Hochstiftern Trient und Brixen wesentlich ausbauen.38 In den folgenden Unterkapiteln werden diese Versuche eingehend aufgeführt.

[...]


1 Vgl. Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 7.

2 Vgl. Dopsch, Österreichische Geschichte, S. 402.

3 Vgl. Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 7. (Erste Erwähnung Meginhardus in den Quellen 1117 und 1136 Erwähnung M. als Vogt von Aglei)

4 Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 7.

5 Vgl. Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 8.

6 Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 7.

7 Vgl. Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 12.

8 Vgl. Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 12.

9 Vgl. Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 13.

10 Vgl. Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 15.

11 Vgl. Dopsch, Österreichische Geschichte, S. 402.

12 Vgl. Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 18.

13 Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 30.

14 Vgl. Riedmann, Geschichte Tirols, S. 51.

15 Vgl. Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 35.

16 Vgl. Riedmann, Geschichte Tirols, S. 51.

17 Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 35.

18 Riedmann, Geschichte Tirols, S. 51.

19 Vgl. Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 38.

20 Vgl. Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 38.

21 Vgl. Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 38.

22 Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 39.

23 Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 39.

24 Vgl. Riedmann, Geschichte Tirols, S. 52.

25 Vgl. Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 41.

26 Vgl. Riedmann, Außenpolitik Meinhards II, S. 603f.

27 Vgl. Riedmann, Geschichte Tirols, S. 52.

28 Vgl. Dopsch, Österreichische Geschichte, S. 409.

29 Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 51.

30 Vgl. Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 52.

31 Wiesflecker, Regesten Meinhards II., S.1. (Nr. 1(1)).

32 Wiesflecker, Regesten Meinhards II., S.1. (Nr. 1(1)).

33 Wiesflecker, Regesten Meinhards II., S.1. (Nr. 1).

34 Wiesflecker, Regesten Meinhards II., S.1. (Nr. 1).

35 Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 66.

36 Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 51.

37 Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 66.

38 Vgl. Wiesflecker, Meinhard der Zweite, S. 66.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Meinhard der II. und sein Herrschaftsausbau in Tirol
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Veranstaltung
Proseminar Mittelalter
Note
2
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V212138
ISBN (eBook)
9783656583011
ISBN (Buch)
9783656583004
Dateigröße
655 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
meinhard, herrschaftsausbau, tirol
Arbeit zitieren
Niklas Bickel (Autor), 2010, Meinhard der II. und sein Herrschaftsausbau in Tirol, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212138

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Meinhard der II. und sein Herrschaftsausbau in Tirol


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden