Die Rolle von Schattenbanken in der Finanzkrise

Entstehung und Verlauf der Finanzkrise unter Mitwirkung der Schattenbanken und daraus resultierende regulatorische Konsequenzen


Hausarbeit, 2013
24 Seiten, Note: 2,0
Peter Schmidt (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen des Schattenbankwesens und der Finanzkrise
2.1 Abgrenzung des Begriffs Schattenbank
2.2 Ein kurzer Überblick der Finanzkrise

3. Schattenbanken und Finanzkrise
3.1 Schattenbanken vor der Finanzkrise
3.2 Die Rolle von Schattenbanken in Entstehung Verlauf und der
Finanzkrise

4. Regulation des Schattenbanksektors
4.1 Regulation vor der Finanzkrise und Gefahren der Schattenbanken
4.2 Regulation während und nach der Finanzkrise
4.3 Grenzen der Regulation

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die im Jahr 2007 als anfängliche Immobilienkrise auf dem US-Häusermarkt entstandene und sich in vielfältiger Weise entwickelte globale Finanzkrise ist ein allgegenwärtiges Problem. Als ein Thema von essenzieller wirtschaftlicher Wichtigkeit dringt sie tief in das Leben von Milliarden Menschen ein. Die Finanzkrise ist ein perfektes Lehrbeispiel für die moderne Ökonomie. Das unmittelbare Verhalten der Akteure während der Krise zu beobachten und zu ergründen bietet den Wirtschaftswissenschaften als Wissenschaft der Praxis vielfältige Möglichkeiten. Diese Hausarbeit soll ihren Fokus auf die Rolle einer bestimmten Gruppe von Finanzmarktteilnehmern richten, den sog. Schattenbanken.

Im ersten Abschnitt dieser Arbeit soll eine begriffliche Abgrenzung der Schattenbanken erfolgen. Im Weiteren wird die noch immer andauernde Finanzkrise auf ihre Ursachen hin analysiert und bezüglich Ihrer Teilphasen hin differenziert.

Der zweite Teil dieser Arbeit wird die Rolle von Schattenbanken vor und während der Finanzkrise behandeln. Inhaltlich soll zu Beginn ein Überblick über wesentliche empirische Entwicklungen gegeben werden. Im Anschluss folgen Beiträge der Schattenbanken zur Entstehung der Finanzkrise. Hier sollen unter der Berücksichtigung der Geschehnisse, Intentionen, Funktionsweisen und Gefahren von Schattenbanken erläutert werden.

Abschnitt drei wird sich mit Regulierungsmaßnahmen zur besseren Kontrolle des Schattenbanksektors befassen. Eine Auseinandersetzung mit der bestehenden Regulierung und den Gefahren der Nicht-Regulierung soll in das Thema einführen. Ein weiterer Fokus soll später auf den geplanten internationalen Initiativen zur Regulierung des Schattenbanksektors gelegt werden. Bezugnehmend hierzu werden im letztem Punkt regulatorische Grenzen aufgezeigt.

Der letzte Teil dieser Arbeit wird anhand der erarbeiteten Fakten ein Fazit über die Rolle von Schattenbanken in der Finanzkrise ziehen. Eine Abwägung der gewachsenen Bedeutung und Finanzierungsmöglichkeit für Anleger und Unternehmen sowie der intransparenten und gefährlichen Ausgestaltung von Teilen des Schattenbankwesens und die damit verbundenen Regulierungs-maßnahmen, werden hier abgewogen und bewertet.

2. Grundlagen des Schattenbankwesens und der Finanzkrise

2.1 Abgrenzung des Begriffs Schattenbank

Das Financial Stabilty Board (im Weiteren FSB), ein Gremium aus Fachvertretern der Bankenwelt, definiert Schattenbanken als ein „System der Kreditvermittlung, an dem Unternehmen und Tätigkeiten außerhalb des regulären Banksystems beteiligt sind“[1]. Es handelt sich also im Kern um Unternehmungen die wie Banken arbeiten, jedoch nicht im Bankensektor und deren Regulation anzusiedeln sind. Unter Schattenbank versteht man hier also eine Unternehmung, die mindestens eine der folgenden bankspezifischen Tätigkeitsfelder abdeckt:

– Annahme von Einlagen oder einlageähnlichen Finanzmitteln
– Fristen und Liquiditätstransformation
– Kreditrisikotransfer
– Einsatz des Leverage-Effektes
– Finanzierungsgeschäfte an Nichtbanken, Verbriefungen, Repogeschäfte[2]

In der Praxis existieren eine Vielzahl von Unternehmensformen, die eben diesen bankspezifischen Tätigkeiten entsprechen und somit unter den Sammelbegriff Schattenbank fallen. Zu nennen sind hier:

– Hedgefonds
– Geldmarktfonds
– Investmentfonds
– Zweckgesellschaften
– Versicherungsgesellschaften
– Private-Equity Fonds

Der FSB schätzt das Volumen des globalen Schattenbanksektors im Jahr 2010 auf ungefähr 60 Billionen USD[3], während es im Jahr 2002 noch 27 Billionen betragen hatte. Damit zeigt sich ein enormer Volumen- und Bedeutungszuwachs des Schattenbanksektors in Relation zum traditionellen Bankwesen. Anhand des prozentualen Anteils am weltweiten Finanzmarkt von 25-30% im Jahr 2010 wird dies überdeutlich. Zu berücksichtigen ist, dass beide Sektoren eng miteinander verzahnt sind und in den meisten Fällen Banken mittelbar durch Schattenbanken (Zweckgesellschaften, Hedgefonds) agieren. Systematisch kann also zwischen Schattenbanken im unmittelbaren Sinn und Banken im mittelbaren Sinn unterschieden werden. Diese Verzahnung und systematische Unterscheidung führt dazu, dass der Bedeutungszuwachs eher relativ zu betrachten ist und eine objektive Beurteilung der Marktanteile schwer fällt.

2.2 Ein kurzer Überblick der Finanzkrise

Die Finanzkrise stellt in ihrem Ausmaß und ihrer Bedeutung eine der gefährlichsten Krisen der letzten Jahrzehnte dar. In der Literatur sowie der Fachpresse ist oft von einer Systemkrise die Rede.[4] Wie sich die Finanzkrise zu einer Systemkrise des Finanzmarktes entwickeln konnte soll schemenhaft gezeigt werden. Doch der Allgemeinbegriff Finanzkrise ist nicht treffend gewählt. Die Finanzkrise besteht, da noch nicht überwunden, vielmehr aus vielen einzelnen Krisen, die in weiten Teilen kausale Zusammenhänge aufweisen.[5] Eine chronologische Gliederung der Teilkrisen soll hier Klarheit in den Sammelbegriff Finanzkrise bringen.

Der Beginn einer offensichtlichen Krise wird auf das Jahr 2007 datiert.[6] Das Platzen der sog. Subprime-Blase (zweitklassige Hypotheken) auf dem US-Immobilienmarkt kann als Initialzündung der nachfolgenden Krisen angesehen werden. Während der Jahre 2000-2007 wurden in den USA einer Vielzahl, auch einkommensschwacher Haushalte, Finanzierungsmöglichkeiten für das gewünschte Eigenheim gewährt. Möglich wurde dies durch eine äußerst niedrige Zinssituation, die Hypotheken und Kreditfinanzierung im Allgemeinen sehr günstig machte. Eine unzureichendes Risikomanagement sowie die Motivation nach Umsatz- und Gewinnsteigerung vieler amerikanischer Banken und Schattenbanken begünstigten diese Entwicklung. Hervorgerufen wurde dieses niedrige Zinsniveau durch eine expansive Geldpolitik der US-Notenbank FED (Federal Reserve System), die aus Folge des Platzens der DOTCOM-Blase, sowie einem schwachem Arbeitsmarkt und anderen Faktoren die gesamtwirtschaftliche Abkühlung zu lindern versuchte.[7] Die seit Jahren gestiegenen Immobilienpreise in den USA sowie die allgemeine Ansicht das diese auch weiterhin stiegen würden, bekräftige viele US- Amerikaner in ihrer Entscheidung ein Haus zu kaufen/bauen. Den Banken als Kreditgeber kam diese Entwicklung ebenfalls zugute da eine Wertsteigerung der Sicherheit, also der Immobilie, viele Kredite anscheinend sicherer machte. Nach gängiger Praxis in den USA wurden die Immobilienkredite in den USA jedoch ohne langfristige Zinsbindung, sondern variabel an Geldmarktreferenzzinssätze gekoppelt, vergeben. Diese Praxis führte dazu, dass bei steigenden Referenzzinsätzen die Zins- und Tilgungsbelastungen stiegen und damit für gerade einkommensschwache Haushalte nicht mehr oder nur teilweise aufgebracht werden konnten. In letzter Instanz führte dies dazu, dass eine Vielzahl von Immobilien zurück an die Bank fiel, welche diese nun verwerten musste.[8] Anders als im deutschem Schuldrecht ist anzumerken, dass bei amerikanischen Immobilienkrediten nur die Immobilie und nicht Kreditnehmer haftet. Es entsteht hier eine moralische Gefährdung des Hausbesitzers (moral hazard).[9] Das Immobilienmarktgeschehen kippte als Folge von erhöhtem Angebot bei tendenziell fallender Immobiliennachfrage hin zu niedrigeren Häuserpreisen.[10] Aus Sicht der Banken und Immobilienfinanzierer war dies aufgrund des starken Preisverfalls eine nur kurzfristig tragbare Belastung des Eigenkapitals. Die Suprimekrise entwickelte sich hier nahtlos zur Bankenkrise. Allerdings kann sie nicht als der alleinige Ausgangspunkt der Finanzkrise betrachtet werden. Der kausale Zusammenhang ist hier nur in vereinfachter Form dargestellt und ist bei weitem nicht vollständig. Letztlich hat das Zusammenwirken mehrerer ökonomischer sowie politischer Faktoren vor 2007 die Suprimekrise schließlich verschlimmert und über ihre eigentliche regionale Bedeutung hinauswachsen lassen. Als äußerst bedeutsame Faktoren sind, auch teils schon genannt, zu erwähnen:

1. Deregulierung des Bankensektors, Wachstum des Schattenbanksektors
2. Dauerhafte Niedrigzinspolitik insb. der amerikanischen Notenbank FED[11]
3. Verbriefung von Hypotheken, komplexe Finanzinnovationen
4. Globale Vernetzung des Finanzmarktes[12]
5. Größenkonzentration der Finanzmarktteilnehmer führt zu Systemrelevanz
6. Grundlage der Bonitätseinschätzung: Ratingagenturen
7. Massenpsychologische Verhaltensmuster: Herdeneffekte, spekulative Blasen
8. Reflexivität der Wirtschaftswissenschaft
9. Makroökonomische Ungleichgewichte: Handelsbilanzen[13]

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden einige dieser Punkte erneut aufgegriffen, eine detaillierte Analyse ist im Rahmen dieser Arbeit aber nicht vorgesehen.

Nachdem sich die Suprimekrise allmählich zur Bankenkrise entwickelte wuchs die öffentliche Aufmerksamkeit stetig. Die wechselseitigen Abhängigkeiten der US-Banken untereinander sowie die Bündelung und Verbriefung von Hypotheken in komplexe Finanzinstrumente multiplizierten die anfänglich überschaubaren Verluste um ein Vielfaches. Weltweiter Handel mit diesen komplexen Verbriefungen führte dazu, dass nicht mehr nur amerikanische Banken aus dieser anfänglichen Immobilienkrise Verluste abschreiben mussten, sondern weltweit Banken Abschreibungen auf teilweise wertlos gewordene Hypothekenverbriefungen durchzuführen hatten. Einige namenhafte Banken und Schattenbanken wurden dadurch de facto zahlungsunfähig. Den Gipfel der Bankenkrise setzte hier im Oktober 2008 die Insolvenz der international renommierten Investmentbank Lehman-Brothers. Die Pleite einer Bank, die bis dato allgemein als „too big to fail“ gehalten wurde, zog massive Verluste internationaler Anleger und Kreditgeber nach sich. Der Finanzmarkt hatte die Pleite einer der größten Investmentbanken der Welt für unmöglich gehalten, auch da man davon ausging, dass der amerikanische Staat Lehman-Brothers retten würde um so einen Dominoeffekt zu verhindern. Dieser auch im Bezug auf andere Bankrettungen argumentierte Dominoeffekt hätte mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Zusammenbruch des globalen Finanzmarktes geführt. In der Tat retteten die USA vor und nach der Lehman-Insolvenz auch andere vergleichbare Banken, die in Not geraten waren. Es bleibt bis heute offen ob Lehman hier schlichtweg ein Exempel dafür darstellen sollte, dass Großbanken nicht in jedem Fall vom Staat gerettet werden würden.[14]

Man fürchtete ebenfalls durch das gesellschaftlich gewachsene Misstrauen vor sog. „Bank runs“, also einem Massenansturm auf Einlagen bei Kreditinstituten. Die gefürchtete Panik blieb allerdings aus. Nicht zuletzt hatten Politik und Zentralbanken durch koordinierte Stützungs- und Rettungsmaßnahmen das allgemeine Vertrauen in den Finanzsektor wiederhergestellt.[15]

[...]


[1] Vgl. Financial Stability Board 2011, S. 3.

[2] Vgl. ders., S. 3.

[3] Vgl. ders., S. 1.

[4] Vgl. Aschinger 2001, S. 9

[5] Vgl. ders., S. 11

[6] Vgl. Krugman 2009, S. 165

[7] Vgl. Bahn 2006, S. 6

[8] Vgl. Bloss 2008, S.27

[9] Vgl. Lachmann et al. 2012, S. 78

[10] Vgl. Krugman 2009, S. 165f.

[11] Vgl. Schlichtling 2010, S. 6

[12] Vgl. Wagner 2010, S. 78

[13] Vgl. Priewe 2010, S. 76

[14] Vgl. Krugman 2009, S. 178

[15] Vgl. Schlichting 2010, S. 26

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Rolle von Schattenbanken in der Finanzkrise
Untertitel
Entstehung und Verlauf der Finanzkrise unter Mitwirkung der Schattenbanken und daraus resultierende regulatorische Konsequenzen
Hochschule
Universität Kassel  (FB07 Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Gesamtbanksteuerung
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
24
Katalognummer
V212208
ISBN (eBook)
9783656405146
ISBN (Buch)
9783656406082
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, schattenbanken, finanzkrise, entstehung, verlauf, mitwirkung, konsequenzen
Arbeit zitieren
Peter Schmidt (Autor), 2013, Die Rolle von Schattenbanken in der Finanzkrise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212208

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