Konfliktbewältigung und Kommunikation. Analyse der Kommunikationsstile nach Schulz von Thun


Essay, 2013

18 Seiten


Leseprobe

Konflikte im Alltag

Konflikte gibt es, wo man hinschaut. Da ist der Nahost-Konflikt in aller Munde, der Korea-Konflikt, Israel hat Auseinandersetzungen mit dem Iran und die Türkei mit Israel, im Gaza-Streifen scheinen die Konflikte gar nicht mehr enden zu wollen. Wenn man am Abend die Nachrichten anschaut, wird man durchgehend mit Streitereien und Zwischenfällen konfrontiert: Sollen bestimmte Gesetze durchgesetzt, Parteien verboten werden, wie können Kriege wenn möglich verhindert und Meinungsverschiedenheiten geschlichtet werden? Und wenn wir in unser Privatleben schauen, sieht es – wenn wir einmal ehrlich sind – auch nicht recht viel besser aus. Der Chef ist unmöglich und die Kollegen erst! Der rücksichtslose Nachbar hat einmal mehr zur falschen Zeit seinen Rasen gemäht, die Kinder sind letzte Nacht zu spät nach Hause gekommen und von der verschrobenen Schwiegermutter brauchen wir ja erst gar nicht anzufangen…

Dabei wollen wir uns eigentlich schon gut verstehen, wir Menschen sind doch „Herdentiere“! Wir sehnen uns nach Gemeinschaft und danach verstanden und gemocht zu werden. Und eigentlich versuchen wir ja auch unsere Mitmenschen gut zu behandeln. Doch oft klappt es einfach nicht, obwohl man es sich so fest vorgenommen hat. Jeder kennt wohl die Situation: man freut sich auf seine Familie oder seinen Partner oder Partnerin, malt sich den gemeinsamen Abend so bezaubernd aus, hat auch eigentlich den Streit letzte Woche vergeben, über die Socken im Schlafzimmer oder die offenen Zahnpastatube im Bad kann man gut ´mal hinwegsehen und dann ist es doch wieder so weit: Es reicht häufig ein ganz kleiner Impuls, der einen sprichwörtlich zum Kochen bringen kann. Wenn man es dann in solchen Situationen nicht schafft, seine Emotionen irgendwie unter Kontrolle zu bringen beziehungsweise die Auseinandersetzung zu lösen, eskaliert es womöglich und der Abend ist gelaufen.

Was der Grisslymodus mit Effi Briest gemeinsam hat

In dem vorliegenden Essay wird zunächst gezeigt, was ein Konflikt ist und aus welchen Gründen es in der Regel zu Konflikten kommt und wie sie verhindert werden könnten. Es wird geklärt, was sich hinter dem sogenannten Grisslymoduls verbirgt und wie man mit Konflikten umgehen kann. Weiter wird darauf eingegangen, dass Empathie und Authentizität wichtigere Eigenschaften darstellen, als eine ausgefeilte Gesprächspraxis. Anhand völlig unterschiedlicher Beispiele aus der Literatur werden im Folgenden die acht verschiedenen Kommunikationsstile nach Schulz von Thun verdeutlicht und gezeigt, zu welchen Schwierigkeiten es jeweils kommen und welche Auswege es heraus geben kann. Abschließend wird noch eine Schlussbemerkung gegeben.

Was ist ein Konflikt?

Zu der Frage, nach der Definition von Konflikt, schreibt Ulrich (2006, S. 83), dass die Wahrnehmung eines Impulses und dessen Ablehnung die Voraussetzung eines persönlich empfundenen Konflikt, es sei. Solch ein Impuls kann durch eine Veränderung der Umwelt beziehungsweise der Innenwelt ausgelöst werden. Wenn ein Pärchen also beispielsweise zusammen essen geht und während der Mahlzeit fällt ihr auf, dass sie gerade dabei ist unzählige Kalorien zu sich zu nehmen, kommt der konfliktbeladene Impuls von ihrer Innenwelt. Häufig sind dafür ungelöste, innere Konflikte verantwortliche, das heißt bestimmte Probleme, bei denen man immer wieder stecken bleibt und zum Scheitern kommt, was sich durchaus über mehrere Jahre hinweg durchziehen kann (vgl. Stangel). Wenn der Impuls aus der Umwelt kommt, hat er sie zum Beispiel gefragt „Schmeck´s?“, wodurch sie sich aufgefordert gefühlt, ihn probieren zu lassen; er wollte allerdings tatsächlich nur wissen, ob es seiner Freundin hier schmeckt und er offensichtlich das richtige Restaurant herausgesucht hat.

Konflikte können allerdings nicht nur zwischen verschiedenen Personen stattfinden, sondern auch interpersonal. So stehen wohl bevorzugt Studenten morgendlich vor dem Konflikt entweder aufzustehen, um es noch gerade rechtzeitig zum Seminar um 8.15 Uhr zu schaffen oder doch lieber liegen zu bleiben und eventuell dann nächste Woche zu erscheinen.

Ursachen für Konflikte können ziemlich vielschichtig sein, jedoch lassen sich nach Motamedi (1999, S. 30-72) vier Grundursachen unterscheiden. Zum einen gibt es da die sogenannte Digitalisierung, das heißt Worte werden mit einer unterschiedlichen Bedeutung verstanden. Gleich kann exemplarisch von sofort bis zu vier Stunden nahezu alles heißen. Weiter gibt es Verhaltensmuster, die jeder Mensch hat und die dann zum Konflikt führen können, wenn sie nicht differenziert genug sind. Wenn nämlich ein Geschäftsmann es gewöhnt ist, dass ihm die Jacke abgenommen und ein Tisch zugewiesen wird, wird er in Schwierigkeiten kommen, wenn er sich beim Burger King ebenfalls nach diesem Verhaltensmuster verhält. Auch sich selbst erfüllende Prophezeiungen können dann zum Konflikt führen, wenn man beispielsweise bei Prüfungen davon überzeugt ist, schlecht vorbereitet zu sein, dann schneidet man tendenziell auch schlechter ab. Und eine weitere Ursache für Auseinandersetzungen sind, wenn die Gesprächspartner divergierende Ziele und Interessen haben.

Wie können Konflikte verhindert werden?

Häufig erzeugt nicht die Realität den Konflikt, sondern eine etwas verschobene Sichtweise auf die Realität. Das kann dadurch passieren, dass man sich falsch versteht, der Empfänger also die Botschaft nicht so aufnimmt, wie es der Sender gedacht hat. Damit es erst gar nicht zu einem Konflikt kommt, ist es förderlich ideale Kommunikationssituation zu schaffen. Dazu hilft es, wenn alle Gesprächspartner die anderen verstehen und selbst auch verstanden werden wollen, zudem nützen gemeinsame Interessen und das Wissen um mögliche Kommunikationsprobleme, um ein gutes Kommunikationsklima zu schaffen.

Um den anderen richtig zu verstehen sind drei Dinge förderlich. Zum einen sollte man erst einmal in Erfahrung bringen, was der Gesprächspartner genau will. Das geht ganz gut mit Präzisionsfragen: das heißt, dass man als Empfänger nochmals nachfragt, wie der Gegenüber das gemeint hat und wie man es zu verstehen hat. Eine weitere Möglichkeit sind sogenannte „Weichmacher“. Wenn man seinen Gesprächspartner weich bekommen will, helfen Aussagen, wie „Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich das verstehen soll“ oder „Ich bin neugierig, warum du das so siehst“. Was drittens hilft, abzuklären, ob man den anderen richtig verstanden hat, ist, wenn man das Verstandene nochmals zusammenfasst und dem Gesprächspartner mitteilt.

Aber wie würde es denn in unserer Gesellschaft ausschauen, wenn wir nur noch nach Vorschriften und Regel miteinander redeten? Mehr als die richtigen Worte, kommt es auf unsere innere Haltung an, auf Echtheit und auf authentische Empathie. Der Psychologe Carl Rogers drück das wie folgend aus:

„Authentizität und Transparenz, ich zeige mich in meinen wirklichen Gefühlen; warmes Akzeptieren und Schätzen des anderen als eigenständiges Individuum; Einfühlung, die Fähigkeit, den anderen und seine Welt mit seinen Augen zu sehen.“

Das soll dem Gegenüber helfen, auf der einen Seite sich selbst mehr zu entdecken und auf der anderen Seite mit mehr Selbstbewusstsein zu reagieren und somit besser ausdrücken zu können, was er wirklich fühlt und möchte.

Um dem anderen zu zeigen, dass man wirklich empathisch ist oder sein will, reicht natürlich nicht das Gefühl – das häufig vielleicht auch gar nicht vorhanden ist – sondern es muss sich durch das Gespräch äußern. Eine Person, die empathisch seinem Gegenüber zuhört, versucht die Gefühle des Gegenüber zu verstehen und kann ihre Bedeutung abschätzen, sie versteht den anderen so, wie er sich in diesem Augenblickt sieht, und versucht ihm darin nahe zu sein. Sie zeigt in den Äußerungen und im Verhalten, wie sie die Welt des anderen versteht und mit seinen Augen sehen kann. Authentizität und Empathie sind folglich wesentlicher, als immer die richtigen Gesprächsregeln anzuwenden. Wenn man nämlich nur nach Regeln redet, merkt das der andere schnell und er wird – völlig verständlich – entnervt reagieren.

Die Problematik des Grisslys

Wenn es dann jedoch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einer Auseinandersetzung kommt, werden die Gesprächspartner physisch und emotional verwickelt. Durch einen sich anbahnenden Konflikt wird im Körper Stress ausgelöst. Diese Reaktion setzt innerhalb von Sekunden ein und flacht erst wieder nach mehreren Minuten oder manchmal sogar noch länger ab. So kann es durchaus passieren, dass ein Gesprächspartner in seinem Grisslyprogramm ist, während der anderen eigentlich ganz ruhig bleiben kann. Nach dem jedoch die eine Person länger in diesem Programm bleibt, wird der andere auch langsam wütend, da sich der erste ja anscheinen gar nicht mehr beruhigen will und kommt seinerseits in das Grisslyprogramm, das heißt, er wird auch wütend. Was er jedoch nicht ahnt, ist, dass sein Gegenüber nach diesen fünf Minuten ja seinen Zorn überwunden hat und für ihn alles wieder ok ist. Doch jetzt es ist schon zu spät…

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Konfliktbewältigung und Kommunikation. Analyse der Kommunikationsstile nach Schulz von Thun
Hochschule
Universität Augsburg  (Philosophisch-sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Seminar: Verständigung im Konflikt
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V212211
ISBN (eBook)
9783656402657
ISBN (Buch)
9783656407133
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Grisslymodus, Verständigung im Konflikt, Streit, Konfliktlösung, Kopromiss, Kommunikationsstile, Schulz von Thun, Auswege aus Konflikt, Konfliktverhinderung
Arbeit zitieren
Conni Endres (Autor), 2013, Konfliktbewältigung und Kommunikation. Analyse der Kommunikationsstile nach Schulz von Thun, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212211

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