Im Rahmen dieser Hausarbeit wird Edgar Allan Poe's Rezension der „Twice-Told Tales“ von Nathaniel Hawthorne, die 1842 veröffentlicht wurde, näher erläutert. Im Fokus der Erörterung stehen hierbei die Kriterien, die nach Auffassung von Poe eine gut konzeptionierte short story ausmachen. Anhand seiner short story „The Tell-Tale Heart“, welche 1843 - ein Jahr nach den „Twice-Told Tales“ veröffentlicht wurde, soll belegt werden, dass Poe Aspekte seiner dargelegten Kriterien systematisch in den Aufbau seiner short story miteinbezogen hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Edgar Allan Poe's Rezension der „Twice-Told Tales“ von Nathaniel Hawthorne
3. Untersuchung von „The Tell-Tale Heart“ auf Aspekte von Poe's Kriterien
3.1 Bedeutung des ersten Satzes
3.2 Die Funktion des Erzählers
3.3 Die Beziehung zwischen Erzähler und altem Mann
3.4 Die Symbole
3.5 Der Mord und die Offenbarung
3.6 Die ablaufende Zeit
3.7 Aspekte der Sprache
4. Ergebnisse und Schlussgedanken
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht, inwieweit Edgar Allan Poe seine eigenen literaturtheoretischen Kriterien, insbesondere das Konzept des "unique effect", systematisch in seiner Kurzgeschichte "The Tell-Tale Heart" umgesetzt hat.
- Analyse von Poes literaturkritischen Thesen aus seiner Rezension der "Twice-Told Tales".
- Untersuchung der Erzählstruktur und der Rolle des unzuverlässigen Erzählers.
- Interpretation literarischer Symbole wie dem Auge und dem Herz in Bezug auf psychologische Aspekte.
- Erörterung der emotionalen Wirkung auf den Leser durch den Einsatz von Sprache und Spannung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Bedeutung des ersten Satzes
„The Tell-Tale Heart“ beginnt in media res. Der Leser findet sich als Zeuge des Monologs eines Erzählers wieder, über dessen Name, Geschlecht und Alter keine näheren Angaben gemacht werden. Unbeantwortet bleibt auch die Frage, an welchem Ort und zu welcher Zeit dieser Monolog stattfindet. Der Erzähler beschreibt eine von ihm empfundene Nervosität und wendet sich sogleich an den Leser, um zu behaupten, dass dieser schon sehr bald und mit hoher Wahrscheinlichkeit an seiner seelischen und geistigen Verfassung zweifeln wird, was ihm selbst aber unverständlich erscheint.
TRUE! – nervous – very, very dreadfully nervous I had been – and am ; but why will you say that I am mad?
Betrachtet man den ersten Satz näher, so entsteht gerade durch die manisch anmutende Ausdrucksweise des Erzählers der Eindruck, dass dieser sich in einer nervenaufreibenden Situation befinden muss. Die These des Erzählers, er würde höchstwahrscheinlich für wahnsinnig befunden, verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Dies geschieht insofern, dass aufgrund der angespannt wirkenden Stimmung und aufgrund der Unwissenheit des Lesers, was den Geisteszustand des Erzählers betrifft , die Annahme entsteht, es könne nur der Bericht eines schlimmen Ereignisses folgen. Dieses schlimme Ereignis wird dann jedoch nur aus der Sicht des Erzählers geschildert und ist wiederum für den Leser kein objektiver Beleg des Wahnsinns oder Nicht-Wahnsinns des Erzählers. Der Leser ist an diesem Punkt emotional gefangen in einem Kreis aus Unsicherheit (die beschriebene Situation und den Erzähler richtig einzuschätzen), und aus dem gesteigerten Interesse, was den Fortgang der Handlung betrifft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in Poes Bedeutung als Autor und Literaturtheoretiker ein und formuliert die Zielsetzung der Untersuchung der „Twice-Told Tales“-Kriterien anhand der Kurzgeschichte „The Tell-Tale Heart“.
2. Edgar Allan Poe's Rezension der „Twice-Told Tales“ von Nathaniel Hawthorne: Dieses Kapitel erläutert Poes Anforderungen an eine gelungene Kurzgeschichte, insbesondere die Bedeutung einer exakten Struktur, der Kürze und des "unique effect" zur emotionalen Steuerung des Lesers.
3. Untersuchung von „The Tell-Tale Heart“ auf Aspekte von Poe's Kriterien: Das Hauptkapitel analysiert die Kurzgeschichte systematisch hinsichtlich ihrer erzählerischen und symbolischen Komponenten, um die theoretischen Vorgaben Poes in der Praxis nachzuweisen.
3.1 Bedeutung des ersten Satzes: Analyse des Einstiegs in die Erzählung als emotionales Instrument zur sofortigen Einbindung des Lesers und zur Etablierung des unzuverlässigen Erzählers.
3.2 Die Funktion des Erzählers: Untersuchung der Perspektive des Ich-Erzählers und seiner Versuche, seine geistige Gesundheit zu belegen, was letztlich seine Unzuverlässigkeit unterstreicht.
3.3 Die Beziehung zwischen Erzähler und altem Mann: Beleuchtung der ambivalente Bindung zwischen den Figuren und des als Bedrohung wahrgenommenen Auges des alten Mannes.
3.4 Die Symbole: Deutung zentraler Symbole wie Auge und Herz im Kontext psychologischer Konzepte und deren Funktion für die Gesamtkontruktion der Erzählung.
3.5 Der Mord und die Offenbarung: Analyse des Mordgeschehens als ironischen Wendepunkt und des Geständnisses als Moment der finalen Wahrheitssuche.
3.6 Die ablaufende Zeit: Erläuterung des subjektiven Zeitempfindens und dessen Rolle bei der Steigerung des psychologischen Drucks.
3.7 Aspekte der Sprache: Untersuchung sprachlicher Mittel wie Syntaxstauungen und Betonungen als Spiegel des Geisteszustands des Erzählers.
4. Ergebnisse und Schlussgedanken: Das Fazit bestätigt die konsequente Umsetzung von Poes literarischen Kriterien in „The Tell-Tale Heart“ und diskutiert Ansätze für weiterführende Analysen.
Schlüsselwörter
Edgar Allan Poe, The Tell-Tale Heart, Twice-Told Tales, Short Story, Literaturtheorie, Unique Effect, Unzuverlässiger Erzähler, Symbolik, Psychologie, Wahnsinn, Angst, Kurzgeschichte, Literaturanalyse, Erzählstruktur, Spannung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Kurzgeschichte „The Tell-Tale Heart“ von Edgar Allan Poe vor dem Hintergrund seiner eigenen literaturtheoretischen Kriterien, die er in seiner Rezension der „Twice-Told Tales“ von Nathaniel Hawthorne formulierte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die literarische Komposition, die Wirkung auf den Leser (unique effect), die Funktion des Ich-Erzählers und die Bedeutung literarischer Symbole im Kontext psychologischer Zustände.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist der Nachweis, dass Poe seine theoretischen Anforderungen an eine perfekt strukturierte und auf eine bestimmte Wirkung ausgerichtete Kurzgeschichte systematisch in seinem eigenen Werk angewendet hat.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine textanalytische Methode, bei der die theoretischen Postulate Poes als Raster auf die Ereignis- und Beziehungsgefüge sowie die sprachliche Gestaltung der Erzählung angewendet werden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Aspekte wie die Analyse des ersten Satzes, die Rolle des Erzählers, die Funktion von Symbolen, die Darstellung des Mordes und die Untersuchung der sprachlichen Gestaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Unique Effect", "Unzuverlässiger Erzähler", "Short Story", "Literaturtheorie" und "Symbolik" charakterisiert.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Auges in der Erzählung?
Das Auge wird als zentrales Symbol für die Ängste des Erzählers und dessen gespaltene Persönlichkeit gedeutet, wobei es für den Erzähler eine projektive Bedrohung darstellt, die zum Mord führt.
Inwiefern ist der Erzähler in der Geschichte als unzuverlässig einzustufen?
Der Erzähler ist unzuverlässig, da seine subjektive Sichtweise durch manische Züge und den Versuch, seine geistige Gesundheit zu beteuern, geprägt ist, was den Leser dazu zwingt, die Informationen kritisch zu hinterfragen.
Warum spielt der Begriff "unique effect" eine so wichtige Rolle?
Der "unique effect" ist das von Poe geforderte Ziel jeder Kurzgeschichte: Jedes Wort und jedes Ereignis muss darauf ausgerichtet sein, eine ganz spezifische, nachhaltige emotionale Wirkung beim Leser zu erzielen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2010, Edgar Allan Poes Begriff der short story. Analyse seiner Rezension der "Twice-Told Tales" in "The Tell-Tale Heart", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212222