Die Einführung des Gregorianischen Kalenders in Augsburg


Hausarbeit, 2009

14 Seiten


Leseprobe

Inhhaltsverzeichnis

Einleitung

2. Von der Notwendigkeit einer Kalenderreform
2.1 Der Julianische Kalender - ein Überblick
2.2 Erste Anzeichen vom Unstimmigkeiten
2.3 Die Durchführung der Reform
2.4 Die Annahme des Gregorianischen Kalenders und Reaktionen der verschiedenen Länder - Ein Überblick

3. Der „Zankapfel der Konfessionen“1 - Kalenderstreit am Beispiel der deutschen Reichsstadt Augsburg
3.1 Die Ausgangslage in Augsburg
3.2 Die Eskalation in Augsburg durch Einführung des Gregorianischen Kalenders
3.3 Die Auflösung des Konflikts

4. Probleme durch die Einführung des Gregorianischen Kalenders und deren Lösung
4.1 Die Auswirkungen der Kalenderreform auf die Bevölkerung
4.2 Die Lösung für die Protestanten im 18. Jahrhundert und ein kurzer Abriss über den Kalender in den späteren Jahrhunderten

5. Schlussbetrachtung

Anhang I

1. Einleitung

„Der Kalender [ist] keine Neuerung im Feld der Religion, sondern ‚die nothwendige Reduktion der Täg’ auf den rechten uralten Lauf’“1

Dennoch war die Einführung eines neuen Kalenders 1582 durch den Papst ein Anlass zum Streiten.

Seit die Menschen ein Instrument zur Bestimmung der Jahre und Tage benutzen, richten sie ihren Kalender nach dem Lauf der Sonne oder des Mondes aus: Julius Cäsar hat seinen Kalender auf das Sonnenjahr aufgebaut, das Osterfest wird am Sonntag nach dem Frühlingsvollmond begangen, das Wort Monat kommt von Mond und war ursprünglich durch die Dauer seines Umlaufs um die Erde bestimmt.2 Wenn sich alles an dem Lauf der Gestirne ausrichtet, wie können dann Fehler entstehen? Indem falsch berechnet wird, oder Un- genauigkeiten ignoriert werden, wie dies nach Cäsars Kalenderverbesserung geschehen war. Aber Ceasars Veränderung war nicht die einzige in der Geschichte des Kalenders. Seine Kalenderreform war nur der Anlass für eine weitere rund 1600 Jahre später. Diese jedoch lieferte genug Zündstoff, dass darüber in Augsburg fast ein Bürgerkrieg ausbrach. Außerdem gab es protestantische Länder, die sich vehement weigerten, den neuen Kalender anzunehmen.

Warum der Kalender überhaupt reformiert werden musste und welche Auswirkungen dies auf die Bevölkerung und das Zusammenleben der Konfessionen hatte, wie sich die Reaktionen verschiedener Länder darstellte und nach welchem Kalendersystem wir uns heute eigentlich orientieren, soll nun in der vorliegenden Arbeit erörtert werden.

2. Von der Notwendigkeit einer Kalenderreform

2.1 Der Julianische Kalender - ein Überblick

Um zu verstehen, warum Papst Gregor im 16. Jahrhundert überhaupt eine Kalenderreform durchführte, muss man einen Blick auf den zuvor herrschenden Kalender werfen; dem Juliani- schen Kalender. Diese Kalenderform wurde von Julius Caesar entwickelt und am 1. Januar 46 v. Chr. eingeführt3.

Diese Reform wurde nötig, weil sich die Römer nach dem Mondjahr richteten, wodurch Schalttage sehr wichtig wurden, um die Differenzen zwischen Mond- und Sonnenjahr aus- zugleichen. Da das Mondjahr aber rund 355,37 Tage und das Sonnenjahr etwa 365,25 Tage beträgt, ergibt sich hier eine Differenz von ungefähr zehn Tagen, die es zu beheben galt, da aus diesem Grund bald bürgerlicher Kalender und Vegetationskalender voneinander abwichen. Um diesen Unterschied auszugleichen, wurden alle zwei Jahre 22 bzw. 23 Tage an den Februar angehängt. Nun ergab sich aber das Problem, dass der Kalender wiederum zu lang war und eine Länge von ca. 366,25 statt richtigen 365,25 Tagen betrug

Caesar hatte nun den Kalender so verändert, dass das Mondjahr 365,25 Tage lang war, der Vierteltag jedoch alle vier Jahre zu einem Schalttag aufsummiert und eingeschoben wurde. Diese verbesserte Kalenderform war allerdings auch noch nicht perfekt, sondern um 0,0078 Tage zu langsam. Caesar wusste dies, doch eine neuerliche Korrektur würde erst etwa 1460 Jahre später fällig werden (die tatsächliche Änderung fand allerdings erst nach 1627,76 Jahren statt). Dieser Fehler und die Tatsache, dass nach Caesars Tod nicht mehr korrekt geschaltet wurde, führte dazu, dass im 16. Jahrhundert zehn Tage zu viel vorhanden waren und eine weitere Kalenderreform dringend nötig wurde4.

2.2 Erste Anzeichen vom Unstimmigkeiten

Dass der Julianische Kalender nicht exakt war, fiel schon Hermann von Reichenau um 1000 auf, als die Differenz bereits um eine Woche angewachsen war. Auch in späteren Jahr- hunderten wurde der vorherrschende Kalender kritisiert. Und zwar meldete sich 1200 der Ma- gister Conradus zu Wort, der einen Fehlbetrag von bereits zehn Tagen bemerkt haben wollte. Als im Jahre 1223 Vincenz von Beauvais in seiner Enzyklopädie Speculum Naturale den Un- terschied auf zehn Tage festsetzte, wurde diese Beobachtung zu einer allgemein bekannten Tatsache.

Bereits im 14. Jahrhundert wurde vom Papst Clemens VI. der Franzose Johannes de Muris berufen, um eine Kalenderverbesserung durchzuführen. Die Durchführung einer Kalenderre- form scheiterte allerdings am vorzeitigen Versterben des Papstes. Im folgenden Jahrhundert dann beschäftigten sich unter anderem Pierre d’Ailly und Nikolaus von Kues mit einer Kalenderverbesserung und auch Martin Luther bemerkte die Schwierigkeit der Terminver- schiebung; er tendierte zu einem festen Ostertermin. Papst Gregor XIII. selbst nahm sich der Sache erst nach dem Konzil von Trient an5, auf dem der Papst dazu berufen wurde, „Brevier und Messbuch - und damit indirekt auch den Kalender - zu reformieren“6.

2.3 Die Durchführung der Reform

Nachdem Papst Gregor nun zum Initiator der Reform geworden war, ergingen Anfragen an Gelehrte (Luigi Lilio und Christoph Clavius), die sich zu einer Kommission zusammenfinden und eine Lösung des Kalenderproblems erarbeiten sollten. Das Ergebnis wurde dann an die verschiedenen Universitäten (unter anderem Köln, Genua, Krakau, Paris, Wien) gesandt, sowie an katholische Herrscher, um von ihnen eine Meinung dazu zu erhalten. Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus7.

Die Aufgabe der Reform sollte sein, die Tag- und Nachtgleiche wieder dauerhaft auf den 21. März festzulegen und somit den bürgerlichen Kalender mit Mond- und Sonnenjahr in Einklang zu bringen8, dadurch sollte der Sonnenkalender korrigiert und der Mondkalender verbessert werden9. Dies konnte in folgender Weise bewerkstelligt werden: Entweder würden in den nächsten vierzig Jahren unauffällig zehn Schalttage ausgelassen oder man würde die zehn Tage auf einmal überspringen10. Der Papst entschied sich für Letzteres: Auf den Donnerstag, dem 4. Oktober 1582 sollte sogleich der Freitag als 15. Oktober folgen, also zehn Tage ausgelassen werden11. Die übliche Schaltung alle vier Jahre am 29. Februar wurde beibehalten, aber es wurden in Zukunft drei Schalttage in 400 Jahren eingespart, indem in allen vollen Jahrhunderten, außer in den durch 400 teilbaren, die Schaltung ganz entfallen sollte12. Auf diese Weise wurde wieder auf die Regel des Konzils von Nicäa zurückgegriffen, die besagte, „dass Ostern am Sonntag nach dem Frühlingsvollmond gefeiert werden sollte“13.

2.4 Die Annahme des Gregorianischen Kalenders und Reaktionen der verschiedenen Länder - Ein Überblick

Nachdem die Reform mit der päpstlichen Bulle Inter Gravissimas am 1. März 1582 be- schlossen worden war14 schlossen sich ihr zum Oktober bereits Italien, Spanien und Portugal an, die es schafften bis dahin den neuen Kalender zu drucken und öffentlich auszuhängen15. Der Rest Europas folgte nicht ganz so problemlos: Dies lag zum Teil daran, dass die Kom- munikation nicht funktionierte und daher die päpstlichen Mandate schlicht zu spät ankamen16.

Ein anderer Grund war, dass sich die protestantisch geprägten Länder weigerten, eine Reform des Papstes anzunehmen. Doch dazu später mehr.

Frankreich übernahm den neuen Kalender noch im selben Jahr, allerdings erst im Dezember17. In Ländern wie Deutschland und Österreich gestaltete sich die Umstellung schwieriger. Auch England und Nordeuropa widersetzten sich lange Zeit der Reform; erst im 18., in manchen Ländern sogar erst im 19. Jahrhundert wurde hier der Kalender angepasst18. Länder wie Japan, Ägypten, Russland, die Republik China, Bulgarien und Griechenland stellten ihren Kalender gar im 20. Jahrhundert um, sodass der Gregorianische Kalender erst ab 1927 zum „Weltkalender“ wurde (wobei die orthodoxe Ostkirche und die Mönche auf dem Berg Athos noch immer ihrem eigenen Kalender folgen)19.

Im deutschen Reich erwies sich die Annahme des neuen Kalenders als schwieriger durchzuführen als erwartet. Hier lebten Protestanten und Katholiken nebeneinander und für erstere kam eine problemlose Kalenderänderung schon deshalb nicht in Frage, weil sie vom Papst initiiert worden war, auch wenn sowohl katholische, als auch protestantische Gelehrte schon wiederholt Kalenderreformen durchgeführt sehen wollten20. Hinzu kam, dass ausgerechnet Papst Gregor XIII. als engagierter Protestantismusbekämpfer galt21.

Der päpstliche Legat drängte daher vor allem katholische Fürsten und den Kaiser dazu, den neuen Kalender zu übernehmen. Doch der Kaiser wollte diese Angelegenheit vor die Stände des Reiches bringen, von deren Zustimmung er abhängig war.22 Ein Rundschreiben und meh- rere Gutachten gingen an die Kurfürsten raus, doch da die Reform als Werk des Papstes aus- gegeben wurde, konnten die protestantischen Reichsstände sie unmöglich annehmen23. Schließlich verkündete der Kaiser im März 1583, „dass er den neuen Kalender im Reich und in den Erblanden im Oktober 1583 publizieren werde“24. Dadurch waren aber immer noch nicht alle Teilgebiete auf dem neuen Kalenderstand, denn die meisten Territorien entschieden selbst über die Einführung des reformierten Kalenders25. Dies führte dazu, dass bei Datumsangaben im Reich immer zwei Daten angegeben werden mussten, um den Gebieten mit neuem und altem Kalender gerecht zu werden26.

[...]


1 Scheutz, S. 121.

1 Martin Scheutz: Der gregorianische Kalender als Streitfall. In: W. Hameter: Ideologisierte Zeit, S. 125.

2 Vgl. genauer in: Hermann Grotefend: Taschenbuch der Zeitrechnung, S. 1, 4 und 14.

3 Vgl. Karl Bayer: Antike Zeitmessung. In: M. Herzog: Der Streit um die Zeit, S. 59.

4 Vgl. zum Vorangegangenen: Bayer, S. 45, 46, 50f. und 59.

5 Vgl. zum Vorangegangenen: A.v.d. Brincken: Historische Chronologie des Abendlandes, S. 30f.. S Scheutz, S. 118.

7 Vgl. zum Vorangegangenen: Scheutz, S. 118.

8 Vgl. Brincken, S. 31.

9 Vgl. Hans Lenz: Universalgeschichte der Zeit, S. 279.

10 Vgl. ebd, S. 280.

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. Brincken, S. 31.

13 Scheutz, S. 119.

14 Vgl. Lenz, S. 281.

15 Vgl. ebd.

16 Vgl. Scheutz, S. 120.

17 Vgl. Scheutz, S. 120.

18 Vgl. ebd., S. 136.

19 Vgl. ebd., S. 136f..

20 Vgl. ebd., S. 119.

21 Vgl. ebd.

22 Vgl. Scheutz, S. 120f..

23 Vgl. ebd., S. 121.

24 Ebd.

25 Vgl. Wolfgang Wallenta: Der Augsburger Kalenderstreit. In: Der Streit um die Zeit, S. 129.

26 Vgl. Lenz, S. 281.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Einführung des Gregorianischen Kalenders in Augsburg
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V212224
ISBN (eBook)
9783656400431
ISBN (Buch)
9783656402213
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einführung, gregorianischen, kalenders, jahre, eine, darstellung, auswirkungen, beispiel, augsburg
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Miriam Marie Hirschauer (Autor), 2009, Die Einführung des Gregorianischen Kalenders in Augsburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212224

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