Um „Bildungsverlierer“ aufzufangen und bei ihrem Weg zu einem qualifizierenden Abschluss, in eine Berufsausbildung, bei der Berufsorientierung oder aber beim Berufseinstieg zu unterstützen, bieten die SGB II, III und VIII zahlreiche Hilfen. Das Angebot der beruflichen Benachteiligtenförderung hat sich seit annährend drei Jahrzehnten in Deutschland entwickelt und bietet ein Übergangssystem aus regionalen, landes- und bundesweiten Maßnahmen, die fast unüberschaubar sind (vgl. Datenreport BBB 2012, 231ff .).
Dabei sind die Kompetenzagenturen seit 2007 Bestandteil der bundesweiten Initiative JUGEND STÄRKEN des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und werden aus Mitteln des ESF und kommunalen Mitteln der örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe kofinanziert. Die Initiative JUGEND STÄRKEN umfasst des Weiteren die Programme „Schulverweigerung – die 2. Chance“, die „Jugendmigrationsdienste“, das Programm „Stärken vor Ort“, welches bereits abgeschlossen wurde sowie das Modellprogramm „Aktiv in der Region“. Sie sind zu verstehen als Ergänzung der örtlichen Regelangebote.
Insgesamt bietet die Initiative damit Unterstützung an über 800 Standorten. Ihre Angebote stellen Hilfen für stark sozial benachteiligte sowie individuell beeinträchtigte Jugendliche am Übergang Schule – Beruf dar. Unterstützung erhalten dabei alle Jugendlichen, die im Sinne des § 13 SGB VIII Anspruch auf die Leistungen der Jugendsozialarbeit haben. Erfolgreich ist die Maßnahme, wenn es gelingt den Jugendlichen sozial und beruflich zu integrieren.
Im Folgenden werden die Rahmenbedingungen der Kompetenzagenturen dargestellt. Daran an schließt sich die Vorstellung des pädagogischen Konzepts. Mit einem kritischen Blick auf die Evaluation des Programms möchte ich die Arbeit abschließen. Es soll sich zeigen, inwiefern die Kompetenzagenturen in ihrem Beitrag zur beruflichen und sozialen Integration benachteiligter und individuell beeinträchtigter Jugendlicher als hilfreich oder unzureichend betrachtet werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kompetenzagenturen als Form der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit
2.1 Zielgruppe
2.2 Ziele & Aufgaben
2.3 Größenordnung, Finanzierung und rechtlicher Rahmen
3 Das pädagogische Konzept – Aufsuchende Jugendsozialarbeit
3.1 Case Management
3.1.1 Assessment zur Kompetenzfeststellung
3.1.2 Förder- und Hilfeplanerstellung
3.1.3 Die elektronische Fallakte „mpuls WASKA“
3.2 Netzwerkarbeit
3.3 Gender- & Cultural-Mainstreaming
4 Evaluation – ein kritischer Blick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das pädagogische Konzept der Kompetenzagenturen im Kontext des deutschen Übergangssystems. Ziel ist es, die Rolle der Agenturen als Unterstützungsinstanz für benachteiligte Jugendliche zu analysieren und deren Einbettung in die Förderlandschaft kritisch zu beleuchten, wobei insbesondere die Wirksamkeit der angewandten Methoden diskutiert wird.
- Strukturen und Rahmenbedingungen von Kompetenzagenturen
- Aufsuchende Jugendsozialarbeit als zentraler methodischer Ansatz
- Case Management und individuelle Förderplanung
- Rolle von Netzwerkarbeit und elektronischer Dokumentation
- Kritische Evaluation der Wirksamkeit und Integrationserfolge
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Assessment zur Kompetenzfeststellung
Der Fachkraft stehen verschiedene Assessment-Verfahren zur Verfügung, mit denen die Leistungspotentiale der Jugendlichen gemessen werden können (vgl. Schulte-Beckhausen 2011, 5). Auch Ergebnisse bereits absolvierter Testverfahren sind durch die Fachkraft heranzuziehen. Im Ergebnis der Tests entsteht ein individuelles Kompetenzprofil, welches wiederum Grundlage für den Förder- und Hilfeplan ist (siehe 3.1.2). Alle durchgeführten Schritte werden in der elektronischen Fallakte dokumentiert, welche unter 3.1.3 noch näher besprochen wird. Die Praxishilfe Nr. 5 enthält eine verkürzte Darstellung zum Thema Kompetenzfeststellungsverfahren. Sie enthält ebenfalls wichtige Kriterien, die die Fachkräfte bei der Auswahl der zur Verfügung stehenden Tests berücksichtigen sollten.
Die Fachkräfte wählen zwischen simulations- bzw. handlungsorientierten Verfahren (z. B. DIA-KOM, DIA-TRAIN, PAC, Start, TASTE), handlungsorientierten, berufsbezogenen Tests und Arbeitsproben (z. B. hamet2, Ida) sowie biografieorientierten Verfahren (z. B. biografieorientiertes Interview, Kompetenzbilanzen, ICOVET, Portfolie-Methoden) (vgl. Praxishilfen Nr. 05 Juni 2008; Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit e.V. 2012, 17).
Generell geht es in der Kompetenzfeststellung nicht nur um das Absolvieren einfacher psychologischer Testverfahren per paper & pencil. Vielmehr sind, wie oben schon angeführt, auch Trainings enthalten. Die eingesetzten Verfahren können auch mehrtägig sein und erlebnispädagogische Elemente enthalten. Die Jugendlichen werden nicht nur daraufhin getestet, welche Kompetenzen bei ihnen vorliegen und welche nicht (defizitorientiertes Vorgehen), sondern ihnen werden auch vorhandene Kompetenzen erfahrbar gemacht. Hier wird der Empowerment-Ansatz besonders deutlich. Die Jugendlichen erfahren Aufmerksamkeit und Anerkennung, auch innerhalb einer Gruppe von fremden Jugendlichen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Die Kompetenzen der Jugendlichen werden herausgefordert und trainiert. Dabei beobachtet die Fachkraft und ggf. ein Beobachterteam wie sich die Jugendlichen verhalten. Auch diese Ergebnisse fließen in die Erstellung eines Kompetenzprofils ein. Dieses verhilft schließlich auch zum Aufbau eines realistischen Selbstkonzepts.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der Ausgangslage und der Relevanz der Initiative JUGEND STÄRKEN für benachteiligte Jugendliche.
2 Kompetenzagenturen als Form der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit: Analyse der Zielgruppen, Ziele sowie der rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen des Programms.
3 Das pädagogische Konzept – Aufsuchende Jugendsozialarbeit: Erläuterung der methodischen Säulen, insbesondere Case Management, Netzwerkarbeit und Diversitätsansätze.
3.1 Case Management: Darstellung der zentralen Methode zur individuellen Begleitung der Jugendlichen durch Assessment, Planung und digitale Fallführung.
3.1.1 Assessment zur Kompetenzfeststellung: Übersicht über die verschiedenen Verfahren zur Ermittlung von Leistungspotenzialen und Kompetenzprofilen.
3.1.2 Förder- und Hilfeplanerstellung: Prozessbeschreibung der individuellen Zielvereinbarung und Begleitung der Jugendlichen.
3.1.3 Die elektronische Fallakte „mpuls WASKA“: Beschreibung der digitalen Dokumentations- und Monitoring-Infrastruktur.
3.2 Netzwerkarbeit: Erläuterung der Bedeutung von Kooperationen mit Schulen, Behörden und Betrieben für eine erfolgreiche Integration.
3.3 Gender- & Cultural-Mainstreaming: Einordnung der geschlechter- und kultursensiblen Ansätze als Qualitätsstandard der Arbeit.
4 Evaluation – ein kritischer Blick: Zusammenfassende Betrachtung der Wirksamkeit und der Integrationserfolge anhand verfügbarer Daten.
Schlüsselwörter
Kompetenzagenturen, Jugendsozialarbeit, Übergangssystem, Case Management, Empowerment, Förderplanung, Netzwerkarbeit, Berufliche Integration, Bildungsverlierer, Jugendhilfe, Kompetenzfeststellung, JUGEND STÄRKEN, Sozialpädagogik, Ausbildungsmarkt, mpuls WASKA
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert das pädagogische Konzept der Kompetenzagenturen als Bestandteil der Initiative JUGEND STÄRKEN und deren Beitrag zur beruflichen und sozialen Integration benachteiligter Jugendlicher.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Rahmenbedingungen, das Case Management als Methode, die Netzwerkarbeit sowie die Bedeutung von Empowerment und ressourcenorientierter Begleitung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Würdigung der Kompetenzagenturen hinsichtlich ihres Beitrags zur Vermittlung in Ausbildung oder Beruf und zur Stabilisierung der Jugendlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Programm-Werkstattberichten, Praxishilfen und Evaluationsdaten der Initiative.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen und die detaillierte Beschreibung des pädagogischen Konzepts, inklusive digitaler Dokumentation und Netzwerkarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Kompetenzagenturen, Übergangssystem, Case Management, Empowerment und soziale Integration.
Welche Rolle spielt die elektronische Fallakte „mpuls WASKA“?
Sie dient als zentrales Instrument zur Dokumentation, Qualitätssicherung und zum Monitoring des individuellen Förderprozesses innerhalb der Agenturen.
Wie bewertet der Autor den Erfolg der Kompetenzagenturen?
Der Autor stuft die Arbeit der Agenturen als hilfreiches Förderprogramm ein, mahnt jedoch die Gefahr von „Maßnahmekarrieren“ durch unzureichende Koordination im Gesamtsystem an.
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- B.A. Johannes Ilse (Author), 2013, Förderung und Integration benachteiligter Jugendlicher durch Kompetenzagenturen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212244