Die Geschichte der Juristen, die als Journalisten arbeiteten, ist beinahe solang wie die der „Dichterjuristen“: Berühmte Persönlichkeiten wie Kurt Tucholsky, Theodor Fontane, Heinrich Heine, Karl Marx, Sebastian Haffner, Ludwig Börne (den die „Süddeutsche Zeitung“ zum Erfinder des politischen Journalismus´ kürt), der NS-Gegner und Ossietzky- Anwalt Rudolf Olden, Friedrich Grimm, Karl Kraus und der Begründer des Zionismus-Gedanken Theodor Herzl – sie alle zählen zu den „Juristenjournalisten“.
Dennoch wurden bislang wenig wissenschaftliche Versuche zur Untersuchung dieses Themengebiets unternommen. Bei den Recherchen zu dieser Arbeit habe ich das vielleicht älteste journalistische Stilmittel angewandt: das Interview. Dies war nicht nur aufgrund der dünnen Quellenlage notwendig, sondern ebenso thematisch bedingt. Die Arbeit hat einen Schwerpunkt in der Darstellung und Untersuchung verschiedener Medienkarrieren im Journalismus, einen anderen in der Beschäftigung mit der Frage: Was unterscheidet Juristen von Journalisten, und was haben sie gemein ?
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
I. Warum Jura ? – Warum Journalismus ?
1.) Warum Jura ?
2.) Warum Journalismus ?
3.) Würden Sie nochmals diesen Weg gehen?
II. Fähigkeiten eines Juristen für den Journalistenberuf
III. Überschneidungen in der Praxis
IV. Ein Widerspruch in der Sprache ?
V. Wege in die Medien-Wege in den Medien
1.)Gerichtsreporter
2.) Juristen als Polit-Journalisten
3.) Juristen in Fernsehen und Rundfunk
4.) Fachfremde „Juristenjournalisten“
5.) „Juristenjournalisten“ als Medienmanager
VI. Juristische Medienkarrieren - eine Auswahl
1.) Claus Kleber
2.) Wolf von Lojewski
3.) Alfred Biolek
4.) Butz Peters
5.) Bodo Hugo Hauser
6.) Ulrich Wickert
7.) Herbert Riehl-Heyse
8.) Stefan Ulrich
9.) Annette Ramelsberger
10.) Roderich Reifenrath
11.) Heribert Prantl
B. Resümee
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Biografien und beruflichen Werdegänge von Juristen, die den Wechsel in den Journalismus vollzogen haben. Sie analysiert die Motive für das ursprüngliche Rechtsstudium sowie den späteren Berufswechsel, die Synergien zwischen juristischer Ausbildung und journalistischer Praxis und reflektiert dabei kritisch das Spannungsfeld zwischen juristischer Präzision und journalistischer Vermittlungsleistung.
- Analyse der Beweggründe für den Wechsel vom rechtswissenschaftlichen Studium in den Journalismus.
- Untersuchung der spezifischen Qualifikationen, die ein juristisches Studium für den Medienberuf bietet.
- Reflexion über das Spannungsfeld zwischen juristischer Distanz/Fachsprache und journalistischer Verständlichkeit.
- Detaillierte Darstellung prominenter Medienkarrieren von ehemaligen Juristen.
- Gegenüberstellung von methodischen Ansätzen im Recht und Journalismus.
Auszug aus dem Buch
1.) Warum Jura ?
Für Jo Pohl aus der Redaktion „Gesellschafts- und Bildungspolitik“ beim „ZDF“ war es „die Vorstellung von (einer) interessanten Materie, die im Gegensatz zu Naturwissenschaften oder Medizin zunächst keine spezifische Neigung erfordert“, die ihn zu der Aufnahme des Studiums bewog. Hinzugekommen sei die Erwartung, „als Jurist viele Berufsmöglichkeiten zu haben und zu einem späteren Zeitpunkt noch Weichen stellen zu können.“
Die vermeintlich guten Berufsperspektiven als Jurist schienen auch für die Eltern von Peter Schiwy, dem späteren Intendanten des „Norddeutschen Rundfunks“ und des „Rias“, der Entscheidungsgrund gewesen zu sein, denn sie entschieden – ähnlich wie bei Bodo H. Hauser („ZDF“), wo es der Vater war - über die Wahl der Fachrichtung. Demnach sei der Journalismus nichts Seriöses, Jura allerdings schon.
Jost-Müller-Neuhof, Redakteur im Politik-Ressort des „Tagesspiegels“, begründet seine Entscheidung, sich nach Abitur und Zivildienst, der Juristerei zu widmen so: „Recht ist die Schlüsselsprache demokratischer Herrschaftsformen. Die wollte ich lernen.“ Außerdem habe ihn „der Zwang zu (sprachlicher und logischer) Exaktheit gereizt und die Faszination daran, dass es jeweils auch für die Gegenseite eine Menge guter Argumente geben kann.“
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Tradition juristischer Publizisten und erläutert die methodische Herangehensweise der Arbeit mittels Experteninterviews.
I. Warum Jura ? – Warum Journalismus ?: Dieses Kapitel analysiert die höchst unterschiedlichen Motive für den Beginn des Jura-Studiums sowie die anschließende Entscheidung für eine journalistische Laufbahn.
II. Fähigkeiten eines Juristen für den Journalistenberuf: Hier werden die durch das Jurastudium erworbenen Kompetenzen wie analytisches Denken und Gründlichkeit auf ihre Anwendbarkeit im journalistischen Berufsalltag geprüft.
III. Überschneidungen in der Praxis: Es wird erörtert, welche methodischen und inhaltlichen Gemeinsamkeiten zwischen dem juristischen Arbeiten und dem Journalismus in der Praxis existieren.
IV. Ein Widerspruch in der Sprache ?: Dieser Abschnitt befasst sich kritisch mit der Differenz zwischen juristischer Fachsprache und journalistischer Verständlichkeit.
V. Wege in die Medien-Wege in den Medien: Es wird die Vielfalt der Einsatzbereiche für Juristen im Mediensystem beleuchtet, vom Gerichtsreporter bis zum Medienmanager.
VI. Juristische Medienkarrieren - eine Auswahl: In diesem Kapitel werden elf prominente Fallbeispiele von Juristen porträtiert, die erfolgreich im Journalismus Fuß gefasst haben.
B. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Kombination aus juristischer Ausbildung und journalistischer Praxis als eine besondere Chance.
Schlüsselwörter
Juristenjournalisten, Rechtswissenschaften, Medienkarriere, Journalismus, Rechtspolitik, Berufsentscheidung, Juristenausbildung, Medienrecht, Journalistische Praxis, Medienmanagement, Fachjournalismus, Gerichtsberichterstattung, Sprache, Sprachanalyse, Medienberufe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen von Juristen, die als Journalisten tätig sind, und beleuchtet deren beruflichen Werdegang sowie die Schnittstellen zwischen beiden Disziplinen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Motive für das Jura-Studium, die praktische Anwendung juristischer Fähigkeiten im Medienbereich, der Umgang mit Sprache sowie die Analyse konkreter Medienkarrieren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den speziellen Weg vom Jurastudium zum Journalistenberuf wissenschaftlich aufzuarbeiten und zu hinterfragen, welchen Einfluss die juristische Sozialisation auf die journalistische Arbeit hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert maßgeblich auf Interviews mit Journalisten, die über einen juristischen Hintergrund verfügen, da wissenschaftliche Literatur zu diesem speziellen Themenfeld bisher nur spärlich vorhanden ist.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Fähigkeiten von Juristen, vergleicht Arbeitsmethoden, diskutiert sprachliche Unterschiede und porträtiert elf namhafte Persönlichkeiten, die den Sprung in die Medien geschafft haben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe wie "Juristenjournalisten", "Rechtswissenschaften", "Medienkarriere", "Sprachkritik" und "Praxistransfer" beschreiben den Kern der Untersuchung treffend.
Welche Rolle spielt die Sprache im beruflichen Alltag dieser Juristen?
Die Sprache wird als Werkzeug betrachtet, bei dem der Übergang von der präzisen, oft deduktiven juristischen Ausdrucksweise zur allgemeinverständlichen journalistischen Darstellung eine zentrale Herausforderung für die Protagonisten darstellt.
Gilt das Jurastudium laut der Befragten eher als Hindernis oder Vorteil für den Journalismus?
Die Befragten bewerten es überwiegend als Vorteil, da es strukturiertes Denken, Sachverstand für komplexe Themen und die Fähigkeit zur kritischen Analyse fördert, auch wenn die "juristische Fachsprache" bewusst abgelegt werden muss.
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- Christian Wiermer (Author), 2004, Juristen als Journalisten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21226