Die Parallelen zwischen baskischer ETA und irischer IRA

Ein Vergleich


Hausarbeit, 2013
16 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Geschichte und Ideologie der IRA

3. Geschichte und Ideologie der ETA

4. Vergleich der Ideologien von ETA und IRA mit Fokus auf den separatistischen Ausprägungen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts bis zu den offiziellen Waffenniederlegungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren die Irish Republican Army (IRA) in Irland und Euskadi Ta Askatasuna (ETA) in Spanien die größten und aktivsten terroristischen Vereinigungen in Europa. Beiden Organisationen gemein ist die Forderung und der ideologisch motivierte Kampf für die Unabhängigkeit und Souveränität eines Staates, der so aktuell nicht existiert, da die jeweils als Staatsgebiet angedachte Fläche sich in den aktuell existierenden und völkerrechtlich anerkannten Grenzen anderer Staaten befindet. Doch so ähnlich diese beiden Bewegungen in einem beide nennenden Satz anmuten, so unterschiedlich ist doch die Geschichte beider Konflikte, auf die sich die Organisationen jeweils berufen. In der medialen Wahrnehmung waren beide Konflikte lange eher Randerscheinungen, die angesichts der Rezeption und Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA eine neue Wahrnehmung fanden und insbesondere im Fall der IRA zu einer Neubewertung der irischstämmigen US-Amerikaner führte, was letzten Endes durch den schwindenden Rückhalt die Entwaffnung der IRA mit vorantrieb.[1]

Die vorliegende Hausarbeit setzt sich mit den Gemeinsamkeiten und Alleinstellungsmerkmalen der beiden separatistischen Bewegungen auseinander und untersucht, inwieweit und in welcher Ausprägung separatistische Merkmale bei den Verfechtern des unabhängigen, geeinten Irlands und bei jenen, die für ein souveränes Baskenland, das aus den drei Provinzen der autonomen Gemeinschaft Baskenland, sowie der spanischen Provinz Navarra und dem nördlichen Teil des Baskenlandes im Südwesten Frankreichs bestehen soll[2], die zusammen das „Euskal Herria“[3], eintreten, vorhanden sind.

Dabei werden zunächst beide Organisationen hinsichtlich ihrer historischen und ideologischen Grundlagen eingeführt, bevor beide in Bezug auf den Grat zwischen Freiheitskämpfern und Terroristen untersucht werden sollen. Dies ist notwendig, um

anschließend das Vorhandensein separatistischer Ausprägungen in Terrororganisationen ermitteln zu können.

Die Begrifflichkeiten „Terrorismus“ und „Separatismus“ sind Termini, die einer großen Bandbreite unterschiedlichster Interpretationen unterliegen. Um dahingehend ein einheitliches Verständnis zu ermöglichen, wird in dieser Hausarbeit für das Verständnis von Terrorismus die folgende Definition terroristischer Anschläge als „Planmäßig vorbereitete, schockierende Gewaltanschläge gegen eine politische Ordnung aus dem Untergrund. Sie sollen allgemein Unsicherheit und Schrecken, daneben aber auch Sympathie und Unterstützungsbereitschaft erzeugen.“[4] zu Grunde gelegt. Dieser definitorische Hintergrund ermöglicht es in verschiedenen Analyseeinheiten die Existenz terroristischer Eigenschaften zu prüfen. Diese wären die planmäßige, organisierte Gewalt, die Ausrichtung gegen eine politische Ordnung aus dem Untergrund sowie die ambivalente Zielsetzung auf einerseits die Verunsicherung ihrer Gegner, aber gleichzeitig auch „ein Bezug auf Gruppen, für die sie den Kampf zu führen glauben, mit denen sie sich identifizieren und aus deren Reihen sie auf Unterstützung für ihre Kampagne hoffen.“[5]

Diese Hausarbeit soll die oben genannten Kriterien auf ETA und IRA abwenden und ermitteln, ob bzw. in welcher Ausprägung diese vorhanden sind.

In einem zweiten Schritt gilt es zu ermitteln, welche Merkmale separatistisch geprägter Ideologie bei den beiden Organisationen vorzufinden sind, bevor es abschließend gilt beide einer komparativen Gegenüberstellung zu unterziehen.

Wie für den Terrorismusbegriff, so gilt auch für Separatismus, dass dieser eine Worthülse bleibt, sofern man diesen nicht durch die Wahl einer treffenden Definition mit Inhalt füllt. Dabei soll nach Henry E. Hale gelten: „‘National separatism‘ is thus a form of nationalism whereby congruence is promoted or defended through one of two means: (1) splitting a smaller territorial governance unit off from a larger one or (2) opposing the integration of one territorial governance unit into a broader one.”[6]

Demnach muss für das Vorliegen von nationalem Separatismus entweder die Bemühung der Abspaltung einer territorialen Einheit von einer ihr übergeordneten,

größeren Ordnung oder der Widerstand einer territorialen Einheit gegen die Integration in das Staatsgebiet einer größeren Regierungseinheit gegeben sein.

Dieser Einführung in den Gegenstand der Hausarbeit folgen Darstellungen von Geschichte und Ideologie von IRA und ETA, der oben erwähnte Vergleich und abschließend ein Fazit.

2) Geschichte und Ideologie der IRA

Die historische Verankerung des Nordirlandkonfliktes und damit auch der Beginn separatistischer Bewegungen im Rahmen des nationalstaatlichen Spannungsfeldes zwischen englischer Krone und Irland, die letztlich auch zur Existenzgrundlage der IRA wurden, ist bereits im 12. Jahrhundert und damit lange vor der Gründung dieser verortet.[7]

Im 17. Jahrhundert kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die für die siegreiche britisch-protestantische Armee identitätsstiftend waren und den Grundstein für die Vorherrschaft des britischen Protestantismus über die katholischen Iren in Nordirland legten, dies manifestierte sich insbesondere in der Schlacht am nordirischen Fluss Boyne, einem Ereignis, dem seit 1807 in Nordirland vom Oranierorden mit Paraden und Märschen gedacht wird.[8] [9]

Die staatsrechtliche Grundlage für die Seitens Großbritannien lange geplante Integration Irlands in der Königreich erfolgte dann 1800 im „Act for the Union of Great Britain and Ireland“. „ That it be the first Article of the Union of the Kingdoms of Great Britain and Ireland, that the said Kingdoms of Great Britain and Ireland shall, upon the first Day of January which shall be in the Year of our Lord one thousand eight hundred and one, and for ever after, be united into one Kingdom, by the Name of The United Kingdom of Great Britain and Ireland […]”[10]

Diese formelle Legitimation verstärkte die soziale und politische Benachteiligung der katholischen Iren noch deutlich und forcierte, dass sich noch im gleichen Jahrhundert

irisch-nationalistische Gegenbewegungen formierten, die sich die Lösung der sogenannten Irlandfrage auf die Agenda geschrieben hatten.[11]

[...]


[1] Vgl. Feargal Cochrane: Irish-America, the End of the IRA's Armed Struggle and the Utility of ‘Soft Power’, in: Journal of Peace Research, 44:2 (2007), S. 223

[2] Vgl. Euskal Herriaren Lagunak – Freundinnen und Freunde des Baskenlandes: „Hintergrund“, http://info-baskenland.de/47-0-Hintergrund.html, Stand 18.01.2013

[3] Euskal Herria = Land der Baskisch-Sprecher, vgl. Michael Kasper: Baskische Geschichte, 2. Aufl., Darmstadt 2008 (1997), S. 1

[4] Peter Waldmann: Terrorismus. Provokation der Macht., München 1998, S. 10

[5] Stefan Malthaner: Terroristische Bewegungen und ihre Bezugsgruppen. Anvisierte Sympathisanten und tatsächliche Unterstützer, in Peter Waldmann (Hrsg.): Determinanten des Terrorismus, 2. Aufl., Weilerswist 2008, S. 85

[6] Henry E. Hale: The foundations of ethnic politics, New York 2008, S. 3

[7] Vgl. Franz Valandro: Vom langen Krieg zum Frieden. Geschichte, Gegenwart und Perspektiven des Nordirlandkonflikts in: Minderheitenkonflikte in Europa - Fallbeispiele und Lösungsansätze, Samuel Salzborn (Hrsg.), Innsbruck 2006 S. 141

[8] Vgl. Michael Ignatieff: Reisen in den neuen Nationalismus, Frankfurt am Main/Leipzig 1996, S. 276f

[9] Vgl. Karl S. Bottigheimer: Geschichte Irlands, Stuttgart/Berlin/Köln 1985, S. 184

[10] An Act for the Union of Great Britain and Ireland, zitiert nach: The National Archives: Act of Union (Ireland) 1800, http://www.legislation.gov.uk/aip/Geo3/40/38, Stand: 27.01.2013

[11] Vgl. Franz Valandro: Vom langen Krieg zum Frieden. Geschichte, Gegenwart und Perspektiven des Nordirlandkonflikts in: Minderheitenkonflikte in Europa - Fallbeispiele und Lösungsansätze, Samuel Salzborn (Hrsg.), Innsbruck 2006 S. 142

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Parallelen zwischen baskischer ETA und irischer IRA
Untertitel
Ein Vergleich
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V212280
ISBN (eBook)
9783656404026
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Terrorismus, ETA, IRA, Irland, Separatismus, Ethnizität, Terror, Spanien, Baskenland, Basken, Euskal Herria, Euskadia
Arbeit zitieren
Marcus Lamprecht (Autor), 2013, Die Parallelen zwischen baskischer ETA und irischer IRA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212280

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