Auszug aus der Einleitung:
Im zweiten Kapitel wird die aktuelle Situation auf den Finanzmärkten betrachtet, aus der heraus der Ruf nach einer stärkeren Besteuerung des Finanzsektors erneut laut geworden ist. Außerdem werden in knapper Form zwei Alternativmodelle zur FTS dargestellt, sowie ein Überblick über bestehende und vergangene Steuern verschiedener Länder gegeben, die in die Kategorie der Transaktionssteuern einzuordnen sind.
Kapitel 3 beginnt mit einem Exkurs, in dem einige Begriffe erläutert werden, die für das Verständnis der weiteren Arbeit von Bedeutung sind. Die Kapitel 3.2 und 3.3 widmen sich dem Ursprungskonzept der Tobin-Steuer und dessen Weiterentwicklung zur titelgebenden Finanztransaktionssteuer. Besondere Beachtung finden dabei, neben dem Konzept der FTS, zentrale Probleme bei der Ausgestaltung derselben. Die bis dahin gewonnenen Erkenntnisse werden in Kapitel 3.4 zusammengefasst und daraus ein Zwischenfazit gezogen, mit dem der zweite Teil der Arbeit – die Untersuchung der Wirkung – eingeleitet wird.
Das vierte Kapitel teilt sich dabei auf die beiden genannten Schwerpunkte auf – die Auswirkungen auf die Volatilität (4.1), sowie das erwartete Steueraufkommen (4.2). Innerhalb des Kapitels 4.1 wird zudem nach modelltheoretischen und empirischen Literaturbeiträgen unterschieden, da sich die Erkenntnisse dieser beiden Sparten zum Teil recht deutlich unterscheiden.
Kapitel 5 fasst die Ergebnisse der Arbeit kritisch zusammen und beurteilt abschließend das „Instrument Finanztransaktionssteuer“.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Finanztransaktionssteuer im Jahr 2012 – eine Übersicht
2.1 Hohe Handelsvolumina an den Finanzmärkten – ein Grund zur Sorge?
2.2 Der Stand der Dinge
2.2.1 Alternativen zur Finanztransaktionssteuer
2.2.2 Erfahrungen anderer Länder mit Transaktionssteuern
3 Von der Tobin-Steuer zur Finanztransaktionssteuer – Entwicklung und Kritik
3.1 Exkurs: Begriffliche Grundlagen
3.1.1 Typen von Marktteilnehmern
3.1.2 Spekulation und Noise-Trading
3.1.3 Liquidität
3.1.4 Hot Potato Trading
3.2 Tobin-Steuer
3.3 Finanztransaktionssteuer
3.3.1 Konzept und Ziele
3.3.2 Probleme bei der Ausgestaltung der Steuer
3.4 Ergebnisse des Kapitels
4 Erreicht die Finanztransaktionssteuer ihre Ziele? Erkenntnisse aus der Literatur
4.1 Auswirkungen auf die Volatilität der Finanzmärkte
4.1.1 Theoretische Modelle
4.1.2 Empirische Evidenz
4.2 Steueraufkommen
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Instrument der Finanztransaktionssteuer (FTS) im Hinblick auf deren Zielsetzung und tatsächliche Wirkung. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Fokus, ob eine solche Steuer die Finanzmarktvolatilität reduzieren kann, wie von Befürwortern postuliert, oder ob sie den stabilisierenden Liquiditätshandel beeinträchtigt und somit kontraproduktiv wirkt, während gleichzeitig das Potenzial zur Generierung von Steuereinnahmen bewertet wird.
- Analyse der theoretischen Grundlagen und Zielsetzungen der Finanztransaktionssteuer
- Untersuchung der Auswirkungen auf die Volatilität der Finanzmärkte durch theoretische Modelle
- Evaluierung empirischer Erkenntnisse aus internationalen Fallbeispielen
- Diskussion von Herausforderungen bei der Ausgestaltung der Steuer und Vermeidungsmöglichkeiten
Auszug aus dem Buch
3.1.4 Hot Potato Trading
Geht ein Market Maker eine offene Position ein, wird er aufgrund seiner Risikoaversion versuchen, diese schnellstmöglich wieder zu schließen. Findet sich auf der Gegenseite kein Käufer bzw. Verkäufer, gibt er die Position weiter oder sichert sich über Termingeschäfte ab. Dieser Vorgang, bei dem Risikopositionen wie „heiße Kartoffeln“ weitergegeben werden, wird als „Hot Potato Trading“ bezeichnet. Lyons (1997, S. 275–277) stellt in Bezug auf den Devisenmarkt fest, dass ungefähr 80 % des Handels zwischen den Banken stattfindet. Grund hierfür seien die Folgegeschäfte, die ein bei einer Bank eingegangener Kundenauftrag nach sich zieht. Die Bank agiert in diesem Fall sozusagen als Market Maker; findet sich kein Kunde auf der Gegenseite, wird die Position solange im Interbankenhandel weitergegeben, bis sich ein Abnehmer findet. Treffend formuliert Flood (1994, S. 147):
„The large volume of interbank trading is not primarily speculative in nature, but rather represents the tedious task of passing undesired positions along until they happen upon a market maker whose inventory discrepancy they neutralize.“
Jedoch behält Lyons (1997) zufolge jede Bank einen Teil der Risikoposition und gibt nur einen Teil weiter, wodurch am Ende nicht ein Marktteilnehmer das gesamte Risiko trägt, sondern dieses auf mehrere Händler verteilt wird (vgl. dazu und zum folgenden Beispiel Haberer, 2006, S. 20–22). Möchte sich beispielsweise ein Unternehmen gegen das Wechselkursrisiko eines Geschäfts absichern, so geht es mit einer Bank ein Devisengeschäft am Terminmarkt ein. Wenn die Bank keinen Kunden auf der Gegenseite findet, wird sie nur einen Teil der Position in ihrem Portfolio belassen und den Rest weitergeben. In diesem Beispiel behält die Bank 10 %, die verbleibende Position geht zum nächsten Händler über, der, wie jeder weitere, wiederum 10 % behält. Die Transaktionskette setzt sich solange fort, bis die Position entweder vollständig auf die verschiedenen Händler verteilt ist, oder diese vorzeitig von einem Händler aufgenommen wird, der die entsprechende offene Gegenposition in seinem Portfolio hält.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Debatte um die Finanztransaktionssteuer ein, stellt die gegensätzlichen Positionen von Befürwortern und Kritikern gegenüber und umreißt die Struktur sowie die Schwerpunkte der Arbeit.
2 Die Finanztransaktionssteuer im Jahr 2012 – eine Übersicht: Hier wird der Anstieg der Handelsvolumina analysiert, Alternativmodelle wie die Bankenabgabe vorgestellt und ein Überblick über internationale Erfahrungen mit ähnlichen Steuern gegeben.
3 Von der Tobin-Steuer zur Finanztransaktionssteuer – Entwicklung und Kritik: Kapitel 3 erläutert grundlegende Fachbegriffe, zeichnet die Entwicklung der Tobin-Steuer zur modernen Finanztransaktionssteuer nach und diskutiert konzeptionelle Probleme bei der Ausgestaltung.
4 Erreicht die Finanztransaktionssteuer ihre Ziele? Erkenntnisse aus der Literatur: Dieses Kapitel prüft kritisch anhand von theoretischen Modellen und empirischen Studien, ob die Steuer tatsächlich zur Reduktion der Volatilität beiträgt und welches Aufkommen realistisch erzielt werden kann.
5 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Würdigung der Ergebnisse, betont die Abhängigkeit des Steuereffekts von der konkreten Ausgestaltung und bewertet die politische Umsetzbarkeit auf europäischer Ebene.
Schlüsselwörter
Finanztransaktionssteuer, Tobin-Steuer, Volatilität, Finanzmärkte, Spekulation, Liquidität, Hot Potato Trading, Marktteilnehmer, Finanzkrise, Steuereinnahmen, Steuervermeidung, Marktmikrostruktur, Finanzaktivitätssteuer, Derivate, Regulierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Zielsetzungen und Wirkungsmechanismen einer Finanztransaktionssteuer (FTS) im Kontext der aktuellen ökonomischen Debatte in der Europäischen Union.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Volatilität an den Finanzmärkten, die Rolle der Spekulation, die Bedeutung von Liquidität sowie die fiskalischen Erwartungen an eine solche Steuer.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist die Bewertung der Hypothese, ob eine Finanztransaktionssteuer durch die Eindämmung spekulativer Transaktionen zur Stabilisierung der Finanzmärkte beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde verwendet?
Der Verfasser nutzt eine fundierte Literaturanalyse, um sowohl theoretische Finanzmarktmodelle als auch empirische Studien zu vergleichen und kritisch zu hinterfragen.
Was ist der inhaltliche Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretische Herleitung der Wirkungsweise sowie auf die Analyse von wissenschaftlichen Modellen und Datenreihen, die den Zusammenhang zwischen Steuer, Volatilität und Handelsaktivität beschreiben.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Konzepte wie Noise-Trading, Volatilitätsreduktion, Steuerbasis, Hot Potato Trading und die Differenzierung zwischen spekulativem und Liquiditätshandel geprägt.
Wie bewertet der Autor das "Hot Potato Trading"?
Das Hot Potato Trading dient als wichtiges Beispiel, um zu verdeutlichen, dass eine Steuer nicht bloß Spekulation trifft, sondern auch legitimen Liquiditätshandel verteuern kann, wodurch der gewünschte stabilisierende Effekt gefährdet ist.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit zur Schweden-Erfahrung?
Die Arbeit stellt fest, dass das Scheitern der schwedischen Steuer primär der spezifischen Ausgestaltung (leichte Umgehungsmöglichkeit) zuzuschreiben ist und daher nicht zwangsläufig als Argument gegen eine generelle, breit angelegte FTS taugt.
- Arbeit zitieren
- Manuel Keitel (Autor:in), 2012, Eine Finanztransaktionssteuer für die EU, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212314