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Jean Pauls Verhältnis zur Weimarer Klassik und zu Goethe

Titel: Jean Pauls Verhältnis zur Weimarer Klassik und zu Goethe

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2003 , 25 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Patrick Müller (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die deutsche Klassik – oder genauer gesagt: die Weimarer Klassik – ist gemeinhin mehr oder weniger ausschließlich mit den Namen der beiden großen Dioskuren der deutschen Literatur verbunden. Warum es für andere Dichter überaus schwierig war, in den klassischen Olymp aufgenommen zu werden, hat seinen Hauptgrund wohl darin, dass sich Goethe und Schiller zur Richtinstanz dessen stilisierten, was als klassische Dichtung zu gelten hatte, und was nicht. Ihre Urteile haben sich im kollektiven Gedächtnis der Germanistik nur schwer relativieren lassen. Vor allem traf dieses Schicksal diejenigen literarischen Phänomene, die sich so gar nicht einer der gängigen Strömungen zuordnen lassen wollten und wollen. Eines von ihnen ist Johann Paul Friedrich Richter.
Von etlichen Literaturgeschichten wird er in der Rubrik „zwischen Klassik und Romantik“ geführt oder auch als Gegenklassiker bezeichnet. Vor allem, ob und wieweit letztere Einschätzung eine tragfähige Argumentationsbasis aufweist, soll Reflexionsgegenstand dieser Arbeit sein. Es soll also darum gehen eine gewisse Polarität zwischen Jean Paul und der Weimarer Klassik – vor allem repräsentiert in der Person und im Werk Goethes – herauszuarbeiten. Da diese Polarität in erster Linie die Kunstauffassung betrifft, wird neben einer Darstellung wichtiger historisch-biographischer Begebenheiten, die das Verhältnis beider Dichter vergegenwärtigen können, vor allem auch die Konfrontation der beiden in ihren Texten ins Auge gefasst werden müssen.
Jean Paul empfand zweifellos große Bewunderung für Goethe, und die extreme Polarisierung der beiden ist sicherlich großenteils als Rezeptionsphänomen zu verstehen. Dennoch ist Goethe an dieser Einschätzung nicht unschuldig, finden sich doch bei ihm einige deutliche Seitenhiebe auf das dichterische Schaffen und die Person Richters. Für den umgekehrten Fall mag die Argumentationsbasis etwas wackliger sein, wo Jean Paul aber die literarischen und ästhetischen Hauptströmungen der Zeit aufgreift und angreift, trifft es – fast mit einer inneren Notwendigkeit – auch Goethe als Exponent der Weimarer Klassik. Insofern scheint es also gerechtfertigt, die dahingehend einschlägigen Texte beider zu analysieren, und aus den Ergebnissen die Unterschiede in den ästhetischen Auffassungen Goethes und Jean Pauls zu extrahieren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jean Paul als Dichter an der Nahtstelle zweier Jahrhunderte

2.1 Dichterexistenz als provinziale Existenz

3. Die Auseinandersetzung mit Goethe

3.1 Aus der ländlichen Provinz in die kosmopolitische Provinz

3.2 Jean Pauls Kontakt mit den literarischen Parteien Weimars

3.3 Goethes Urteil über Jean Paul

3.3.1 Der Chinese in Rom

3.3.2 Vergleichung – Späte Revision eines klassischen (Vor-)Urteils?

3.4 Jean Pauls literarische Opposition gegen die Weimarer Klassik

3.4.1 Die Geschichte meiner Vorrede zur zweiten Auflage des Quintus Fixlein

3.4.2 Der Titan

4. Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die ästhetische und literarische Auseinandersetzung zwischen dem Dichter Jean Paul und den Vertretern der Weimarer Klassik, insbesondere Goethe. Ziel ist es, die Polarität zwischen Jean Pauls poetischem Programm und dem klassischen Kunstverständnis zu analysieren sowie die zugrunde liegenden Differenzen in der Kunstauffassung und Weltsicht aufzuzeigen.

  • Die literarische Positionierung Jean Pauls im Kontext von Klassik und Romantik
  • Die kritische Rezeption Jean Pauls durch Goethe, exemplarisch analysiert an Texten wie „Der Chinese in Rom“
  • Die Untersuchung der Rolle von „Provinzialität“ und „Kosmopolitismus“ in der literarischen Produktion
  • Die Analyse von Jean Pauls Opposition gegen den klassischen Formalismus und Ästhetizismus
  • Die Bedeutung von Werken wie „Quintus Fixlein“ und „Titan“ für das Verständnis der Polemik zwischen den Lagern

Auszug aus dem Buch

3.3.1 Der Chinese in Rom

Aus dieser Empfindlichkeit heraus verfasste Goethe folgendes Gedicht, dessen polemische Schärfe von Schiller umso mehr begrüßt wurde.

Einen Chinesen sah ich in Rom: die gesamten Gebäude

Alter und neuerer Zeit schienen ihm lästig und schwer.

Ach! so seufzt er, die Armen! ich hoffe, sie sollen begreifen,

Wie erst Säulchen von Holz tragen des Daches Gezelt,

Daß an Latten und Pappen, Geschnitz und bunter Vergoldung

Sich des gebildeten Auges feinerer Sinn nur erfreut. –

Siehe, da glaubt’ ich im Bilde so manchen Schwärmer zu schauen,

Der sein luftig Gespinst mit der soliden Natur

Ewigem Teppich vergleicht, den echten reinen Gesunden

Krank nennt, daß ja nur Er heiße, der Kranke, gesund.

Bevor die äußeren Umstände und Beziehungen thematisiert werden, soll die Struktur des Textes betrachtet werden. Es handelt sich um ein überaus formstreng konzipiertes Epigramm bestehend aus fünf Distichen. Was wäre besser geeignet, um die ausschweifende und hin- und herhüpfende, scheinbar ordnungs- und formlose Erzählweise Jean Pauls zu attackieren, als ein derartig verdichtetes Sprachgebilde?

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, die Polarität zwischen Jean Paul und der Weimarer Klassik zu untersuchen, und begründet die Notwendigkeit, diese literarische Konfrontation neu zu beleuchten.

2. Jean Paul als Dichter an der Nahtstelle zweier Jahrhunderte: Das Kapitel skizziert den historischen und biographischen Kontext Jean Pauls, insbesondere seine Herkunft und die frühen Erfahrungen, die seinen literarischen Weg prägten.

2.1 Dichterexistenz als provinziale Existenz: Hier wird der Einfluss von Jean Pauls Herkunft aus dem Randgebiet der Markgrafschaft Bayreuth auf seine Identität als Schriftsteller und seine Weltwahrnehmung detailliert.

3. Die Auseinandersetzung mit Goethe: Dieses Hauptkapitel beleuchtet die komplexe Beziehung zwischen dem „gefeierten“ Jean Paul und dem Weimarer Kreis sowie die daraus resultierenden ästhetischen Reibungspunkte.

3.1 Aus der ländlichen Provinz in die kosmopolitische Provinz: Untersucht wird der Kontrast zwischen Jean Pauls Herkunft und dem geistigen Zentrum Weimar zur Zeit seiner Ankunft.

3.2 Jean Pauls Kontakt mit den literarischen Parteien Weimars: Eine Analyse der persönlichen und literarischen Spannungen, die Jean Pauls Integration in das Weimarer Umfeld erschwerten.

3.3 Goethes Urteil über Jean Paul: Dieses Kapitel arbeitet die kritische Distanz Goethes heraus, der in Jean Pauls Schreibweise einen Widerspruch zu seinem eigenen klassischen Formideal sah.

3.3.1 Der Chinese in Rom: Eine tiefgehende Analyse dieses spezifischen Gedichts Goethes, das als polemischer Ausdruck der Ablehnung gegen Jean Pauls Ästhetik gedeutet wird.

3.3.2 Vergleichung – Späte Revision eines klassischen (Vor-)Urteils?: Untersuchung von Goethes späteren, differenzierteren Äußerungen, die eine gewisse Neuwertung von Jean Pauls Talent nahelegen.

3.4 Jean Pauls literarische Opposition gegen die Weimarer Klassik: Das Kapitel analysiert, wie Jean Paul den Vorwurf des Anti-Klassizismus durch seine eigenen literarischen Werke und Vorreden reflektiert.

3.4.1 Die Geschichte meiner Vorrede zur zweiten Auflage des Quintus Fixlein: Untersuchung dieses Textes als zentrales Zeugnis der ästhetischen Auseinandersetzung und als Versuch einer Standortbestimmung Jean Pauls.

3.4.2 Der Titan: Eine Analyse des Romans „Titan“ im Hinblick auf dessen Funktion als implizite Auseinandersetzung mit dem Weimarer Kunstverständnis und dem Wilhelm Meister.

4. Schlussbemerkungen: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Bedeutung von Jean Paul als eigenständiger literarischer Stimme, die sich nicht in klassische Raster einordnen lässt.

Schlüsselwörter

Jean Paul, Weimarer Klassik, Johann Wolfgang von Goethe, Ästhetik, Literarische Auseinandersetzung, Kunstverständnis, Epigramm, Romanpoetik, Der Chinese in Rom, Quintus Fixlein, Titan, Klassizismus, Form-Inhalt-Problematik, Literarische Opposition, Romantik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die spannungsreiche literarische und ästhetische Beziehung zwischen Jean Paul und den Vertretern der Weimarer Klassik, allen voran Johann Wolfgang von Goethe.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Mittelpunkt stehen die verschiedenen Kunstauffassungen, die Polarität zwischen Jean Pauls epischem Schreibstil und dem klassischen Formideal sowie die gegenseitige Rezeption der Autoren.

Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?

Es wird untersucht, wie sich die literarische Opposition Jean Pauls gegen die Weimarer Klassik manifestierte und wie Goethe auf diese im Kontext seiner ästhetischen Prinzipien reagierte.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Textanalyse, die sowohl biographische Kontexte als auch die unmittelbare Auseinandersetzung in literarischen Werken und Briefen einbezieht.

Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Goethes Urteil über Jean Paul (u.a. „Der Chinese in Rom“) sowie in die Untersuchung von Jean Pauls eigenen Werken („Quintus Fixlein“, „Titan“) als Form der literarischen Auseinandersetzung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?

Klassik, Ästhetizismus, literarische Polemik, Kunstauffassung, Provinzialität, Fiktionalität und Rezeptionsgeschichte.

Wie deutet der Autor die Funktion der Vorrede zu Quintus Fixlein?

Die Vorrede wird als zentrales Analyseinstrument gewertet, in dem Jean Paul satirisch die ästhetischen Positionen der Klassik hinterfragt und sich gegen den Vorwurf einer „formlosen“ Erzählweise verteidigt.

Welche Rolle spielt der Roman „Titan“ in dieser Analyse?

„Titan“ wird als Jean Pauls „Kardinalroman“ betrachtet, der eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Goethes „Wilhelm Meister“ enthält und in dem Jean Paul seine kritische Haltung gegenüber dem klassischen Erziehungs- und Lebenskonzept artikuliert.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Jean Pauls Verhältnis zur Weimarer Klassik und zu Goethe
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,0
Autor
Patrick Müller (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V212336
ISBN (eBook)
9783656404385
ISBN (Buch)
9783656406488
Sprache
Deutsch
Schlagworte
chinesen lothssalzsäulen auseinandersetzung jean paul weimarer klassizismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Patrick Müller (Autor:in), 2003, Jean Pauls Verhältnis zur Weimarer Klassik und zu Goethe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212336
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Leseprobe aus  25  Seiten
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