Die Deutschen in Nabokovs und Gogols Literatur

Der schmale Grat zwischen Bewunderung und Spott, Liebe und Hassliebe


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Einführung
2.1. Vorgeschichte russischer Deutschenbilder

3. Die Deutschen in der russischen Literatur
3.1. Vladimir Vladimirovič Nabokov - Ein biographischer Abriss
3.2. Das Deutschenbild in Nabokovs Romanen „Dar“ und „Mašenʼka“

4. Gogolʼ - Kurze Begründung der Autorenauswahl

5. Gogolʼs Deutsche
5.1. Kurzer biografischer Abriss
5.2. Betrachtungsweise aus der folkloristischen Sicht auf Gogol’s Deutsche
5.2.1. Gogol’s persönliche Erfahrungen mit Deutschen

6. Gegenwärtiges Deutschenbild

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit trägt den Titel „ Die Deutschen in der russischen Literatur: Der schmale Grat zwischen Bewunderung und Spott, Liebe und Hassliebe unter dem besonderen Aspekt von „Nabokovs und Gogol’s Deutschen.“

Gegenstand der Seminararbeit ist das exemplarische Deutschenbild in Nabokovs und Gogol’s literarischen Werken und somit in der russischen Literatur.

Das stereotypisierte Deutschenbild ist ein Beweis für die wachsende deutsch-russische Verbindung und zeigt ein positives sowie negatives Zerrbild in der russischen Literatur und Gesellschaft.

Da das Deutschenbild sich vielmehr in einem beweglichen Prozess befindet, der von geschichtlichen und außergeschichtlichen Einflüssen bedingt wird, ist und bleibt es ein aktuelles Thema.

Das Ziel der Arbeit besteht darin, dass man erkennt, warum und mit welcher Absicht Nabokov und Gogol’ „ihre“ Deutschen in ihren Werken präsentieren.

Es wird demnach der Versuch unternommen, aufzuzeigen, wie Nabokov und Gogolʼ gezielt die Deutschen als unabdingbares Werkzeug in die Handlung ihrer literarischen Werke einbetten.

Somit gliedert sich die Seminararbeit wie folgt: Die historische Einführung dient dazu, Hintergrundwissen zu verschaffen um die tiefe Verwurzelung der Beziehungen zwischen den Russen und Deutschen besser verstehen zu können, um die möglichen Auswirkungen auf die Literatur einzuschätzen.

Um die Ziele von Nabokov und Gogolʼ in der Verwendung und Darstellung der Deutschen zu entschlüsseln, muss man das Deutschenbild sowohl aus einer traditionell folkloristischen Sicht betrachten – hier fällt der Schwerpunkt auf Gogolʼs Deutsche - als auch bedenken, dass persönliche Erfahrungen mit Deutschland und den Deutschen an Gewichtung haben. Demnach ist eine biografische Darstellung der Autoren notwendig sowie ist deren erfahrungsbezogener Horizont bezüglich Deutschland und den Deutschen ebenfalls nicht zu vernachlässigen. In den nachfolgenden Abschnitten resultieren der Einsatz und die Darstellung der Deutschen in den verschiedenen literarischen Werken von Nabokov und Gogolʼ. Hier stehen Textbeispiele und Zitate im Vordergrund.

Um das Thema abzurunden wird im Abschnitt 6. ein zeitgenössisches Deutschenbild aufgezeigt, um zu beleuchten ob eine Veränderung des Deutschenbildes im Laufe der Jahrhunderte stattgefunden hat.

Bewusst soll keine Inhaltangabe der einzelnen Werke dargelegt werden, da der Gegenstand der Seminararbeit primär auf die Deutschenbilder von Nabokov und Gogolʼ gerichtet ist. Es geht mehr darum, das Deutschenbild aus dem Komplex der literarischen Inhalte herauszulösen. Auch ist es nicht möglich aufgrund der Einschränkung des Themenkomplexes näher auf die einzelnen Textinhalte einzugehen, da es den Rahmen der Seminararbeit sprengen würde.

2. Historische Einführung

2.1. Vorgeschichte russischer Deutschenbilder

Die ersten Quellen weisen darauf hin, dass in der Zeit vom 9. bis zum 15. Jahrhundert sowohl die Deutschen von den Russen, als auch die Russen von den Deutschen kaum Auskünfte besaßen und sich somit nur wenig zu dem Thema äußern konnten. Die ersten Befunde über Deutsche in russischen Chroniken waren demzufolge freundlicher Natur.[1]

Es bestanden mehrere Jahrhunderte hindurch lebhafte Handelsverbindungen zwischen Novgorod und den Hansestädten. Aus wirtschaftlichen und politischen Verträgen dieser Zeit ist zu entnehmen, dass beide Seiten einander als gleichberechtigte Partner anerkannten.[2]

Ein Auszug aus einem Vertrag des Jahres 1262, zwischen Novgorod und Lübeck weist die jeweiligen Beziehungen auf: „Die Novgoroder sollen Handel treiben zum gotischen Ufer ohne Schädigung, aber die Deutschen und die Goten und die ganze Lateinische Zunge sollen Handel treiben nach Novgorod ohne Schädigung auf alten Frieden hin, […] für den unsere und eure Väter das Kreuz geküsst haben.“[3]

Überhaupt hatten die Russen vor der Zeit der Aufklärung vage Vorstellungen von den westlichen Völkern. Denn das Wirken der russisch-orthodoxen Kirche hatte über Jahrhunderte hinweg einen entscheidenden Einfluss auf das geistige Leben Russlands.

Erst mit der Aufklärung im 18. Jahrhundert kam eine Entwicklung des nationalen Bewusstseins, und das russische Deutschland bzw. Deutschenbild begann sich zu festigen.

In dieser Zeit durch die petrinischen Reformen des jungen Zaren Peter des Großen (1671-1725) fand das Zusammentreffen verschiedener Nationen seinen Höhepunkt, denn von da an kamen nicht nur zahlreiche Deutsche nach Russland, sondern auch Handwerker, Kaufleute, Offiziere, Beamte, Professoren, Ärzte und Hauslehrer aus ganz Europa. Sie alle folgten dem aufgeklärten Zaren nach Russland.

Das war der Zeitpunkt als sich die ersten ausländischen Bilder auf verschiedenen sozialen Ebenen begannen herauszukristallisieren. Zu der Zeit studierten immer mehr Russen in Westeuropa und immer mehr Kaufleute waren im Außenhandel tätig.

Die Deutschen wussten von Russen nur das, was ihre Landsleute, die in Russland lebten oder als Besucher nach Russland kamen, über das Land berichteten.

Diese Informationen waren aber im begrenzten Kreis offenkundig.[4] Somit blieben die Russen und Russland für die Deutschen ein wildes, fremdes und exotisches Volk bzw. Land.

In russischen Großstädten gehörte zur Bildung auch das Beherrschen mehrerer Fremdsprachen, darunter auch Deutsch. Somit fand die deutsche Kultur in St. Petersburg und Moskau hohes Ansehen.

In St. Petersburg und Moskau bildete sich nicht nur die ausländische Oberschicht heraus, sondern auch ein neuer Stand der Gelehrten. Das einfache Volk, das an den alten Formen der Religion und der Lebensweise festhielt, fühlte sich von Peter dem Großen verraten.

Er wurde als Ausländer und dem russisch-orthodoxen Glauben nach als Antichrist bezeichnet (jeder, der nicht die russische Sprache beherrschte wurde als der Teufel betitelt und somit auch als Antichrist).[5] Doch viele passten sich dem westlichen System mehr oder weniger widerwillig an.

Die russischen Wörter „nemeckij“ (deutsch) und „nemec“ (Deutscher) wurden nicht nur auf das Deutschland und die Deutschen bezogen. Denn alle Ausländer aus dem Westen wurden als „nemcy“ (Deutsche) bezeichnet.[6] Dies rührt daher, dass das Wort „nemec“ nicht für den Deutschen stand sondern der Stumme also, der nicht slawisch Sprechende bedeutet.

Immer mehr wurden die Ausländer als Ausbeuter betrachtet. Die Deutschen zogen somit Hass und Neid der russischen Bevölkerung auf sich und fünfzehn Jahre nach dem Tod des Zaren erfuhren sie eine regelrechte Welle des Deutschenhasses.

Die Feindschaft wuchs aber auch in den eigenen Reihen. Die Kluft, die die Oberschicht und das einfache Volk voneinander trennte wurde immer größer.

Auch die Heiratspolitik und die verwandtschaftlichen Beziehungen in den Königshäusern spielten im weiteren Verlauf eine große Rolle. Das russische Volk sah sich somit von Fremden regiert.

Die geistigen Verbindungen dagegen, die Beziehungen zwischen Literaten und Künstlern, Wissenschaftlern und Pädagogen entwickelte sich parallel zu den Problemen im Land.

Die meisten aufgeklärten Russen waren frei von nationalistischen Vorurteilen und lernten gern von Deutschen, Franzosen, Engländern und anderen Westeuropäern – Nabokovs Familie und Nabokov selbst zählten später zu dieser Oberschicht.

Mit Katharina II. einer gebürtigen Deutschen (1729-1796), sank langsam die Fremdenfeindlichkeit denn sie setzte zielbewusst auf patriotisches Verständnis der Nation. Doch immer wieder ließen geschichtliche Ereignisse den Fremdenhass entflammen.

So standen sich im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) erstmals Russen und Preußen als Feinde gegenüber. In diesen Kriegsjahren entstand das negative Bild der Preußen, welches bis in die heutige Zeit Wurzeln geschlagen hat.[7] Zusammenfassend kann man sagen, dass das Jahrhundert der Aufklärung, Russland dem Westen geistig und kulturell näherbrachte und dafür sorgte, dass das russische Deutschen- und Deutschlandbild an Kontur gewann. Zwar waren die Deutschen immer noch Ausländer aber keine Fremden mehr.

[...]


[1] Vgl. Kopelew, Deutsche und Deutschland aus russischer Sicht (1), 1988, S. 13f.

[2] Vgl. Ebenda, 1988, S. 24ff.

[3] Ebenda, 1988, S. 26.

[4] Vgl. Kopelew, Deutsche und Deutschland aus russischer Sicht (1), 1988, S. 19.

[5] Vgl.Ebenda, 1988, S. 35ff.

[6] Vgl.Ebenda, 1988, S. 42f.

[7] Siehe Abschnitt 6.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Deutschen in Nabokovs und Gogols Literatur
Untertitel
Der schmale Grat zwischen Bewunderung und Spott, Liebe und Hassliebe
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Slawistik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V212400
ISBN (eBook)
9783656402565
ISBN (Buch)
9783656406525
Dateigröße
646 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Seminararbeit trägt den Titel „Die Deutschen in der russischen Literatur: Der schmale Grat zwischen Bewunderung und Spott, Liebe und Hassliebe unter dem besonderen Aspekt von „Nabokovs und Gogol’s Deutschen.“ Gegenstand der Seminararbeit ist das exemplarische Deutschenbild in Nabokovs und Gogol’s literarischen Werken und somit in der russischen Literatur. Das stereotypisierte Deutschenbild ist ein Beweis für die wachsende deutsch-russische Verbindung und zeigt ein positives sowie negatives Zerrbild in der russischen Literatur und Gesellschaft....
Schlagworte
Gogol
Arbeit zitieren
M. Ed. Julia Steblau (Autor), 2013, Die Deutschen in Nabokovs und Gogols Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212400

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