Encountering India. Eine interkulturelle Begegnung mit Indien


Wissenschaftliche Studie, 2013
52 Seiten

Leseprobe

Inhalt

I. Eine erfahrungsbasierte interkulturelle Analyse (in Englisch und Deutsch)
1. Konzise interkulturelle Analyse einer kulturellen Überschneidungssituation (Critical incident analysis highlighting Indian culture)
2. Weitere intra-/interkulturell vernetzte Reflektierung
3. Betrachtung der kulturellen Überschneidungssituation durch den Filter der interkulturellen Erkenntnistheorie: Intrapsychisches Prozess- und interkulturelles Kommunikationsmanagement

II. Reisebiographie 1 – Heimat: Vaterland und Muttersprache

III. Reisebiographie 2 - Von den geistig-kulturellen und den persönlichen Wurzeln

IV. Reisebiographie 3 - Von der Vertiefung der geistigen Wurzeln

Bibliographie/Bibliography

I
Eine erfahrungsbasierte interkulturelle
Analyse (in Englisch und Deutsch)

1. Konzise interkulturelle Analyse einer kulturellen Überschneidungssituation (Critical incident analysis highlighting Indian culture)

On my first visit to India in the late eighties, on leaving the airplane and approaching the immigration officers, I realized that I was dispossessed of my personal documents:

The airport police, due to their cultural high power distance cultural programming, chose to view me as a deceiving Westerner. With this incorrect input they misinterpreted my situation and categorized me as a clandestine. Based on the wrong input data, they correctly reasoned that I was an illegal which was legally and ethically inacceptable. This moral and legal judgment was a misevaluation on the basis of wrong input data, which logically legitimized them to intervene by putting me in a mass jail.

After a lesson by a high power distance, family type, constraint culture with a totally different, long time frame, cyclical time conception, I was offered my papers and money – after uncountable hours of waiting – on a silver plate, gracefully, saving the face of all parties involved. Having learned some Urdu for grater cultural empathy with a British Empire book for English military officers, I could have told them ‘mera gora hein’ talking about my horse, however, ignoring administrative Hindi/Urdu jargon. The language barrier was historical.

This critical incident and interfacing with the Indian culture at Indira Gandhi International airport in New Delhi is an actual illustration of the four stages of information processes formulated by the US psychologist Ed Schein and which is also supported by the Canadian culture scholar N. Adler as well as by a third model called the PIE metaphor.

In part 3, the three models are integrated as a multi-model, while the above account goes through the stages of the ORJI-model, of the MIS factor process and the PIE metaphor. All three models view the same reality from complementary angles and confirm its validity. This multi-model of intrapsychic process management in the intercultural interfacing process highlights the problems and possible solutions of intercultural encounters in a systematic way. It may be used as a psychological intercultural communication framework, while the knowledge of the various culture scholars’ Indian target culture indices may be used as anchors. Any pre-departure training should incorporate adequate cultural self-awareness as well as other-awareness.

If we seek to understand a people,

We have to try to put ourselves,

as far as we can,

in that particular historical and cultural background…

(Jawaharlal Nehru, Indian statesman, quoted form Nancy Adler)

2. Weitere intra-/interkulturell vernetzte Reflektierung

Oh, East is East, and West is West, and never the twain shall meet,

Till Earth and Sky stand presently at God's Great Judgement Seat;

But there is neither East nor West, Border, not Breed, nor Birth,

When two strong men stand face to face,

though they come from the end of the Earth

R. Kipling

Die Einflechtung intrakultureller Gesichtspunkte findet ihre Legitimation in der Bedingtheit aller interkultureller Erfahrung durch die eigenkulturelle Bedingtheit. Ohne die eine ist die andere kaum denkbar. Das Kapitel entstammt meinem Buch „Eine transkulturelle Autobiographie, Grin Verlag München.“

Das in zeitlichen Intervallen, gleich einem Refrain wiederklingende Lied der deutschen Frage und Identität mit seinen Verhaltenskonsequenzen wurde bereits im Zusammenhang mit dem Cambridge Aufenthalt thematisiert. Das Erbe dieses Syndroms beeinflußt gesellschaftliche Entscheider, wie zurzeit im Moscheenbau und andere Szenarien. Aufgrund der zusätzlichen hiesigen lokalen intrakulturellen Partikularismen, angefangen mit der Sprache der baden-württembergischen Landeshauptstadt, eine Lokalität Deutschlands, die in gesamtkultureller Hinsicht nicht ohne Einschränkung als deutsch bezeichnet werden kann, obwohl sie mit der Autoindustrie repräsentativ für Deutschland zu sein scheint, ist es aufgrund der Provinzialität schwer, in einem kulturell und ethnozentrisch belasteten Klima, mit einem erweiterten Horizont zu bestehen. Wenn schon andere benachbarte regionale kulturelle Identitäten, wie beispielsweise die badische, inakzeptabel sind, wie sollte man dann fähig sein, Raum für andere Kulturen des supranationalen Raumes - inneren, geistigen Raum - zu haben. Sollte Deutschland immer noch unfähig sein, über die Kinderkrankheit des mikrokulturellen Fetischismus hinauszuwachsen? Falsche Deutschlandbilder werden vermittelt, falsche Erwartungen geschürt. Allianzen zwischen lokaler und Migranten Kulturen gegen andere Deutsche werden als Machtinstrument instrumentalisiert. Doch die Metropolis Szenarien sind deshalb nicht ohne weiteres mit den weniger metropolitischen vergleichbar, weil die Migranten hier faktisch vorwiegend Gastarbeiter sind und nicht an der lokalen Kultur partizipieren wollen oder nicht können. Synergetische, gelebte Modelle müssen von der lokalen Kultur vorgelebt werden, um so, gesamtkulturell gestärkt, die Neuankömmlinge dann ihrerseits in gegenseitigem Respekt zu integrieren. Ohne gegenseitigen Respekt vor der Würde des Mitmenschen kulturell, geistig, körperlich ist jeglicher Integrationsdiskurs sinnlos. Das heißt, Migranten müssen Einheimische, sowie Einheimische Migranten ohne Abstriche, mit ihren vielfältigen Identitäten akzeptieren, auch die Aspekte des Anderen, von denen mein nicht die geringste Kenntnis hat. Vor allem die sind zu respektieren. Doch was man nicht sieht oder nicht haben will, bleibt leider häufig unberücksichtigt und man tritt es mit Füßen. Wer aus einer anderen Kultur nur rausholen will, benutzt sie, er ist wie der schlechte Hirte, der sich den Schafen und ihrem Herrn gegenüber nicht als rechenschaftspflichtig erkennt. Er ist der Wolf im Schafgewand und sollte die Kultur verlassen. Manchmal tritt der Wolf als Hirte auf. Und wie im Lied der Linde könnte man das zusammenfassen mit: "Verlaß die Flur die nicht gepflügt du hast." Das ist ein Aspekt des Kulturkampfes. Was wäre der Wille des Schöpfers inbezug auf zwischenmenschliche, intra- und interkulturelle Fragen? Man frage sich das, um die eingeschränkte menschliche Optik zu erweitern, damit wenigstens das 21. Jahrhundert in einem günstigeren Licht erscheint, denn die quasi Totalität menschlicher Herausforderungen besteht in den zwischenmenschlichen Beziehungen.

Was Deutschland anbelangt, so ist es sowohl innen- , als auch außenpolitisch erforderlich, daß intrakulturelle Diversität synergistisch gemanagt wird: Erst muß man das eigene Haus in Ordnung bringen, das heißt, die Hemmnisse beseitigen, die man sich selbst in den Weg legt, um in Verbindung mit der daraus erwachsenden moralischen Legitimation die im 20. Jahrhundert verspielte wahre Ehre und Ruhm und Respekt Deutschlands in der Welt wiederzuerlangen und zu konsolidieren, was zu einem positiven Selbstbild und einer gestärkten Identität führt. Innenpolitisch synergistisches Kulturmanagement ist erforderlich, um eine Kulturkonfliktstreß freiere Gesellschaft aufzubauen; eine Kultur, die authentisch genug ist, um die migrationsbedingte Diversität erfolgreich zu integrieren. Das rechte Kulturbewußtsein und die rechte Ethik bei gleichzeitigem Festhalten an den zeitlosen deutschen Grundwerten können Deutschland zu der Rolle in der Welt zurückführen, die ihm gebührt. Diese Werte sind mit christlichen Grundwerten gekoppelt und erfordern die Umkehrung des modernen Trends zum Götzentum unter vielfältigen Aspekten und die Eindämmung des von unseren Nachbarn angemahnten Prozesses des Rückfalls ins Heidentum. Nur dann ist die westliche Gesellschaft immun gegen die scheinbare Verdrängung durch die Umma (Islam). Es liegt in der Hand der hiesigen Kulturmitglieder. Nur eine derart solidarische, auf authentischen christlichen Werten gründende Gesellschaft, kann im synergistischen Verbund mit den diversen Kulturen der Welt der Zukunft vertrauensvoll entgegenblicken

Mein weiterer Weg würde nun nach Asien und Amerika führen. Aus diesem Anlaß hatte mir ein uraltes Urdu-Lehrbuch aus der Britischen Raj-Zeit (Britischen Herrschaft in Indien) aus der Bibliothek des hiesigen Instituts für Auslandsbeziehungen entliehen, und aus Heidelberg hatte ich mir ein hundert Mark teures Hindi-Lehrbuch bestellt, um mich auf meine Reise nach Neu Dehli vorzubereiten. Der Flug mit der Air India neben einer mir bekannten Schweizer Hotelbesitzerin war so unterhaltsam, daß meine persönlichen Dokumente, die ich fest unter der rechten Achselhöhle eingeklemmt hatte, während der siebenstündigen Flugzeit irgendwie unbemerkt in den Spalt zwischen den Sitzen gerutscht waren. Das Personal der indischen Einwanderungsbehörde am Indira Gandhi Flughafen in Neu Delhi konnte mich ohne meine Papiere nicht passieren lassen. Man nahm mich gewissermaßen routinemäßig in Gewahrsam, erst kollektiv, bis man mir später einen uniformierten Officer (Beamten) als persönlichen Geleitschutz zuteilte, während ich in der Flughafenhalle auf das Auftauchen meiner abhanden gekommenen Papiere wartete, die später vom Wartungspersonal des Bestimmungsortes der Maschine in Bahrein aufgefunden und anschließend zum Flughafen der vorausgegangenen Zwischenlandung in Neu Delhi zurückbefördert wurden. Die Zeit dazwischen war kritisch. Das Worst Case Scenario war, mit der nächsten Maschine buchstäblich postwendend, unrühmlich, in die BRD zurückgeschickt zu werden; in meinen Augen eine Schmach für mich, da viele in mein Reiseprojekt eingeweiht waren. Die deutsche konsularische Vertretung in der indischen Hauptstadt war am Wochenende nicht erreichbar. Allein der Anlaß meiner ersten Asienreise, auf die weitere folgen würden, nämlich der geistige Lehrer des Ashrams, das ich besuchen wollte, konnte mir am Telefon den Trost und die Hilfe spenden, deren ich in dieser Notlage bedurfte. Ich versuchte die Zeit sinnbildlich gesprochen, mit dem „cool Drink“(erfrischenden und beruhigenden Getränk), vorzüglicher Bewirtung im Air India Restaurant in ersten Stock der Flughafenhalle bei Tschai (indischer Tee), Basmati (Himalaja Duftreis) und den kulinarischen exotischen Delikatessen, mit den Sitar und Tabla (indische Trommel) Ragas im Hintergrund zu nutzen, um den Pulsschlag einer anderen viel großzügigeren Zeitauffassung zu fühlen, während die Erfordernisse der lebendigen, existenziellen Gegenwart unerbittlich dominierten. Fokussierung bei gleichzeitiger Geduld war erforderlich. Einige Zeit verbrachte ich mit einem französischen Manager, der gleichermaßen im Flughafen blockiert war. Ich wartete geduldig, pendelte zwischen der Einwanderungsbehörde, meinem Geleitschutz und Air India Personal. Im Halbschlaf auf einer Sitzbank im Zentrum der marmornen Flughafenhalle, sehr tief in der Nacht, gegen morgen, wurde ich einer traditionell gekleideten Airline Mitarbeiter im Sari mit einem Silbertablett auf ihren Händen vor mir gewahr. Sie brachte mir meine kompletten Dokumente unversehrt, mit großer Grazie. Dieses stil- und würdevolle Protokoll bedeutete die Verwandlung einer Niederlage in einen Sieg. Annähernd zeitgleich stand auch schon der Chauffeur des Ashrams da, um mich im PKW durch die indische Nacht nach Vijay Nagar in Alt Dehli zu chauffieren. Hinter den Kulissen war offenbar einiges vonstatten gegangen, sodaß die Dinge synchronisiert erschienen. Die richtige Verbindung zur rechten Zeit tat das Ihre dazu. Der geistige Lehrer war ein ehemaliger Spitzenbeamter der indischen Regierung. Ihm hatte ich die Hilfe zu verdanken. Mein erster körperlich gefühlter Kontakt mit Indien in der warmen Nacht von Neu Dehli endete vor einer kleinen Herde hellfarbiger Kühe, die vor einem Tor lagerten. Die Kühe erhoben sich, das Tor öffnete sich, wir waren im Ashram in Vijay Nagar angekommen.

Am nächsten Tag wurde ich von dem persönlich empfangen, der das Motiv meines Kommens war. An der linken Hand führte er mich in seine Gemächer gleich einem lange erwarteten Freund oder einem Vater, dessen Sohn nach langer Odyssee von weither in das Vaterhaus zurückkommt. Die nächsten Wochen verliefen mit Satsang, der lehrenden und segnenden Gegenwart des Meisters, Meditation, Feiern, während für das Weltliche in vorbildlicher Weise durch einen Langar (Gemeinschaftsküche), ayurvedische und westliche Medizin, bei gleichzeitiger Gemeinschaft mit Wahrheitssuchern von der ganzen Welt, gesorgt war.

Das Gefühl, auf einer unbefestigten, holprigen Straße von Alt Dehli auf dem Weg zu einer weltlichen Erledigung einer Kuh zu begegnen, wie man einem Passanten im Westen begegnet, sich in einer Rikscha oder einem Taxi neben einem alles überragenden Elefanten auf einer 10-20-spurigen Straße zu befinden, eröffnen eine neue Beziehungswelt. Nur ein Punjabi (indisches Männergewand) aus leichter Baumwolle war zwischen der eigenen Haut und dieser Umwelt, nur leichte Sandalen schützten vor dem Großstadt Terrain. Manche Einheimische bewegten sich nur in Dhotis, barfuß, und zum Essen verwendet man ebenso in der Regel nur die bloße Hand, kein Besteck, was eine große Unmittelbarkeit der Wechselwirkungen mir der Umwelt mit sich bringt. Ein Turban mit seiner kulturellen und materiellen Funktion war durchaus angesagt.

Besuche in den ehemaligen Befestigungsanalgen und der Befehlszentrale der britischen Raj-Ära (britischen Kolonialherrschaft), dem Red Fort und dem Taj Mahal in Agra mit seinen Gärten, das von dem moslemischen Mogul Kaiser Schah Jahan zu Ehren seiner Frau Mumtaj anläßlich der Geburt ihres 18. Kindes erbaut wurde und als Symbol der Liebe gilt, runden die geistig-weltliche Erfahrung in diesem Teil der Welt ab. Schah Jahan, der den Taj Mahal erbauen ließ, ließ auch die Hand des Architekten dieses Mausoleums abhacken und kerkerte ihn in Sichtweite seines Werkes auf dem anderen Ufer des Flußes ein, wo er es durch eine Maueröffnung betrachten konnte. Er sollte für niemand etwas vergleichbar Edles schaffen können. Der absolute und patriarchalische Herrschaftsanspruch kommt in beiden Fällen zum Ausdruck, während dieses kulturelle Erbe trotz Bangalore Hightech und Bollywood auch heute noch Interaktionen mit den lokalen Institutionen mitprägt, wie ich schon gleich zu Anfang erfahren durfte.

Wenn man beinahe eine Lebenszeit benötigt, um allein den Louvre in Paris im Detail kennenzulernen, wieviel Zeit bräuchte man dann, um diese Jahrtausende alte Zivilisation, auch räumlich um ein Vielfaches größer als das vermeintlich große Großbritannien, kennenzulernen?

Die Hin- und Rückflüge verliefen auf verschiedenen Routen und in verschiedener Qualität entsprechend der Fluglinie. Bei gewissen Billigfliegern, wie Syrian-Arab Airways beispielsweise, klatschte man, wenn man bei der Zwischenlandung im Persischen Golf mit Blick auf die Erdölquellen oder an der Destination heil auf dem Boden ankam. Nicht selten begegnete man in einem Flughafen oder sogar in 30000 Fuß Höhe einem bekannten Gesicht, vielleicht jemandem, der direkt oder indirekt dem persönlichen transnationalen Netz angehörte. Einmal begegnete ich einem ehemaligen Mitbewohner des Heinrich Heine Hauses in Paris an Bord einer Maschine aus Dehli auf der Route nach Deutschland. Während wir sprachen, beobachtete uns Charles, wie er mir später berichten würde, den ich nach der Landung auf dem Bahnsteig des Münchner Hauptbahnhofs traf. Ein ehemaliger und zukünftiger Bekannter begegneten mir also gleichzeitig im eurasischen Luftraum. Anläßlich einer Zwischenlandung auf dem Damaskus International Airport begegnete ich Claire, einer Pariserin, als wir eine Nacht auf dem Marmor Fußboden des Flughafens verbringen mußten. Wir stellten fest, daß uns ein gemeinsamer Bekannter in Paris verband. Sie war eine „frequent flyer“ (Vielfliegerin) auf der Indienroute und wir gaben uns ein Rendezvous in Straßburg. Überhaupt, Begegnungen unter Vielreisenden kommen statistisch nicht selten vor. Früher begegnete ich in Madrid in meiner Straße Calle de Vallehermoso einem einen Kinderwagen schiebenden kalifornisch-spanischen Paar, das ich aus Paris kannte. Ich hatte sogar eine Nacht im selben Zimmer eines Studentenwohnheims mit dem Kalifornier verbracht. Auch in der Nähe meines Geburtsortes in Deutschland traf ich auf dem Gehsteig eine ehemalige Mitbewohnerin des deutschen Pavillons in Paris.

„Es gibt keine Ausländer

Es gibt nur Menschen

Von anderen Ländern.“

(Darshan Singh)

Everything has a context.

(Vedic dictum)

Each country has a karma, India has several karmas.

(Sivananda)

3. Betrachtung der kulturellen Überschneidungssituation durch den Filter der interkulturellen Erkenntnistheorie

Intrapsychisches Prozess- und interkulturelles Kommunikationsmanagement

(Dieses und folgende Kapitel sind meinem Buch“ Transcultural Management- Transkulturelles Management“ und „Eine transkulturelle Autobiographie“, beide Grin Verlag, Müchen, entnommen)

Interkulturelle Psychologie, und militärische Strategie sollen uns helfen, das interkulturelle Interfacing von einem Debakel in eine nachhaltige, bereichernde Erfahrung zu transformieren. Dazu werden wir drei psychologische Modelle, ORJI-Kreislauf, MIS-Faktor Effekt und PIE-Metapher aus dem anglo-amerikanischen Raum und drei strategische Traditionen, die chinesische, die deutsche und die amerikanische betrachten:

Da die Kultur als mentale Software oder kollektive mentale Programmierung im latent bewussten oder unbewussten Bereich der Psyche angesiedelt ist, entziehen sich die kulturverarbeitenden intrapsychischen Prozesse weitgehend der bewussten Kontrolle und Steuerung. Unsere interkulturellen Schnittstellenerfahrungen sind stark emotionalisiert und moralisch wertend, ja sogar oft ent- oder abwertend, da sie in einer tiefen Bewusstseinsschicht sehr stark mit unserem Selbstbild, mit unserer Identität, unseren unbewussten, weil früh erworbenen Grundannahmen und Werten verknüpft sind. Es handelt sich also um gefühlsbetonte, wertende Automatismen, Reaktionen, die eher ganzheitlich und unmittelbar stattfinden, weil sie eine wichtige Komponente unseres Ichs sind, als um sequentiell, Schritt für Schritt steuerbare Prozesse. Da unser Selbstbild tangiert ist, tendieren wir dazu, spontan, direkt ganzheitlich, unmittelbar zu reagieren, unbewusst, nicht rational analytisch, fragend, prüfend und verifizierend, ob unsere Reaktionen faktisch richtig und angemessen sind. Das drängt eine Analogie zur transatlantischen Eskalationstheorie-Dichotomie des Kalten Krieges auf, vertreten beispielsweise durch Herman Kahn auf US-Seite, mit der Theorie der stufenweise steuerbaren Eskalation, und diesseits des Atlantik durch die von Clausewitzsche Theorie der nicht steuerbaren Eskalation, die ins Extrem schiesst. Schliesslich geht es in beiden Fällen um Konfliktmanagement und Prophylaxe, wenn auch in gänzlich verschiedenen Massstäben. Doch die Frage nach der unbewussten und der bewussten Logik trifft auf beide Szenarien zu. Bildlich gesprochen handelt es sich in der Clausewitzschen Theorie um einen defekten Aufzug (Hamon, La Stratégie Contre La Guerre, 1966) ohne Halteknopf, der vom Erdgeschoss unkontrollierbar und unaufhaltsam ins Obergeschoss rast, ohne bewusste Interventionsmöglichkeit, während die Kahnsche Theorie den Prozess der abgestuften Eskalation rationalisiert und in genau 44 Eskalationsstufen unterteilt, in der Annahme, dass sich Konfliktparteien - natürlich im Lichte der Erkenntnis der Nicht-Mehr-Führbarkeit eines totalen Krieges wegen der gegenseitigen Fähigkeit, sich irreparablen Schaden (mutually assured destruction ) zuzufügen - strikt an diese rational gesteuerte Eskalation halten würden. Das alte Europa hielt dies für eine Chimäre (aufgrund seiner Jahrhunderte währenden Kriegserfahrung, derzufolge Eskalationsprozesse eher unbewusste, schwer steuerbare Prozesse sind).

Welche Theorie ist nun anwendbar auf das interkulturelle Informationsprozess-Management, das interkulturelle Konfliktmanagement und Prävention, der primäre, unbewusste Automatismus des unkontrollierbaren Emporschnellens ins Extrem oder die bewusste Steuerung? Entsprechend der transkulturellen Kompetenz des Individuums oder des Kollektivs, kann der Prozess aber auf eine kognitive Ebene gehoben werden - der Tenor der gesamten interkulturellen Kompetenzentwicklung -, wo die Eskalation entschärft werden kann, wo wir uns des kurzgeschlossenen Informationsverarbeitungsprozesses, des Aufzugs ohne Halteknopf bewusst werden, ihn in seine Komponenten, die Zwischen-Halte des Aufzuges zerlegen und ihre kausalen Verknüpfungen analysieren. Mit dieser Information können wir dann einen Prüfalgorhythmus entwickeln, mit dem wir die Eskalation steuern können und somit das Szenario einer kontrollierten und steuerbaren Eskalation haben, da wir in jeder Eskalationsphase die Angemessenheit der Reaktion mit dem Prüfalgorhythmus verifizieren können, bzw. den Eskalationsmechanismus durch Übung und interkulturelles Training und durch Anwendung der Prüfverfahren im Vorfeld gänzlich unterbinden können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Encountering India. Eine interkulturelle Begegnung mit Indien
Veranstaltung
interkulturelles Management
Autor
Jahr
2013
Seiten
52
Katalognummer
V212480
ISBN (eBook)
9783656399520
ISBN (Buch)
9783656566823
Dateigröße
699 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
deutsch und englisch
Schlagworte
interkulturelle Kommunikation, interkulturelles Management, critical incident analysis, Indien, India, South Asia, Indian Subcontinent, Heimat, intrapsychische Prozesse interkultureller Kommunikation, Wurzeln, Asian Subcontinent
Arbeit zitieren
D.E.A./UNIV. PARIS I Gebhard Deißler (Autor), 2013, Encountering India. Eine interkulturelle Begegnung mit Indien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212480

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