Die Anfänge der polnischen Exilregierung in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs


Hausarbeit, 2006
12 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

INHALT

1. Einleitung

2. Historischer Überblick
2.1. Die Bedeutung des französischen Exils
2.2. Polnische Diplomatie in der zweiten Republik
2.3. Die vierte Teilung Polens

3. Bildung der Exilregierung
3.1. Kriegsausbruch
3.2. Staatsapparat auf der Flucht
3.3. Britische Initiative zur Aufrechterhaltung der polnischen Staatsgewalt
3.4. Legaler Machtwechsel
3.5. Einsetzung der neuen Machthaber
3.6. Kabinettsbildung

4. Aktivitäten der Exilregierung
4.1. Auflösung des Sejms
4.2. Programmatik
4.3. Bildung einer Exilarmee
4.4. Die Herausbildung des polnischen Untergrundstaates
4.4.1. Die Gründung der SZP
4.4.2. Die Gründung der ZWZ

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die besondere Verbindung zwischen Heimat und Exil innerhalb der polnischen Geschichte bildet einen Kontext für die Betrachtung der polnischen Exilregierung im Zweiten Weltkrieg. Für diese galt es in ihrem Kampf für die polnische Sache eigene machtpolitische Überlegungen stets in Einklang mit den Forderungen des heimischen Untergrundstaates zu bringen. Neben dieser innerpolnischen Ebene bildeten die Interessen der verbündeten Großmächte Frankreich und Großbritannien ein weiteres spannungsgeladenes Gefüge, in welches sich die Exilregierung einbezogen sah.

Anhand eines historischen Überblicks über die polnische Positionierung in der internationalen Politik des 19. und 20. Jahrhunderts in Überleitung zu einer bewertenden Darstellung der Anfänge der Exilregierung in Frankreich soll diese Hausarbeit die Rolle der polnischen Exilregierung und ihre Stellung „zwischen den Stühlen“ während des Zweiten Weltkriegs erahnen lassen. Viel mehr als eine Übersicht kann diese Hausarbeit aufgrund des beschränkten Umfangs nicht leisten. Umso mehr erhebt sie den Anspruch einen weitern wichtigen Aspekt der Vorgänge in jenen Monaten zu skizzieren: die Bildung der Exilregierung als politische Zäsur; kurz: Exilregierung versus Sanacja.

2. Historischer Überblick

2.1. Die Bedeutung des französischen Exils

Die polnische Exilregierung konstituierte sich zunächst in Frankreich, welches sich bereits in den Jahren nach 1830, nach dem gescheiterten Aufstand gegen die Teilungsmächte, für eine Vielzahl Polen – überwiegend aus den Bereichen der Politik, des Militärs und der Intelligenzija – im Zuge der so genannten „großen Emigration“ als Zufluchtsort erwies. Mit der Ankunft der ersten Exilantenwelle wurde Paris „zu einem Zentrum der polnischen Kultur“[1] und entwickelte sich in der Folgezeit auch zu einem politischen Kraftzentrum. So gewann die polnische Nation mit der Gründung eines Polnischen Nationalkomitees – Komitet Narodowy Polski, KNP[2] – am 15. August 1917 eine von anglo-amerikanischer Seite, diplomatisch anerkannte Vertretung nach Außen; vor allem in der Person Roman Dmowskis als (reise-)diplomatischen Exponenten der polnischen Sache. Die polnische Frage wurde dank Dmowskis außenpolitischer Aktivitäten auf internationaler Ebene zu einem viel beachteten Interventionsthema, dem sich unter anderem auch der amerikanische Präsident Thomas Woodrow Wilson[3] energisch annahm.

2.2. Polnische Diplomatie in der zweiten Republik

Im Laufe ihres Strebens nach Neustaatlichkeit erhielt die polnische Nation im ausgehenden „langen Jahrhundert“ alliierten Beistand aus Frankreich, Großbritannien und den USA[4]. Auch wenn sich darin unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, nach der Gründung der zweiten Republik, eine deutliche Positionierung innerhalb eines westlichen Bündnissystems ergab, war „das Polen der Zwischenkriegszeit (...) zu stark, um sich einfach an eine Großmacht anzulehnen.“[5]

Demzufolge gestalteten sich auch die außenpolitischen Beziehungen der jungen Republik wechselhaft. Die Verbindung zu Frankreich – trotz des am 19. Februar 1921 geschlossenen bilateralen Bündnisvertrags – wurde in der Zeit nach dem Locarno-Vertrag und insbesondere nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, durch Piłsudski und seine politischen Nachkommen gelockert. Aus ihrer Sicht konnte Frankreich die Integrität Polens gegenüber den beiden emporstrebenden Nachbarländern im Westen – das Deutsche Reich – und im Osten – die Sowjetunion – nicht nachhaltig garantieren.[6]

Der zweite gewichtige Verbündete, Großbritannien, verhielt sich seinerseits bedeckt gegenüber Polen, was sich unter anderem darin äußerte, dass die Briten nicht bereit waren im Völkerbund das Genfer Protokoll von 1924 zu ratifizieren, was mit einer Zusicherung bedingungsloser Unterstützung für Polen und die weiteren neuen Staaten Osteuropas gleichbedeutend gewesen wäre.[7] Die Abkühlung des Verhältnisses zu den alliierten Partnern gipfelte schließlich im polnisch-deutschen Nichtangriffsabkommen von 1934.

Erst in der bereits aufgeheizten Stimmung im Vorfeld eines sich anbahnenden Krieges – gekennzeichnet durch Hitlers aggressive Annexionspolitik – besinnte sich der damalige Außenminister Józef Beck darauf, bei Frankreich und Großbritannien Rückhalt zu ersuchen. In Folge dessen kam es dann auch zur britischen Garantie-Erklärung vom 31. März 1939 und dem polnisch-britischen Beistandsvertrag vom 25. August 1939.[8]

[...]


[1] Alexander, S. 203.

[2] Das Polnische Nationalkomitee wurde auf Initiative von Roman Dmowski in Lausanne gegründet. Der Hauptsitz wurde jedoch nach kurzer Zeit nach Paris verlegt.

[3] So sah Punkt 13 des 14-Punkte Plans von Wilson die Errichtung eines unabhängigen polnischen Staates mit Zugang zum Meer vor.

[4] Hierbei ist jedoch anzumerken, dass die USA sich nach dem Ersten Weltkrieg aus Europa wieder zurückgezogen haben und ihren Willen nach außenpolitischer Abschottung durch ihren Nicht-Beitritt in den Völkerbund unterstrichen.

[5] Brandes, S. 17.

[6] Vgl. Brandes, S. 25.

[7] Vgl. Alexander, S. 281.

[8] Vgl. Brandes, S. 25.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Anfänge der polnischen Exilregierung in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,2
Autor
Jahr
2006
Seiten
12
Katalognummer
V212685
ISBN (eBook)
9783656406587
ISBN (Buch)
9783656407409
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Polen, Polen im Zweiten Weltkrieg, II. Weltkrieg, Polnische Exilregierung, Exilregierung
Arbeit zitieren
M.A. Jan Hammer (Autor), 2006, Die Anfänge der polnischen Exilregierung in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212685

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