Die meisten bürgerlichen Frauen verfügten zu Beginn des 18. Jhs.nur über elementare Kenntnisse, die in den Schulen für Mädchen vermittelt waren. Nur die wenigen reichen, bürgerlichen Familien ermöglichten ihren Töchtern privaten Unterricht in Französisch, Mathematik, Geographie und im Tanzen. Das Wissen der Mädchen, die keine Möglichkeiten hatten, sich weiter zu bilden, beschränkte sich auf Bibelkenntnisse, das Lesen der Gesangbücher und der praktischen Schriften zur Haushaltsführung. Man versuchte zwar, unter dem Einfluß des französischen Bildungsideals, auch den Frauen Kenntnisse in den Wissenschaften und in der Poesie zu vermitteln.1Aber erst die Epoche der Aufklärung hat die literarische Bildung der Frau gefordert. Eine große Rolle auf diesem Gebiet haben die Moralischen Wochenschriften gespielt.
Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt in der Untersuchung der Stellung der Frau in den früheren und späteren Wochenschriften. Am Anfang meiner Arbeit möchte ich kurz den Gattungsbegriff der Moralischen Wochenschriften definieren. Anschließend erläutere ich die Versuche der Wochenschriften, die Frau auf ihrem Bildungsweg zu unterstützen und sie vor den Gefahren der Lesesucht zu schützen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Moralische Wochenschriften-der Gattungsbegriff
2. Die Förderung der Frauenbildung in den früheren Wochenschriften
3. Die Gefahren des Lesens
4. “Die Vernünftigen Tadlerinnen”-eine erste Wochenschrift für Frauen
5. Schlußwort
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Stellung und literarische Bildung der Frau im 18. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der Moralischen Wochenschriften. Das zentrale Ziel ist es, den Einfluss dieser Schriften auf die weibliche Bildung, die Förderung eines tugendhaften Leseverhaltens sowie die Vermittlung eines korrekten Schreibstils zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
- Entwicklung und Zielsetzung der Moralischen Wochenschriften im 18. Jahrhundert
- Einfluss der Wochenschriften auf das Bildungsstreben und die soziale Rolle der Frau
- Kritik an zeitgenössischen Romanen und die Etablierung eines "guten" Lesestoffs
- Die Rolle der Wochenschriften als Instanz zur Vermittlung von Schreib- und Konversationskultur
Auszug aus dem Buch
Die Gefahren des Lesens
In der zweiten Hälfte des 18. Jhs. waren die Frauen schon aktive Leserinnen. Das Lesen war das Statussymbol der adligen und bürgerlichen Frau. Es gehörte in der Gesellschaft zum guten Ton, zu lesen. Viele Autoren stellten sich auf überwiegend weibliches Lesepublikum ein z. B. Rousseau, Jacobi, Sophie La Roche. Seit 1768 versuchen die Moralischen Wochenschriften davor zu warnen, zu viel zu lesen. Zum ersten Mal erkennen die Schriften die Gefahren der Literaturwirkung auf die Frau. Sie fordern von den Frauen, zu unterscheiden, welche Bücher sie auswählen und lesen werden. “Der Greis”warnt vor romanhafter Empfindsamkeit der Frauen, vor dem sanften, demütigen, engelmägig- seelenvollen, unschuldig leidenden Mädchenbild z. B. in den Richardsons Romanen (“Grandison”), und Lessings “Miß Sara Sampson”, oder Sophie La Roches “Fräulein von Sternheim”. Die Traumbücher, die Wahrsagereien, das Abergläubische und Absonderliche ist auch ein schlechter Lesestoff, sie verwirren den Verstand, verderben den Geschmack und halten von der vernünftigen Lektüre ab.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Ausgangslage der Frauenbildung im 18. Jahrhundert und Definition des methodischen Schwerpunkts der Untersuchung.
1. Moralische Wochenschriften-der Gattungsbegriff: Erläuterung der historischen Entwicklung und der erzieherischen Zielsetzung der Moralischen Wochenschriften im Kontext der Frühaufklärung.
2. Die Förderung der Frauenbildung in den früheren Wochenschriften: Analyse, wie Wochenschriften Vorurteile gegenüber der weiblichen Bildung abbauten und ein neues Frauenideal etablierten.
3. Die Gefahren des Lesens: Diskussion über die Warnungen vor einer „Lesesucht“ und die Bedeutung der Unterscheidung zwischen nützlicher und schädlicher Lektüre.
4. “Die Vernünftigen Tadlerinnen”-eine erste Wochenschrift für Frauen: Untersuchung der ersten dedizierten Frauenzeitschrift hinsichtlich ihrer Bemühungen um einen korrekten und natürlichen Schreibstil.
5. Schlußwort: Resümee über den Beitrag der Wochenschriften zur gesellschaftlichen Etablierung der weiblichen Bildung und Lesekultur.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der im Rahmen der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Frauenbildung, 18. Jahrhundert, Moralische Wochenschriften, Aufklärung, Lektüre, Lesesucht, Sprachreinheit, Schreibstil, Geschlechterrollen, Pädagogik, Literaturwirkung, Tugend, Bürgertum, Frauenzimmerbibliothek.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation der Frau in der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts und der entscheidenden Rolle, welche die Moralischen Wochenschriften bei der Förderung von weiblicher Bildung und literarischem Geschmack spielten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung von Wochenschriften, das Ideal der gebildeten Frau, die Differenzierung zwischen guter und schädlicher Literatur sowie die Bedeutung eines „natürlichen“ Schreibstils.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wochenschriften Frauen zum Lesen anregten, gleichzeitig jedoch durch die Kanalisierung der Lektüre versuchten, ihre Rolle innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft und der Familie zu festigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturhistorische Analyse, um die Inhalte und Programme der Wochenschriften des 18. Jahrhunderts auf Basis zeitgenössischer Quellen und Fachliteratur auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Gattung, die Untersuchung der Bildungsförderung, die Warnungen vor schädlicher „Lesesucht“ sowie eine detaillierte Analyse der Zeitschrift „Die Vernünftigen Tadlerinnen“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Frauenbildung, Aufklärung, Moralische Wochenschriften, Lesekultur und der Schreibstil der Frau.
Warum warnten die Wochenschriften vor bestimmten Romanen?
Die Schriften befürchteten, dass eine „romanhafte Empfindsamkeit“ Frauen von ihren realen Pflichten als Ehefrau und Mutter ablenken und ihren Verstand durch unrealistische Ideale verwirren könnte.
Welche Funktion hatten die „Vernünftigen Tadlerinnen“?
Diese Zeitschrift diente primär als erzieherisches Instrument, um Frauen einen rationalen, deutlichen und natürlichen Schreibstil zu vermitteln und den Einfluss der französischen Sprache zu begrenzen.
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- Bozena Esskali (Author), 2000, Frauenbildung im 18. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21269