Die Arbeit versucht anhand der konkreten Textanalyse (basierend auf semiotischer Theorie und strukturaler Methodologie) herauszufinden, ob dem 1985 erschienenen Roman 'Das Parfum' von Patrick Süskind zu Recht das Prädikat 'postmodern' zugewiesen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Parfum – ein Dauerbestseller
2. Das Denk- und Literatursystem der achtziger Jahre
2.1 Postmoderne
2.2 Poststrukturalismus
2.3 Erzählerische Tendenzen
3. Das Parfum im Kontext – ein Spiel mit Zeichen, Sprache und Strukturen
3.1 Aspekte des Discours
3.1.1 Narrative Instanz
3.1.2 Modus
3.1.3 Strukturelles
3.2 Aspekte der Histoire
3.2.1 Geruch und daran geknüpfte Emotionen
3.2.2 Kunst als zentrales Thema
3.2.3 Neo-Phantastisches
3.2.4 Rolle der Aufklärung
3.2.5 (Postmoderne) Gesellschaftskritik
4. Das Parfum – ein sinnverweigernder oder sinnstiftender Roman?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Roman "Das Parfum" von Patrick Süskind im Hinblick auf seine Einordnung in das Denk- und Literatursystem der 1980er Jahre. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob der Text zurecht als postmoderner Roman klassifiziert wird oder ob er eher konservative, anti-postmoderne Tendenzen aufweist.
- Analyse postmoderner und poststrukturalistischer Merkmale im Roman.
- Untersuchung narratologischer Aspekte (Discours) und der inhaltlichen Struktur (Histoire).
- Interpretation der Themen Geruch, Kunst, Neo-Phantastik und Aufklärungskritik.
- Diskussion der gesellschaftskritischen Dimension des Romans.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Narrative Instanz
In jedem narrativen Discours manifestiert sich mehr oder weniger implizit oder explizit eine narrative Instanz, die es zu betrachten gilt. Im Parfum spricht offenbar ein heterodiegetischer Erzähler auf einer extradiegetischen Ebene und es erfolgt eine späte Narration: „Zu der Zeit, von der wir reden, herrschte in den Städten ein für uns moderne Menschen kaum vorstellbarer Gestank“ (S. 5). Auf diese Weise distanziert sich der Erzähler auf drei Ebenen vom Erzählten und erweckt somit den Eindruck einer allwissenden Person, die die Geschehnisse mit einem gewissen Sarkasmus betrachten kann:
„Gottseidank ahnte Madame nichts von diesem ihr bevorstehenden Schicksal, als sie an jenem Tag des Jahres 1747 nach Hause ging und den Knaben Grenouille und unsere Geschichte verließ. Sie hätte womöglich ihren Glauben an die Gerechtigkeit verloren und damit an den einzigen ihr begreiflichen Sinn des Lebens.“ (S. 40)
Die Ironie äußert sich nullfokalisiert gleich zu Beginn der Geschichte, nämlich dass Grenouille trotz seiner Genialität und Abscheulichkeit „keine Spuren“ hinterlasse (S. 5), was der vorliegende Roman aber gerade nicht bestätigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Parfum – ein Dauerbestseller: Einführung in den Erfolg des Romans und Darstellung der zentralen Fragestellung bezüglich seiner Einordnung in die Postmoderne.
2. Das Denk- und Literatursystem der achtziger Jahre: Theoretische Fundierung durch Erläuterung von Begriffen wie Postmoderne, Poststrukturalismus und aktueller erzählerischer Tendenzen der Epoche.
3. Das Parfum im Kontext – ein Spiel mit Zeichen, Sprache und Strukturen: Analyse der narrativen Ebene (Discours) sowie der inhaltlichen Ebenen (Histoire) wie Geruchssymbolik, Kunstthematik und phantastische Elemente.
4. Das Parfum – ein sinnverweigernder oder sinnstiftender Roman?: Kritische Diskussion, inwieweit der Roman als postmoderner Prototyp oder als konservative Rückbesinnung auf romantische Ideale zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Patrick Süskind, Das Parfum, Postmoderne, Poststrukturalismus, Erzähltheorie, Grenouille, Geruchssinn, Literaturwissenschaft, Intertextualität, Neo-Phantastik, Aufklärungskritik, Gesellschaftskritik, Diskurs, Sinnstiftung, Zeichen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Patrick Süskinds Roman "Das Parfum" im Kontext der literarischen und philosophischen Strömungen der 1980er Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Neben der literaturtheoretischen Einordnung stehen die narrativen Strukturen, die Symbolik des Geruchs sowie die Kritik an Aufklärung und Gesellschaft im Zentrum.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage ist, ob "Das Parfum" als postmoderner Roman bezeichnet werden kann oder ob er durch seine Rückbesinnung auf traditionelle Erzählformen als anti-postmodern einzustufen ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden literaturtheoretische und narratologische Ansätze, insbesondere Konzepte der Postmoderne und des Poststrukturalismus, herangezogen.
Was wird im Hauptteil des Buches behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte narratologische Analyse (Discours) und eine Untersuchung der inhaltlichen Dimensionen (Histoire), wie z.B. die Rolle des Geruchs als Paradigma oder die Funktion der Aufklärung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Postmoderne, Intertextualität, Narrative Instanz, Neo-Phantastik und die kritische Auseinandersetzung mit Identität und Sinnstiftung.
Warum wird Grenouille als eine Figur aus dem neo-phantastischen Genre betrachtet?
Aufgrund seiner Anomalien, seiner "teuflischen" Eigenschaften und seiner Fähigkeit, die Grenze zwischen Realität und Übernatürlichem zu verwischen, erfüllt er klassische Merkmale dieses Genres.
Inwiefern spielt die Aufklärungskritik eine Rolle im Roman?
Der Roman wird als Parodie der Aufklärung gelesen, wobei der Protagonist als Gegenpol zur Vernunft agiert und der Roman das Scheitern aufklärerischer Ideale vorführt.
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- Melanie Huber (Author), 2011, Patrick Süskinds 'Das Parfum' im Kontext des Denk- und Literatursystems der 1980er Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212718