Problemfall Cybermobbing: Spitzensportler in den neuen Medien

Grundlagen, Probleme und Praxisbeispiele


Studienarbeit, 2012

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Wandel der Berichterstattung im Spitzensport
2.2 Etablierung neuer Medien (Social Media) und Nutzung durch Spitzensportler

3. Ein neuer Trend im WEB 2.0 - Cybermobbing
3.1 Definition, Merkmale, Kanäle und Ursachen
3.2 Beteiligte im Cybermobbing
3.3 Auswirkungen
3.4 Gefährdungspotential für Spitzensportler

4. Rechtliche Rahmenbedingungen

5. Bewertung der Praxisbeipiele
5.1 Adriane Friedrich
5.2 Rebecca Adlington

6. Schlußbetrachtung

7. Literatur

8. Quellen

1. Einleitung

Der Spitzensportler von heute genießt eine breite und auch oft gewollte Medienpräsenz, er ist quasi omnipräsent in der Bericherstattung gängiger Medienformate. In der Konsequenz bedeutet dies aber auch, dass dieser per se auf verschiedenen Ebenen handelt: Nicht nur als Star, sondern vielmehr als Person der Öffentlichkeit und ebenso als Privatperson. Daher verwundert es nicht, dass Spitzensportler von den Medien auf verschiedenen Ebenen beleuchtet, verunglimpft oder gar sabbotiert wird. Die Mächtigkeit mancher Medien trägt maßgeblich zur Meinungsbildung bei und kann eine Karriere ebenso schnell beenden wie sie begonnen hat. Was früher als schlechter Stil empfunden wurde, gehört heute zum Geschäftsalltag der Boulevardpresse. Im Zuge der Entwicklung von neuen Kommunikationsmustern- und Technologien erfährt auch das WEB 2.0 eine immer größerer Bedeutung: Spitzensportler twittern und tauschen sich über Ihren Facebook-Account mit Fans und anderen Interessensgruppen aus. Die dadurch erzeugte Nähe birgt allerdings ein erhebliches Gefahrenpotential, wie jüngst der Fall von Adriane Friedrich zeigte - sie wurde zum Gegenstand einer Cybermobbing-Attacke. Ihre eigenmächtige Handlung, diese Attacke abzuwehren, wurde mit einer dementsprechenden Medienresonanz quittiert. Eine deratige Entwicklung läßt sich nicht nur bei Stars und Spitzensportlern verzeichnen. Auch an Schulen und insbesondere bei jungen Nutzern des WEB 2.0 gehört Cybermobbing zur Tagespraxis und hat sich in Kommunikationsräumen wie Facebook oder Twitter etabliert. Mit verheerenden Folgen: Die Mobilmachung gegen vermeintliche Opfer und Täter ist gang und gebe und verlangt daher nach einer Regelung, die dieser Entwicklung Einhalt gebietet. Die vorliegende Studienarbeit hat sich daher zum Ziel gesetzt, die Grundlagen veränderter Rahmenbedingungen zu bezeichnen, andererseits stellt sie die Beteiiligten vor und geht auf die rechtlichen Rahmenbedingungen ein. Von weiterem Interesse ist auch das Gefährdungspotential für Spitzensportler, die sich des WEB 2.0 bedienen. Die Arbeit bewertet anhand zweier Praxisfälle die Relevanz des Themas Cybermobbing und schließt mit einer Schlußbetrachtung ab.

2. Grundlagen

2.1 Wandel der Berichterstattung im Spitzensport

Veränderte Rahmenbedingungen dokumentieren einen gesellschaftlichen Wandel hin zu Freizeit-und Erlebnisorientierung: Der Sport ist dabei ein zentrales Thema mit gewaltigem wirtschaftlichen Potential, dem sich auch die Medien in keinster Weise entziehen können. Untermauert wird dieses Tendenz durch Kommerzialisierung und Professionaliserung des Sports ansich, vor allem des Profi- bzw. Spitzensports. Das Interesse der Medien spiegelt sich daher vorwiegend in einer intensiven Berichterstattung in Print und TV wieder.

Jedoch ist man heute von der sachlich und informativ geprägten Berichterstattung im Sport Anfang der 80-er Jahre sehr weit entfernt: Es hat sich schlichtweg ein Wandel von der informationsbasierten hin zur erlebnisorientierten Berichterstattung vollzogen. Mehr denn je weicht man von der reinen Hintergrundberichterstattung ab und findet die Dokumentation des Wandels in einer emotional aufgeladenen Berichterstattung wieder - nicht nur im Fernsehen, sondern vor allem aber auch in der Boulevardpresse. Die reine Informationsebene wir dabei verlassen, vielmehr kommt dem Sport eine Unterhaltungsfunktion zu. Eingebettet in diese Medienlandschaft und deren Berichtersattung sind selbstverständlich Spitzensportler und Profis, die heute mehr als Stars denn als reiner Sportler inszeniert werden. Auffällig ist dabei, dass Spitzensportler gerne auch als Privatperson medial aufbereitet werden, oft zu deren Nachteil. Dies zeigt sich an mehrheitlich juristisch geprägten Auseinandersetzungen zwischen Sportlern und den Medien.

Unterlassungsklagen, Schadenersatzforderungen und die Verletzung von

Persönlichkeitsrechten stehen an der Tagesordnung. Mit dem Wandel der Bericherstattung hat sich gleichwohl das Gefährdungspotential von Spitzensportlern durch die Medien drastisch erhöht.

2.2 Etablierung neuer Medien (Social Media) und Nutzung durch Spitzensportler

Sprechen wir von neuen Medien, so beziehen wir uns meist auf Social Media. Die Enstehung von Social Media geht vor allem auf die technologische Entwicklung des WEB 2.0 in den 90- er Jahren zurück, wobei diese beiden Begriffe heute nahezu synonym verwendet werden. Social Media (engl.) steht dabei für einen Sammelbegriff: „internet-basierte mediale Angebote, die auf sozialer Interaktion und technologisch auf dem Web 2.0 basieren.1 Internetplattformen stellen dabei den Rahmen für die Kommunikation und den Austausch nuzterbasierten Inhalts zur Verfügung. Symptomatisch ist, dass die Nutzer nicht alleinig Konsumenten von Inhalten sind, sondern diese selbst generieren und sich auf den jeweiligen Plattformen vernetzen. Typische Vertreter neuer Medien sind beispielsweise Facebook, Twitter, YouTube oder Instant Messaging Services wie etwa Skype oder ICQ. Aber auch Foren, Weblogs und Onlinespiele zählen dazu. Innerhalb von Social Media spielen sich in erster Linie soziale Prozesse ab. Ein Kommunikationsraum in den neuen Medien eignet sich daher sehr gut, soziale Kontakte aufzubauen, sich mit potentiellen neuen Kontakten zu vernetzen aber auch dazu, sich selbst darzustellen und primär Informationen auszutauschen.

Das Potential von Social Media wird vor allem von Unternehmen und Organisationen hinsichtlich neuer Marketingansätze genutzt, ebenso engagieren sich Spitzensportler und Prominente hinsichtlich ihres Vermarktungs- und Selbstdarstellungspotentials.

Dass sich Spitzensportler selbstredend neuer Medien bedienen ist kein Geheimnis mehr, schließlich betreiben Sie Eigen-PR im besten Sinne. Priorität hat dabei stets die Imagepflege des Sportlers, der durch seine Aktivitäten die öffentliche Wahrnehmung des Sport nachhaltig beeinflussen kann. Den Stellenwert von Social Media für Sportler kann man alleinig schon daran erkennen, dass bei den olympischen Sommerspielen 2012 das IOC die Regeln für die Verwendung von Facebook, Twitter und Co. gelockert hat und diese ausdrücklich wünscht.2 Doch dies ist freilich kein Freibrief: Sportler sollen sich austauschen und mitteilen, während Freiwillige stark eingeschränkt werden.

Auch bei der aktuellen Fußball Europameisterschaft hält sich die National-Elf des DFB zurück mit ihren Äußerungen über Twitter und Co., dänische Fußballer haben dagegen totales Schweigeverbot. Es macht sicherlich Sinn, wie und wann sich Spitzensportler äußern, allein schon aus taktischen Überlegungen heraus, vor allem dokumentieren Sportler ihre Erfahrungen im Wettkampf in den neuen Medien und schaffen dadurch auch eine Nähe zu Ihren Fans. Oftmals werden die Aktivitäten aus dem Hintergrund des Sportlers, sprich dem Management gesteuert, um nicht Gegenstand von Falscheinschätzungen zu werden.

3. Ein neuer Trend im WEB 2.0 - Cybermobbing

Während traditionelles Mobbing leider zur Tagesordnung in Unternehmen und vor allem Schulen zählt, ist Cybermobbing in Deutschland erst seit ca. 2007 in das öffentliche Bewußtsein gelangt. Beim traditionellen Mobbing finden sich zum Beispiel Wesensmerkmale wie Konfrontation, Belästigung, Ungleichgewicht zwischen Opfer und Täter sowie die Häufigkeit der Angriffe über einen langen Zeitraum, es kann direkt stattfinden, meist körperlich und verbal, oder auch indirekt über die psychologische Schiene.3 Cybermobbing ist in seiner Qualität jedoch noch intensiver, da es sich vornehmlich der neuen Medien bedient: E-Mails, Handy, Chats, Weblogs, Videoblogs und vor allem soziale Foren bzw. Kommunikationsplattformen wie Facebook und MySpace sind Gegenstand von Cybermobbing-Aktivitäten. Ein wahrer Trend ist dahingehend auszumachen, dass viele Nutzer das Internet und diverse Medien als Gegenwelt zur realen Welt sehen und verstehen möchten, zudem ist es auch möglich, sich anonym und schienbar mühelos in Form einer anderen Identität im Netz zu bewegen. Es liegt ein wahrlich soziales Phänomen vor, aber es ist Fakt, dass Cybermobbing bei jungen Zielgruppen gerne praktiziert wird und dies nicht nur Lehrer, Schüler, oft auch Richter und junge Menschen betrifft, sondern auch Spitzensportler.

3.1 Definition, Merkmale, Kanäle und Ursachen

Definition:

Folgt man der Ansicht von Experten, so bezieht sich Cybermobbing auf Bedrohungen, Bloßstellungen, Beleidigungen und andere Erscheinungsformen per Handy oder das Internet.4 Seinen Ursprung hat Cybermobbing freilich im traditionellen Mobbing, wobei die Verwendung einens Mediums eine zentrales Merkmal des Cybermobbings darstellt. Bei der Verwendung des Begriffs Cybermobbing gibt es unterscheidliche Ansichten, jedoch ist allen gemein, dass es sich dabei um das Bloßstellen, Herabwürdigen einer Person in Verbindung mit den Möglichkeiten der neuen Medien handelt. Alleine schon die Verwendung elektronischer Medien, um jemanden in seinem Ruf zu schädigen, kann als Definition gesehen werden. Es spielt sich er auch eine Rolle, wie oft ein Fall von Cybermobbing auftritt: Foreneinträge und Postings an der Pinnwand von Facebook haben meist dauerhaften Bestand, wenn sie denn nicht durch den Betreiber aufgrund einer Anzeige gelöscht werden müssen. Weitere definitorische Kriterien sind etwa Wiederholbarkeit und Öffentlichkeit in den jeweils verwendeten elektronischen Medien. Zusammenfassend läßt sich Cybermobbing wie folgt definieren:

Cybermobbing bedient sich primär elektronischer Medien bzw. Internetanwendungen, um bestimmten Personen und ihren sozialen Beziehungen gezielt zu schaden. Dies kann in schriftlicher Form oder durch die Verwendung von Medien wie Fotos oder Videos oder durch Handyanrufe erfolgen. Es fehtl prinzipiell die Möglichkeit, sich zeitnah zu verteidigen. Die verwendeten Kanäle sind öffentlich und die Angriffe werden wiederholt über die neuen Medien ausgeführt.

Merkmale:

- Cybermobbing findet primär in sozialen Netzwerken, sogenannten Communities statt
- Die Vorsilbe „Cyber“ impliziert die Nutzung des Internets oder des Handys
- Cybermobbing kann sowohl in schriftlicher Form als auch unter Zuhilfenahme von diffarmierdendem Bild- bzw. Videomaterial erfolgen, also primär nicht verbal
- Sichtbarkeit: Opfer und Täter sehen sich nicht direkt
- Einträge in Foren/Communities werden dauerhaft gespeichert und können beleibig oft kommuniziert werden, Löschungen sind meist nur temporär (Cache-Funktion beachten)
- Die Reaktion des Opfers bleibt dem Täter verborgen
- Cybermobbing ist aus dem klassischen Zeit-Raum-Bezugsrahmen herausgelöst, es kann permanent an jedem Ort zu jeder beliebigen Zeit erfolgen
- Durch den Einsatz neuer Medien hat Cybermobbing eine weitaus größere Reichweite als traditionelles Mobbing
- Das Opfer hat kaum Möglichkeiten, sich zeitnah zu wehren
- Wiederholbarkeit des Angriffs und Nutzung mehrerer Kanäle

Kanäle:

Als Kanäle werden alle Internet- und Handyanwendungen verstanden, über die Cybermobbing initiiert wird. Dabei wird zwischen snchroner und asynchroner Kommunikation unterschieden: Zur synchronen Kommunikation gehören Internet-Telefonie, Chats, OnlineSpiele sowie Instant Messaging. Die asynchrone Kommunikation beinhaltet E-Mail, Webseiten, Mailinglisten, Weblogs und Videoblogs sowie Newsgroups.5

Usachen:

Das Phänomen des Cybermobbings basiert freilich auf traditionellem Mobbing, jedoch ist dessen Popolarität dem Zeitalter der digitalen Medien und veränderten sozialen Bedingungen geschuldet: Die Nutzer von heute sind meist jung und/oder technisch kompetent, andererseits fehlt es an gefestigten und funktionierenden Strukturen in Form der Familie. Zudem mangelt es am Aufklärungsarbeit und Engagement in der Jugendarbeit. Die Ursachen basieren also primär auf sozialen bzw. gesellschaftlichen und medienspezifischen Faktoren. Darüber hinaus wird das Internet von vielen Nutzern als Ort verstanden, an dem vermeintlich keine Normen und Regeln existieren, verlockend scheint es daher, anderen zu schaden, weil keine unmittelbaren Konsequenzen drohen.

Formen:

Cybermobbing kann nicht nur durch die Nutzung verschiedener Kanäle in den neuen Medien chararkerisiert werden, sondern vor allem auch durch die Anwendung verschiedener Methoden. Nancy Willard unterscheidet dabei folgende Formen:6

- Flaming: Kurzlebige Auseinandersetzung von mehreren Nutzern in meist vulgärer Sprache
- Harasment: Widerholtes Versenden von Beschimpfungen und Beleidigungen über nicht-öffentliche Kommunikationskanäle

[...]


1 Vgl. Hess, 2011

2 Vgl. Website des DOSB; 2012

3 Vgl Leymann, 2002

4 Vgl. Fawzi, 2009. S.63

5 Vgl. Fawzi, 2009. S 22

6 Vgl. Willard, 2007. S. 5-11

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Problemfall Cybermobbing: Spitzensportler in den neuen Medien
Untertitel
Grundlagen, Probleme und Praxisbeispiele
Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Veranstaltung
Management im Spitzensport
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V212733
ISBN (eBook)
9783656410379
ISBN (Buch)
9783656412755
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
problemfall, cybermobbing, spitzensportler, medien, grundlagen, probleme, praxisbeispiele
Arbeit zitieren
Christian Hirschberger (Autor), 2012, Problemfall Cybermobbing: Spitzensportler in den neuen Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212733

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