Karl der Große und Aachen

Herrscheridee zwischen Kult und Instrumentalisierung


Seminararbeit, 2012

16 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Karlsbezüge und rolle Aachens nach 814
1.1 Die direkte Nachfolge Karls des Großen und Rückgang der Bedeutung Aachens als Pfalz
1.2 Karl als Erneuerer des antiken Kaiserkultes und Erstarken Aachens unter den Ottonen
1.2.1 Erste Politisierung des Karlskultes mit Machtmotiven durch Friedrich I. Barbarossa
1.3 Vertiefung des Karlskultes, Ausbau und Vorbildrolle Aachens unter Karl IV.
1.4 Instrumentalisierung des Karlskultes und Überhöhung Aachens unter Napoleon Bonaparte
1.4.1 Bedeutung des Karlskultes im Nationalsozialismus

2. Heutige Karlsbezüge
2.1 Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Kaum ein Ort in Deutschland wird stärker mit Karl dem Großen in Verbindung gebracht, als Aachen. Als bevorzugte Pfalz zur Überwinterung des karolingischen Hofes, Standort der berühmten Pfalzkapelle, späterer Dauersitz des kränklichen Kaisers und Grabstätte desselben, genoss Aachen einen besonderen Status und findet in der Karlsvita Einhards[1] sowie dem Paderborner Epos[2] mehrfach Erwähnung. Umgekehrt macht und machte die Stadt selbst sich ihren legendären Begründer ebenfalls zu nutzen – und war, als Heimat des Karlskultes und der mit ihm in Verbindung stehenden Reliquien, eine oft genutzte Möglichkeit zur Untermauerung von Herrschaftsansprüchen und ziel durchdachte Propaganda.

Im Zentrum dieser Arbeit soll ebendieser Bezug auf Karl den Großen, seine Entwicklung und Instrumentalisierung stehen. Hierbei soll auch die frage geklärt werden, ob das heutige Gedächtnis an den Karolingerkaiser und die damit verbundene Verehrung rein neuzeitliche Phänomene sind oder bereits historische wurzeln aufweisen. Um eine gewisse Vergleichbarkeit der Verhältnisse und Kontinuität zu Grunde legen zu können, werden sich die Untersuchungen auf den Raum Aachen beschränken, welcher aus oben genannten Gründen zudem als Entstehungsort eines historischen Karlskultes am wahrscheinlichsten erscheint.

Zeitlicher Ausgangspunkt der Untersuchungen zur Entstehung, beziehungsweise Entwicklung eines auf den Karolingerherrscher bezogenen Kultes wird die zeit unmittelbar nach 814, dem Todesjahr Karls, sein. Im Rahmen der weiteren Untersuchungen soll die Folge- bis Neuzeit betrachtet werden. Den Zeiträumen Ottos I., Friedrich I. Barbarossas, Karls IV., Napoleon Bonapartes und des Nationalsozialismus soll hierbei besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, da sie, die Karlsbezüge betreffend, entscheidend und besonders gut erforscht ins. Auch der durchaus als wechselhaft zu betrachtende Status der Stadt Aachen soll in diesem Zusammenhang berücksichtigt und jeweils kurz beschrieben werden. Das Zusammengetragene soll abschließend mit der heutigen Situation verglichen werden und die eingangs gestellte frage in einem Fazit beantworten.

1. Karlsbezüge und rolle Aachens nach 814

1.1 Die direkte Nachfolge Karls des Großen und Rückgang der Bedeutung Aachens als Pfalz

Die von späteren Zeitgenossen, und auch heute noch, gezogene Verbindung zwischen Karl dem Großen und „seine[r] Lieblingspfalz Aachen“[3] fand ihren Ursprung in einem Zufall, oder zumindest einer persönlichen Laune des Herrschers selbst. So erwähnt Einhard, dass Karls Entscheidung für Aachen als Dauerresidenz hauptsächlich wegen der dort zu findenden heißen Quellen fiel, in welchen der Kaiser, vermutlich auch seiner einsetzenden Krankheit wegen, oft badete[4]. Seit beginn des 9. Jahrhunderts hielt Karl sich nahezu ununterbrochen mit seinem Hof in der zu jener Zeit bereits prächtig ausgebauten Aachener Pfalz auf – eine für die früh- und hochmittelalterliche Tradition der Reiseherrschaft ungewöhnliche Handlung[5] die prägend für die ohnehin schon von seinen Zeitgenossen vorgenommene Verknüpfung von Herrscherperson und Pfalz war. Für die Beurteilung der tatsächlichen Bedeutung Aachens währen der Zeit nach ihrem legendären Gründer seien erneut die bei Einhard erwähnten, sehr persönlichen Beweggrüne Karls genannt, sie zur Dauerresidenz zu erheben. Unter Umständen war die, obschon besonders ausgebaute, Pfalz ihrer Rolle als einer Art Hauptstadt des Karolingerreiches als Stadt an sich nicht gewachsen[6]. So zeigt der weitere Verlauf der Ereignisse, dass der Bezug auf Karl den Großen ein ganz realer war, die Pfalz sich nicht nur im ideellen Sinne auf ihn gründete – denn nach Ableben des großzügigen Gönners verlor die ganz auf di Herrscherfigur Karls und seiner Reichspolitik ausgerichtete Pfalz zunehmend an Bedeutung. Zu dicht scheint die Verflechtung von Herrscher und Pfalz, als dass Aachen allein durch sich Bestand haben könnte. Bereits knapp zehn Jahre nach Karls Tod war sie unter der Herrschaft Ludwigs des Frommen nur noch gelegentliche Anlaufstelle des neuen Kaisers und ihr sich einst auf das gesamte Karlsreich erstreckende Bezugsrahmen war, vermutlich durch Ludwigs krisenbedingte Abwesenheit und erste Reichsteilungen zusätzlich benachteiligt, deutlich geschrumpft[7]. Nach weiteren Teilungen und Brandschatzung durch die Normannen gegen Ende des 9. Jahrhunderts geriet die für das ehemalige Frankenreich einst so elementar scheinende Pfalz zunehmend in politische Vergessenheit[8] – ebenso wie erste Ansätze einer Karlsverehrung, die noch vom Karolingerkaiser selbst in Gestalt des Marienstifts und der von ihm betreuten Kirche angelegt worden waren.

[...]


[1] Einhard: Das Leben Karls des Großen, in: Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte 1, hg u. übers. Von Reinhold Rau (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters – Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe 5), Darmstadt 1993, S.157-211, hier: z.B. A. 187, S.197, S. 203 u. S.205.

[2] Beumann, Helmut: Karolus Magnus et Leo Papa. Ein Paderborner Epos vom Jahre 799, in: Studien und Quellen zur Westfälischen Geschichte 8, Paderborn 1966, S.55-97, hier: z.B. S. 67 u. S. 69.

[3] Huyskens, Albert: Karl der Grosse (sic) und seine Lieblingspfalz Aachen. Festschrift des Aachener Komitees für die Karlsfeier 1914, Aachen 1914.

[4] Vgl. Einhard: Das Leben Karls des Großen, in: Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte 1, hg u. übers. Von Reinhold Rau (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters – Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe 5), Darmstadt 1993, S.157-211.

[5] Vgl. Harald Müller: Karolingisches Aachen, in Krönungen. Könige In Aachen. Geschichte und Mythos 1. hg von Mario Kramp, Aachen 2000, S.223-232.

[6] Vgl. Ebd.

[7] Vgl. Ebd.

[8] Vgl. Ebd.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Karl der Große und Aachen
Untertitel
Herrscheridee zwischen Kult und Instrumentalisierung
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1.7
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V212742
ISBN (eBook)
9783656415091
ISBN (Buch)
9783656415701
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
karl, große, aachen, herrscheridee, kult, instrumentalisierung
Arbeit zitieren
Lena Meyer (Autor), 2012, Karl der Große und Aachen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212742

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