„Du musst dünn sein.“
Es ist eine klare und direkte Botschaft, die Medien und Gesellschaft gegenwärtig verbreiten. Nicht nur Schlanksein ist das Ziel, sondern so dünn wie möglich soll der moderne Mensch sein. Jedes Gramm Fett ist hässlich, und Stars, die es wagen mit herausblitzendem „Speck“ an Bauch, Po und Hüften in die Öffentlichkeit zu treten, lösen Protestwellen in Zeitschriften und Magazinen aus.
Der Schönheitsideal lautet „Size Zero“.
Schlanke Menschen gelten als kontrolliert und diszipliniert, fit und schön (vgl. Hauner/Reichart 2004: 73 ff.).
Besonders Kinder und Jugendliche lassen sich von den Botschaften aus den Medien beeinflussen. Mehr als die Hälfte aller 13 – 14jährigen beantworten die Frage, ob sie gerne dünner wären, mit Ja (vgl. Cremer 2009: 3).
Zur selben Zeit zeigen statistische Erhebungen, dass die Zahl der Personen, die an Essstörungen erkrankt sind, während den letzten Jahrzehnten gestiegen ist (vgl. Gaebel/Falkai 2000: 13).
Eine Essstörung ist eine Sucht, Nahrung ist ihre Droge.
Sie ist „ein Teufelskreis, der bei der Kontrolle des Essverhaltens beginnt und bis hin zur völligen Selbstzerstörung führen kann“ (Hauner/Reichart 2004: 87).
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Definitionen und Klassifikation der einzelnen Essstörungen
1.1 Anorexia nervosa ICD 10 - F 50.0
1.2 Bulimia nervosa ICD 10 F 50.2
1.3 Binge-Eating-Disorder
1.4 Atypische Essstörungen
2. Diagnostik
2.1 körperlich
2.2 Ernährungsanamnese
2.3 psychisch
2.4 Familienanamnese
3. Epidemiologie
3.1 Mädchen
3.2 Jungen
4. Ursachen
4.1 Soziokulturelle (Medien und Gesellschaft)
4.2 Biologische/körperliche
4.3 Persönlichkeitsspezifische/psychologische
4.4 Familiäre
4.5 Sexueller Missbrauch
5. Therapiemöglichkeiten
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, ein umfassendes Verständnis für das Krankheitsbild der Essstörungen zu schaffen, indem sie deren Vielfalt, Ursprünge und Bewältigungsmöglichkeiten analysiert. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie gesellschaftliche Einflüsse, biologische Faktoren und psychologische Strukturen ineinandergreifen, um solche Störungen auszulösen und welche therapeutischen Ansätze für eine langfristige Genesung effektiv sind.
- Klassifikation und klinische Definitionen verschiedener Essstörungen (Anorexie, Bulimie, Binge-Eating).
- Methodische Ansätze zur Diagnostik und Befunderhebung bei betroffenen Patienten.
- Epidemiologische Daten zur Verbreitung bei Kindern, Jugendlichen, Mädchen und Jungen.
- Multifaktorielle Ursachenanalyse inklusive gesellschaftlicher, familiärer und psychologischer Einflüsse.
- Überblick über therapeutische Interventionsformen und Ansätze der Nachsorge.
Auszug aus dem Buch
1. Definitionen und Klassifikation der einzelnen Essstörungen
Oft beginnt eine Essstörung mit weniger essen um die eigene Unzufriedenheit auszugleichen oder persönliche Lücken zu füllen, aber im Laufe der Zeit wird das eigene Körpergewicht dann zum einzigen Thema im Leben der Erkrankten (vgl. Hauner/Reichart 2004: 77f ). Somit kann schon eine Diät der Auslöser für die Entwicklung einer Essstörung sein (vgl. Baeck 1994: 9). Besonders auffällig ist dies bei den Personen, die an einer Binge-Eating-Störung leiden: Unter Ihnen haben 75% vor ihrer Krankheit eine oder mehrere Diäten ausprobiert (vgl. Baeck/Sidi-Jacoub 2010: 27). Andere Auslöser sind zudem Neckereien oder Bemerkungen bezüglich der Figur von Familienmitgliedern, Lehrern, Freunden oder Trainern sowie konfliktreiche Trennungen und Veränderungen (vgl. Baeck 1994: 11).
Das ICD-10 („International Classification of Diseases“) unterscheidet zwischen den Hauptkrankheitsbildern Anorexia nervosa und Bulimia nervosa, sowie den kleineren Gruppen (da nicht so häufig) der atypischen Essstörungen und der Binge-Eating-Störungen.
Bei allen diesen Formen weisen die Betroffenen jedoch eine starke Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper (vgl. Munsch 2007: 24) verbunden mit einer Störung der Körperwahrnehmung auf (vgl. DIMDI 2010: 294).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Schlankheitsdruck durch Medien und das daraus resultierende Schönheitsideal, das maßgeblich zur Entstehung essgestörten Verhaltens bei jungen Menschen beiträgt.
1. Definitionen und Klassifikation der einzelnen Essstörungen: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Formen von Essstörungen gemäß ICD-10 und stellt individuelle sowie soziale Auslöser für deren Entwicklung dar.
2. Diagnostik: Es werden die notwendigen Schritte und Hilfsmittel zur medizinischen und psychologischen Befunderhebung sowie die Bedeutung einer vertrauensvollen Patienten-Therapeuten-Beziehung erörtert.
3. Epidemiologie: Das Kapitel liefert statistische Daten zur Verbreitung von Essstörungen und zeigt geschlechtsspezifische sowie altersbedingte Unterschiede in der Prävalenz auf.
4. Ursachen: Hier werden die komplexen Ursachenfelder untersucht, die von soziokulturellen Einflüssen über biologische Dispositionen bis hin zu psychologischen und familiären Belastungsfaktoren reichen.
5. Therapiemöglichkeiten: Das abschließende Kapitel behandelt therapeutische Interventionen, die von stationärer Behandlung bis hin zu ambulanter Psychotherapie reichen, und betont die Notwendigkeit langfristiger Nachsorge.
Schlüsselwörter
Essstörungen, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge-Eating-Disorder, Diagnostik, Epidemiologie, Körperschemastörung, Medien, Schlankheitswahn, Familienanamnese, Therapie, Psychotherapie, Prävention, Komorbidität, Ernährung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen wissenschaftlichen Überblick über das Thema Essstörungen, wobei der Fokus auf der Klassifikation, der Diagnostik, den Ursachen und den Behandlungsmöglichkeiten liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung klinischer Störungsbilder, die epidemiologische Verteilung in der Bevölkerung sowie die komplexen psychologischen und soziokulturellen Entstehungsfaktoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Vielschichtigkeit der Erkrankungen darzustellen und aufzuzeigen, wie unterschiedliche Faktoren – wie familiäre Strukturen oder mediale Einflüsse – zur Entstehung beitragen und wie therapeutisch darauf reagiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine fundierte Literaturanalyse und bezieht sich auf aktuelle fachliche Klassifikationssysteme (ICD-10) sowie etablierte klinische Leitlinien zur Behandlung von Essstörungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die verschiedenen Krankheitsbilder definiert, diagnostische Vorgehensweisen dargelegt, die Verbreitung in verschiedenen Gruppen analysiert und die Ursachen sowie Interventionsmöglichkeiten detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen neben den spezifischen Diagnosen (Anorexie, Bulimie, Binge-Eating) Begriffe wie Prävention, Therapie, Diagnostik und Ursachenforschung im Kontext psychischer Erkrankungen.
Wie unterscheiden sich die diagnostischen Ansätze bei Magersucht und Bulimie?
Während bei der Magersucht oft körperliche Untergewichtung (BMI) und körperliche Verfassung primär untersucht werden, liegt der Fokus bei der Bulimie stärker auf der Anamnese des Essverhaltens und der Häufigkeit von Heißhungerattacken.
Warum spielt das familiäre Umfeld eine so entscheidende Rolle?
Das familiäre Umfeld fungiert als Modell für Vorbilder und Kommunikationsstrukturen; eine Überbetonung von Leistung oder ein problematischer Umgang mit Essen innerhalb der Familie kann die Entwicklung einer Störung signifikant begünstigen.
Welche Bedeutung haben die sogenannten "atypischen Essstörungen"?
Diese stellen eine wichtige Kategorie dar, da sie zwar krankhaften Leidensdruck erzeugen, aber die klassischen Kriterien für Anorexie oder Bulimie noch nicht vollständig erfüllen, was eine differenzierte diagnostische Betrachtung erfordert.
Warum ist die Nachsorge bei Essstörungen so essenziell?
Da es sich oft um jahrelange Heilungsprozesse handelt und das Rückfallrisiko, insbesondere bei komorbiden Störungen wie Depressionen oder Suchtverhalten, sehr hoch ist, sichert die Nachsorge den langfristigen Therapieerfolg.
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- Julia Hock (Author), 2011, Essstörungen: Klassifikation, Diagnostik, Epidemiologie, Ursachen, Therapie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212810