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Wenedikt Jerofejew "Die Reise nach Petuschki". Auf der Suche nach einem Moskauer Meta-Text

Title: Wenedikt Jerofejew "Die Reise nach Petuschki". Auf der Suche nach einem Moskauer Meta-Text

Term Paper , 2012 , 33 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Michael Krieger (Author)

Russian / Slavic Languages
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Summary Excerpt Details

Russland, ein weites, riesiges Land. Das größte Land der Erde. Moskau, die große Unbekannte. Zumindest für das westliche Europa. Bis vor wenigen Jahren wusste ich so gut wie nichts über diese Millionenstadt und das eurasische Land. Erst nach einem Besuch der russischen Hauptstadt im Sommer 2010 und der Lektüre einiger Texte (u. a. Politkowskaja, Čechov, Tolstoj) erschloss sich mir ein kleiner Zugang zum Geist der russischen Seele. Natürlich darf man dabei nicht vergessen, dass man von einer eigenen Perspektive, einem westeuropäischen Standpunkt aus in den Osten blickt. Niemals wird der Einblick so tief sein, wie der eines Moskowiters. Umso mehr fordert die Arbeit mit deutschen Übersetzungen den Scharfsinn, das vorsichtige Vorgehen und die Ansprüche an die Umsetzung einer wissenschaftlichen Abhandlung über Texte der russischen Literatur. Besonders Venedikt Erofeevs (oder Wenedikt Jerofejew geschrieben) Roman „Die Reise nach Petuschki“1 (oder in einer
neueren Übersetzung lediglich mit dem russischen Originaltitel „Moskau – Petuški“ benannt), als postmodernes Stück zu bearbeiten, fiel nicht immer leicht (alleine schon aufgrund der Vielzahl von intertextuellen Bezügen und Zitaten aus anderen Werken, wie der Bibel, war es fast unmöglich eine konkrete Abhandlung mit fassbaren Argumenten zu verfassen, die auch einem Werkunkundingen zugänglich wäre).
Mit Juri M. Lotmans Theorie über die Struktur literarischer Texte und der
Raumbeziehungen in einem literarischen Werk möchte ich eine theoretische
Grundlage erarbeiten und auf dieser aufbauen, auf dessen die Existenz eines
Moskauer Textes und eines Moskauer Meta-Textes bewiesen werden kann und soll.
Die Rückgriffe auf das literarische, sujethafte Narrativ des Ereignisses wird dabei eine zentrale Rolle einnehmen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und erste Überlegungen

2. Jurij M. Lotman. Ein raumsemantischer Ansatz

3. Petersburger Text und Moskauer Text. Eine versuchte Abgrenzung

4. Die theoretische Konstruktion eines Moskauer Meta-Textes

5. Methodisches Vorgehen

6. Das Poem „Die Reise nach Petuschki“ von Venedikt Jerofejew

6.1. Autor

6.2. Inhalt des Poems

6.3. Moskauer Meta-Text im Poem Jerofejews

6.3.1. Die Ringstruktur des Poems

6.3.2. Die Einzelkapitel in der Ringstruktur

6.3.3. Der abwesende Anwesende: Der Kreml

6.3.4. Die Bedeutung der Zugfahrt als Metapher der Flucht

6.3.5. Die Gottesbezüge und der Tod Venedikts

6.3.6. Minin und Posharskij

7. Abschlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Venedikt Jerofejews Werk „Die Reise nach Petuschki“ im Kontext der literarischen Raumtheorie von Jurij M. Lotman. Ziel ist es, die Existenz eines „Moskauer Meta-Textes“ nachzuweisen, der sich in Abgrenzung zum Petersburger Text durch eine eigene topologische und semantische Struktur auszeichnet, welche den Protagonisten trotz seiner Fluchtversuche unweigerlich an den Ausgangspunkt in Moskau zurückführt.

  • Analyse der Raumsemantik und -konstruktion literarischer Texte.
  • Gegenüberstellung des Petersburger Textes und des Moskauer Textes.
  • Untersuchung der zyklischen Ringstruktur des Poems.
  • Deutung der Symbolik von Reise, Flucht und religiösen Referenzen.
  • Identifizierung des Meta-Textes durch indirekte textimmanente Verweise.

Auszug aus dem Buch

6.3.3. Der abwesende Anwesende: Der Kreml

Über die Bedeutung des Kremls als Hölle, alles Negative, Zentrum des Sowjetischen, als das eigentliche Moskau und das Herzstück des Kommunismus wurde bereits viel gesagt, geschrieben und diskutiert. Olga Sazontchik (2008: S. 249–259) fasst alle bisherigen Erkenntnisse in ihrem Aufsatz zu „Die Reise nach Petuschki“ zusammen, weshalb ich an dieser Stelle auf ihre Ausführungen verweisen möchte.

Deswegen möchte ich in diesem Abschnitt der Frage nachgehen, ob die Darstellung des Kremls durch Venedikt die Eigenschaften für einen semantischen Meta-Text besitzt und wie sich diese im Text äußern?

Ich möchte zunächst noch einmal zu Lotman und Barthes zurückkehren. Danach ist ein semantisches Feld eine sujethafte Erzählung, die eine Reihe von Ereignissen beschreibt, die in der Handlung und Beschreibungen durch Bilder und Zeichen Verweise auf etwas außerhalb oder hinter der Geschichte liegendes geben, dass für das Verständnis des Erzählten unablässig und wichtig zu sein scheint (vgl. Jurij M. Lotman. Ein raumsemantischer Ansatz).

„Alle sagen: der Kreml, der Kreml. Alle haben mir von ihm erzählt, aber selbst habe ich ihn kein einziges Mal gesehen. Wie viele Male schon (tausende Male) habe ich im Rausch oder danach mit brummenden Schädel Moskau durchquert, von Norden nach Süden, von Westen nach Osten, aufs Geratewohl, von einem Ende zum anderen, aber den Kreml habe ich kein einziges Mal gesehen.“ (S. 9)

Venedikt beschreibt etwas, das topographisch kaum möglich erscheint, da der Kreml im Mittelpunkt Moskaus liegt und somit bei jeder Durchquerung auf gerader Linie mindestens gesehen werden müsste. Das tut Venedikt aber nicht. Versperrt er sich damit dem Regierungsquartier absichtlich, oder hat er ihn tatsächlich nie gesehen? Er sagt zwar, dass er betrunken war, viele Male, aber das scheint als Entschuldigung nicht ausreichend zu sein. Zudem sprechen alle wohl andauernd vom Kreml. Alleine schon mit dieser Aussage gibt Venedikt dem Kreml etwas Negatives.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und erste Überlegungen: Einführung in die Problematik und persönliche Motivation der literaturwissenschaftlichen Annäherung an den Moskauer Text.

2. Jurij M. Lotman. Ein raumsemantischer Ansatz: Erläuterung der theoretischen Basis, die den Fokus von einer rein zeitlichen auf eine raumsemantische Analyse der Literatur verlagert.

3. Petersburger Text und Moskauer Text. Eine versuchte Abgrenzung: Definitorische Abgrenzung der beiden literarischen Räume durch ihre gegensätzlichen topologischen und semantischen Attribute.

4. Die theoretische Konstruktion eines Moskauer Meta-Textes: Herleitung des Begriffs eines Meta-Textes, der sich hinter der erzählten Handlung verbirgt.

5. Methodisches Vorgehen: Entwurf eines methodischen Rahmens zur Untersuchung des Poems anhand ausgewählter Kapitel zur Indizierung des Meta-Textes.

6. Das Poem „Die Reise nach Petuschki“ von Venedikt Jerofejew: Hauptteil der Arbeit, der die theoretischen Erkenntnisse auf das konkrete Werk anwendet, inklusive der Analyse von Ringstruktur, Symbolik, Gottesbezügen und historischen Figuren.

7. Abschlussbetrachtungen: Fazit zur Bestätigung der Hypothese, dass das Werk als Moskauer Meta-Text fungiert, verbunden mit dem Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf.

Schlüsselwörter

Moskauer Text, Meta-Text, Venedikt Jerofejew, Die Reise nach Petuschki, Jurij M. Lotman, Raumsemantik, Ringstruktur, sowjetisches System, Petersburger Text, Topographie, Symbolik, Literaturwissenschaft, Kreml, Allegorie, Postmoderne.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Poem „Die Reise nach Petuschki“ von Venedikt Jerofejew unter literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkten mit dem Fokus auf Raumkonzepte.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die räumliche Struktur des Textes, die Abgrenzung zum Petersburger Text und die Suche nach einem verborgenen „Moskauer Meta-Text“.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu beweisen, dass Jerofejews Werk kein rein lineares Narrativ ist, sondern durch eine komplexe, zyklische Raumkonstruktion den Protagonisten in einem „Moskauer Meta-Text“ gefangen hält.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt den raumsemantischen Ansatz von Jurij M. Lotman, um durch eine strukturalistisch-semiotische Analyse der Textindizien den tieferen Sinn hinter der Handlung zu erschließen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Elemente wie die Ringstruktur der Reise, die Rolle des Kremls, die Bedeutung der Sphinx-Rätsel und die Funktion historischer Figuren wie Minin und Posharskij.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Moskauer Text, Meta-Text, Raumsemantik, Ringstruktur und die Lotman’sche Theorie der literarischen Raumanalyse.

Warum wird der Kreml als „abwesender Anwesender“ bezeichnet?

Obwohl der Kreml das geografische Zentrum Moskaus bildet, wird er vom Protagonisten Venedikt explizit nicht gesehen oder bewusst gemieden, was ihn als negatives, ideologisches Symbol im Meta-Text fungieren lässt.

Was bedeutet die Wendung an der Station Pokrow?

Pokrow fungiert als entscheidender Wendepunkt in der Erzählung, an dem der Protagonist erkennt, dass seine Flucht aus Moskau tatsächlich ein Rückweg in das Machtzentrum und damit in sein Verderben ist.

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Details

Title
Wenedikt Jerofejew "Die Reise nach Petuschki". Auf der Suche nach einem Moskauer Meta-Text
College
European University Viadrina Frankfurt (Oder)  (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
Course
Topographie Moskau
Grade
1,0
Author
Michael Krieger (Author)
Publication Year
2012
Pages
33
Catalog Number
V212848
ISBN (eBook)
9783656410065
ISBN (Book)
9783656413226
Language
German
Tags
Moskau Metatext Literaturwissenschaft Hausarbeit Topograhie Jerofejew Schmyschliaeva
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Krieger (Author), 2012, Wenedikt Jerofejew "Die Reise nach Petuschki". Auf der Suche nach einem Moskauer Meta-Text, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212848
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