Nonprofit-Organisationen im Kontext der Sozialen Arbeit


Studienarbeit, 2012
28 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Nonprofit-Organisationen - eine grundlegende Betrachtung

2 Nonprofit-Organisationen in der Sozialen Arbeit
2. 1 Grundsatz Gemeinnützigkeit
2.2 Subsidiaritätsprinzip
2.3 Finanzierung
2.3.1 Fundraising
2.3.2 Sponsoring
2.3.3 Spenden

3 Zusammenfassung

Anlagenverzeichnis

Literaturverzeichnis

0 Einleitung

Betrachtet man die in Anlage 1 aufgeführte Grafik des 3-Sektoren-Modells, lässt sich relativ schnell erkennen, dass sich die gesamtgesellschaftlichen Organisationsformen in insgesamt drei Sektoren unterscheiden bzw. differenzieren lassen. Man unterscheidet in den 'Ersten Sektor', welcher (in diesem Zusammenhang) synonym zu dem Begriff'Staat' steht. Hierunter zählen die Parlamente, Regierungen und Verwaltungen - also alles, was in staatlicher Hand liegt. Man unterscheidet weiterhin in den 'Zweiten Sektor' - synonym hierfür ist der Begriff 'Markt' und meint somit alle Konzerne, Unternehmen und Firmen. Der 'Dritte Sektor', um welchen es hier gehen soll, vereint alle Nonprofit-Organisationen (im Folgenden auch „NPO“), also sprich Initiativen, Verbände, Vereine usw. (in frei-gemeinnütziger oder privat­gewerblicher Trägerschaft) - aber immer der Reihe nach... In der hier vorliegenden Arbeit soll Klarheit darüber geschaffen werden, was man unter dem 'Dritten Sektor', den NPOs, versteht, welche Ziele sie verfolgen und wie man sie klassifizieren kann. Weiterhin sollen die Fragen geklärt werden, inwiefern statistische Erhebungen Schlussfolgerungen zulassen und welche Rolle die Soziale Arbeit einnimmt, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Finanzierung gelegt werden soll.

1 Nonprofit-Organisationen - eine grundlegende Betrachtung

Betrachtet man das 3-Sektoren-Modell aus einer anderen Perspektive, ist zu erkennen, dass sich alle NPOs klar von Staat und Markt abgrenzen[1]. „So zeichnen sich Nonprofit­Organisationen in Abgrenzung zum Staat und zur öffentlichen Verwaltung durch ihre Nicht- Amtlichkeit[2] aus. Im Unterschied zu Firmen und Unternehmen besteht ihre Zielsetzung nicht in der Gewinnmaximierung“ (Hopt/von Hippel/Walz (Hrsg.) 2005, S. 105). Sie erwirtschaften zwar Gewinne - Gewinne und Überschüsse dürfen jedoch nicht an Eigentümer, Mitglieder oder Mitarbeiter ausgeschüttet werden, stattdessen müssen sie wieder in die Organisationen reinvestiert werden (vgl. ebd.) - anders formuliert: Überschüsse und Gewinne werden für die Realisierung des jeweiligen Organisationszwecks verwendet, gemäß dem Motto 'not for profit'. NPOs sind durch ein Mindestmaß an formaler Organisation gekennzeichnet. Sie weisen ein Minimum an Selbstverwaltung bzw. Eigenständigkeit und Entscheidungs­autonomie auf (vgl. Helmig 2012). Da weiterhin die Mitgliedschaft und Mitarbeit in NPOs auf freiwilliger Basis beruht - oftmals erfolgt eine Unterstützung durch ehrenamtliche Mit­glieder[3] -, kann im Gesamtbetracht festgehalten werden, dass „ein Mindestmaß an formeller Struktur, organisatorische Unabhängigkeit vom Staat, Nichtgewinnorientierung und Frei­willigkeit der Mitgliedschaft und Mitarbeit [...] also die kennzeichnenden Merkmale einer jeden Nonprofit- bzw. Dritt-Sektor-Organisation“ (Hopt/von Hippel/Walz (Hrsg.) 2005, S. 105) sind. 'Nonprofit-Organisation' ist also eine „Sammelbezeichnung für diejenigen Or­ganisationen, die weder den Bereichen Privatwirtschaft oder Staat noch dem informellen Privatbereich zugeordnet werden können. [...] Zum Nonprofit-Sektor sind all diejenigen Organisationen zu rechnen, die formell strukturiert, organisatorisch vom Staat ‘un­ abhängig’ und nicht gewinnorientiert sind, die eigenständig verwaltet sowie zu einem gewissen Grad von freiwilligen Beiträgen getragen werden“ (Faust 2004, S. 1). Halten wir also fest, dass eines der Hauptmerkmale das ist, dass (wie es der Name[4] schon sagt) die NPO auf keinerlei Profit (im Sinne von Gewinnausschüttung) fixiert sind - sie arbeiten also nicht gewinnorientiert. Unter NPOs versteht man stattdessen stets gemeinnützige Institutionen, welche ihre Dienstleistungen zum Allgemeinwohl, sowie zur Vertretung gewisser Interessen, anbieten. Demnach ist ihr Ziel natürlich auch nicht der möglichst hohe Gewinn - dieses Ziel befindet sich eher in den Horizonten des wissenschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich ’s. Ganz allgemein formuliert werden sie zur Erfüllung einer bestimmten Mission und/oder eines bestimmten Zweckes bzw. spezifischer Aufgaben geführt (vgl. Helmig 2012). In der Regel verkaufen NPOs folglich keine individuell nutzbaren Güter und/oder Dienstleistungen gegen kostendeckende Preise, um auf Konkurrenzmärkten Gewinne und Rentabilität aus dem investierten Kapital zu erzielen - wie es bei den Profit-Organisationen der Fall wäre (vgl. ebd.).

Auch wenn, wie eingangs erwähnt, Unternehmen dem Zweiten Sektor zuzuordnen sind, ist einigen von ihnen auch der Begriff Dritter Sektor anteilig zuzuordnen. Hierzu zählen Unter­nehmen, deren primäres wirtschaftliches Ziel nicht die Gewinnerzielung, sondern die Er­bringung einer Leistung, beispielsweise der Verkauf bzw. das Angebot von Waren aus der Dritten Welt, ist (vgl. Helmig 2012). Hier zeigt sich schon, dass die genaue Differenzierung bzw. Abgrenzung von Drittem zu Zweitem Sektor (und andersherum), ab und an mit Problemen verbunden ist - Grund hierfür ist vor allem, dass (gemäß der einschlägigen Literatur) keine einheitlich akzeptierte bzw. genaue Definition[5] für den Dritten Sektor existiert. Gleiches wird sich in einem späteren Teil dieser Arbeit zeigen, wenn es um die Klassifizierung von NPOs gehen wird.

1995 wurden acht charakteristische Merkmale von NPOs benannt, welche annähernd eine er­gänzende Definitionsfunktion erfüllen könnten. Demnach ist eine Organisation dem Dritten Sektor zuzuordnen, wenn sie erstens zweck- und zielgerichtet ist. Alle Tätigkeiten sind sozu­sagen stets auf das Erreichen eines Ziels ausgerichtet. Sollten sich die Rahmenbedingungen, beispielsweise die Umwelt, verändern, dann formuliert die Organisation neue Ziele. Zum Zweiten ist eine NPO immer ein umweltabhängiges System mit einer In- und einer Output­seite, was soviel bedeutet, dass Ressourcen geschaffen und Beziehungen zu den Zielgruppen gepflegt werden müssen. Zum Dritten kann man von einem produktiven System, zum Vierten von einem sozialen System sprechen. Eine NPO ist sozusagen ein Dienstleister, welcher Hilfeleistungen produziert. Weiterhin haben die Personen, die für die Organisation arbeiten gewisse zwischenmenschliche Beziehungen untereinander und zu Personen außerhalb der Or­ganisation. Da bei NPOs immer eine Organisationsstruktur, eine Aufgabenstellung und Regeln für die Mitgliedschaft existieren, kann man im fünften charakteristischen Merkmal von einer formalen Organisation sprechen. Ein ehrenamtlich geführtes System, ein föderalistisches System und der Produzent von Kollektivgütern sind die letzten drei zu nennenden Merkmale. Die Mitglieder sind also Träger der Organisation, welche von einem Vorstand geleitet werden; die Organisation ist nicht zentralistisch strukturiert, setzt sich statt- dessen aus regionalen und lokalen Gliederungen zusammen und für die angebotenen Güter existiert kein Markt, es handelt sich stattdessen um öffentliche Güter, von denen niemand aus­geschlossen ist (vgl. Rieder 2009, S. 20).

NPOs können in verschiedenen Formen existieren. Hierzu zählen u.a. Vereine, Genossen­schaften, gemeinnützige Gesellschaften mit beschränkter Haftung (gGmbH) und Stiftungen, aber dazu später mehr. Betrachtet man jedoch an dieser Stelle kurz einschlägige Zahlen, welche zwar aus dem Jahre 2000 stammen, dennoch aussagekräftig sind, lässt sich betonen, dass Vereine von besonderer Relevanz für den Dritten Sektor sind. „Während sich die Zahl der NPOs in Deutschland im Jahr 2000 auf rund 681.000 belief, waren davon 544.700 Vereine“ (Faust 2004, S. 2).

Stellt sich nun die Frage in welchen Bereichen solche Vereine, Stiftungen usw. tätig sein können. Hierbei hilft die Auflistung der 'International Classification of Nonprofit- Organizations', kurz ICNPO. Hiernach zählen insbesondere Kultur und Erholung, Bildung, Erziehung und Forschung, Gesundheits- und Katastrophenhilfewesen, Soziale Dienste bzw. Sozialwesen, Umwelt- und Naturschutz, Entwicklungszusammenarbeit, Wohnungswesen und Beschäftigung, Rechtswesen, Bürger- und Verbraucherinteressen, Politik, Stiftungs- und Spendenwesen, Ehrenamtlichkeit, Internationale Aktivitäten, Wirtschafts- und Berufs­verbände, Gewerkschaften, Religion und Sonstige zu den Haupttätigkeitsfeldern von NPOs (vgl. Anheier/Salomon 1996, S. 7). Wie aus der in Anlage 2 aufgeführten Statistik hervorgeht, sind jedoch (nach der Wirtschaftszweigklassifikation 2003) die meisten Organisationen des Dritten Sektors insbesondere in den Bereichen 'Interessenvertretungen sowie kirchliche und sonstige Vereinigungen', 'Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen', 'Erziehung und Unter­richt', 'Kultur, Sport und Unterhaltung' und 'Forschung und Entwicklung' aktiv.

Peter Schwarz klassifizierte im Jahr 1992 (erweitert und anteilig im Jahr 1996 verändert, aber dennoch in den Grundzügen deckungsgleich) NPOs in vier Formen. Zum ersten in wirt­schaftliche NPOs. Diese fördern und vertreten die wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder - hierzu zählen beispielsweise Wirtschafts-, Berufsverbände oder Arbeitnehmer- und Konsumentenorganisationen (vgl. Witt 2010, S. 8). Zum Zweiten lässt sich in soziokulturelle NPOs unterscheiden. Hierunter falle alle gemeinsamen Aktivitäten im Rahmen kultureller, ge­sellschaftlicher Interessen und Bedürfnisse der Mitglieder - hierzu zählen u.a. Freizeit- und Sportverbände, Sekten, Privatclubs und Kirchen (vgl. ebd.). Als weitere Klassifizierung lässt sich in politische NPOs unterscheiden, in denen die Mitglieder grundlegend zur Bearbeitung und Durchsetzung politischer (ideeller) Interessen gemeinsam aktiv werden. Wie es die Be­zeichnung bereits verrät, zählen hierunter die politischen Parteien - aber auch Natur-, Heimat- und Umweltschutzorganisationen. Zu der letzten Klassifizierung zählen alle soziale NPOs. Hier geht es um die „Erbringung karitativer oder entgeltlicher Unterstützungsleistungen an bedürftigen Bevölkerungskreise im Sozial- und Gesundheitswesen“ (ebd.). Hierzu zählen u.a. Selbsthilfegruppen und Wohlfahrtinstitutionen.

Um ein paar explizite Beispiele für diese Organisationen zu nennen: Wohlfahrtsverbände (Arbeiterwohlfahrt, Caritasverband, Diakonisches Werk, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Rotes Kreuz, Zentralwohlfahrtsstelle für Juden in Deutschland), Entwicklungshilfe­organisationen (Amnesty international, Brot für die Welt, Deutsche Welthungerhilfe, UNO- Flüchtlingshilfe, Unesco, Kindernothilfe, Misereor), Umweltschutzinitiativen (Bund für Um­welt und Naturschutz Deutschland, Greenpeace, Naturschutzbund Deutschland, Robin Wood, World Wildlife Fund), Gesundheitseinrichtungen wie z. B. Krankenhäuser, Bildungsanbieter wie z. B. Schulen und Universitäten, aber auch, wie oben erwähnt, Vereine, Verbände, Ge­nossenschaften und Parteien (vgl. o.V. 2012). In Deutschland dominieren die sechs großen Organisationen der Freien Wohlfahrtspflege (Arbeiterwohlfahrt, Caritasverband, Diakonisches Werk, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Rotes Kreuz, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland) den Dritten Sektor. So ist festzuhalten, dass die Dominanz großer, etablierter Wohlfahrtsverbände charakteristisch für den deutschen Nonprofit-Sektor ist (vgl. Faust 2004, S. 3).

Bisher konnte ersichtlich werden, wie man NPOs definieren kann, welche charakteristischen Merkmale sie besitzen, in welche (Rechts-)Formen sie gegliedert werden können und in welche Haupttätigkeitsfelder sie zu unterscheiden sind. Stellt sich daher nun die Frage, was die konkreten Aufgaben von NPOs sind.

Hilfreich ist zunächst die Unterscheidung der Adressaten - insgesamt kann eine Unter­scheidung in zwei Gruppen vorgenommen werden. Entweder richtet sich die 'Arbeit' an Dritte oder an die Mitglieder der NPO (in Form von Selbsthilfe) selbst - also sprich: entweder er­folgt eine kollektive Selbsthilfe oder eine karitative (wohltätig, ehrenamtlich, freiwillig, humanitär) Fremdhilfe. Eine kollektive Selbsthilfe (Eigenleistungs-NPO), welche zumeist in Gruppen erfolgt, versteht sich als eine Form der Unterstützung und Förderung der Mitglieder durch (Dienst-)Leistungen wie Informationen, Beratungen, Schulungen, Versicherung usw. (vgl. Helmig 2012). Wennjedoch Dienst- oder Finanzleistungen an bedürftige Dritte abge­geben werden, was zumeist unentgeltlich oder zu geringen Gebühren erfolgt, wird die Auf­gabe der karitativen Fremdhilfe (Drittleistungs-NPO) erfüllt. Wenn man von den Aufgaben der NPOs spricht, und nur die Fremd- oder Selbsthilfe erwähnt, würde eine ebenso wichtige Aufgabe außer Acht gelassen werden: jene Aufgaben im Kontext von Interessenvertretungen. Dadurch sollen die Trägerinteressen oder -ideologien durch Beeinflussung politischer Pro­zesse (Lobby) oder der Einstellungen und Verhaltensweisen bestimmter Bevölkerungskreise (Public Relations (PR), Social Marketing) durchgesetzt werden (vgl. ebd.). NPOs haben es sich also vorwiegend zur Aufgabe gemacht, bestehende Missstände anzuprangern, für ihre Ziele Lobbyarbeit zu betreiben und die Bevölkerung über kritische Themen zu informieren (vgl. Libasoli.de 2012). „So betreiben sie beispielsweise Aufklärungskampagnen im Bereich Umwelt- und Tierschutz, Missbrauch, Drogen, Ungleichheit und Unterdrückung, um die Mit­menschen auf die jeweiligen Probleme aufmerksam zu machen, sie zu sensibilisieren, aber auch um Mitglieder zu gewinnen“ (ebd.).

Zur Erfüllung der eben genannten Aufgaben benötigen die NPOs verständlicherweise auch finanzielle Mittel[6], welche es „rationell zu beschaffen, einzusetzen und zu nutzen gilt, um eine bestmögliche Zweckerfüllung mit geringstmöglichen Kosten zu erreichen“ (Helmig 2012). Unterscheiden kann man die Möglichkeiten der Finanzierung in drei Sparten: öffentliche Förderung von EU, Bund, Land und Kommune; selbst erwirtschaftete Mittel wie Leistungs­entgelte oder durch Sponsoring usw., sowie Spenden von Firmen und Privatpersonen). Wie man es vermuten mag, stammt der Großteil aller Einnahmen von öffentlichen Geldgebern (rund 2/3) - gefolgt von selbst erwirtschaften Mitteln (rund 1/3) und den Spendengeldern (einstelliger Prozentbetrag). Somit ergänzen Spenden und Sponsoring lediglich die öffent­lichen Finanzmittel. Der häufigste Grund gegen die Finanzierung durch die letzten beiden Möglichkeiten ist der, dass „damit dem Rückzug des Staates aus der Verantwortung für das Gemeinwohl Vorschub geleistet würde“ (Faust 2004, S. 4).

An dieser Stelle sollen kurz ein paar Zahlen (Stand 2007; Veröffentlichung 2011) aufgeführt sein. Betrachtet man die Tabellen und die Grafiken in den Anlagen 3 bis 7 wird klar er­kennbar, dass unter die insgesamt 3.566.897 Unternehmen in Deutschland 104.855 NPOs fallen. Dies sind umgerechnet gerade einmal 2,9 %. In diesen Organisationen arbeiten ins­gesamt 9,2 % (entspricht 2.284.410 Beschäftigter) aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. „Die nachgewiesenen Unternehmen des Dritten Sektors beschäftigen darüber hinaus rund 300.000 geringfügig entlohnte Beschäftigte“ (Anheier/Fritsch/Klose u.a. 2011, S. 64). Betrachtet man die einzelnen Bundesländer wird klar erkennbar, dass in Bremen mit 4 % die höchsten Unternehmen im Dritten Sektor tätig sind. Man hätte meinen können, dass in Bayern und Baden-Württemberg aufgrund deren Größe auch mehr Dritt-Sektor- Organisationen tätig sind - dem ist jedoch nicht so. Baden-Württemberg bildet mit 2,4 % sogar das Schlusslicht. So wäre es auch falsch, anzunehmen, dass die (Prozent-)Zahlen der bestehenden NPOs durch die Größe eines Bundeslandes bedingt ist. Ebenso falsch wäre die Behauptung, dass ein deutliches Ost-West-Gefälle zu verzeichnen ist. Zwischen den alten und den neuen Bundesländern lassen sich bzgl. der Anzahl der NPOs ebenso keine Zusammen­hänge erkennen. Betrachtet man jedoch die prozentualen Anteile der sozialversicherungs­pflichtigen Beschäftigten, lassen sich zwar keine Zusammenhänge zur Größe des Bundeslandes herstellen, jedoch aber zur geographischen Lage - sprich zu den alten und neuen Bundesländern. Es ist klar erkennbar, dass in alle neuen Bundesländer über dem Bundesdurchschnitt liegen - zudem ist erkennbar, dass fast alle neuen Bundesländer (die Aus­nahme bildet Sachsen) die höchsten Beschäftigten in NPOs besitzt.

Betrachtet man weitere Statistiken aus früheren Jahren, wird ebenso klar erkennbar, dass die Anzahl an NPOs bzw. deren Nachfrage und Mitgliederzahl stetig wächst. Aber wie ist das zu erklären? Hier lassen sich einige Faktoren (s. Anlage 8) benennen - gesellschaftliche, demo­graphische, ökonomische und politische Einflussfaktoren. Um mit den gesellschaftlichen Faktoren zu beginnen, führten beispielsweise eine teilweise Verkürzung der Arbeitszeiten oder Arbeitslosigkeit, eine höhere Erwerbstätigkeitsquote von Frauen (bei gleichbleibender Männererwerbsquote) oder die ansteigenden Debatten zum Thema 'Umweltschutz', zu einer höheren Mitgliederzahl oder Nachfrage in NPOs.

Um dies zu erklären, bewirkten Verkürzungen der Arbeitszeiten ein erhöhtes Bedürfnis nach Freizeitbeschäftigungen. Somit stießen die NPOs im Bereich Kultur und Erholung auf ein starkes Interesse in der Bevölkerung. Insbesondere Sport- und Freizeitvereine haben hierbei einen besonderen Zulauf (vgl. Bruhn 2012, S. 29). Aufgrund der steigenden Erwerbsquote von Frauen entsteht außerdem ein erhöhter Bedarf an Nonprofit-Leistungen im Bereich der Familienbetreuung, beispielsweise Kleinkinderbetreuung oder Kindergrippen (vgl. ebd., S. 29 f.). Bezüglich des Umweltschutzes ist zu beobachten, dass die Mitgliederzahlen in Umwelt­schutzgruppen stetig angewachsen sind und zudem immer neue NPOs entstanden. „Bei den demographischen Faktoren ist insbesondere die Entwicklung der Altersstruktur in Deutschland mit einem relativ hohen Anteil älterer Menschen bei einer insgesamt steigenden Lebenserwartung zu nennen, die dazu führt, dass immer mehr Menschen immer länger Leistungen von NPOs nachfragen bzw. sich auch aktiv in NPOs engagieren“ (ebd., S. 30). Der wachsende Anteil der älteren Bevölkerungsschicht bewirkt zudem, dass es gleichzeitig eine ebenso steigende Nachfrage im Bereich der Nonprofit-Leistungen, beispielsweise der Pflege­leistungen, gibt und geben wird. Im Bereich der ökonomischen Faktoren erreicht vor allem die Kluft zwischen 'arm' und 'reich', sowie die derzeitigen wirtschaftlichen Krisensituationen eine zentrale Bedeutung. NPO übernehmen so zunehmend soziale Aufgaben wie die Essens­ausgabe an sozial schwache Menschen oder die Bereitstellung von Wohnraum für Wohnungs­lose. „Weiterhin führt der Rückzug kommerzieller Unternehmen aus bestimmten nicht mehr lukrativen Geschäftsbereichen (z.B. Aufgabe bestimmter Strecken im Nahverkehr) dazu, dass Anbieter von Nonprofit-Organisationen in diese Lücke treten“ (ebd., S. 30 f.). Letztendlich spielen aber auch politische Faktoren eine entscheidende Rolle, da sie einen hohen Einfluss auf Angebot und Nachfrage von NPOs haben. Hierzu gehören beispielsweise „das sinkende Vertrauen in die Lösungskompetenz von staatlichen Institutionen oder die mangelnde Aus­einandersetzung seitens der Politik mit nationalen und internationalen Spannungsfeldern (z.B. Umweltschutz, Entwicklungshilfe), wodurch Nonprofit-Organisationen vielfach gezwungen sind, in diesem Vakuum Problemlösungen anzubieten“ (ebd., S. 31).

Dass NPOs (teilweise) klar von Profit-Organisationen zu trennen sind, konnte aus dem bisher Beschrieben ersichtlich werden. Dennoch wurden einige Aspekte, welche eine noch klarere Unterscheidung mit sich bringen würden, noch nicht benannt - daher nun im Folgenden.

[...]


[1] „Nonprofit-Organisationen bilden die zivilgesellschaftliche „Infrastruktur“ moderner Gesellschaften und werden auch aufgrund ihrer Multifunktionalität als intermediäre Funktionen bezeichnet“ (Konetzny 1999).

[2] „Der Grad der Amtlichkeit der Non-Profit-Organisationen hängt im Wesentlichen davon ab, wie stark die Organisationsziele dem politischen Einfluss und/oder dem öffentlichen Interesse unterliegen. So zeichnen sich öffentliche Einrichtungen besonders stark durch ihre Amtlichkeit aus, da sie mehr oder weniger klar definierte gesetzliche Aufgaben erfüllen. Hierzu zählen beispielsweise Einwohnermeldeämter, Sozialämter, Bauordnungsämter, Schulen oder Hochschulen. Ein selbstständiges Agieren ist hierbei so gut wie ausgeschlossen, da diese Institutionen keine eigenen kostendeckenden Gebühren oder Beiträge erheben können“ (Konetzny 1999).

[3] „In den Organen der Nonprofit-Organisationen sind meistens Ehrenamtliche tätig, während die kontinuier­liche Aufgabenerfüllung durch vollamtliche Angestellte (Geschäftsführer, Referenten, Mitarbeiter) wahrge­nommen wird“ (Helmig 2012).

[4] Die Bezeichnung 'Nonprofit-Organisation' stammt aus den USA.

[5] Dennoch kann festgehalten, dass gemäß der „International Classification of Nonprofit-Organizations“ (ICNPO), eine Organisation immer dann eine Nonprofit-Organisation ist, wenn sie folgende 5 Merkmale besitzt: formale Organisationsstruktur, private Organisationsform, Selbstverwaltung, Not-for-Profit, Freiwilligkeit (vgl. Rieder 2009, S. 19)

[6] Genauere Aspekte zur Finanzierung von NPOs sind im zweiten Teil dieser Arbeit aufgeführt.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Nonprofit-Organisationen im Kontext der Sozialen Arbeit
Hochschule
Hochschule Mittweida (FH)
Veranstaltung
VWL/BWL/NSTG
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
28
Katalognummer
V212863
ISBN (eBook)
9783656414087
ISBN (Buch)
9783656414568
Dateigröße
702 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
npo, nonprofit, non profit organisation, soziale arbeit, sponsoring, fundraising, spenden, finanzierung, definition, merkmale, dritter sektor, sozialarbeit, klassifizierung, statistik, ziele
Arbeit zitieren
Claudia Mueller (Autor), 2012, Nonprofit-Organisationen im Kontext der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212863

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