Politische Magazine im deutschen Fernsehen

Der strukturelle und inhaltliche Wandel politischer Magazinsendungen im Langzeitvergleich 1985-2012


Hausarbeit, 2013

29 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Politische Magazine und ihr Stellenwert im deutschen Fernsehen
1.1 Definitionen
1.2 Datenbasis

2 Empirischer Teil
2.1 Wandel formaler Elemente politischer Magazinsendungen
2.2 Inhaltlicher Wandel politischer Magazinsendungen

3 Erkenntnisse

Literaturverzeichnis

Abbildungen

Tabellen

1 Politische Magazine und ihr Stellenwert im deutschen Fernsehen

Ist das deutsche Fernsehen zu unpolitisch? Die Intuition eines deutschen Fernsehzuschauers würde vermuten lassen, dass politische Information nur noch oberflächlich in Nachrichten abgehandeltoder in Talkshows verbraten wird und so völlig an Relevanz verliert. Die Hintergrundberichterstattung wird den Printmedien überlassen, ihreErscheinungsform im Fernsehen als politisches Magazin, bleibtvon deutschen Fernsehsendern wenn nicht gar unbeachtet, so zumindest stiefmütterlich behandelt. Bei privaten Fernsehsendern kann man sich gar nicht an ein rein politisches Magazinformat erinnern, und die traditionellen Magazine der öffentlich-rechtlichen Sender sind auch irgendwie aus dem Hauptprogramm verschwunden.

Diese populären Thesen sind durchaus gewagt, und wie sich herausstellen wird, nicht haltbar. Die Absicht dieser Arbeit ist, sie wissenschaftlich zu formulieren und empirisch zu überprüfen.

Warum politische Magazine?

Politische Magazine unterscheiden sich von anderen hochpolitisierten politischen Informationsformaten (vgl. Tenscher, 1998: 195) – die Wichtigsten davon Nachrichten und Talkshows – insbesondere durch zwei Faktoren: Erstens der geringeren Möglichkeit von Politikern, Einfluss auf Inhalt und Darstellung der Beiträge zu nehmen, wie das Beispielsweise bei Talk-Formaten der Fall ist (vgl. Tenscher, 1998: 195). Zweitens unterscheiden sie sich durch die Tiefe der Information. Durch im Vergleich zu Nachrichtensendungen einer höheren Sendedauer, einem höchstens wöchentlichen Ausstrahlungsfrequenz und dem fehlenden Druck, möglichst breite Themenspektren abzudecken, können sich Beiträge eingehender mit einzelnen Themen beschäftigen und sind daher für die politische Hintergrundinformation für Fernsehzuschauer unverzichtbar. Im Gegensatz zu Reportagen liegt ihr Fokus weniger im Aufwerfen oder Veranschaulichen neuer, einzelner Themen, als vielmehr zur ergänzenden Information zu dem oberflächlichen Charakter der Nachrichten.

Auch Wegener identifiziert den bedeutenden Charakter politischer Magazine „als Grundlage politischer Meinungsbildung“ (2001: 212 ff.).

Politische Magazine dienen daher hier als guter Indikator für den Stellenwert politischer Hintergrund information für Fernsehsender.

Einordnung in den Forschungsstand

Langzeitanalysen für Informationsangebote der Fernsehsender werden sehr anschaulich durch das Institut für Empirische Medienforschung (IFEM) von Udo Michael Krüger durchgeführt. Die jährliche, oft zweiteilige Programmanalyse fokussiert allerdings das Gesamtangebot an Information, auch unpolitischer Art.Die Differenzierung nach explizit politischen Magazinen fällt oftmals – offenbar – einem eingeschränkten Platzangebot der Studie zum Opfer. Einen ähnlichen allgemeinen Ansatz zur Analyse des Gesamtangebots der Fernsehsender bietet auch die ALM-Fernsehprogrammanalyse, die zwar für diese Arbeit verwertbare Daten liefert, die aber von der ALM selbst ebenfalls für politische Magazine – wenn überhaupt – nur am Rande betrachtet und analysiert werden.

Die erste kategorische Analyse explizit politischer Magazine lieferte Claudia Wegener im Jahr 2001. Diese Arbeit wurde damals als Längsschnittstudie angelegt, aber seitdem nicht fortgeführt.

Die vorliegende Arbeit soll – im Rahmen ihres eingeschränkten Umfanges – einzelne Aspekte der Wegener-Studie fortführen, dies auf Basis der vorgenannten Daten wie in Kapitel 1.2 Datenbasis dargestellt.

Vorgehensweise

Diese Arbeit soll anhand formaler Elemente der Magazinsendungen empirisch überprüfen, ob und wie sich der Stellenwert politischer Magazine im deutschen Fernsehen seit der Einführung des dualen Rundfunks verändert hat. Dabei wird ein besonderer Fokus auf den Wandel der öffentlich-rechtlichen Sendungen gelegt, dieser aber stets mit den Privaten verglichen.

Auf eine Bezugnahme auf eine Konvergenzthese (Merten, 1996) wird explizit verzichtet, da eine solche bei Betrachtung äußerlicher Merkmale wie Sendezeit, Anzahl der Sendungen und Dauer, schon auf den ersten Blick nicht sinnvoll erscheint (vgl. auch Krüger, 1998), da die Sender hier ohnehin massiv differieren, und bei inhaltlichen Merkmalen hier keine ausreichende Datenbasis vorhanden ist, um eine Solche nachzuweisen.

1.1 Definitionen

Als politische Magazine werden in der folgenden Untersuchung – auf Basis der Auswahl von Krüger (2012: 246) – all jene Magazine der öffentlich-rechtlichen Sender behandelt, die aufgrund ihrer Aufmachung und Selbstauskunft einen Schwerpunkt auf politischer Berichterstattung vermuten lassen, höchstens wöchentlich ausgestrahlt werden, und – um sie von wöchentlichen Nachrichtenmagazinen (z.B. „Wochenjournal“) abzugrenzen – eher von der aktuellen Berichterstattung unabhängig sind. Magazine werden durch mehrere Beiträge pro Sendung identifiziert und sind so von Reportagen abzugrenzen. Im Gegensatz zu Wegener (2001) werden auch solche Magazine erfasst, welche die außenpolitische Berichterstattung abdecken. Konkret wurdendie folgenden Sendungen als politische Magazine erfasst: „Report Baden-Baden“/„Report Mainz“, „Report München“, „Fakt“, „Monitor“, „Panorama“, „Kontraste“, „Weltspiegel“, „Europamagazin“, Bericht aus Bonn“/„Bericht aus Berlin“, „Kennzeichen D“, „ZDF Magazin“, „Studio 1“, „Frontal“, „Frontal 21“, „Bonn Direkt“/„Berlin Direkt“, „Länderspiegel“, „Auslandsjournal“ und „ZDF.Reporter“

Da in privaten Sendern außer „Spiegel TV“ keine ausschließlich politischen Magazine zu finden sind (vgl. Krüger 2003: 542), wurde dort der Begriff der Magazine weiter gefasst. So werden dort auch Magazine beachtet, die gesellschaftliche Themen abdecken, die im weiteren Sinne „politisch“ sind, also beispielsweise Missstände aufzeigen, deren Lösung im Bereich politischer Aufgaben liegen kann. Da hier die Grenzen sehr fließend sind, wurden Beispielhaft die Sendungen „Spiegel TV“ (RTL), (das von Krüger (2003: 542) nicht als „Magazin“ definierte) „Stern TV“ (RTL), „Akte...“ (Sat.1) und „FocusTV“ (Pro 7) ausgewählt. Da „SternTV“ einen übermäßig hohen Anteil an Interview- und Ratgeberbeiträgen beinhaltet, wurde die Sendung bei der inhaltlichen Analyse nicht mehr beachtet.

1.2 Datenbasis

Diese Untersuchung bezieht ihre Daten aus vier Quellen. Die am weitesten zurückreichende Quelle ist die Studie „Informationsvermittlung im Zeitalter der Unterhaltung. Eine Langzeitanalyse politischer Fernsehmagazine“ von Claudia Wegener aus dem Jahr 2001. Die Studie liefert Daten über politische Magazine aus den Jahren 1985 bis 1998 für öffentlich-rechtliche Sender und aus den Jahren 1997-1998 für Private. Dazu werden Daten der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM)herangezogen, die seit 2003 im Zuge ihrer jährlichen Fernsehprogrammanalysehalbjährlich Stichprobendaten veröffentlicht, die hier als Rohdaten verwendet wurden. Zusätzlich wird an manchen Stellen dieser Arbeit auf die jährliche Programmanalyse desIFEM-Instituts für Empirische Medienforschung von Udo Michael Krüger zurückgegriffen, die – ebenfalls jährlich – strukturelle und inhaltliche Eigenschaften der Senderinhalte veröffentlicht. Die beiden Analysen überschneiden sich inhaltlich stark und variieren im Beginn ihrer jährlichen Analysen. Zwar sind die IFEM-Studien seit Mitte der 90er-Jahre verfügbar, aber leider erst ab 2009 ausdifferenziert genug, um eine bessere Datenbasis für die hier durchgeführte Untersuchung darzustellen.

Als vierte Quelle dient eine eigene Auswertung von Programmzeitschriften in Fünf-Jahres-Wellen seit 1985, um den üblichen Sendebeginn und die Sendedauer ausgewählter politischer Magazine zu erheben.

2 Empirischer Teil

Der empirische Teildieser Arbeit unterscheidet zwischen äußerlichen (hier genannt: formalen bzw. strukturellen) Eigenschaften der Sendungen sowie den Inhaltlichen. Im Hinblick auf die fokussierte These, der Stellenwert der politischen Magazinsendungen verschlechtere sich, gehören zu den hier untersuchten formalen Elementen als Indikatoren die Sendezeit, Sendedauer sowie die Anzahl unterschiedlicher Sendungen.

Weil der inhaltliche Teil auf externe Daten angewiesen ist und deren Erhebungs- und Darstellungsmethoden unterworfen ist, beschränkt sich dieser auf verfügbare Daten, darunter die Themenstruktur, deren Daten als Primärdaten vorliegen. Für andere inhaltliche Elemente, wurde eine Untersuchung auf Basis von Sekundärdaten versucht. Beispielhaft anhand der Akteurskonstellationen als Indikator für die Boulevardisierung dargestellt, zeigt sich hier die besondere Schwierigkeit der Interpretation solcher, bereits unter anderen Gesichtspunkten interpretierten, Daten.

2.1 Wandel formaler Elemente politischer Magazinsendungen

Hypothese 1: Der Sendezeitpunkt differiert immer stärker von der Prime-Time

Als Prime-Time sei nun auf Basis der durchschnittlichen Sehbeteiligung der Zeitraum definiert, an dem 2012 mindestens 40% aller möglichen Zuschauer ihren Fernseher eingeschaltet hatten, also etwa der Zeitraum zwischen 20:15 und 22:15 (Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung, 2013).

Nun wurden die Sendezeiten der politischen Magazine über die Jahre erfasst, um einen Verlauf festzustellen. Die Ergebnisse sind in Tabelle 1: Übliche Sendezeit politischer Magazinsendungen dargestellt.

Die im Wochenrhythmus wechselnden Sendungen sind anhand ihres Sendetages identifizierbar. So wurden 1985-1992 die Sendungen „Report Baden-Baden“, „Report München“, „Monitor“ und „Panorama“ in einem unregelmäßigen Wechsel auf demselben Sendeplatz gesendet. Mit dem Hinzukommen der Sendung „Fakt“ wurden die Sendungen auf zwei Sendeplätze aufgeteilt, auf dem sie im nunmehr dreiwöchentlichen Wechsel ausgestrahlt wurden. Ähnlich strahlte das ZDF die Sendungen „Kennzeichen D“ und „ZDF Magazin“ bzw. dessen Nachfolger „Studio 1“ bis zur zweiten Untersuchungsperiode im wöchentlichen Wechsel aus. In der Periode 1997/98 hatte „Kennzeichen D“ einen eigenen Sendeplatz, jedoch wurde sie nach wie vor nur zweiwöchentlich ausgestrahlt, und außerdem2001 eingestellt.

Die traditionellen Inlands-Politikmagazine der ARD mussten zwar einige Wechsel im Sendetag hinnehmen, konnten aber bis in die 00er-Jahre ihren Sendeplatz behaupten. In der letzten Untersuchungsperiode wurde ihre Sendezeit um 45 Minuten nach hinten verschoben, sie liegen nach unserer Definition dennoch noch in der Prime-Time. Die Sendung „Bericht aus Berlin“ wurde 1999 von den Tagesthemen getrennt und – mit einer Unterbrechung um den Jahreswechsel 2004/05) – zur eigenständigen Magazinsendung. Ihr Sendeplatz hat sich am stärksten verändert, wurde von Freitag, 22:15 auf Sonntag, 18:30 verlegt. Damit kann man hier von einer Verschlechterung des Sendeplatzes ausgehen. Dahingegen hat sich der Sendeplatz des „Europamagazins“ im Laufe der Zeit stark verbessert, ist es doch vom Mittags- ins Nachmittagsprogramm verlegt worden. Der „Weltspiegel“ kann seinen Sendeplatz seit 1985 am Sonntag um 19:20 mit einer leichten Abweichung zwischendurch von 10 Minuten erstaunlich stabil halten.

Beim ZDF kam es seit der Untersuchungsperiode 1991/92 nicht mehr zu Veränderungen der Sendezeit der Inlands-Politikmagazine. Während die Sendungen „Bonn (Berlin) direkt“ und der Länderspiegel ihre Sendezeiten halten, ist die Sendezeit des „Auslandsjournals“ sehr unstabil. Von 19:30 (1985/86) wanderte die Sendung durch verschiedene Wochentage, wurde auf einen immer späteren Sendetermin verlegt und liegt mittlerweile am Mittwoch um 22:15 gerade außerhalb der hier definierten Prime-Time.

Die Sendung ZDF.Reporter lief nur von 2001 bis 2011, währenddessen aber in der Prime-Time um 21:00 Uhr.

Die privaten Fernsehsender zeigen für ihre Magazine – abgesehen von minimalen Abweichungen – keine Variation der Sendeplätze. Lediglich FocusTV wurde 2009 gänzlich eingestellt. Zu beachten ist aber, dass alle privaten Magazine nach unserer Definition am Ende odernach der Prime-Time ausgestrahlt wurden.

Zusammenfassend muss die Hypothese für alle Sender sehr eindeutig abgelehnt werden. Der stabile Sendeplatz von „Weltspiegel“, „Berlin Direkt“ und „Länderspiegel“ deuten sogar eher auf eine sehr hohe Wertschätzung der Sender für diese Programme hin. Veränderungen gab es lediglich für einzelne Sendungen. Aus der Primetime hinausverlegt wurde nur die Sendung „Auslandsjournal“ des ZDF.Die privaten Sender variieren ihre Sendezeiten nicht, legten sie jedoch von Anfang an ans Ende der oder gar nicht in die Prime-Time.

[...]

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Details

Titel
Politische Magazine im deutschen Fernsehen
Untertitel
Der strukturelle und inhaltliche Wandel politischer Magazinsendungen im Langzeitvergleich 1985-2012
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung)
Veranstaltung
Politische Kommunikation und Kognition
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
29
Katalognummer
V212867
ISBN (eBook)
9783656416906
ISBN (Buch)
9783656417156
Dateigröße
685 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
politische, magazine, fernsehen, wandel, magazinsendungen, langzeitvergleich
Arbeit zitieren
Janis Altherr (Autor:in), 2013, Politische Magazine im deutschen Fernsehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212867

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