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Ist der Vorwurf des latenten Antisemitismus in Alfred Anderschs Roman „Die Rote“ gerechtfertigt?

Title: Ist der Vorwurf des latenten Antisemitismus in Alfred Anderschs Roman „Die Rote“ gerechtfertigt?

Term Paper , 2009 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sina Lethaus (Author)

Didactics for the subject German - Literature, Works
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´„Sogar in den besten dieser Werke versagen die Autoren, wenn sie spezifisch Jüdisches zu beschreiben suchen. Kitsch oder […] Sentimentalität“ setzen sich durch, behauptet Ruth Klüger in ihrem Aufsatz „Gibt es ein Judenproblem` in der deutschen Nachkriegsliteratur?“ nach eingehender Untersuchung der Darstellung von Juden in verschiedenen literarischen Werken der entsprechenden Zeit.

„Die Rote“ von Alfred Andersch bilde da keine Ausnahme, es sei ein von Stereotypen durchzogener Roman, der den Vorwurf des latenten Antisemitismus herausfordert: Ob Klügers Urteil gerechtfertigt ist soll Gegenstand der folgenden Untersuchung sein. Dafür wird das speziell Jüdische in dem Roman betrachtet und auf antisemitische Tendenzen hin untersucht.

Nach einer Definition von Antisemitismus, die als Arbeitsgrundlage dienen wird, werden im Weiteren drei zentrale in den Roman eingewebte Motive näher betrachtet, die hauptsächlich in der Juwelierszene (S. 191-214) auftreten: Das Motiv des Kaufens und Verkaufens, das der Ratte und das des Juden Shylocks.

Im letzten Teil wird ein Fazit gezogen werden. Ziel der Arbeit ist es, falls sich die im Titel befindliche Fragestellung nicht bejahen lässt, eine entsprechende Gegenthese zu formulieren und zu begründen, also die Beantwortung der Frage: Welche Absicht verfolgte Andersch mit seiner Darstellung des Jüdischen, die nur scheinbar zum Vorwurf des Antisemitismus berechtigt.
Dabei sollen biographische Hinweise auf eine antisemitische Einstellung Anderschs keine Berücksichtigung finden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Definition von Antisemitismus

III. Werkimmanente Anhaltspunkte für Antisemitismus in „Die Rote“

a) Das Motiv des Kaufens und Verkaufens

b) Das Motiv der Ratte

Exkurs: Shakespeares Darstellung des Shylocks in „Der Kaufmann von Venedig“

c) Das Motiv des Juden Shylock

IV. Fazit

V. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Berechtigung des Vorwurfs eines latenten Antisemitismus im Roman „Die Rote“ von Alfred Andersch. Ziel ist es, durch eine werk- und motivimmanente Analyse der „Juwelierszene“ zu prüfen, ob Andersch antisemitische Klischees reproduziert oder diese vielmehr gezielt aufgreift, um sie zu reflektieren, zu widerlegen und den Leser zur kritischen Auseinandersetzung mit solchen Vorurteilen zu bewegen.

  • Analyse des Motivs des Kaufens und Verkaufens unter Berücksichtigung von Marx' Kapitalismuskritik.
  • Untersuchung des Ratten-Motivs als Symbol und dessen Dekonstruktion im Roman.
  • Exkurs zur literarischen Figur des Shylock bei Shakespeare und deren Bedeutung für das Verständnis der Romanhandlung.
  • Diskussion der „Wiedergutmachungsphantasie“ und der Persönlichkeitsentwicklung der Protagonistin Franziska.
  • Kritische Würdigung der Forschungsdebatte um Anderschs vermeintliche antisemitische Tendenzen.

Auszug aus dem Buch

Das Motiv des Kaufens und Verkaufens

Franziska entschließt sich, nachdem ihr „das goldene Wappenschild mit der edlen Antiquaschrift“ auf dem Campo San Bartolomeo in den Blick fällt, zumindest zu versuchen, ihren Ring zu verkaufen. Sie betritt den Juwelierladen „Gioielliere“ -ihren Beschreibungen nach zu urteilen ein nobler Laden, so „[glänzte] das polierte Holz der Vitrine […] dunkel“- und wird von einem elegant gekleideten Mann empfangen. Während dieser ersten Zeilen wird dem Leser das Bild eines Geschäftes vermittelt, dessen Inhaber in guten Verhältnissen lebt und nicht darauf angewiesen ist, sich auf Kosten anderer zu bereichern. Diesen Anschein erweckt auch das äußere Erscheinungsbild des Juweliers: „[…] ein kleiner, gut gekleideter Mann [...], dunkler Anzug mit Nadelstichmuster, das Stück weiße Seide in der Brusttasche locker gebauscht“. Umso erstaunlicher ist es für den Leser, dass sich der Juwelier im Folgenden als ein eiskalter und halsabschneiderischer Geschäftsmann zu erkennen gibt, der sofort Franziskas finanzielle Notsituation erkennt und für sich ausnutzen will.

In inneren Monologen wird Franziska sich über ihre derzeitige Situation bewusst und erkennt, wie viel es ausmacht, ob man sich in der Rolle des Käufers oder Verkäufers befindet. Für sie zeichnet sich der Käufer durch sein „Ansehen“ aus, das es ihm erlaubt, dem Verkäufer „Verachtung“ entgegenzubringen und diesen Erniedrigungen durchleben lässt. Er befände sich in Abhängigkeit vom Käufer und müsse die Geringschätzungen aushalten, sofern er seine Ware loswerden wolle. Es ergibt sich für Franziska die Schlussfolgerung, dass sie schnellstmöglich wieder arbeiten muss, um dem Abhängigkeitsverhältnis entfliehen und zukünftig frei als Käufer agieren zu können, denn „wenn man arbeitet, verkauft man nichts außer sich selbst. In der übrigen Zeit ist man Käufer.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Hier wird der Vorwurf des latenten Antisemitismus in Alfred Anderschs Roman „Die Rote“ skizziert und die methodische Vorgehensweise zur Untersuchung der zentralen Motive dargelegt.

II. Definition von Antisemitismus: Dieses Kapitel erarbeitet eine Arbeitsgrundlage, indem es verschiedene Definitionen von Antisemitismus vorstellt, die den weiteren Analysen als theoretischer Rahmen dienen.

III. Werkimmanente Anhaltspunkte für Antisemitismus in „Die Rote“: In diesem Hauptteil werden drei zentrale Motive in der Juwelierszene analysiert, um die Darstellung jüdischer Aspekte und deren Funktion im Roman zu hinterfragen.

IV. Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Antisemitismus-Vorwurf unberechtigt ist, da Andersch Klischees gezielt nutzt, um sie zu destruieren.

V. Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet die für die Untersuchung herangezogenen Primär- und Sekundärquellen sowie Internetquellen auf.

Schlüsselwörter

Alfred Andersch, Die Rote, Antisemitismus, Literaturanalyse, Franziska, Shylock, Motivik, Vorurteile, Klischees, Nationalsozialismus, Juwelierszene, Romananalyse, Schuld, Wiedergutmachung, Dekonstruktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die kritische Debatte um Alfred Anderschs Roman „Die Rote“ und die Frage, ob dem Werk ein latenter Antisemitismus unterstellt werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die literarische Darstellung jüdischer Motive, der Umgang mit antisemitischen Stereotypen und die psychologische sowie moralische Entwicklung der Protagonistin Franziska.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet: „Ist der Vorwurf des latenten Antisemitismus in Alfred Anderschs Roman ‚Die Rote‘ gerechtfertigt?“ Das Ziel ist die Widerlegung dieses Vorwurfs durch motivimmanente Analyse.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine werk- und motivimmanente Analyse, die den Text auf antisemitische Tendenzen hin untersucht und diese durch literaturwissenschaftliche Bezugnahme sowie die Reflexion der Erzählperspektive einordnet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert drei spezifische Motive aus der sogenannten Juwelierszene: das Motiv des Kaufens und Verkaufens, das Motiv der Ratte sowie das Motiv des Juden Shylock in Verbindung mit einer Exkurs-Betrachtung von Shakespeare.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Alfred Andersch, „Die Rote“, Antisemitismus-Debatte, literarische Klischees, Motivik, Schuld und die kritische Reflexion gesellschaftlicher Vorurteile.

Inwiefern spielt der Shakespeare-Exkurs eine Rolle für die Argumentation?

Der Exkurs verdeutlicht, dass Andersch bewusst auf die literarische Tradition und das Bild des Shylock zurückgreift, um die Komplexität von Vorurteilen und die Wahrnehmung der Protagonistin Franziska kritisch zu spiegeln.

Wie kommt die Autorin/der Autor zum Ergebnis, dass der Antisemitismus-Vorwurf unberechtigt ist?

Durch den Nachweis, dass der Roman die antisemitischen Klischees nicht verfestigt, sondern durch die Perspektive und Reflexion der Protagonistin Franziska sowie durch eine bewusste Überzeichnung dekonstruiert und widerlegt.

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Details

Title
Ist der Vorwurf des latenten Antisemitismus in Alfred Anderschs Roman „Die Rote“ gerechtfertigt?
College
University of Münster
Grade
1,0
Author
Sina Lethaus (Author)
Publication Year
2009
Pages
19
Catalog Number
V212873
ISBN (eBook)
9783656413318
ISBN (Book)
9783656414629
Language
German
Tags
vorwurf antisemitismus alfred anderschs roman rote
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sina Lethaus (Author), 2009, Ist der Vorwurf des latenten Antisemitismus in Alfred Anderschs Roman „Die Rote“ gerechtfertigt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212873
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