Münzen und Geld: The Anchor Coinage

Die silbernen "Anker-Münzen" von 1820-1822: Geplantes Einheitsgeld für alle britischen Kolonien


Studienarbeit, 2013

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Entwicklung des britischen Empires am Anfang des 19. Jahrhunderts

2. Planung einer Münzserie für die neuen Kolonien

3. Design und numismatische Spezifikationen der Anker-Münzen

4. Erster Einsatz der Münzen für die Kolonie Mauritius

5. Weitere Anker-Münzprägungen für Britisch-Westindien

6. Das Ende des Anker-Geldes auf Mauritius und Britisch-Westindien

7. Schlussbetrachtung

8. Übersichtstabelle

9. Literatur- und Abbildungsverzeichnis

1. Entwicklung des britischen Empires am Anfang des 19. Jahrhunderts

Bereits vom 16. bis ins 18. Jahrhundert sicherten sich die Engländer zahlreiche Territorien in Nordamerika und der Karibik, wie Neufundland (1583), Virginia (1607), die Bermuda-Inseln (1609), Neu-England (ab 1620), die Bahamas (1629), Jamaika (1670) und Kanada (1763), sowie kleinere karibische Inseln die nach und nach zu britischen Kolonien wurden. (Abbildung 1)

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Abb. 1: Frühe englische Kolonien in Amerika
(16.-18. Jahrhundert; wichtige Erwerbungen unterstrichen)

Aber erst durch die erfolgreiche Seeschlacht am Kap Trafalgar, das in der Nähe der andalusischen Stadt Cadiz in Spanien liegt, erlangte Großbritannien 1805 die unangefochtene Herrschaft über die Meere und konnte „ungestört“ weiteres Land erobern.

Am 21. Oktober 1805 schlug der Vizeadmiral und Kommandeur des britischen Segelschiffes „Victory“, Horatio Nelson (1758-1805), mit einer großen Schiffsflotte die Flotte der miteinander verbündeten Franzosen und Spanier im Rahmen des Dritten Koalitionskrieges.

Admiral Nelson wurde bei dieser Schlacht zwar tödlich verwundet, wird aber seitdem als Nationalheld Großbritanniens gefeiert. Die Nelson-Säule auf dem Trafalgar-Square in London erinnert noch heute an den großen Seemann.

Die Franzosen und Spanier waren nach dieser „Schlacht von Trafalgar“, wie sie seitdem heißt, nicht mehr in der Lage, die Vorherrschaft Großbritanniens auf den Meeren zu gefährden.

Die Briten konnten nun problemlos Richtung Afrika und Asien segeln und dort Land für die englische Krone in Besitz nehmen.

So wurde gleich im Januar 1806 ein großer Teil Südafrikas besetzt und zur britischen Kap-Kolonie ernannt. Auf dem Eroberungszug nach Südostasien nahmen die Briten 1810 Mauritius sowie 1811 die Seychellen ein. 1815 fielen Ceylon (heute: Sri Lanka) sowie das Chagos-Archipel im Indischen Ozean an Großbritannien. Die eroberten Seychellen sowie Mauritius gingen im „Ersten Pariser Friedensvertrag“ vom 30. Mai 1814 offiziell von Frankreich an Großbritannien über.

Auf der malaiischen Halbinsel gründeten die Engländer 1819 Singapur und führten diese neue Siedlung gemeinsam mit den bereits bestehenden britischen Siedlungen Penang und Malakka im heutigen Malaysia (ehemals „Britisch-Malaya“) unter der Bezeichnung „Straits Settlements“ zusammen. (Abb. 2)

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Abb. 2: Britische Kolonien in Afrika und Asien (1806 - 1819; unterstrichen)

Auf der anderen Seite der Erde wurden durch einen Beschluss des Wiener Kongresses (1814/1815) die karibischen Inseln Saint Lucia (1814) sowie Trinidad und Tobago (1815) dem Königreich Großbritannien zugesprochen. Und im Atlantischen Ozean besetzen die Briten 1816 die Inseln Ascension und Tristan da Cunha, welche die nächst gelegenen Landstücke zu der britischen Insel Saint Helena sind, auf welche man 1815 den abgesetzten französischen Kaiser Napoleon gebracht hatte und dort bis zu seinem Tod 1821 als Gefangenen hielt. (Abb. 3)

Die Besetzung der Nachbarinseln erfolgte aus Angst, die Franzosen könnten auf Tristan da Cunha oder Ascension eine Befreiungsaktion für Napoleon vorbereiten.

Somit erhielt Großbritannien zwischen 1806 und 1820 schlagartig weltweit eine große Anzahl an Besitzungen und Kolonien, in denen nun eine Infrastruktur und eine Verwaltung aufgebaut und natürlich der Geldumlauf neu geregelt werden musste.

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Abb. 3: St. Helena mit Ascension und Tristan da Cunha

2. Planung einer Münzserie für die neuen Kolonien

In der britischen Münzprägeanstalt, der Royal Mint in London, hatte man gerade erst im Zuge der sogenannten „Great Recoinage“, der „Großen Erneuerung des Münzwesens“, 1810 dampfbetriebene Münzpressen von James Watt & Matthew Boulton angeschafft, die sehr leistungsstark waren und vor allem qualitativ hochwertige Münzen in großer Anzahl produzieren konnten. So wurde 1817 unter anderem der noch heute geprägte Goldsovereign mit dem berühmten Motiv von St. Georg im Kampf mit dem Drachen mit diesen Maschinen geprägt und eingeführt.

Die Kapazitäten der neuen Prägemaschinen erlaubten aber auch die Prägung von Münzgeld für die neu erworbenen Kolonien.

Um damals einen Überblick zu erhalten welche Kolonien überhaupt Münzen im Umlauf haben oder noch benötigen, wurde 1816 ein Rundschreiben mit der Anfrage, was denn das aktuelle Währungssystem der Kolonie sei und wie dieses verbessert oder erneuert werden könne, an alle Gouverneure der britischen Kolonien verschickt.[1]

Als Rückmeldung gab es den Wunsch, neues Kolonialgeld solle an den (spanischen) Dollar (Abb. 4) angelehnt sein, da dieser weltweit zirkulierte und überall akzeptiert wurde. Ferner sollte das Geld kein gesetzliches Zahlungsmittel im Mutterland Großbritannien sein, damit es möglichst an Ort und Stelle in den Kolonien verbleibt und nicht nach England abfließt.

So entstand die Idee einer „panbritischen Kolonialwährung“, deren Silbermünzen in allen Kolonien Gültigkeit haben sollten.

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Abb. 4: Mexiko, 8 Reales 1806 (Spanischer Dollar), König Karl IV. von Spanien

Lord Henry Bathurst, Kolonialminister von 1812-1827, besprach zwischen dem 24. Juli und dem 24. August 1819 mit dem Münzmeister der Royal Mint die genauen Modalitäten dieser geplanten Münzen hinsichtlich Design, Inschriften, Nominalen und Gewicht.

Der zweite Graveur der Royal Mint, William Wyon, bekam den Auftrag, die Münzstempel für die Münzen zu entwerfen und er erledigte diese Tätigkeit bis zum Januar 1820.

Die Inschrift für die neuen Münzen sollte auf dem Revers lauten: COLONIAR: BRITAN: MONET: (= Coloniarum Britannicarum Moneta; lateinisch für „Britisches Kolonialgeld“) und auf dem Avers: GEORGIUS III D:G: BRITANNIARUM REX F:D: (= Georgius III, Dei Gratia, Britanniarum Rex, Fidei Defensor; lateinisch für „Georg III, von Gottes Gnaden König von Großbritannien, Verteidiger des Glaubens“).

Mit dieser Inschrift wurden bereits im Januar 1820 einige Probeprägungen getätigt.[2]

Allerdings starb am 29. Januar 1820 der seit 1760 regierende König Georg III. und die Stempel mussten schnellstmöglich mit der Inschrift des neuen Königs Georg IV. (1820-1830; Abb. 5) versehen werden.

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Abb. 5: König Georg IV. von Großbritannien, gemalt von Sir Thomas Laurence, 1816

3. Design und numismatische Spezifikationen der Anker-Münzen

William Wyons Entwürfe sahen für alle Vorderseiten der kolonialen Münzen die oben genannte und abgeänderte Inschrift GEORGIUS IV D:G: BRITANNIARUM REX F:D: sowie den ungekrönten, ornamentierten Wappenschild Großbritanniens vor, der aus den Teilwappen Schottlands, Englands, Irlands und nochmals Englands besteht (im Uhrzeigersinn). Mittig in dem Schild befindet sich das gekrönte Wappen Hannovers, da König Georg IV. aus dem deutschen Adelsgeschlecht der Welfen stammte und gleichzeitig König von Hannover war. (Abb. 6)

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Abb. 6: Vorderseite der Anker-Dollar-Münzen (1820-1822)

Auf der Rückseite befindet sich ein gekrönter Anker mit einer Ankerleine. Nach diesem Bild werden die gesamten Münzen als „Anker-Münzen“ oder im Englischen als „Anchor Coinage“ bezeichnet.

Der Anker sollte den Einsatz der Münzen in Übersee symbolisieren: Dort wo Briten ankerten und ein Land in Besitz nahmen, sollte das Geld umlaufen.

Umgeben ist der Anker von der Umschrift: COLONIAR: BRITAN: MONET: und je nach Münznominal jeweils zweimal mit den römischen Zahlen „XVI“ für 1/16 Dollar, „VIII“ für 1/8 Dollar, „IV“ für ¼ Dollar und „II“ für einen halben Dollar. (Abb. 7a-d)

Auf die Angabe eines Ausgabelandes wurde bei diesen Münzen verständlicherweise verzichtet, da sie je nach Nachfrage in möglichst vielen verschiedenen Kolonien und nicht in einem bestimmten Land umlaufen sollten.

Der Feingehalt aller vier Nominalen orientierte sich wie erwähnt am spanischen bzw. amerikanischen Dollar, die man zur damaligen Zeit gleichwertig ansah. Allerdings enthielt der spanische Dollar seit 1772 902,8/1000tel Silber, während der amerikanische Dollar nur 892,4/1000tel Silber beinhaltete. Der amerikanische Dollar hatte damit ziemlich genau 1% weniger Silberanteile als der Spanische.

Die Anker-Münzen wurden schließlich mit einem Feingehalt von 892/1000tel Silber geprägt[3].

Das Gewicht der Münzen richtete sich ebenfalls nach dem des amerikanischen Dollars und somit wiegt der halbe Anker-Dollar 13,48 Gramm, der Viertel-Dollar 6,74 Gramm, der Achtel-Dollar 3,37 Gramm und der kleine 1/16-Dollar 1,68 Gramm.

Die Durchmesser der einzelnen Münzen betragen 32 Millimeter (1/2 Dollar), 26 mm (1/4 Dollar), 21 mm (1/8 Dollar) und 16 mm (1/16 Dollar). Der Rand aller Münzen ist geriffelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7a: 1/16 Dollar 1820, (Rückseite) Abb. 7b: 1/8 Dollar 1822, (Rückseite)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7c: 1/4 Dollar 1822, Georg IV., Silber (Rückseite)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7d: 1/2 Dollar 1822, Georg IV., Silber (Rückseite)

[...]


[1] Vgl.: Wayne Jacobs, Mid-Island Coin Club Magazine, 9/2009

[2] Pridmore, Fred: Coins of the British Commonwealth of Nations, Teil 3, S. 267-271

[3] Krause/Mishler, S. 249

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Details

Titel
Münzen und Geld: The Anchor Coinage
Untertitel
Die silbernen "Anker-Münzen" von 1820-1822: Geplantes Einheitsgeld für alle britischen Kolonien
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V212987
ISBN (eBook)
9783656409014
ISBN (Buch)
9783656417736
Dateigröße
30832 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
numismatik, anchor, coinage, anker-münzen, geplantes, einheitsgeld, kolonien, britisches Empire, Georg IV., silber, Mauritius, Westindien, Ceylon, Anker-Geld, anchor money
Arbeit zitieren
René Frank (Autor), 2013, Münzen und Geld: The Anchor Coinage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212987

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