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Darstellbarkeit der Shoah in der Literatur: Ruth Klügers "weiter leben. Eine Jugend"

Title: Darstellbarkeit der Shoah in der Literatur: Ruth Klügers "weiter leben. Eine Jugend"

Thesis (M.A.) , 2011 , 94 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Julia Vodermeier (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Die Magisterarbeit beschäftigt sich mit der Darstellbarkeit der Shoah in der Literatur der Überlebenden und in diesem Rahmen mit Ruth Klügers Autobiographie "weiter leben. Eine Jugend".
Die Vorgehensweise und der Aufbau der Arbeit sind maßgeblich von James E. Youngs Beobachtung bestimmt, dass das Wissen der Nachgeborenen über die Shoah immer ein medial vermitteltes und bereits interpretiertes Wissen ist. Aus diesem Grund leite ich aus der Frage Ruth Klügers "Wie legt man Zeugnis ab, befangen in den Ketten des eigenen Körpers, des eigenen Wahrnehmungsvermögens? In meinem Fall Zeugnis einer großen Mordaktion?" - diese Frage ist zentral für ihr autobiographisches Schreiben - eine Frage an mich als Rezipientin ab: Wie gehe ich, deren Wahrnehmungsvermögen ebenfalls durch die eigene Subjektivität beschränkt ist, mit den Zeugnissen der Überlebenden und darüber hinaus mit der Shoah um?
Die Arbeit ist in drei Teile gegliedert: Nach einem kurzen Überblick über den Forschungsstand zu Klügers Autobiographie stelle ich die Namen in den Mittelpunkt, mit denen die Nachwelt den Massenmord der Nationalsozialisten an der jüdischen Bevölkerung Europas während des Zweiten Weltkriegs bezeichnet und begreift. Da die Benennung des Ereignisses immer schon Teil eines Interpretationsvorgangs ist, betrachte ich die Begriffe "Holocaust", "Shoah" und "Churban" begriffsgeschichtlich und problematisiere sie hinsichtlich ihrer inhärenten, teilweise verdeckten Bedeutungen und Deutungen des Geschehens.
Im zweiten Teil frage ich nach den Ursachen, die die Darstellung der Shoah für die Überlebenden prekär werden lassen. Ich zeige den Zusammenhang auf, der zwischen dem Kern des historischen Ereignisses, der Intention, dieses zu bezeugen und dem Dilemma besteht, die Ereignisse sprachlich zu erfassen und zu vermitteln. Ich vertrete die These, dass das Schreiben der Überlebenden nicht einseitig als problematisches Darstellen eines schwer zu erfassenden Ereignisses verstanden werden kann, sondern mit Blick auf die Verankerung der Texte als Zeugnisse in einer Rezeptionsdimension immer auch als Mitteilungsproblem betrachtet werden muss.
Im dritten Teil zeige ich anhand von Klügers Autobiographie, wie die Autorin durch ihre Sprache und ihre Erzählstrategien die Rezipienten in ihr autobiographisches Schreiben über die Shoah einbindet und wie ihr konfrontativer Blick in der Sprache auf Involvierung des Lesers in das Erzählgeschehen und darüber hinaus auch in die Nachgeschichte des Holocaust zielt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzer Überblick über den Forschungsstand

3. Problematisierung der Begriffe

3.1. Aktualität der Thematik

3.2. Charakteristika des Benennungsprozesses

3.3. Der Holocaust-Begriff

3.3.1. Die ursprüngliche Bedeutung

3.3.2. „Holocaust“ im Prozess der Vergangenheitsbewältigung

3.3.3. Erstarrung des Begriffes zum politischen Schlagwort und zur leeren Worthülse?

3.4. Die Begriffe „Shoah“ und „Churban“

3.5. Terminologie der Arbeit

4. Das Problem der Repräsentation

4.1. Germanistik und Shoah

4.2. Grenze der Verstehbarkeit

4.3. Die Zeugnisintention

4.4. Die Shoah als Darstellungsproblem

4.5. Das Problem der Repräsentation als Problem der Rezeption

5. Ruth Klügers Autobiographie „weiter leben. Eine Jugend“. Involvierung des Lesers in das Dilemma des autobiographischen Schreibens über die Shoah

5.1. Der konfrontative Blick Klügers

5.2. Die kommunikative Grundsituation zwischen Autorin und Leser

5.2.1. Erzählerische Konstruktion

5.2.2. „Zwei unvereinbare Landschaften“: Die Kontinuität des Bruches

5.2.3. Der geteilte Blick Klügers

6. Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Magisterarbeit befasst sich mit der Darstellbarkeit der Shoah in der Literatur von Überlebenden, wobei der Fokus auf Ruth Klügers Werk „weiter leben. Eine Jugend“ liegt. Ziel ist es, die spezifischen Schwierigkeiten und Aporien des autobiographischen Schreibens über den Holocaust sowie die komplexe kommunikative Grundsituation zwischen Autorin und Leserschaft zu untersuchen, um aufzuzeigen, wie Klüger ihre Rezipienten aktiv in das Erzählgeschehen involviert.

  • Analyse der sprachlichen und theoretischen Problematik bei der Benennung des Holocaust.
  • Untersuchung des Repräsentationsproblems im Spannungsfeld zwischen individuellem Trauma und kollektiver Erinnerung.
  • Reflexion der Rezeptionshaltungen und der Wirkmächtigkeit von Sprache im deutschen Erinnerungsdiskurs.
  • Interpretation von Klügers Erzählstrategien als bewusste Konfrontation mit Lesererwartungen.
  • Erforschung der Verbindung von sprachlicher Gestaltung und der Nachgeschichte des Holocaust.

Auszug aus dem Buch

Zwei unvereinbare Landschaften: Die Kontinuität des Bruches

Aus dem Vernichtungslager kommend, schaute ich auf die normale Landschaft hinaus, als sei sie unwirklich geworden. Auf dem Hinweg hatte ich sie nicht gesehen, und jetzt lag das Land, von dem die Schlesier noch heute schwärmen, in Postkartenanmut so friedlich da, als hätte die Zeit stillgestanden und ich käme nicht direkt aus Auschwitz. Radfahrer auf stillen Landwegen, zwischen sonnenbeschienenen Feldern. Ich sehnte mich da hinaus. Die Welt hatte sich nicht verändert, Auschwitz war nicht auf einem fremden Planeten gewesen, sondern eingebettet in das Leben da vor uns, das weitergegangen war wie vorher. Ich grübelte über die Inkongruenz, daß diese Sorglosigkeit im selben Raum existierte wie unser Transport. Unser Zug gehörte doch zu den Lagern, zu der Eigenständigkeit und Besonderheit der Lagerexistenz, und da draußen war Polen, oder Deutschland, Oberschlesien, wie immer benannt, Heimat für die Menschen, an denen wir vorbeifuhren, Ort, an dem sie sich wohlfühlten. Das von mir Erlebte hatte die da draußen nicht einmal berührt. Ich entdeckte das Geheimnis der Gleichzeitigkeit als etwas Unergründliches, nicht ganz Vorstellbares, verwandt mit Unendlichkeit, Ewigkeit.

Unser Zug fuhr an einem Ferienlager vorbei. Da war ein Junge, von weither gesehen, der eine Fahne geschwungen hat, Geste der Bejahung der Lichtseite des Systems, an dessen blutverschmierter, kotiger Unterseite man uns entlangschleifte. Soviel Helle, wie konnte das sein? Später habe ich diesen Jungen in freier Assoziation mit meinem Freund Christoph, der mir ein Inbegriff des deutschen Nachkriegsintellektuellen werden sollte, in Verbindung gebracht. Sicher unfair. Aber immer noch sehe ich mich an ihm vorübersausen, ich sehe ihn, er mich nicht, kann er ja gar nicht, ich bin im Zug, vielleicht sieht er den Zug, fahrende Züge passen in eine solche Landschaft, vermitteln ein wohliges Fernweh. Für uns beide ist es derselbe Zug, sein Zug von außen gesehen, meiner von innen, und die Landschaft ist für uns beide dieselbe, doch nur für die Netzhaut dieselbe, dem Gefühl nach sehen wir zwei unvereinbare Landschaften.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Shoah-Darstellung in Literatur und Vorstellung der Autobiographie „weiter leben. Eine Jugend“ von Ruth Klüger.

2. Kurzer Überblick über den Forschungsstand: Zusammenfassung der wissenschaftlichen Rezeption und der eigenen theoretischen Positionierung zu Klügers Werk.

3. Problematisierung der Begriffe: Untersuchung der Begriffsgeschichte und -problematik von „Holocaust“, „Shoah“ und „Churban“ als Interpretationsrahmen.

4. Das Problem der Repräsentation: Erörterung der Schwierigkeiten und Aporien, die mit der literarischen Darstellung des Holocaust sowie der Rezeption durch Nachgeborene verbunden sind.

5. Ruth Klügers Autobiographie „weiter leben. Eine Jugend“. Involvierung des Lesers in das Dilemma des autobiographischen Schreibens über die Shoah: Analyse der Erzählstrategien und der kommunikativen Struktur, die den Leser zur Auseinandersetzung zwingen.

6. Schluss: Reflexion über die Bedeutung der literarischen Zeugnisse im Hinblick auf das Ende der Zeitzeugenschaft und das Ringen um kritische Erinnerung.

Schlüsselwörter

Shoah, Holocaust, Ruth Klüger, Autobiographie, Repräsentation, Literaturwissenschaft, Erinnerungsarbeit, Nachgeborene, Zeugenschaft, Sprachreflexivität, Auschwitz, Diskurs, Identität, Geschichtsbewusstsein, Erzählstrategien

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der literarischen Darstellbarkeit der Shoah, wobei Ruth Klügers Autobiographie als zentrales Fallbeispiel dient, um zu zeigen, wie Literatur die Kluft zwischen historischem Ereignis und heutiger Rezeption überbrücken kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die Problematisierung der Begriffe (Holocaust, Shoah), die theoretische Reflexion über das Repräsentationsproblem in der Literatur sowie die kritische Untersuchung des deutschen Erinnerungsdiskurses.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Ruth Klüger durch eine spezifische, konfrontative Erzählweise und den bewussten Einsatz von Sprache und Vergleich ihre Leser in ein Dilemma involviert, das sie zur aktiven Reflexion ihrer eigenen Position und Verantwortung als Nachgeborene zwingt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf literaturwissenschaftliche Analysen, rezeptionsästhetische Ansätze und geschichtswissenschaftliche Diskurse, um die Verbindung zwischen autobiographischem Text und gesellschaftlichem Erinnerungskontext zu ergründen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Begriffsanalyse, eine Untersuchung der generellen Probleme der Repräsentation von Holocaust-Literatur und eine tiefgehende Interpretation der Erzählweise Ruth Klügers, insbesondere in Bezug auf ihre Kommunikationsstrategie gegenüber den Lesern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Shoah, Holocaust, Autobiographie, Repräsentation, Zeugenschaft, Erinnerungsarbeit, Sprachreflexivität und das Verhältnis von Überlebenden zu Nachgeborenen.

Warum ist das Inhaltsverzeichnis für Ruth Klüger von zentraler Bedeutung?

Das Inhaltsverzeichnis suggeriert eine geordnete, chronologische Lebensgeschichte, die Klüger im Text selbst jedoch konsequent unterläuft, um die Unmöglichkeit einer harmonischen „Rundung“ der Erinnerung erfahrbar zu machen.

Welche Rolle spielt die „unvereinbare Landschaft“ in der Analyse?

Das Bild der „unvereinbaren Landschaften“ dient als zentrales Metapher für den Erfahrungsdissens zwischen den Überlebenden, die im „Transport“ gefangen waren, und einer Nachwelt, die das Ereignis aus einer scheinbaren Normalität heraus betrachtet.

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Details

Title
Darstellbarkeit der Shoah in der Literatur: Ruth Klügers "weiter leben. Eine Jugend"
College
Free University of Berlin  (Institut für deutsche und niederländische Philologie)
Grade
1,0
Author
Julia Vodermeier (Author)
Publication Year
2011
Pages
94
Catalog Number
V213045
ISBN (eBook)
9783656409809
ISBN (Book)
9783656409755
Language
German
Tags
Auschwitz Shoah Holocaust Literatur Ruth Klüger weiter leben. Eine Jugend Darstellbarkeit Zeuge
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Vodermeier (Author), 2011, Darstellbarkeit der Shoah in der Literatur: Ruth Klügers "weiter leben. Eine Jugend", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213045
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