Rudolf Steiner und die Waldorfpädagogik


Hausarbeit, 2011
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Rudolf Steiner
2.1 Kindheit und Jugend
2.2 Die Entstehung der Anthroposophie
2.3 Die letzten Lebensjahre

3. Die Anthroposophie
3.1 Eine Heimat für die Anthroposophie
3.2 Inhalte der Anthroposophie Beispielsweise: Reinkarnation und Karma Dreigliederungsidee in Verbindung mit den vier Wesensgliedern des Menschseins

4. Die Waldorfpädagogik
4.1 Die Bedeutung des Kindseins oder die Grundsätze der Waldorfpädagogik
4.2 Die vier Temperamente in der Erziehung
4.3 Besondere Schwerpunkte im Schulkonzept
und dem Lehrplan der Waldorfschulen

5. Schlussfolgerungen und Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Die Themensuche für die vorliegende Hausarbeit gestaltete sich schwieriger als erwartet. Trotz meines großen Interesses an der Geschichte und an historischen Themen, hatte ich mich noch nie bewusst mit der Geschichte der Sozialen Arbeit oder auch einzelner wichtiger Pädagogen beschäftigt. Also schloss ich vorläufig alle mir schon bekannten Themen aus, so z. B. die Zeit des Nationalsozialismus, welche für die Entwicklung der Sozialen Arbeit oder zumindest der aktuellen Auffassung von sozialer Arbeit entscheidend von Bedeutung ist, jedoch als gesamter Zeitraum einfach schon sehr häufig von mir betrachtet wurde.

Gesucht wurde also ein Themenbereich, in welchem ich mich noch nicht gut auskannte, denn die Beschäftigung mit dem gefällten Thema sollte aus Neugier geschehen und nicht aus dem Zwang sich mit irgendetwas beschäftigen zu müssen. Bei diesen Überlegungen fiel mir auf, dass es einen Bereich gibt, über den viele, und auch ich, häufig sprechen und doch kaum einer die genauen Hintergründe und Zusammenhänge kennt. Die Überlegung, mich mit den Wurzeln der Waldorfpädagogik sowie den Hintergründen und Inhalten der von Rudolf Steiner entwickelten Anthroposophie zu beschäftigten, verstärkte sich immer mehr. So dass sich letztlich für diese Hausarbeit die Frage entwickelte, was steckt eigentlich dahinter, dass die Schüler in Waldorfschulen ihren Namen tanzen und was ist eigentlich Anthroposophie?

Bei der ersten Recherche fand ich heraus, dass Rudolf Steiner im Laufe seines recht kurzen Lebens fast 400 Schriften verfasste und sich nicht nur mit Erziehung und Anthroposophie befasste. Er setzte Reformimpulse in unterschiedlichsten Bereichen, wie z. B. im Schulwesen, in der heilpädagogischen-sozial-therapeutischen Arbeit, in der alternativen Medizin, in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, in der betrieblichen Organisation, in den darstellenden und bildenden Künsten und nicht zuletzt auch in der Architektur. Und fast zwei Jahrzehnte seines Lebens war er auf Reisen und hielt Vorträge in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Skandinavien, Ungarn, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien.

Ich werde mich im folgenden Text auf Grund der begrenzten Seitenanzahl nicht mit allen Theorien und Ideen beschäftigen, die Rudolf Steiner in seinem Leben entwickelt hat. Jedoch werde ich mich im folgenden Text mit Ausschnitten aus der anthroposophischen Lehren und der Waldorfpädagogik auseinander setzen und versuchen, einen Eindruck und Überblick zu gewinnen, um mir eine begründete Meinung dazu bilden zu können und nicht auf Grund von Halbwahrheiten zu urteilen.

2. Rudolf Steiner

Steiner war ein Einzelgänger, Hellseher und „Menschheitsführer“. (vgl. Kayser 1991: Seite 7) Er wurde zwischen dem 26. und 27. Februar 1861 in Kraljevec auf damals ungarischen Boden geboren - heute liegt Kraljevec in Kroatien. Er war das erste von drei Kindern. (vgl. Ullrich 2011: Seite 13).

„In Kraljevec bin ich am 27. Februar 1861 geboren. - So ist es
gekommen, daß [sic.] mein Geburtsort weit abliegt von der
Erdgegend, aus der ich stamme.“
(zitiert nach Hemleben 1963:

Seite 9)

2.1 Kindheit und Jugend

Rudolf Steiner war der Sohn von Franziska Steiner (1834-1918), geborene Blie und Johann Steiner (1829-1910), er wurde römisch-katholisch getauft. Johann Steiner war ein österreichischer Bahntelegraph. Er und seine Familie können dem bildungsfernen Milieu zugordnet werden. Rudolf Steiner hingegen galt als Intelligent und Autodidakt, er erhielt in der Volksschule zusätzliche Stunden. (vgl. Ullrich 2011: Seite:13-15 und Kayser: Seite 8-9)

„Als Österreicher in der Fremde geboren, als ein Auswärtiger im
Dorf und wegen seiner intellektuellen Interessen ein Fremdling im
Elternhaus: so erlebte Rudolf Steiner seine Kindheit und Jugend
.“

(zitiert nach Ullrich 2011: Seite 14).

Damit Rudolf eine weiterführende höhere Schule besuchen kann, lässt sich der Vater in die Wiener Nordstadt versetzten. In der Oberrealsschule wird er als „Vorzugsschüler“ behandelt, erhält allerdings nicht die Möglichkeit Latein zu lernen. Die Maturitätsprüfung, vergleichbar mit dem Abitur, besteht er mit Auszeichnung. Er erhält ein volles Stipendium der österreichischen Südbahn für das Studium der Mathematik, Naturgeschichte und Chemie an der Technischen Hochschule Wien. (vgl. Ullrich 2011: Seite 15-16)

So begann Steiner 1879 „ein ungeliebtes Brotstudium“ (zitiert nach Ullrich 2011: Seite 16), er interessierte sich mehr für Philosophie und Literatur. Ein solches Studium blieb ihm aufgrund der fehlenden Matura in Latein und Griechisch verwehrt. So beendete Steiner 1883 sein Studium nach 4 Jahren ohne Abschluss. Er wird nun Hauslehrer bei der Familie eines jüdischen Baumwollimporteurs. Bei den 4 Kindern dieser gutbürgerlichen Familie interessiert sich Steiner besonders für den jüngsten Sohn, welcher einen Wasserkopf (Hydrocephalus) hat und dank Steiners Unterstützung und Förderung in der Volksschule aufholt und das Gymnasium regulär mit Matura beendet. Zu dieser Zeit fand Steiner Anschluss zu Gleichgesinnten und begann sich mit den philosophischen Fragen der Zeit zu beschäftigen, wobei das Herangehen an diese Fragestellungen noch sehr wissenschaftlich war. Steiner schreibt schon erste Werke, zum Beispiel „der Einzelne im All“ von 1888. (vgl. Ullrich 2011: Seite 16-18)

2.2 Die Entstehung der Anthroposophie

Steiner verbringt ab 1890 einige Zeit in Weimar, wo er als freier Mitarbeiter anfing die fünf nicht aufgearbeiteten Bände der naturwissenschaftlichen Schriften Goethes zu editieren. Diese Arbeit empfand er erst als sehr faszinierend und später als unheimliche Qual. (vgl. Ullrich 2011: Seite 26)

Rudolf Steiner wünschte sich eine akademische Karriere, er wollte eine Professur in Philosophie. Er konnte seine Dissertation allerdings ohne Latein Vorbildung an der Technischen Hochschule Wien nicht einreichen - letztlich reichte er sie an der Universität in Rostock ein. Er wurde zur Promotion zugelassen, leider bestand er das Examen im Oktober 1894 nur mit der Note „rite“, welches die schlechteste Note darstellt. Jedoch wollte Steiner von Anfang an mehr als nur den Titel, er wollte eine reale Professur an einer Hochschule in der Nähe der Goethestadt Weimar, dies war mit dieser Note allerdings unrealistisch. (vgl. Ullrich 2011: Seite 32-33)

So kam es, dass es Steiner im Jahr 1897 nach Berlin verschlug, wo er Redakteur beim „Magazin für Literatur“ wurde, diese Position hielt er bis 1900 inne, danach verkaufte er das Magazin. Steiner orientiert sich hier neu, er selbst bezeichnet sich in einem offenen Brief, welcher in dem Magazin veröffentlich wird als „individualistischen Anarchist“ (zitiert nach Ullrich 2011: Seite 36). Er lehnt anfangs die Theosophie ab und glaubt an eine moderne naturwissenschaftliche Weltanschauung, welche darwinistisch geprägt ist. Im Oktober 1899 heiratet er Anna Eunicke, seine verwitwete Vermieterin aus Weimar. Auf Grund dessen benötigt er nun ein größeres und vor allem auch sicheres Einkommen. (vgl. Ullrich 2011: Seite 34-36)

1900 verkaufte Steiner das „Magazin für Literatur“ und hält im September des Jahres seinen ersten Vortrag vor der Deutschen Theosophischen Gesellschaft. Es folgen im Winter 1900 noch 23 weitere Vorträge und im Jahr 1901 mehr als 130 Vorträge vor der Deutschen Theosophischen Gesellschaft. In den von ihm gehaltenen Vorträgen deutet sich seine spätere Spiritualität an. Am 11. Januar 1902 trat Steiner der Theosophischen Gesellschaft bei. Hier trafen sich Menschen mit unterschiedlichsten Ansichten, darunter waren unter anderem „wohlhabenden adeligen Esoteriker“, und „antibürgerlich-radikale Lebensreformer“ (beides zitiert nach Ullrich 2011: Seite 40). Im Jahr 1901 wurde Steiner schon der Posten als Leiter der deutschen Sektion angetragen, welche er mit der Bedingung, dass seine spätere zweite Ehefrau Marie von Sivers (1867-1948) Geschäftsführerin wird, auch angenommen hat. Marie von Sivers wurde nicht nur seine zweite Ehefrau, sondern auch eine aktive Mitstreiterin für die Anthroposophie. 1902 wurde Steiner in den nicht öffentlichen inneren Kreis der Theosophischen Gesellschaft eingeladen. Im Jahr 1911 verstarb Steiners erste Frau und er heiratete 1914 am 24. Dezember Marie von Sivers, eine baltische Aristokratin. (vgl. Ullrich 2011: Seite 40-52)

Die Theosophie ist eine Weltanschauung, die davon ausgeht, dass es einen göttlichen Plan gibt, welcher die Entwicklung der Menschheit bestimmt. Die äußere menschliche Erscheinung bildet nur die Hülle für das Ego, den unsterblichen Teil des Menschen, dessen weitere Reise durch die unterschiedlichen Ebenen und Welten durch gute und böse Taten im hier und jetzt bestimmt wird. Durch zahllose Wiedergeburten wird dem Menschen seine eigene Göttlichkeit zunehmend bewusst. Außerdem gehen Theosophen davon aus, dass alle Religionen im Grunde gleich sind und auf einer grundlegenden Wahrheit aufbauen. (vgl. http://www.religio.de/theos.html; Stand:18.10.2011)

Steiner erweiterte diese theosophische Lehre durch seine eigene Deutung des Lebens Jesu, dadurch gab es zunehmend Konflikte mit der Theosophischen Weltgesellschaft. An der Spitze der Theosophischen Weltgesellschaft stand Annie Besant seit 1907. Da aber Steiner und Besant Führungspersönlichkeiten waren und Differenzen hatten, kam es im Dezember 1912 zum Bruch. Steiner gründete mit fast allen Deutschen Mitgliedern die Anthroposophische Gesellschaft in Köln. Bei dieser blieb er bis zu seinem Tod der geistige und weltliche Führer. (vgl. Ullrich 2011: Seite 53-58)

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Rudolf Steiner und die Waldorfpädagogik
Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel  (Soziale Arbeit)
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V213065
ISBN (eBook)
9783656411291
ISBN (Buch)
9783656412854
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rudolf, steiner, waldorfpädagogik
Arbeit zitieren
Nina Schwitzky (Autor), 2011, Rudolf Steiner und die Waldorfpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213065

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